Die Ursachen der Neurodermitis nach TCM

Die Schulmedizin behandelt die Symptome, bleibt also an der Oberfläche (der Haut). Die TCM hingegen macht sich daran, die Ursachen zu erforschen und zu beseitigen.

Diese Ursachen sind Hitze und Feuchtigkeit, die sich im Körper im Übermaß angesammelt haben und über die Haut ausgeleitet werden. Damit ist die Haut nicht das eigentliche Problem, sondern nur die Leidtragende! Sie hilft dem Körper, die pathogenen Faktoren loszuwerden, die ansonsten zu schweren Krankheiten führen könnten, wenn sie drinnen bleiben. Cortison unterdrückt die Symptome und verdrängt Feuchtigkeit und Hitze in eine tiefere Schicht, zum Beispiel die Lunge. Deshalb sind Asthma und Allergien häufige Begleiterscheinungen der Neurodermitis.

Die gute Nachricht ist: Mithilfe der richtigen Ernährung können Sie Hitze (erkennbar an der Röte der Haut) und Feuchtigkeit (nässende Stellen) im Körper reduzieren und dafür sorgen, dass keine neue entstehen kann. Damit muss die Haut nichts mehr ausleiten und kann sich langsam, aber sicher, erholen und heilen.

Wie lange dauert es, bis die Haut wirklich besser wird? 
Das ist sehr verschieden und hängt vom Grad der Erkrankung und der Dauer ab, wie lange Sie schon betroffen sind. Nach einigen Monaten sollten Sie aber eine deutliche Besserung feststellen, wenn Sie die unten genannten praktischen Tipps einhalten. Außerdem werden Sie feststellen, dass auch andere Beschwerden besser werden, wie zum Beispiel Kopfweh, Verdauungsprobleme oder Energiemangel. 

5 praktische Tipps, um Hitze auszuleiten

  1. Verzichten Sie auf scharfe Gewürze wie Pfeffer, Knoblauch, Chili und Ähnliches. Diese wirken stark erhitzend und können die Neurodermitis sozusagen "anfeuern".
  2. Trinken Sie weniger Kaffee, der wirkt ebenfalls erhitzend. Außerdem trocknet er unsere guten Körpersäfte, die wir unter anderem dazu brauchen, die trockene Haut von innen zu nähren.
  3. Meiden Sie Kakao und Schokolade. Diese fördern die Hitze im Körper.
  4. Verzichten Sie auf Alkohol, vor allem auf scharfen, wie zum Beispiel Schnaps. Alkohol wirkt erhitzend. Am wenigsten trifft das auf Weißwein und Bier zu. Diese können Sie also ab und zu trinken, aber nur in kleinen Mengen! Bier wirkt allerdings auch befeuchtend, ebenso süße alkoholische Getränke wie Cocktails und Baileys. Diese meiden SIe besser.
  5. Essen Sie weniger Fleisch, vor allem gegrilltes und frittiertes. Fleisch ist stark wärmend - je mehr Hitze bei der Zubereitung verwendet wird, desto erhitzender wird es und verstärkt unsere innere Hitze. Wenn Sie also gerne Fleisch essen, bevorzugen Sie gekochtes oder sanft angebratenes Fleisch und meiden gegrilltes und frittiertes. Je mehr Fett dabei ist, desto befeuchtender wirkt es.
Polentapizza mit Brokkoli

Polentapizza mit Brokkoli (Bild: Katharina Ziegelbauer)

