Klare Befahrensregeln für alle Schiffe

Der Verkehr auf dem Kanal soll möglichst reibungslos und unfallfrei ablaufen. Deshalb sind alle Fahrzeuge nach Tiefgang, Länge und Breite in sechs Klassen eingeteilt. Die größten Schiffe gehören zur Klasse sechs. Diese Schiffe dürfen sich nur in Weichen begegnen. Weichen sind extra breite, kurze Kanalabschnitte. Kleine Schiffe wie Segel- oder Motoryachten können den Kanal ohne Lotsen passieren, für alle übrigen besteht grundsätzlich die Pflicht, während der Passage einen Lotsen und Kanalsteurer an Bord zu nehmen. Die Lotsen sind auf die West- oder Osthälfte des Kanals spezialisiert. Deshalb findet auf der Mitte der Strecke bei Rendsburg ein Wechsel der Lotsen statt.

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für Schiffe der Klasse sechs 12 km/h (6,5 Knoten), für alle übrigen 15 km/h (8,1 Knoten). Die Passage der 98,2 Kanalkilometer des Nord-Ostsee-Kanals dauert durchschnittlich acht Stunden. Die Kilometer werden von Brunsbüttel aus mit Kilometer 0 bei der Einfahrt in die Schleuse Brunsbüttel bis zum Kilometer 98,2 bei der Ausfahrt aus der Schleuse Kiel-Holtenau gezählt.

Der Nord-Ostsee-Kanal ist immer einen Ausflug wert

Die sehenswerte Parade der Frachter, Luxusyachten, Segelschiffe, Motorboote und Kreuzfahrer locken jedes Jahr Radfahrer, Ausflügler und Wanderer an den Kanal. Die Betriebswege zu beiden Seiten des Kanals stehen für Fußgänger und Radfahrer mautfrei zur Verfügung und lassen touristisch interessante Radtouren auf der von Bremervörde bis nach Kiel reichenden Deutschen Fährstraße ohne jegliche Steigung zu. Von den Betriebswegen aus können die Schiffe fast zum Greifen nah bestaunt werden.

Der Kanal lockt aber auch mit zahlreichen interessanten Zielen. Viel maritimes Flair verbreitet die Schiffsbegrüßungsanlage in Rendsburg. Bei Kaffee und Kuchen laden verschiedene Obsthöfe mit ihren Cafés wie das Gut Steinwehr oder das Gut Warleberg direkt am Kanal ein.

Mit der Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal

Die Schwebefähre unter der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke soll zusammen mit den weltweit weiteren sieben noch bestehenden Schwebefähren in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen werden. Die Schwebefähre in Rendsburg wurde zwischen 1911 und 1913 erbaut. In vier Metern Höhe überquert die Schwebefähre an Stahlseilen unter der Hochbrücke hängend den Kanal. Für die zwei Minuten währende Überfahrt gilt immer noch der Fahrplan aus der Eröffnung im Dezember 1913: Abfahrt alle 15 Minuten, von 5-23 Uhr im Sommer und 5-22 Uhr im Winter. Alljährlich ist die Hochbrücke Ziel der längsten und härtesten Ruderregatta der Welt.

Sehenswert sind auch die beiden Museen am Ende des Kanals, das Freilichtmuseum in Molfsee bei Kiel und das Schleusenmuseum in Brunsbüttel, genauso wie ganz in der Nähe der Grünentaler Hochbrücke in Albersdorf das Archäologisch-Ökologische Zentrum (AÖZA). Im AÖZA befindet sich der staunende Gast in der Steinzeit, bei Neuendorf 3,54 Meter unter dem Meeresspiegel.

Natürlich darf eine Besichtigung der Schleusenanlagen in Kiel und Brunsbüttel nicht fehlen. Die maroden Schleusentore in Brunsbüttel gelangten in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zu trauriger Berühmtheit und verlangte von den Schiffseignern und Kapitänen, die stets unter Zeitnot und Termindruck arbeiten, Wartezeiten von bis zu 36 Stunden. Die Große Koalition Schwarz/Rot in Berlin hat sich zu einem bestens funktionierenden Nord-Ostsee-Kanal bekannt und "klare Investitionsprioritäten" vereinbart.

Der Bau des Nord-Ostsee-Kanals

Schon 1864 zu Beginn des deutsch-dänischen Krieges forderte Reichskanzler Otto von Bismarck für die deutsche Flotte eine Verbindung zwischen Nord- und Ostsee ohne die ständige Bedrohung durch dänische Kanonen. Den Weg eines Kanalneubaues wollte aber die deutsche Admiralität nicht gehen. Bismarck fand aber bei Kaiser Wilhelm I. und dem Hamburger Reeder Dahlström Gehör. Sie setzten sein Verlangen in die Tat um und bauten den neuen Kanal zum Teil im Verlauf des alten Eiderkanals, der seit 1784 für kleinere Schiffe bestehenden ersten künstlichen Wasserstraße zwischen Nord- und Ostsee.

Schon 1895 wurde der neue künstliche Wasserweg unter dem seither international gebräuchlichen Begriff "Kiel Canal" eröffnet. Da aber die Kriegsschiffe inzwischen riesige Ausmaße angenommen hatten, wurde der Kanal schon bald darauf bis 1914 verbreitert und vertieft. Zudem wurden je zwei neue Schleusen in Kiel und Brunsbüttel gebaut. Seitdem ist der Kanal mindestens 11 Meter tief und 102 Meter breit. Die Schleusen haben jeweils 310 Meter Länge und 42 Meter Breite.

Zum Nord-Ostsee-Kanal erfahren Sie mehr im neuen Schleswig-Holstein Lexikon.

Fähren, Brücken und ein Tunnel ermöglichen eine reibungslose Querung des Kanals

Ungefähr alle 7,5 Kilometer bieten Fähren für Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer und Autofahrer Gelegenheit, den Kanal zu überqueren. Die Benutzung der Fähren ist für alle Fahrzeuge und Personen kostenlos, weil damals beim Bau des Kanals das Deutsche Reich verpflichtet wurde, als Ersatz für die durch den Kanal zerschnittenen Straßen- und Eisenbahntrassen kostenlose Ersatzübergänge zu betreiben. Zur Zeit handelt es sich dabei um 14 Fährverbindungen. Hinzu kommen vier Eisenbahnbrücken (Hochdonn, Grünental, Rendsburg und Levensau bei Kiel) mit einer Schwebefähre unter der Eisenbahnhochbrücke Rendsburg, zwei Autobahnhochbrücken in Hohenhörn an der BAB 23 und Rade an der BAB 7 sowie die Hochbrücke in Brunsbüttel im Zuge der B5. In Rendsburg gibt es einen Straßentunnel, der während der Vollsperrung der Rader Hochbrücke für LKW's einer riesigen Belastung standhalten musste. Außerdem besteht in Rendsburg ein Fußgängertunnel als längster Fußgängertunnel in Westeuropa zur Unterquerung des Kanals per pedes.

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