Wortwiederholungen beim Kleinkind

AutismusDas Sprechenlernen ist beim Kleinkind mit Nachsprechen von Gehörtem und Wiederholungen der erlernten Worte als ein Üben des neuen Wortschatzes zu verstehen. Wenn die Wiederholungen allerdings weit über das Kleinkindalter hinaus bestehen bleiben, wird die Echolalie als Hauptmerkmal der Sprachauffälligkeiten bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung gesehen.

Echolalie in zwei Varianten

Echolalie tritt in unterschiedlichen Varianten auf. Die erste Form ist das sofortige Wiederholen nach dem Erfassen des Wortlautes, unmittelbar nach dem Hören beginnt das Kind die Laute zu wiederholen. Eine eher verspätete Reaktion auf Gehörtes, eine verzögerte Echolalie, kann auch beobachtet werden. Dabei gibt es offenbar keinen Zusammenhang mit Geschehnissen oder der gegenwärtigen Tätigkeit des Kindes.

Für das Auftreten von Echolalie werden mehrere Gründe angenommen

Verschiedene Interpretationen für die Gründe, warum ein Kind echolaliert, geben ein breites Feld an Vermutungen und Raum für weitere Forschung frei. Individuelle Unterschiede von Kind zu Kind lassen wenig allgemeine Festlegungen dabei zu. Eine Funktion der Echolalie im Austausch mit anderen Personen ist oft zu bemerken. So interpretieren manche Ärzte Echolalie als Aufrechterhaltung des Gespräches oder auch den Versuch des autitischen Kindes, am Gespräch seinen angemessenen Anteil zu haben. Möglich wäre auch der Hintergrund einer Selbststimulation als Grund für die Wortwiederholungen. Allerdings konnten andere Gründe ebenso ausgemacht werden, manche Kinder nutzen Echolalie in ihnen unangenehmen Situationen, um den Kontakt zur Pflegeperson oder Mutter aufrecht zu erhalten, quasi als eine Art Sicherheit der Aufmerksamkeit der ihnen wichtigen Schlüsselperson. Solche Situationen können zum Beispiel der Aufenthalt in fremder Umgebung, beängstigende Geräusche, für das Kind aufregende Arztbesuche oder auch der Besuch eines Fremden im eigenen geschützten Umfeld, der Wohnung oder des Gartens der Familie, sein. Unangemeldeter Besuch oder unvorhersehbare Ereignisse, die den täglichen routinierten Ablauf unterbrechen, verstören das autistische Kind. Es fordert mit wiederholenden stereotypen Fragen Reaktionen ein. Dabei gibt die geforderte Antwort und Bestätigung der Mutter dem Kind einen festen gewohnten Rahmen, eine Art Halt im akustischen Bereich.

Äußerung von Bedürfnissen mittels Echolalie

Ebenso ist das ständige Wiederholen bestimmter Wünsche und Ansprüche ein sehr vehement benutztes Mittel, sich durchzusetzen. Ein bedürfnisbefriedigendes Ziel kann auch hinter Echolalie gesehen werden. Die für autistische Menschen wichtigen täglichen Abläufe und Strukturen fordern manche Kinder auch resolut ein. Essen, Aufstehen oder Zubettgehen müssen immer zur selben Uhrzeit stattfinden. Es ist schwierig, diese Zwänge zu durchbrechen. Ein 10-jähriger Autist möchte zum Beispiel immer um 16 Uhr sein Vesper einnehmen. Die Äußerungen dazu kann niemand ignorieren, er wiederholt ständig bis zur Erfüllung dieser zwanghaften Regel, er müsse genau um diese Uhrzeit essen, die Worte: "Zeiger vier, Kaffee trinkt, Zeiger vier, Kaffee trinkt,....."

Bitte bedenken Sie, dass ein Pagewizz-Artikel fachlichen Rat. zum Beispiel den eines Arztes, nicht ersetzen kann.

Immortelle, am 21.03.2014
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Bildquelle:
Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de (Das Phänomen Autismus)
Silvia Harnisch/Sabine Wolfram (Autisten unter sich - Eine Wohngruppe stellt sich vor)

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