9 praktische Tipps, um Feuchtigkeit zu verringern

  1. Streichen Sie für eine Weile Kuhmilch, Jogurt und Käse von Ihrer Speiseliste. Diese wirken stark befeuchtend und verschleimend.
  2. Ersetzen Sie industrielle Süßigkeiten und gekaufte Kuchen durch selber gemachte Süßspeisen ohne weißen Zucker. Sie können mit Trockenfrüchten (Tipp: pürierte Datteln oder Aprikosen), mit Kokosraspeln oder Reissirup süßen. Prinzipiell gilt: Je süßer, desto befeuchtender. Aber der weiße Zucker ist der schlimmste!
  3. Essen Sie oft Reis von guter Qualität. Dieser leitet Feuchtigkeit und Hitze aus dem Körper aus und ist das ideale Getreide für alle Hautprobleme!
  4. Essen Sie weniger Brot. Dieses wirkt befeuchtend und ist schwer verdaubar. Alles, was wir nicht gut verdauen können, erzeugt Feuchtigkeit! Wenn Sie auf Brot nicht verzichten können, nehmen Sie Roggen-Sauerteigbrot ohne Zusätze, in Bio-Qualität. Zur Steigerung der Bekömmlichkeit essen Sie das Brot zu einer Suppe oder einem Eintopf dazu anstatt als Hauptmahlzeit mit Wurst und Käse.
  5. Weizen wirkt ebenfalls befeuchtend und sollte reduziert werden. Je ausgemahlener (also "weißer") der Weizen, desto befeuchtender. Essen Sie deshalb nur selten Brötchen, Mehlspeisen und Gerichte wie Pfannkuchen und Nudeln, die aus Weizenmehl gemacht sind.
  6. Meiden Sie kalte Getränke und Essen aus dem Kühlschrank. Alles, was wir zu uns nehmen, sollte zumindest Zimmertemperatur haben. Kaltes erzeugt Feuchtigkeit im Körper.
  7. Rohkost ist gesund? Nicht unbedingt bei Neurodermitis! Rohes Gemüse und Obst wirken sehr kühlend auf den Körper und sind schwer verdaubar - zwei Faktoren, die unsere Feuchtigkeit verstärken. Tipp: Meiden Sie besonders alle exotischen Früchte wie Bananen, Kiwi und Orangen - diese sind extrem kalt und besonders befeuchtend. Beim Gemüse sind rohe Tomaten und Gurken besonders kalt und zu vermeiden.
  8. Essen Sie mindestens zweimal am Tag gekochte Speisen! Diese können alte Feuchtigkeit am besten abbauen, indem sie durch die wärmende Energie einfach zum "Verdampfen" gebracht wird. Außerdem ist gekochtes Essen bekömmlicher als kalte und rohe Nahrung und erzeugt keine neue Feuchtigkeit.
  9. Meiden Sie Fertigprodukte, Fertigsaucen, Tiefkühlkost und so weiter. Diese enthalten schlechte Fette (wirken befeuchtend), Zucker (ebenfalls befeuchtend) sowie Geschmacksverstärker und viele weitere chemische Zutaten, mit denen unser Körper nichts anfangen kann. Sie belasten unsere Leber und müssen wieder durch die Haut raus, da die normale körperliche Entgiftung bei NeurodermitikerInnen meist nicht gut genug funktioniert. 

 

 

Reis, das wichtigste Getreide für ...

Reis, das wichtigste Getreide für NeurodermitikerInnen (Bild: Katharina Ziegelbauer)

Schnelle Hilfe bei einem Schub

Wenn die Haut plötzlich zu spinnen anfängt und Sie sozusagen "aufblühen", dann tun Sie Folgendes:

Essen Sie mehrere Tage nur gekochten Reis (ohne Fett und Salz) sowie Gemüsesuppen (ohne Zwiebel und scharfe Gewürze). Verwenden Sie bei der Zubereitung der Gemüsesuppe ebenfalls kein Fett und nutzen Sie Sorten, die Sie erfahrungsgemäß gut vertragen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, was Sie vertragen, essen Sie einfach nur Reis!

Reis leitet Feuchtigkeit und Hitze sehr effektiv aus dem Körper aus und lindert somit die Symptome der Haut. Essen Sie bitte regelmäßig, damit die Verdauung arbeiten kann. Denn durch diese leitet der Körper aus. (Andere Wege sind die Lunge - über Schleim in Rachen und Nase - sowie eben die Haut, durch Ekzeme, Ausschläge, Lipome, Pickel...) Während der Kur kann deshalb die Haut auch schlechter werden, das sollte aber nur vorübergehend sein!

Diese Reiskur ist auch empfehlenswert, wenn Sie einen wirkungsvollen Einstieg in eine Ernährungsumstellung nach TCM suchen. So wird schon einmal ordentlich Hitze und Feuchtigkeit reduziert und danach können Sie sich den praktischen Tipps von oben zuwenden.

Passende Teekräuter zur Unterstützung der Reiskur: Stiefmütterchenkraut, Birkenblätter, Löwenzahnblätter und -wurzel. Diese können Sie in beliebiger Zusammensetzung untereinander mischen, damit sie Ihnen auch schmecken. Sie eignen sich nicht als Dauergetränk, da sie sehr stark ausleitend wirken!

Zusammenfassung - welche Ernährung Ihnen hilft

Bei Beachtung der oben genannten praktischen Tipps ergibt sich eine Ernährungsform, die auf folgenden Säulen ruht:

  • mindestens zweimal täglich warm essen
  • jeden Tag gekochtes Gemüse und Getreide (Reis, Polenta, Dinkel, Quinoa...), Eier und Fisch in kleiner Portion als Beilage, öfter mal Hülsenfrüchte essen
  • hauptsächlich warmes Essen, Rohkost und Brotmahlzeiten nur zwischendurch
  • keine Fertigprodukte und Fast Food
  • Fleisch nur ab und zu und in kleinen Mengen

Für alle, die es besonders genau machen wollen: Essen Sie eine Zeit lang vegane - also rein pflanzliche - Kost, ohne scharfe Gewürze und Zwiebel. Damit können Sie nichts falsch machen und reduzieren auf jeden Fall Ihre innere Hitze und Feuchtigkeit.

Eine ausführliche Darstellung der richtigen Ernährung nach TCM bei Neurodermitis finden Sie in meiner Diplomarbeit, die ich in meiner Ausbildung zur dipl. Ernährungsberaterin nach TCM verfasst habe. In meinem Blog gibt es noch mehr Tipps und Rezepte für NeurodermitikerInnen.

Noch eine gute Nachricht zum Schluss: das Ganze kostet Sie nichts! Denn essen müssen Sie sowieso, also warum nicht gleich das Richtige?

KatharinaZ, am 05.08.2014
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