Man muss keinen (Fabrik)-Zucker essen, um die Nervenzellen mit Nährstoffen zu versorgen. Die Menge an Traubenzucker (Glukose), die das Nervensystem benötigt, kann sich der Körper zum Beispiel aus den komplexen Kohlenhydraten in Brot, Reis, Vollgetreide, Kartoffeln, Obst, Gemüse holen. Es ist zwar richtig, dass zum Beispiel der Traubenzucker sofort Energie bringt, da er schnell ins Blut schießt, dafür folgt diesem Energieanstieg ebenso schnell eine körperliche Gegenreaktion, die sich mit Konzentrationsschwäche und verstärkter Lust auf Süßes zeigt.

Unzählige Untersuchungen, Bücher und Artikel sehen in der süßen Versuchung Zucker eher eine Kalorienbombe, einen Vitaminräuber, einen Schadstoff und sogar eine Droge, die die Gesundheit schädigt.

Der isolierte Zucker

Wenn man von Zucker redet, so ist damit im allgemeinen der handelsübliche Haushaltszucker - auch Saccharose genannt - gemeint, der aus Rüben, Rohrzucker oder Mais fabrikatorisch produziert wird. Von der Zuckerindustrie wird er aufgrund des pflanzlichen Ursprungs daher gerne als Lebensmittel bezeichnet. Von dem ursprünglichen Lebensmitteln ist nach der Raffination allerdings nicht mehr viel übrig. Zucker zählt zu den Kohlenhydraten; 100 Gramm liefern 394 Kalorien.

Wie es die Autoren des Buches ''Zucker – nein Danke'', Binder und Wahler, treffend beschreiben, ist Fabrikzucker genauso wenig Naturprodukt wie Heroin, obwohl das ja auch zu einhundert Prozent aus dem Saft des Schlafmohns gewonnen wird. Fabrikzucker ist eine chemisch reine, denaturierte und somit tote Substanz, der über 99 Prozent aller wertvollen Stoffe (unter anderem Vitamine, Mineralstoffe, Faserstoffe) entzogen wurden. Kein Nahrungsmittel erzeugt ein so großes Verlangen, mehr und mehr davon zu essen, wie gerade der Zucker. Zucker ist ein Genussmittel und Schadstoff und gehört daher in dieselbe Gruppe wie zum Beispiel Tabak, Alkohol und Kaffee. ''Zuckersucht'' ist unter Ernährungsfachleuten längst zum Synonym für ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem unserer Zeit geworden.

Zucker benötigt für den Abbau im Körper die B-Vitamine, insbesondere das Vitamin B1. In natürlichen Lebensmitteln (Vollgetreide, Nüsse, Gemüse) sind diese in ausreichender Menge enthalten. Nimmt ein Mensch viel vitalstoffarme Kost zu sich, zum Beispiel in Form von Auszugsmehl-Produkten, Süßigkeiten, Alkohol, so kommt es zu einem Vitamin B1-Mangel.

Der deutsche Arzt, Dr. Bruker, sagte bereits in den 80er-Jahren dazu: ''Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Vitamin B1-Forschung bringen einen unumstößlichen Beweis dafür, dass der Mangel an diesem Vitamin imstande ist, praktisch jede Krankheit zu erzeugen, da ein gestörter Ablauf des Kohlenhydratstoffwechsels infolge der innigen Verflechtung mit dem Einweiß- und Fettstoffwechsel eine Art Kettenreaktion von Störungen im gesamten Stoffwechsel hervorbringen kann.'' Ein hoher Zuckerkonsum kann zu einer Unterversorgung des Körpers mit essentiellen Vitalstoffen führen. Schlappheit, Leistungsschwäche, Konzentrationsstörungen (auffällig bei Kindern in der Schule), Schlafstörungen, Immunschwäche, Hautprobleme können die Folge davon sein.

Zucker lockt Säure, ohne sie binden zu können. Die Übersäuerung von Magen und Darm hat schädliche Auswirkungen, denn das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper wird gestört und der pH-Wert des Blutes verändert sich. Zucker begünstigt die Säure liebenden Bakterien im Mund, Darm und im Genitalbereich. Auch Pilzen wird das Eindringen in den Körper leichter gemacht. Ist der Körper übersäuert, greift er zu den körpereigenen Basen-Depots (in Knochengerüst, Zähnen, Haarwurzeln), um einen Ausgleich zu schaffen. Zucker wird daher oft auch als Kalzium-Räuber bezeichnet.

Der natürliche Zucker in Lebensmitteln

Wirkliche Energiespender sind die natürlichen Zuckerstoffe im grünen Blatt der Pflanze, die durch die Lichtkraft der Sonne entstehen. Eine Frucht oder eine Zuckerrübe, die Zucker enthält, verfügt noch über alle Vitalstoffe, die für die Verdauung und Verwertung im Körper nötig sind. Es ist ein erheblicher Unterschied in der Wirkung auf den menschlichen Organismus und im Ablauf der Stoffwechselvorgänge, ob der Mensch - oder auch ein Tier - isolierten Fabrikzucker zu sich nimmt oder naturbelassene Lebensmittel, die Zucker und zuckerbildende Stoffe enthalten.

