Soziale Identität aufbauen mit Hilfe der Pflegeperson autistischer Kinder

Autismus - die Rolle der MutterBeim Aufbau einer sozialen Identität ist das Kind auf die Hilfe der Mutter oder Pflegeperson angewiesen, da seine Kommunikationsmöglichkeiten meist stark eingeschränkt oder gar nicht ausgebildet sind. Viele autistische Kinder sind sprachgestört, manche haben große Kontaktängste oder sind, zum Teil mit zusätzlicher geistiger Behinderung, extrem auf sich selbst bezogen und können sich in andere Menschen gar nicht hineinfühlen. Ihr Sozialverhalten ist dementsprechend auffallend, eben bedürfnisgesteuert. Von Menschen, die Autismus nicht kennen, wird ein solches Verhalten nur als abstoßend und annormal, wenn nicht gar als "ungezogen" und Ergebnis falscher Erziehung interpretiert. Mütter solcher Kinder sind ständig in Erklärungsnot und Rechtfertigungssituation, sie leben in einer sozialen Gemeinschaft mit Regeln, die diese Kinder nicht verstehen. Der Wunsch nach einer Eingliederung des Kindes in diese Gemeinschaft wird zum permanenten Stress für die Mutter, die das Kindesverhalten der Umgebung erklärt und gleichzeitig dem Kind die unverständliche Umwelt erläutert. Die soziale Identität des Kindes baut sich nur durch die vermittelnde Person auf und hängt außerdem von der Toleranz der Umgebung ab.

Unverständnis, Isolation und soziale Ausgrenzung für autistische Kinder und ihre Familien

Selten treffen Familien auf ein tolerantes Umfeld. Das Verhalten und die Einschränkungen des Kindes selbst sind oft nicht die auslösenden Gründe für Isolation und soziale Ausgrenzung. Es sind das Unverständnis der Umgebung und die daraus folgende Ablehnung der betroffenen Kinder und ihrer Familien. Es erfordert weit mehr Kraft als die Pflege selbst, immer wieder Fremde über die Behinderung aufzuklären, das Kindesverhalten zu interpretieren und dem Kind ablehnendes, abwertendes und inakteptables Verhalten des sozialen Umfelds zu erklären. Die Mutter steht ständig unter dem Druck, sich einzumischen und zu vermitteln. Sie nimmt quasi eine Stellvertreterrolle als Selbst des Kindes ein, das sich nicht ausdrücken und erklären kann.

Aufbau sozialer Identität durch Kommunikation für Autisten unmöglich

Normalerweise bauen Menschen ihre soziale Identität durch Kommunikation und Interaktivität mit ihrer gesellschaftlichen Umgebung auf. Autisten fehlt die Fähigkeit zu sozialen Interaktivitäten, ihre Selbstbezogenheit bremst so gewohnte Kontaktaufnahme und das Wahrnehmen erwünschter und unerwünschter Handlungen aus. Ihnen ist meist ihr "Anderssein" nicht einmal bewusst.

Bitte beachten Sie, dass ein Pagewizz-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

 

Quelle: "Mediating self-hood: exploring the construction and maintenance of identity by mothers of children labeled with autism spectrum disorder"  Bill Rocque, 2010, University of Redlands, USA

Immortelle, am 21.04.2014
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Bildquelle:
Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de (Das Phänomen Autismus)
Silvia Harnisch/Sabine Wolfram (Autisten unter sich - Eine Wohngruppe stellt sich vor)

Autor seit 5 Jahren
164 Seiten
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