Fernstudium in Deutschland

In Deutschland haben sich mittlerweile unzählige Fernstudiengänge erfolgreich etabliert. Der Vielfalt sind dabei keine Grenzen gesetzt: von BWL über Mediendesign bis hin zu Psychologie und Ingenieurswissenschaften, wobei die Wirtschaftswissenschaften immer noch den größten Anteil stellen.

Die größte deutsche Fernhochschule ist mit Abstand die Fernuniversität Hagen, die als einzige Deutsche eine anerkannte staatliche Fernuniversität darstellt. Hier sind derzeit ca. 90000 Studierende eingeschrieben. Andere Fernhochschulen in Deutschland stehen in der Regel unter privater Trägerschaft. Bekannte Namen sind: APOLLON, Beuth Hochschule, DIPLOMA, Euro-FH, SRH Riedlingen und die Wilhelm-Büchner-Hochschule. Es finden sich zusätzlich einzelne Fernstudiengänge, die von Präsenzuniversitäten angeboten werden. Hierzu zählen unter anderem die TU Kaiserslautern sowie die TU Ilmenau.

Auf verschiedenen Seiten im Internet, wie beispielsweise Fernstudium-Infos finden Interessenten einen Überblick über die derzeitigen Anbieter, Fernstudiengänge und Erfahrungsberichte von anderen Fernstudenten. 

Fernstudium im Ausland

Ein akademischer Abschluss aus dem Ausland ist in den meisten Unternehmen hoch angesehen. Kombiniert mit dem überdurchschnittlichen Engagement, das für ein Fernstudium neben dem Beruf benötigt wird, bietet er ein hohes Karrierepotenzial.

Einen Vorteil gegenüber inländischen Fernuniversitäten bieten die häufig niedrigeren Einstiegshürden im Ausland. An vielen ausländischen Hochschulen ist es beispielsweise möglich, ein Bachelor-Studium ohne allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife zu absolvieren. Hierdurch wird einem größeren Personenkreis die Möglichkeit gegeben, einen akademischen Abschluss zu erlangen.

Die Stoffvermittlung erfolgt vorrangig über Online Education oder Blended Learning, worüber die Veranstalter jeden Studenten mit Internetzugang optimal erreichen können. Präsenzphasen finden in überschaubarer Anzahl oder überhaupt nicht statt. Damit gestaltet sich das Fernstudium zumeist sehr flexibel.

Bekannte internationale Anbieter von Fernstudiengängen sind: Die Open University, die Open University Business School, die University of London und die University of Liverpool in England sowie die Walden University in den USA. Diese und viele weitere Universitäten bieten Fernstudiengänge für jeden anerkannten akademischen Abschluss an.

Einen Überblick und detaillierte Selektionsmöglichkeiten für die postgradualen Studiengänge MSc (Master of Science taught), MRes (Master of Research), MPhil (Master of Philosophy), PhD (Doctor of Philosophy) und PD (Professional Doctorate) bieten Onlineportale wie FindAMasters. Hier haben Interessenten die Möglichkeit, über spezielle Suchkriterien passende Angebote internationaler Universitäten zu finden und zu vergleichen. 

 

 

 

Qualität und Anerkennung

Bei der immensen Auswahl an Fernstudiengängen in Deutschland kann es schwer fallen, den richtigen Anbieter zu finden. Studiendauer, Anzahl an Präsenzphasen, Praxissemester, Auslandsaufenthalte und Kosten der einzelnen Studiengänge variieren zum Teil erheblich.

Für die Prüfung und Zulassung der in Deutschland angebotenen Fernlehrgänge ist die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zuständig. Die Lehrgänge werden sorgfältig in Bezug auf Inhalt, Didaktik und Vertragsbedingungen geprüft.

Die Anzahl der Anbieter internationaler Fernstudien wächst täglich und das Angebot ist deutlich weitreichender als in Deutschland. Jedoch sind die Qualitätsunterschiede teilweise immens, da keine gemeinsame Akkreditierungsstelle für internationale Fernstudiengänge existiert.

Die Anerkennung eines Hochschulabschlusses und die Berechtigung zur Führung ausländischer Hochschulgrade in Deutschland werden von den Kultusministerien der Länder geregelt. Grundsätzlich muss die Universität, an der der Studierende den akademischen Grad erlangt, in dem entsprechenden Land als Hochschule anerkannt sein. Außerdem muss das Studium einem deutschen Äquivalent gegenüber gleichwertig sein. Darüber hinaus gibt es weitere Kriterien, die das Führen eines akademischen Grades aus dem Ausland regeln. Weiterführende Informationen liefern die Internetseiten der Kultusministerien der Länder.

Finanzierung

Ein Fernstudium kostet Geld, in den meisten Fällen sogar sehr viel. Je nach Anzahl der Präsenzphasen und Praxissemester kommen zu den eigentlichen Studiengebühren noch Reise- und Verpflegungskosten hinzu. Damit kommt man insgesamt schnell auf vier- bis fünfstellige Beträge. Interessenten für Fernstudiengänge deutscher Anbieter haben die Möglichkeit, durch bestimmte Förderprogramme unterstützt zu werden. Welches Förderprogramm in Betracht kommt, hängt von den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes ab, da Bildungsbelange in den Ländern geregelt werden.

