Was du heute kannst besorgen ...

Wohl kaum ein Mensch ist frei von den schlechten Gefühlen, die entstehen, wenn man sich am Ende eines Tages sagt: " Ach, hätte ich bloß, ich sollte doch endlich …" Aufschieben in Zusammenhang mit Schuldgefühlen ist ein neurotisches Verhalten, das den Menschen von einem erfüllten Leben abhält. Wer unerledigte Aufgaben vor sich herschiebt oder wichtige Ziele nicht
in die Tat umsetzt und dabei ein schlechtes Gewissen hat, leidet an einer weitverbreiteten Krankheit, der "Aufschieberitis".  

Ständiges Grübeln 

Was man nicht tut, das bleibt unerledigt und muss später getan werden. Das allein ist noch kein Problem. Manchmal kann es gesund sein, Aufgaben ruhen zu lassen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt anzugehen. Wer jedoch wichtige Dinge permanent hinauszögert und dabei schlechte Gefühle hat, blockiert sich selbst. In der Folge schwindet das Selbstvertrauen, Sorgen und Ängste zeigen sich in Form grüblerischer Gedanken. Man wünscht sich die Aufgabe würde sich auf magische Art und Weise von selbst erledigen. "Wenn ich erst diese oder jene Fortbildung gemacht habe, wenn ich den richtigen Therapeuten finde, dann werde ich …" So ähnlich laufen die Gedanken. Doch Hoffnung und Glaube ersetzten nicht das Tun und so bleibt die Lösung des
Problems ein Luftschloss. Wer die Untätigkeit wählt, verzichtet darauf im Jetzt die Ärmel aufzukrempeln und etwas zu erreichen.

Aufschieben kann man Vieles - Gute Vorsätze lassen sich nicht so leicht in die Tat umsetzten

Steuerklärung erledigen! (Bild: G.Spalke)

Aufschieben: immer auf den letzten Drücker - Unter Druck Ziele erreichen

Warum verhalten sich Menschen so? Aufschieberitis hat für die betreffende Person neben Nachteilen auch psychologische Vorteile. Ein Beispiel: Es gibt Menschen, die zögern mit der Erledigung von Aufgaben solange, bis sie durch den entstehenden Zeitdruck genötigt werden schlampig zu arbeiten. Das gibt ihnen die Rechtfertigung für ein mittelmäßiges Ergebnis und befreit
sie von dem Druck der oder die Beste zu sein. Wer sich so verhält, vermeidet es verantwortlich für ein mögliches Scheitern gemacht zu werden, denn notfalls sind in diesem Fall die widrigen Umstände schuld. Der Zauderer liefert sich selbst die Entschuldigung für sein befürchtetes Versagen. Ein derartiges Verhalten ist riskant, denn das Scheitern wird dadurch wahrscheinlicher. Selbst wenn die Sache gut ausgeht: Der Preis fürs Aufschieben bis zuletzt ist hoch und wird mit
Magenschmerzen, durchgearbeiteten Nächten und einem geringen Selbstwertgefühl bezahlt.

Sind Sie ein Aufschieber?

Aufschieberitis: Angst vor Veränderung kann der Grund sein - Wer nichts riskiert, macht auch keine Fehler

Menschen die zaudern meiden das Risiko und wünschen sich, dass sie selbst, ihre Umgebung und ihre Beziehungen sich nicht verändern. Selbst wenn sie unglücklich mit einer Situation sind, diese laut beklagen und angeben sie ändern zu wollen, so sind die Betroffenen oft nicht in der Lage Schritte in Richtung Problemlösung zu tun, weil sie sich im Grunde ihres Herzens vor Veränderung fürchten. Es ist fast so als wäre Aufschiebern das bekannte Unglück lieber als das unbekannte Glück. 

Ein Beispiel: Jemand ist mit seinem Job unzufrieden und beklagt sich über ungerechte Vorgesetzte oder mobbende Kollegen. Anstatt den Konflikt zu lösen, sich Hilfe zu holen oder Bewerbungen zu schreiben, bleiben Zauderer beim Hoffen, Jammern und Schuldzuweisen. Sie erfinden tausenderlei Gründe dafür, warum das mit dem Arbeitsplatzwechsel im Moment nicht geht. Dadurch verlagert der Aufschieber das Problem von sich auf Andere und begibt sich in die Opferrolle. Hier kann er das Mitgefühl seiner Mitmenschen genießen, wenn er welche findet, die sich sein Lamento anhören
wollen. Wieder hat das Aufschieben die Funktion den Menschen zu stabilisieren. Es bewahrt ihn davor, ein Risiko einzugehen und es gewährt ihm zumindest etwas Zuwendung.

Selbstmitleid schadet bloß - Die Lösung heißt: Verantwortung übernehmen

Wer sich als Opfer fühlt, kann wunderbar in Selbstmitleid zerfließen und sich der Selbsttäuschung hingeben er sei ein anderer, als er wirklich ist. Natürlich leidet auch bei dieser Art von Vermeidungsverhalten die Selbstachtung. Durch das Zaudern werden Probleme umgangen, indem man zögert, gerät man nicht in die Situation sich beweisen zu müssen, aber man kommt im Leben auch keinen Schritt weiter. So wird Erfolg unmöglich. Selbst das kann für einen echten Aufschieber von Vorteil sein, da Erfolg mit Verantwortung einhergeht, die er nicht tragen möchte. Aufschieberitis ist selbstzerstörerisch und gehört in die Mottenkiste überflüssiger Verhaltensweisen. Wer handelt, anstatt zu klagen, hat die Fäden seines Lebens in der Hand und kann erreichen, was er ich vorgenommen hat.

Quelle: Wayne W.Dyer, Der wunde Punkt: Die Kunst nicht unglücklich zu sein, 1. Auflage 1976

Autor seit 5 Jahren
9 Seiten
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