Die größten Fehler, die Auswanderer machen können

Nichts geht über eine gute Vorbereitung und Planung! Immer wieder fallen folgende Irrtümer und Vorurteile bei Auswanderwilligen auf:

  1. Bitte nicht vor dem Wetter flüchten,
  2. auch nicht vor Arbeitslosigkeit, denn meist hat man nicht auf Sie gewartet!
  3. Und schon gar nicht vor Beziehungsproblemen davon laufen: Man/frau ist der/die, der/die man ist und meistens auch bleibt. Wie sagt der Prototyp des Dr. House so schön in fast jeder Folge der gleichnamigen amerikanischen Seire: "Menschen ändern sich nicht".
  4. Geradezu sträflich leichtsinnig ist es, ohne finanzielle Reserve der alten Heimat den Rücken zu kehren. Rechnen Sie mit mindestens einem Jahr Geldreserve für Miete und Lebenshaltungskosten. Das fängt reellerweise mit mindestens 20.000 Euro erst an.
  5. Und ebenso dumm wäre es und bekanntermaßen einer der größten Fehler, ohne vorherige Sprachkenntnisse auszuwandern, weil man am neuen Ort vielleicht deutsche Freunde hat, auch eventuelle deutsche Bäcker und Fleischer vorfindet: Spätestens auf den dortigen Ämtern für die fälligen Aufenthaltsgenehmigungen, Wohnsitz- und Steueranmeldungen und dergleichen Ausfüllen von Formularen mehr, holt Sie dieses Unwissen ein.

Außerdem gibt es den bösen Satz: "Hüte dich vor Sturm und Wind und den Deutschen, die im Ausland sind!" Leider fällt man nur zu oft auf vermeintliche Solidarität herein und zahlt Lehrgeld durch schon länger ansässige Landsluete, die oft nur auf "Frischfleisch " zum Ausbeuten und Abzocken warten. Okay, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Leben im Ausland ist anders als Urlaub machen!

Urlaub und Leben in Ausland - zwei ganz verschiedene Dinge! (Bild: Reinhard Hefele)

Und wie macht man es nun richtig?

  1. Alle möglichen Informationen vorab sammeln über das ausgeguckte Land.

- Klar fängt man erst einmal übers Internet an.

- Wertvolle Vorabinformationen geben die Konsulate.

- Wir sind immer gut damit gefahren, in einem der Urlaube einen, wenn auch bezahlten Beratungstermin, mit einem Anwalts- und Steuerbüro, das englisch kann, zu vereinbaren. Die klären einen gut auf über Arbeitsbedingungen, finanzielle Eigenheiten und Ähnliches auf. Diese zwischen 70 bis zu 400 Euro haben sich immer bezahlt gemacht, allerdings auch einige Flausen vertrieben.

2. Und dann Sprache, Sprache, Sprache, unser wichtigstes menschliches Kommunikationsmittel. Wichtiger Tipp: Schon zuhause in der alten Heimat mit Privatlehrern, so genannten native speakers, büffeln. Das ergibt einen rascheren Fortschritt als in Klassengemeinschaften. Volkshochschulen helfen dabei, wer vom Lehrpersonal zu Privatstunden bereit ist.

Trick dabei: Wichtig ist erst einmal ein grammatikalisches Gerüst büffeln, also sich die 5 Hilfszeitverben in Präsens, Zukunft und eine simple Vergangenheit zu merken, danach kann man alle anderen Verben im Infinitiv daran hängen. Andere Vokabeln kommen dann automatisch im Land. Haben Sie vor Ort keine Angst vor Fehlern, lassen Sie sich aber gerne von den Einheimischen verbessern und bitten Sie sie anfangs, langsamer zu sprechen.

3. In Vereine gehen vor Ort, entweder Fitnesstudios, Tanzkurse, an Musik- und Gesangsgruppen teilnehmen, Charity-Unternehmen, Tierschutzvereine auch nicht zu vergessen, Kulturkreise und Gemeinschaftsausflüge mitmachen etcetera. Integration eben anstreben.

Wichtigster Rat überhaupt: Lassen Sie Ihren deutschen erhobenen Zeigefinger zuhause! Wer glaubt, er könne mit erhobenem Zeigefinger ein ganzes Volk ändern der hört dann den Satz: "Wenn Dir etwas nicht gefällt - gehe doch zurück!"Grafik

 

Integration über gemeinsame Unternehmungen

Gemischte Stammtische können helfen (Bild: Reinhard Hefele)

Die vier Phasen der Eingewöhnung

 Es kommen die typischen Phasen des neuen Lebens, die jeder Psychologe voraussagen kann:

  1. Die Illusionen, die man sich noch in der alten Heimat von einem Neuanfang macht: Alles erst mal in Deutschland schlecht finden und inm neuen Land alles besser.

  2. Dann unsanft eingeholt werden von der Wirklichkeit, von den echten Impressionen und Erlebnissen: Wo Sonne ist, da ist auch Schatten und wo Menschen gleich welcher Nation zusammen leben, da wirken auch immer die gruppendynamischen Prozesse, und man muss sich erst aneinander gewöhnen.

  3. Es wird sogar die Phase der Irritationen kommen, in der man plötzlich nur Nachteile im Ausland sieht, zum Beispiel auch über die Bürokratie verzweifeln kann und die Sicherheit der alten Heimat vermisst. In der weiter zurückliegenden Vergangenheit malt sich der Mensch die Erinnerung immer schöner aus, eine alte Erkenntnis. Urlaub machen ist eben etwas ganz anderes als auswandern. Wer sich jetzt nicht anpasst, der wird im Ausland scheitern und zu den frustrierten Rückkehrern gehören.

  4. Wer aber durchhält, sich fürs Arbeitsleben die aktuellen Marktlücken etwa heraussucht in der weltweit geschätzten Umwelttechnik, bei der deutsches Knowhow anerkannt ist, vor allem bei erneuerbaren Energien oder der Domotik (Intelligentes Wohnen), dies nur als Beispiel, der wird nun alles leichter nehmen, improvisieren, Erfolge und Anerkennung erzielen und nicht mehr tauschen mögen mit dem alten Leben.

Arlequina, am 25.07.2018
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Bildquelle:
Reinhard Hefele (Heimat, Tradition, Integration)

Autor seit 7 Jahren
228 Seiten
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