Informationen zu den unterschiedlichen Förderprogrammen liefern die Websites des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, Bildungsfonds, Studienkredit, sbb-Stipendien, Bildungsprämie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und die Förderinformationen der Bundesregierung.

Manche Fernhochschulen bieten eigene Finanzierungskonzepte für Ihre Studenten an. Die SRH Riedlingen beispielsweise kooperiert mit der evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel eG und vergibt Studienkredite für hauseigene Studiengänge. Für Studiengänge an der britischen Open University kann ein Kredit über OUSBA (Open University Student Budget Accounts) aufgenommen werden. Und die APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft akzeptiert monatliche Ratenzahlung der Studiengebühren.

Ist ein Fernstudium für die Ausübung der aktuellen beruflichen Tätigkeit oder für eine anstehende Beförderung relevant, besteht die Möglichkeit, eine Förderung durch den Arbeitgeber zu beantragen. Es lohnt sich in jedem Fall, bei dem Arbeitgeber nachzufragen. Viele Unternehmen beteiligen sich zumindest teilweise gerne an der Weiterqualifikation ihrer Mitarbeiter.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Fernstudium steuerlich geltend zu machen. Je nachdem, ob es sich um ein Erst- oder ein Weiterbildungsstudium handelt, können die studienbezogenen Ausgaben in der Steuererklärung als Sonderausgaben oder Werbungskosten angegeben werden.

Herausforderungen und Persönlichkeitsentwicklung

Die größte Herausforderung eines nebenberuflichen Fernstudiums liegt neben einem funktionierenden Zeitmanagement sicherlich in kontinuierlicher Motivation. Da man als Fernstudent größtenteils auf sich allein gestellt ist, ist regelmäßige Selbstmotivation sehr wichtig. Frustration und Enttäuschung müssen größtenteils allein überwunden werden. Sich nach einem harten Arbeitstag an den PC oder die Lehrbücher zu setzen, auf alternative Freizeitaktivitäten zu verzichten und wenig Erholungszeit in Kauf zu nehmen erfordert eine große Portion Selbstdisziplin und Engagement.

In diesen Schwierigkeiten liegt aber gleichzeitig auch der Schlüssel für eine positive Persönlichkeitsentwicklung. Wer sein Fernstudium meistert, ist wahrscheinlich für viele Herausforderungen im Berufsalltag gerüstet. Als Fernstudent lernt man, die verfügbare Zeit effizient einzuteilen, die zur Verfügung stehenden Ressourcen effektiv zu nutzen sowie sich eigenständig Wissen anzueignen und dieses in einem neuen Kontext anzuwenden. Engagement, Selbstmotivation und die Ausbildung einer gewissen Frusttoleranz runden die Entwicklungsmöglichkeiten ab. Diese Softskills sind bei Personalmanagern sehr gefragt, da Fachwissen allein heutzutage nicht mehr ausreicht, um sich von der Vielzahl gleichwertiger Bewerber abzuheben.

Praktische Tipps für ein erfolgreiches Fernstudium

 

1. Schnupperstudium

Viele Anbieter von Fernstudiengängen bieten in einem Probestudium Einblick in die Studienmaterialien und den Ablauf des Studiums. Die Euro-FH beispielsweise bietet ein 4-wöchiges kostenloses Probestudium an. An der Open University bekommt man bei einigen Kursen vor der Registrierung Einblick in das Studienmaterial oder kann sogenannte Short Courses, die teilweise kostenlos angeboten werden, besuchen. Existiert ein solches Programm und hat man noch keine oder nur lang zurückliegende Erfahrung mit Fernunterricht, empfiehlt es sich, diese Angebote zu nutzen.

 

2. Auswahl des passenden Studiengangs

Um den passenden Studiengang zu finden, sollte man die folgenden Fragen beantworten:

  • Welchen Abschluss möchte ich mit dem Studium erreichen?
  • Möchte ich mich in meinem bestehenden Fachgebiet weiterentwickeln oder mich komplett neu orientieren?
  • Möchte ich an einer in- oder ausländischen Fernuniversität studieren?
  • Lege ich Wert auf Präsenzphasen oder möchte ich generell darauf verzichten?
  • Wieviel Zeit kann ich für mein Studium langfristig aufwenden?

Je nachdem, wie die Antworten auf diese Fragen ausfallen, kommen unterschiedliche Studiengänge in Betracht. Wichtig dabei ist, realistisch zu sein und sich im Vorhinein genau zu überlegen, welchem Zweck das Studium dienen soll und ob sich ein solches Unterfangen mit den eigenen Lebensumständen vereinbaren lässt.

 

3. Abklärung der Finanzierung

Finanzielle Planungssicherheit ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Aufnahme eines Fernstudiums. Die Finanzierung des Studiums muss gesichert sein. Es wäre schade, das Studium aus finanziellen Gründen abbrechen zu müssen. Außerdem ist ein Studienabbruch je nach Studiengang, Universität und Art der Finanzierung mehr oder weniger schwer umsetzbar.

