Bedeutung der Vorstandssprecher der Deutschen Bank in der Vergangenheit

Die Deutsche Bank ist die größte Geschäftsbank in Deutschland. Dementsprechend hatte und hat sie einen bedeutenden Einblick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Zwar besteht ihr Streben in erster Linie der Erzielung einer angemessenen Rendite für ihre Aktionäre. Durch ihre Bedeutung im Bankgewerbe wird von ihr auch erwartet, dass sie Einfluss nimmt auf den politische Meinungs- und Entscheidungsprozess in Deutschland.

Einer der bedeutendsten Deutschbänker war deren Vorstandssprecher Hermann-Josef Abs. Abs war sehr stark in die Politik des Wiederaufbaus eingebunden. Er war in zahlreichen Aufsichtsräten vertreten und prägte somit maßgeblich die deutsche Industrie. Auch in der Politik war er gut vernetzt.

Alfred Herrhausen war ebenfalls ein Deutschbänker, der sehr gut in die Politik vernetzt war. Er galt als Ratgeber Helmut Kohls und unterhielt Kontakt mit Michail Gorbatschow. Besonders mit seinem Engagement zur Entschuldung Lateinamerikas und Afrikas trat er weltpolitisch auf. Hierbei nahm er bewusst kurzfristige Gewinnrückgänge der Banken in Kauf. Herrhausen wurde seitens der Politik mit der Neuordnung der deutschen Stahlpolitik beauftragt.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass die Vorstandssprecher der Deutschen Bank eine zentrale Rolle innerhalb der deutschen Wirtschaft einnahmen. Selbst der unmittelbare Vorgänger von Jain, der Schweizer Josef Ackermann, entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit vom reinen Investmentbanker zu politisch denkenden Bänker. Er beriet in der Finanzkrise die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Obwohl er wegen seinem Machtstreben mit der Deutschen Bank oftmals negativ in Erscheinung getreten ist, war er als Deutschbänker in der Öffentlichkeit präsent, vielfach allerdings negativ.

Stationen und Wirken von Anshu Jain

Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichem Studium arbeitete Jain bei verschiedenen internationalen Banken bevor er 1995 zur Deutschen Bank in London wechselte. Hier baute er er die Investmentsparte der Deutschen Bank innerhalb kurzer Zeit zu einer der führenden Investmentbanken aus. Ein Großteil des Unternehmensgewinns wurde in diesem Segment verdient.

Jain ist innerhalb der Deutschen Bank als der führende Investmentbanker zu bezeichnen. Dies zeigt sich daran, dass er innerhalb von 5 Jahren mehr als 16 Mrd. Euro Gewinn erzielt hat. So betrug der Gewinnanteil im Investmentsegment unter Jain im Jahre 2005 fast 50 Prozent am Gesamtgewinn. Dies zeigt, dass Jain das Geschäft des Investmentbanking perfekt beherrscht.

Allerdings wird der Investmentsparte der Deutschen Bank große Vorwürfe gemacht, zur Finanzkrise 2007 und 2008 in großem Maße dazu beigetragen zu haben. Ebenfalls fallen auch viele Vorwürfe rechtlicher Verfehlungen in die Zeit von Jain, hierunter hat sein Ansehen gelitten.

Fachlich ist Jain eine Kapazität, dies ist unbestreitbar.

Anshu Jain als Co-Vorsitzender der Deutschen Bank

Am 01. Juni 2012 übernahm Anshu Jain zusammen mit Jürgen Fitschen den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank. Somit musste er ab diesem Zeitpunkt die Gesamtverantwortung für die Entwicklung der Deutschen Bank zusammen mit Fitschen verantworten. In dieser Funktion sollte er sich vom Investmentbanking lösen und seine Sichtweise auf die Entwicklung der Gesamtbank ausrichten.

Da der Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt ist, bedeutet das für ihn seine Sichtweise zu ändern. Neben dem Investmentbanking ist die Deutsche Bank hauptsächlich im Firmengeschäft und im Privatkundengeschäft vertreten. Das Hauptgeschäft der Deutschen Bank in den Bereichen Firmengeschäft und Privatkundengeschäft wird in Deutschland erbracht. Zweifelsohne ist die Deutsche Bank ein internationaler Player, auch im Investmentbanking ist sie eine der führenden Banken, der Fokus des Vorstandssprechers darf jedoch nicht einseitig sein.

Die Rolle des innerdeutschen Repräsentanten hat bisher Fitschen übernommen. Dieser dürfte jedoch nur ein Übergangskandidat sein, damit Jain Zeit bekommt seine Rolle als Deutschbänker auch in Deutschland wahrgenommen zu werden. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist natürlich die deutsche Sprache. Diese Zeit sollte ihm auch eingeräumt werden.

Nach einer gewissen Übergangszeit wird erwartet, dass Jain sich deutlicher in den Mittelpunkt der deutschen Sichtweise stellt. Gerade in Zeiten der Eurokrise erwarten viele Menschen, Politiker und Wirtschaftsführer, dass deutliche Impulse vom Co-Vorstandsvorsitzenden Jain kommen. Dies gilt auch unter dem aktuellen Aspekt, dass Fitschen rechtlich unter großem Druck steht. 

Euro-Krise, Bankenregulierung, Wirtschaftsförderung sind nur einige der derzeit aktuellen Themen. Hier sollte Jain sich stärker positionieren und dies auch deutlich zum Ausdruck bringen. Vom dem führenden Vertreter der Deutschen Bank werden Impulse erwartet. Hier fällt Anshu Jain jedoch kaum auf. Vielmehr wirkt er auf diesen Gebieten sehr farblos und unscheinbar.

Ebenfalls müsste er sich stärker um das Ansehen der Deutschen Bank kümmern. Diese hat ein Negativansehen, das erschreckend ist. Geprägt durch viele Skandale im Inland und Ausland müsste die Aufarbeitung der Skandale stärker hervorgehoben werden. Hier ist zwar schon viel passiert, jedoch kommt die Deutsche Bank nicht aus den Schlagzeilen. Ein radikaler Kulturwandel wäre notwendig.Ob Jain hierfür die richtige Person ist fraglich.

Es wäre wünschenswert, wenn Anshu Jain von sich aus mehr Initiative zeigen würde und sich verstärkt zu geldpolitischen und wirtschaftlichen Aspekten äußern würde. Auch wenn dies nicht immer in perfektem Deutsch erfolgt. Wichtig ist vielmehr, dass Anregungen und Einflussnahme seinerseits erfolgen. Jain hat mit Sicherheit einiges bewirkt, jedoch es fehlt die öffentliche Wahrnehmung. Präsentieren ist neben der fachlichen Arbeit eine der zentralen Aufgaben eines jeden Vorstandvorsitzenden.

 

 

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