Saisonfazit in Friedrichskoog: 189 Heuler aufgepäppelt

Aus den zwei ersten Heulern wurden im Laufe der Sommersaison 189 Heuler, die in Friedrichskoog "angeliefert" und aufgepäppelt wurden. Diese Zahl liegt weit über dem Durchschnitt, sodass die Seehundstation Friedrichskoog von einem sehr geburtenstarken Jahrgang spricht. Die Biologen gehen davon aus, dass etwa ein bis vier Prozent der Seehundbabys ihre Mutter verlieren und zu Heulern werden.

Durch Störungen vom Seehundbaby zum Heuler

Am Ruf und am Geruch erkennt die Seehundmutter ihr Junges, wenn sie es kurzzeitig zurückgelassen hat, um auf Futtersuche zu gehen. Die Monate Juni und Juli sind die Geburtsmonate für Deutschlands Seehunde.Die Monate Juni und Juli sind die Geburtsmonate für Deutschlands Seehunde. Alle Seehunde in der Nordsee werden auf Sandbänken geboren und wiegen zwischen sieben und 15 Kilogramm. Sind die Sandbänke überflutet, zögert die Mutter die Geburt hinaus, bis endlich wieder Ebbe ist. Die Babys können sofort nach der Geburt schwimmen, werden aber stets auf Sandbänken gesäugt. Die Muttermilch ist äußerst fetthaltig und sorgt für ein schnelles Wachstum.

Wenn junge Seehunde in ihren ersten Lebenswochen auf Dauer von ihrer Mutter getrennt werden, werden sie Heuler genannt. Der Heuler stößt dann einen tiefen, heiser klingenden, dem menschlichen Heulen ähnlichen Ton aus, weil es den Kontakt zur Mutter sucht.

Der Kontakt zur Mutter kann für einen jungen Seehund in der freien Wildbahn auf vielerlei Wegen verloren gehen. Denkbar sind natürliche Katastrophen wie der Tod der Mutter, starke Stürme, heftige Sommergewitter; aber auch der Mensch trägt meist in Unwissenheit viel dazu bei, dass aus einem Seehundbabay ein Heuler wird: Das könnenSportboote sein, die sich zu schnell und zu nah an die Seehundbänke heranwagen, ahnungslose Wattwanderer ohne Führer oder auch nur Tierfreunde, die die jungen Seehunde ohne Mutter wähnen und sie von den Sandbänken "retten".

Jede dieser Störungen führt zu einer Unterbrechnung der Nahrungsaufnahme. Mutter und Baby fliehen, auch wenn sie gerade bei der Nahrungsaufnahme sind.

Die vier eisernen Regeln beim Auffinden von vermeintlichen Heulern

Vier wichtige Punkte sollte jeder Warrwanderer an der Nordsee einhalten, wenn er ein Seehundbaby findet:

  • Auf keinen Fall den Heuler anfassen,
  • Eventuell mitgeführte Hunde fernhalten,
  • Einen weiten Abstand von min. 300 m einhalten,
  • Den Seehundjäger, die nächste Seehundstation oder die Polizei benachrichtigen. Die entsprechenden Rufnummern hängen an Tafeln am Strand aus.

Ein von Menschenhand angefaßter Heuler wird von der Mutter wegen des fremden Geruches nicht mehr angenommen. Er verhungert, wenn sich der Seehundjäger seiner nicht annimmt.

Was macht ein Seehundjäger?

Ein Seehundjäger jagt keine Seehunde, denn die Tiere dürfen in Schleswig-Holstein seit 1974 nicht mehr gejagt werden und haben eine ganzjährige Schonzeit. Die Seehundjäger wurden von der Landesregierung als verantwortliche Jagdaufseher für die Robben berufen. Nur sie sind berechtigt, Heuler einzusammeln und der zuständigen Seehundstation zu übergeben. Sie allein entscheiden in jedem Einzelfall, ob es sich um Heuler handelt oder sie nur vorübergend verwaist sind.

Aufpäppeln in den Seehundstationen

An der deutschen Nordseeküste gibt es zwei Seehundstationen: Eine in Norddeich an der niedersächsischen Küste in Ostfriesland und eine in Friedrichskoog in Schleswig-Holstein im Landkreis Dithmarschen. Jede Station rechnet pro Saison mit mehr als 100 Heulern, die bei ihnen abgegeben werden. Mehr als 200.000 Besucher statten jeder Seehundstation pro Jahr einen Besuch ab und beobachten die Tiere bei den Fütterungen.

In den beiden Seehundstationen werden die Tiere aufgepäppelt, damit sie schnell zu Kräften kommen, wachsen, Fett und Muskeln ansetzen und zu ihren Artgenossen ausgewildert werden können. Zuerst bekommen sie über mehrere Mahlzeiten verteilt eine spezielle Milch. Danach wird ihnen pürierter Hering verabreicht. Und zum Schluss ihres Aufenthaltes in der Station bekommen sie ganze Heringe, um für die Nahrungssuche nach dem Auswildern bestens gerüstet zu sein.

Seehundpopulation in der Nordsee mit hohem Bestand

Seehunde auf der SandbankDie Zahl der Tiere ist seit deren Gefährdung im Jahr 1990 stets gewachsen und ihr Gesundheitszustand ist optimal. Bei der Zählung im Jahr 2012 zählten Biologen im Wattenmeer der Nordsee 26.220 Seehunde. Die Experten schätzten deshalb, weil viele Tiere im Wasser nicht erfaßt werden konnten, die Gesamtzahl der Tiere auf 38.500. Bei der Zählung per Flugzeug zählten die Biologen an Schleswig-Holsteins Küste 9268 Seehunde, an den Küsten von Niedersachsen und Hamburg 6457Tiere, in den Niederlanden 6529 Tiere und in Dänemark 3966 Seehunde. Mit 7267 Jungtieren war dabei ein leichter Babyboom zu beobachten.

Foto Seehunde auf der Sandbank: copyright Dieter Schütz / pixelio.de

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