Arzneimittelpflanzen und ihre Wirkung - Eine Pflanze zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde

Die Arzneimittelpflanze des Jahres 2011 war die Passionsblume (Passiflora incarnata). Es gibt etwas mehr als 520 Arten und Passionsblumen sind zumeist Kletterpflanzen mit wundervollen Blüten in vielfältigen Farbschattierungen. In selteneren Fällen wachsen sie als Sträucher. Die wohl bekannteste Art der Passionsblume ist die Maracuja. Vor allem in der Phytotherapie kommen sie zum Einsatz, wobei fast ausschließlich ihre Blätter zu Arznei verarbeitet werden. Sie werden, entweder allein oder gemeinsam mit dem Stängel, vor allem als Tee getrunken (frisch oder getrocknet) oder auch als Fertigarznei abgegeben. Sehr häufig findet man sie allerdings auch in Form von Saft als so genannte Kombinationspräparate (Mischungen mit anderen Heilpflanzen) in Verbindung mit Johanneskraut, Baldrian, Weißdorn oder Melisse. Die besten Ergebnisse werden in der Kombination mit Baldrian erzielt, einer Naturarznei, die ebenfalls für ihre beruhigende Wirkung bekannt ist.

Passionsblumen kommen in der Phytotherapie zum Einsatz

Schon seit vielen Jahren ist die Passionsblume bzw. die aus ihr gewonnenen Extrakte eine beliebte Arznei in der Naturheilkunde. Die besondere Wirkung der Passionsblume liegt darin, dass sie auf ganz natürliche Weise angst- und krampflösend auf den Menschen wirkt und beruhigenden Einfluss ausübt. Deshalb wird sie vor allem bei nervöser Unruhe, Reizbarkeit, Anspannung oder Angstzuständen verordnet. Aber auch bei Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Magen-Darmbeschwerden oder Herzbeschwerden wirkt die Arznei. Positive Ergebnisse konnten auch bei depressiven Verstimmungen oder Asthma erreicht werden. Über lange Zeit galten die in der Passionsblume enthaltenen Indol-Alkaloide, Flavonoide und Saponine als entscheidende Wirkstoffe, was allerdings inzwischen wissenschaftlich widerlegt ist.

Beruhigungsmittel für den Tag

Im Gegensatz zu anderen Mitteln wird dieser positive Effekt erreicht, ohne dass es dabei zu einer Entspannung der Muskeln kommt. Dies ist sehr vorteilhaft, da die Alltagstauglichkeit des Patienten nicht unter der Einnahme des Passionsblumen-Extrakts leidet. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass die Passionsblume ohne Bedenken als Beruhigungsmittel eingestuft werden kann, welches sich auch am Tag zur Einnahme eignet, da es sich nicht negativ auf Tagesablauf oder Tätigkeit auswirkt.

Passionsblume wirkt auf das Nervensystem

Die beruhigende und angsthemmende Wirkung schreibt die Medizin hauptsächlich der Tatsache zu, dass durch den Extrakt der Passionsblume die Bindung eines bestimmten Botenstoffes im Nervensystem blockiert wird. Nebenwirkungen bei Einnahme der Passionsblumen-Extrakte sind nicht bekannt. Über die Verträglichkeit der Arznei in der Schwangerschaft konnten bisher keine eingehenden Erkenntnisse gewonnen werden.

Welche Wirkstoffe die Effekte hervorrufen, ist ungeklärt

Zwar ist inzwischen bekannt, dass man die beste Wirksamkeit mit dem Extrakt aus den Blättern erreichen kann, welche Inhaltsstoffe dafür aber genau verantwortlich sind, ist bislang nicht endgültig geklärt. Hauptproblem dabei ist, dass leider noch nicht alle Inhaltsstoffe exakt identifiziert werden konnten. Zudem ist es schwierig, den genauen Gehalt zu ermitteln, da dieser von Art zu Art sehr unterschiedlich ist. Es braucht also noch eine ganze Reihe von aussagekräftigen Studien, um die Wirkung der Passionsblume als Arznei in der Phytotherapie vollständig verstehen zu lernen.

Die Heilpflanzenkunde ersetzt bei Beschwerden nicht den Besuch eines Arztes oder Heilpraktikers. Auch übernimmt der Autor keine Verantwortung für die Risiken einer Eigenbehandlung infolge des Artikels.

Autor seit 5 Jahren
207 Seiten
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