Dieser Ausschnitt zeigt die Ansicht der Politikerin

Angela Merkels Meinung zur Gleichstellung

Wer sich den Ausschnitt aus der Wahlarena vom 9.9. angesehen hat, der wird sicher seine eigene Meinung zu dem Thema besitzen. Ihre diplomatische Rhetorik zu Beginn, in der sie sich gegen eine Diskriminierung positioniert, legt sie bald ab und gibt zu, dass sie sich persönlich schwer damit tut, homosexuelle Paare in Fragen der Adoption gleichzustellen. Nur falls der rechtliche Weg eine solche Diskriminierung für unzulässig erklärt, so wird sie sie pflichtgemäß auch umsetzen. Damit setzt sie konsequent ihre Politik des "Zuwartens" weiter fort. Sie hofft darauf, dass sich die Probleme in ihrem Land von alleine lösen, beziehungsweise lässt andere Instanzen in brisanten Fragen entscheiden. Damit wird sie dem Wesen des "Konservativismus", die bisherigen Zustände weiter bestehen zu lassen, zu einhundert Prozent gerecht. 

Schritte hin zur Adoption eines Kindes

Angela Merkel ist sich nicht sicher, ob die Gleichstellung der Homosexuellen der richtige Weg ist. Auf Fakten stützt sie das nicht. Eine gesellschaftliche Veränderung will sie scheinbar mit allen Mitteln verhindern: Wie kann sie sagen, dass nicht zwei Väter oder zwei Mütter dieselbe liebevolle Umgebung für ihr adoptiertes Kind schaffen, wie heterosexuelle Paare? Viele Frauen werden ungewollt schwanger, tragen das Kind anschließend aus und sind heillos überfordert. Sie sind manchmal noch im Teenageralter und den Anforderungen, die ein Kind an sie stellt, nicht gewachsen. Viele von ihnen werden von ihrem Partner verlassen und stehen komplett alleine da. Die Jugendämter sind stets und ständig damit beschäftigt, das Wohl von Kindern zu überprüfen. Wie viele Kinder haben nur eine Mutter oder einen Vater, wie viele leben in nicht wirklich optimalen Verhältnissen?

Auf der anderen Seite stehen homosexuelle Paare, die den tiefen Wunsch hegen, ein Kind groß zu ziehen - eines, das zur Adoption freigegeben wurde, vielleicht beide Eltern verloren hat oder dessen Eltern überfordert waren. Die Adoption ist ein großer Schritt für alle - heterosexuelle oder homosexuelle Paare. Klar ist daher, dass dieser nicht leichtfertig beschlossen wird. Vorher werden sich Gedanken gemacht, vorher werden Bücher gelesen, Tests durchgeführt - es wird überprüft ob die Adoptierenden auch einer solchen Belastung stand halten. Wer dieses Prozedere durchsteht, der sollte auch bereit sein für ein Kind, oder?

Zwei Väter - schlechter als einer?
Gay pride 396 - Marche des fiertés ...

Gay pride 396 - Marche des fiertés Toulouse 2011.jpg (Bild: Guillaume Paumier / Flickr)

Häufige Befürchtungen, wenn Schwule adoptieren

Eine Gleichheit vor dem Gesetz sollte niemandem aberkannt werden. Wenn zwei Väter oder zwei Mütter sich in der Lage dazu fühlen, ein Kind zu adoptieren und diese Fähigkeit von den zuständigen Stellen bestätigt wird, so sollte dem nichts im Wege stehen. Viele befürchten jedoch eine Gefährdung des Kindeswohls: "Wer zwei Mütter oder zwei Väter hat, wird früher oder später in der Schule gehänselt werden und im schlimmsten Fall Opfer von Mobbing-Attacken." Wer jedoch dieses Argument anführt, der würde dem Folgenden sicher trotzdem nicht zustimmen: "Wessen Mutter Ehebruch begangen hat, wird früher oder später in der Schule gehänselt werden und im schlimmsten Fall Opfer von Mobbing-Attacken." Vor einigen Jahrhunderten ist das hingegen bittere Realität gewesen. Was dazwischen liegt ist eine gesellschaftliche Evolution und viel Aufklärungsarbeit - genau solche wird auch nötig sein, wenn homosexuelle Paare gleichwertig Kinder adoptieren dürfen. Wer dann hingegen in die Schulen geht und Aufklärungskampagnen auf den Weg bringt, der kann dem entgegenwirken und gleichgeschlechtliche Paare besser in die Gesellschaft integrieren. 

Auch das Argument, dass bei zwei Vätern eine mütterliche und bei zwei Müttern eine väterliche Identifikationsfigur fehlt, wird schnell entkräftet, wenn man sich heute anschaut, wie viele Scheidungen eingereicht werden und wie viele alleinerziehende Mütter und Väter es in Deutschland gibt. Dass ein Kind mit Vater und Mutter aufwächst ist heutzutage längst nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor einigen Jahrzehnten. Das macht aus einem Kind nicht automatisch einen besseren Menschen. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür nicht - zu Rate gezogen werden in diesem Fall zumeist die Gefühle - wie auch bei Angela Merkel, die "sich nicht sicher ist", aber nicht in der Lage ist, konkrete Argumente oder Belege anzuführen.

Wieso wir alle betroffen sind

Nur die wenigsten von uns sind schwul oder lesbisch - warum ist das Thema also überhaupt so wichtig? Ganz einfach, weil es um unsere Grundrechte geht. Wir wählen die, die wir entscheiden lassen, unser Land zu verwalten und letztendlich wählen wir auch die, die unsere Rechte sichern oder verletzen. Wenn wir alle durch die NSA überwacht werden, dann passiert das nicht einfach so - jemand ist schuld daran, dass es soweit kommen konnte und jemand ist schuld daran, dass die Ausspähung nicht eingeschränkt wird. Ebenso ist die Gleichstellung Homosexueller dem ein oder anderen vielleicht vollkommen egal. Generalisieren wir das Ganze allerdings, so sollte es keinem mehr egal sein - eine Minderheit wird in ihren Grundrechten beschränkt. Die freiheitliche Selbstbestimmung ist nicht gegeben. Das Ganze wird nicht wissenschaftlich belegt, sondern durch Gefühle bekräftigt. Eine solche Politik ist gefährlich, weil sie sehr schnell willkürlich werden könnte. Und wo Willkür herrscht, passieren schnell die schlimmsten Dinge - nicht weil es so kommen musste, sondern weil es so kommen konnte.

Autor seit 3 Jahren
44 Seiten
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