Die vielen Bezeichnungen für Zucker

''Fabrikzucker'' ist der Oberbegriff für alle Zuckerarten, die in der Fabrik aus zuckerhaltigen Lebensmitteln gewonnen werden und somit Nährstoffkonzentrate darstellen. Dazu zählen, neben dem gewöhnlichen weißen Haushaltszucker, unter anderem der braune Zucker, der Trauben-, Frucht-, Malz-, Milchzucker, der Vollrohrzucker, Sucanat, Rübensirup, Ahornsirup, Apfeldicksaft, Birnendicksaft, Ur-Süße, Melasse. Es sind sozusagen ''leere'' Kohlenhydrate.

Unter ''Industriezucker'' versteht man den Teil des Fabrikzuckers, der nicht im Haushalt in Getränken oder bei der Speisezubereitung verwendet wird, sondern nach der Raffination in der Nahrungsmittelindustrie verbleibt und dort direkt verarbeitet wird in Fertiggerichten, Süßwaren, Säuglingsnahrung, Salatsaucen, Ketchup, Kakao-Mixgetränken, Wurst, Konserven, Limonaden, Sekt und vielen anderen Produkten.

Auf der Zutatenliste vieler Nahrungsmittel findet man Zucker oft nicht unter diesem Namen, sondern unter Bezeichnungen wie Glukosesirup, Farin, Karamell, Maisirup, Melasse, Raffinade, Süßstoffe, Dextrose, Fruktose, Galaktose, Laktose, Maltose, Saccharose.

Dennoch braucht man auf Zuckergenuss nicht generell zu verzichten, sondern sollte ihn als das ansehen und schätzen, was er ist – als ein Genussmittel. Es gibt im Handel inzwischen auch eine ganze Reihe natürlicher Alternativen, die zumindest noch einen geringen Gehalt an Vitalstoffen enthalten.

 

Die unterschätzten Mengen Zucker in Nahrungsmitteln (Bild: P.Anderson)

Zuckerverbrauch in Deutschland und der Welt

1800 - 2 - 4 kg

1900 - 18kg

1950 - 28kg

1960 - 30 kg

2006 - 34,1 kg

2010 - 44 kg

2015 - 33,6 kg

Der gewaltige Verbrauch resultiert nicht allein aus dem Konsum von Fabrikzucker in der heimischen Küche; dieser macht lediglich 17,2 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. ver 82,8 Prozent der Menge verteilen sich auf Zucker in Industrie-Produkten:

20,0 Prozent - Süßwaren

16,8 Prozent - Getränke

10,2 Prozent - Dauerbackwaren

5,8 Prozent - Milchprodukte und Speiseeis

4,3 Prozent - Marmelade / Obstkonserven

2,8 Prozent - Bäckerein/Konditoreien

22,9 Prozent - Sonstige Produkte

Laut den Autoren des Buches ''Zucker, der süße Verführer'', Wahler/Binder, werden bei 44 kg Jahresverbrauch demnach pro Kopf täglich etwa 120 Gramm Zucker konsumiert. Empfohlen werden aber maximal 50-60 Gramm (bei Diabetikern 40 Gramm).

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat einen Überblick erstellt über den weltweiten Zuckerverbrauch, wobei er in den Länderen der nördlichen Halbkugel am höchsten ist und rät dringend zu einer Reduzierung.

 

Film: Wie gefährlich ist Zucker wirklich (Odysso/SWR)

Gegenwind für die Zuckerindustrie

Dass in Zucker ein nicht zu vernachlässigendes Gefährdungspotential steckt, wurde schon in einem Urteil durch das Hanseatische Oberlandesgericht bestätigt, als die ''Wirtschaftliche Vereinigung Zucker'' 1986 klagte.

Verbraucherschutz-Organisationen, wie Stiftung Warentest oder Foodwatch, prangern schon lange die irreführende Werbung der Nahrungsmittel-Industie an. So wird zum Beispiel Kindern und Jugendlichen das Mode-Getränk Bubble Tea als gesunder Trinkspass angeboten. Laut der Juli-Ausgabe 2012 der Stiftung Warentest enthält ein 0,2 Liter Becher aber bis zu 30 Stück Würfelzucker. Auch Nestle's Frühstücksflocken werden als vollwertiges Frühstück beworben, obwohl der Anteil des Zuckers in derartigen Produkten sehr hoch ist (zwischen 20 - 37 Prozent).

Es liegt an den Verbrauchern, selbst den Fabrikzucker-Konsum zu reduzieren, wenn es die Nahrungsmittelindustrie freiwillig nicht tut.
Bei irreführender Werbung sollte man sich generell nicht scheuen, sich beim Hersteller zu beschweren. Sinnvoll ist es sicherlich, Kinder frühzeitig über die Werbelügen in Zeitungen und im Fernsehen aufzuklären. Die Vermittlung eines Grundwissens über Ernährung flächendeckend bereits im Kindergarten und in der Schule sollte Standard sein.

 

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