Wirtschaftlicher Aufholprozess

Geht man der Ausgangssituation von 1990 aus, so muss man festhalten, dass die wirtschaftliche Situation der ehemaligen DDR katastrophal war. Wirtschaftlich und finanziell betrachtet, war der Staat pleite, die Produkte waren nach westlichem Standard total veraltet und für den Markt nicht zu gebrauchen. Die Wirtschaft und somit die Betriebe mussten alle umgerüstet werden um profitabel zu werden. Diese Aufgabe übernahm die Treuhand AG. Dieser Prozess der wirtschaftlichen Umstellung nahm sehr viel Zeit und Geld in Anspruch. Rückblickend ist festzuhalten, dass während der 25 Jahre sehr viel verändert und aufgebaut wurde. Dieser Prozess wird und muss sich weithin fortsetzen.

Die Wirtschaftsinstitute analysieren diesen Aufholprozess permanent und kommen zu nachfolgenden Ergebnissen. Das Ifo-Institut sieht den Prozess als gescheitert. Zwar beträgt die Wachstumsrate im Osten von 1993 bis 2013 ca. 20 Prozent, allerdings ist die Wirtschaft im Westen um 27 Prozent gewachsen. Von Aufholprozess kann keine Rede sein. Das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung (DIW) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, allerdings waren die Erwartungen auch zu hoch angesetzt. Es braucht Zeit bis eine Angleichung erfolgt. Problematisch sei auch die ungleiche Vermögensverteilung der Privathaushalte, hier hinke der Osten weit hinterher. Optimistischer sieht es das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IV). Die Rahmenbedingungen wie Infrastruktur wurden geschaffen für das Wirtschaftswachstum und es hat sich bis heute viel getan im Osten. Die Arbeitslosenquote ist einstellig und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner erreiche 67 Prozent des Westniveaus. Ein Steigerung dieses Wertes ist wahrscheinlich. Die KFW spricht von einem Wirtschaftswunder im Osten. Der Osten steht deutlich besser da als andere EU-Staaten.

Unternehmensstruktur in Ost und West

Um die Wirtschaftliche Entwicklung in Ost und West zu bewerten, ist es notwendig die Wirtschaftsmentalitäten in den beiden ehemaligen Staaten zu analysieren. Der Osten war geprägt durch eine Lenkung der Wirtschaft durch den Staat. Es wurde genau vorgeschreiben, was, wie viel und von wem zu produzieren ist. Da die Betriebe "Volkseigen" waren, wurde jeglicher Anreiz bezüglich der Produktivität und Innovation zunichte gemacht. Die Menschen dieses Staates haben sich diese Denkweise verinnerlicht. Ein Umschalten in kurzer Form war nicht zu erwarten. Nur langsam trat eine Veränderung der Mentalität ein. Hierunter leidet bis heute die wirtschaftliche Anpassung, jedoch muss man sagen, dass sich während dieser Zeit viel in den Köpfen der Menschen im Osten verändert hat. Heute herrscht eine ähnliche unternehmerische Denkweise wie im Westen. Dies gilt insbesondere für jüngere Menschen. Das Manko in dem Osten ist heute, dass große Unternehmen kaum vorhanden sind. Der Mittelstand ist mittlerweile gut ausgeprägt.

Der Westen war und ist geprägt durch eine konkurrierende Denkweise. Die Betriebe sind getrimmt auf eine produktive und innovative Produktion. Die Güter müssen genau die Bedürfnisse der Konsumenten befriedigen. Diese Handlungsweise ist dadurch geprägt, dass die Unternehmen sich im Privatbesitz befinden, und die Unternehmen gewinnorientiert sind. Für den Westen ist es daher sehr schwer zu begreifen, dass der Veränderungsprozess so langsam von Statten geht.

Arbeitslosigkeit in Ost und West

Nach der Wende und noch lange Zeit danach waren viele Arbeitsplätze durch Unternehmensschliessungen und Unternehmensumstrukturierungen weggefallen. Die natürliche Ursache dieser Maßnahmen war eine hohe Arbeitslosigkeit. Nicht alle Personen konnten in den Westen gehen um dort zuarbeiten.Während der 25 Jahre hat sich die anfangs hohe Arbeitslosigkeit deutlich verringert. Die Arbeiter wurden zu Fachkräfte weitergebildet oder neu ausgebildet. Nach diesen Maßnahmen fanden viele neue Arbeitsplätze. Das Problem der heute noch vorhandenen hohen Arbeitslosigkeit besteht darin, dass der Osten geprägt ist durch mittelständige und kleine Unternehmen. Große Konzerne und Unternehmen sind die Ausnahmen. Gerade diese Unternehmen beschäftigen viele Menschen. Es ist daher wichtig, den Osten interessanter zu machen für große Unternehmen. Der Osten leidet auch darunter, dass viele billigere Arbeitskräfte aus den östlichen Nachbarländern in diesen ostdeutschen Unternehmen arbeiten. Facharbeiter im Osten leiden darunter.

Die Arbeitslosigkeit im Westen liegt mit ca. 5,8 Prozent niedriger als die im Osten, diese beträgt ca. 9,1 Prozent. Die derzeitige hervorragende Wirtschaftssituation Deutschlands im Vergleich zu den restlichen europäischen Ländern hat dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenquote insgesamt sehr niedrig ist. Eine Anpassung zwischen Ost und West muss jedoch das Ziel der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung sein. 

Problematisch für eine Anpassung der Arbeitslosigkeit ist der demographische Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Nach der Wende sind viele junge Menschen in den Westen gegangen um dort Arbeit zu finden. Zudem trat ein starker Geburtenrückgang bedingt durch die Unsicherheit im Osten ein. Hierunter leidet der Osten noch immer. Gerade bei älteren Menschen ist die Arbeitslosigkeit höher als bei jüngeren Menschen. Diese Negativentwicklung benötigt einen längeren Zeitraum um sich anzuüassen.

Zusammenfassung und Fazit

Wie die Ergebnisse zeigen hat sich in den letzten 25 Jahren viel getan. Aber dennoch besteht ein deutlicher Unterschied zwischen der Wirtschaftsleistung im Osten und Westen. Dieser Unterschied ist eine Verpflichtung für die Zukunft, hier eine weitere Annäherung zu erreichen. Jedoch muss man anerkennen, dass eine vollständige Anpassung Illusion ist. Vergleicht man den Norden mit dem Süden, oder einzelne Bundesländer miteinander, so zeigen sich auch bei diesen Vergleichen erhebliche wirtschaftliche Unterschiede.

Autor seit 3 Jahren
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