 

4. Austausch mit Familie und Freunden über das anstehende Fernstudium

Je nach angestrebtem Abschluss und Rahmenbedingungen des Fernstudienganges dauert ein solches Studium in Teilzeit zwischen zwei und sieben Jahren. Um sein Ziel zu erreichen, wird man den gewohnten Alltag wohl oder übel umstrukturieren müssen. Es bleibt weniger Zeit für Freizeitaktivitäten, Familie und Freunde. Das Zusammenleben in Partnerschaft und Familie wird einem höheren Stresspegel ausgesetzt. Es ist daher sinnvoll, seinen Bekanntenkreis vor Aufnahme des Studiums über das Vorhaben zu informieren und dessen Feedback einzuholen. Wie stehen Familie und Freunde dazu? Sind sie bereit, den Studenten zu unterstützen oder lehnen sie die Idee eher ab?

 

5. Zeitmanagement

Die Planung des Studiums ist das A und O. Es ist wichtig zu wissen, wieviel Zeit wöchentlich für das Studium aufgewandt werden kann und muss. Entsprechend sollte man die einzelnen Studienabschnitte sinnvoll untergliedern und die dafür aufzuwendende Zeit in einem geeigneten Format festhalten. Ein einfacher Kalender bietet sich dafür genauso an wie ein Gantt Diagramm. Letzteres bietet den Vorteil der Visualisierung von Aufgaben, Fälligkeitsdaten und Fortschritt.

 

6. Ziele setzen

Das Setzen von erreichbaren Zwischen- und Hauptzielen ist für die Erledigung vieler Aufgaben wichtig, vor allem aber für ein erfolgreiches Selbststudium. Zwischenziele helfen, fokussiert und motiviert zu bleiben. Die meisten Fernstudiengänge enthalten bereits entsprechende Zwischenziele in Form von Klausuren oder Hausarbeiten. Dennoch sollte man sich selbst auch eigene Ziele setzen, die sich gut erreichen lassen. Auch das lässt sich leicht in einem Gantt Diagramm realisieren.

 

7. Pausen setzen

Pausen dienen der Regeneration. Regeneration ist mindestens genauso wichtig wie die Aufnahme des Lernstoffes. In einem sinnvollen Zeitplan für das Studium sollten sich genügend Zeitfenster für Pausen befinden. Es wäre kontraproduktiv, jede freie Minute mit den Studienmaterialien zu verbringen. Regelmäßige frische Luft und Bewegung sowie ganze studienfreie Tage helfen, das Gelernte zu verarbeiten und den Verstand für neues Material zu befreien.

 

8. Belohnungen

Belohnungen sind ein sehr gutes Mittel um die Motivation zu erhalten oder gar zu steigern. Nach Beendigung eines Studienabschnitts oder nach erfolgreichem Bestehen einer Zwischenklausur sollte man sich etwas gönnen, zum Beispiel ein gutes Essen in einem Restaurant.

 

9. Austausch mit Kommilitonen

Zwar bietet ein Fernstudium keinen physischen Campus, auf dem sich die Studenten treffen können, allerdings stellen die Anbieter virtuelle Portale zu Verfügung, über die der Austausch der Studenten untereinander erfolgt. Zahlreiche Universitäten nutzen die Plattform Moodle zu diesem Zweck. Andere Hochschulen nutzen Blackboard oder universitätseigene Formate. Foren, Online-Konferenzen, Emails und Telefonate bilden dabei die Hauptkommunikationswege. Des Weiteren besteht häufig die Möglichkeit, sich in Kursgruppen in sozialen und beruflichen Netzwerken wie beispielsweise Facebook, Xing oder LinkedIn zu organisieren.

Fazit

Ein nebenberufliches Fernstudium stellt eine große Herausforderung für den Studierenden sowie sein unmittelbares Umfeld dar. Ob es sich für den Einzelnen lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es kann sich in jedem Fall für die Karriere als sehr förderlich erweisen, diese Herausforderung zu meistern. Jedoch sollten die eigenen Lebensumstände und Ziele unbedingt bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden, damit es im Nachhinein nicht zu einer Enttäuschung kommt.

Über mich

Ich selbst (w, 30 Jahre) arbeite in Vollzeit als Produktmanagerin in einem international ausgerichteten Medizintechnik-Unternehmen. Von Beruf bin ich medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin und habe zusätzlich bereits 2009 ein Certificate in Natural Sciences der Open University und 2013 ein Hochschulzertifikat im Bereich Medical Writing der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft erhalten. Seit 2013 studiere ich erneut an der Open University mit dem Ziel, den MSc in Medicinal Chemistry in 2015 zu erlangen. Auch hier zeigte sich das offene Eintrittssystem ausländischer Hochschulen als vorteilhaft, indem meine Ausbildung und Berufserfahrung einschließlich eines Aufnahmetests zur Befähigung zum Studium auf postgradualem Niveau genügten. 

Autor seit 2 Jahren
15 Seiten
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