B.E.A.M.-Bot - die (fast) kleinsten RoboterAesthetics, also das "schöne" Aussehen ist sicher in der Technik, wo Funktionalität hauptsächlich im Vordergrund steht, auf den ersten Blick scheinbar nur Nebensache. Aber, beschäftigt man sich mit komplexen Systemen, welches ein Roboter zweifelsohne ist, so wird ersichtlich, daß vor allem mechanische Funktionen auf ein rational konstruiertes Äußeres angewiesen sind. Ein Arm kann sich schlecht frei in alle Richtungen bewegen, wenn er von herunterhängenden Kabelbäumen behindert wird. Ebenso ist auch weniger "Hervorstehendes" wichtig, zum Beispiel sogar die Farbgebung eines Roboters. Befindet sich dieser in einem Verbund von Artgenossen, einem sogenannten Schwarm, welcher seine Fortbewegung unter anderem an Helligkeit, Kontrast und Wellenlänge des Lichtes reflektierender Oberflächen orientiert, muß er als Teil der Umgebung natürlich als Hindernis bzw. Teil des virtuellen sozialen Verbundes erkannt und integriert werden. Natürlich spielen auch meist andere Faktoren mit, wenn der Erbauer eines B.E.A.M.-Bots seine Pläne erstellt. So fließen künstlerische Ambitionen, persönlicher Geschmack und sogar individueller Ordnungssinn in den Charakter des elektronischen Wesens ein.

Selbstredend, bewegliche Mechanik ist bei fast allen Formen der B.E.A.M.-Bots zu finden. Bewegungsfähigkeit ist, wie beim biologischen Vorbild, zu über 99% möglich und auch nötig. So können einfache Bots sich lediglich in Richtung ihrer Energiezufuhr ausrichten, andere sind in der Lage, sich rollend, krabbelnd, springend usw., fortzubewegen. Selbst komplexere Bewegungen, wie das Aufklappen mehrerer, zusammenhängender Module, das Ausrichten nach Licht und Schall und das Verfolgen dieser physikalischen Ereignisse ist machbar.

 

Zwei kleine B.E.A.M.-Bot Galerien (Bilder anklicken)

B.E.A.M.-Bot Galerie II B.E.A.M.-Bot Galerie I

Der Ursprung und die heutige Community

Kleine B.E.A.M.-Bots im GrößenvergleichZu verdanken haben wir die Idee der B.E.A.M.-Technologie Dr. Mark W. Tilden, welcher im Los Alamos National Laboratory als Forscher tätig war. Heute ist er als Entwickler für eine asiatische Hightech-Spielzeugfirma tätig und hat dort auch den finanziellen und schöpferischen Rahmen gefunden, um B.E.A.M. offiziell aus dem Status der "Bastelei" in die Industrie zu überführen. Kommerziell erfolgreiche Roboter, die auf seinen biomechanischen Grundprinzipien beruhen, sind zum Beispiel die Robosapien V1-V3, Roboraptor, Roboreptile und weitere.

Solarbotics ist der erste Anlaufpunkt, wenn man sich für das Thema B.E.A.M.-Bots interessiert und nach Wissensquellen sucht. Diese (englischsprachige) Seite bietet Links zu Diskussionsforen, Baupläne, Bezugsquellen für Bauteile (wenn man kein Freund von Bauteilrecycling ist), Galerien von B.E.A.M.-Bots, Begriffserklärungen und vieles mehr. Egal ob Einsteiger, oder Profi, der Informationsaustausch der Roboterenthusiasten ist sehr rege und man kann innerhalb kürzester Zeit Hilfe erwarten, wenn man auf Probleme beim Bau eines B.E.A.M.-Bots stößt.

Die Natur der B.E.A.M.-Bots

Es ist unheimlich faszinierend, was für filigrane, futuristische, aber auch monströse und eher an Passiver B.E.A.M.-Bot im Größenvergleich mit einer LEDHaushaltsgeräte erinnernde Kreaturen aus oftmals ausgeschlachteten Leiterplatten, Metall- und Holzkonstruktionen mithilfe der B.E.A.M.-Technologie entstehen können. Oftmals nur von Solarenergie gespeist, gespeichert in speziellen Kondensatoren, bewegen sich zarte, künstliche Schmetterlingsflügel aus Widerstandsnetzwerken. Winzige metallene Käfer krabbeln wie lebendige Insekten über den Tisch, entweder dem Licht folgend, oder sich davon abwendend. Faszinierend kreativ begegnet man dem kostenlosen Energieangebot unserer Sonne, nutzt es mittels Solarzellen in allen Größen und Formen, sammelt die daraus resultierende elektrische Energie zwischen und verwendet sie entweder kontinuierlich, oder auch pulsartig, um damit vorwärts zu kommen, sich lokal zu bewegen, oder auch nur, um zu blinken, oder Töne abzugeben. Dem klassischen Bild eines Roboters ähneln die B.E.A.M.s in den meisten Fällen nicht. Eher Lebensformen, deren Körper vornehmlich aus vielen kleinen Kunststoff- und Metallteilen bestehen. Sicher, sie bewegen sich nicht immer mit der Grazie, welche der lebendigen Natur zueigen ist, längst ist die Nutzung der Energien nicht so effektiv wie beim lebenden Pendant, dennoch sieht man sich beim Betrachten dessen, wozu die B.E.A.M.-Bots in der Lage sein können, mit einer Art "Leben" und scheinbar typisch lebendigem Verhalten konfrontiert.

Dies alles, obwohl nur aus Elektronikschrott zusammengesetzt und einem Materialwert, meist unter 5 Euro. Kaum zu verstehen, wie die Kombination einiger passiver und aktiver elektronischer Bauelemente Bewegung und Reaktionsverhalten tierischen Lebens simulieren kann. Dem Beispiel der Natur folgend, bestimmt die Effizienz der zur Verfügung stehenden Energie den Charakter eines B.E.A.M.-Bots. Wird er nicht mit Batterien, oder Akkus versorgt, sondern "ernährt" er sich Snail-Bot - solarenergiegespeister B.E.A.M.-Roboterselbständig vom Sonnenlicht, ist er so konstruiert, daß er der Lichtquelle folgt und sich ihr so exponiert, daß sich seine Kondensatoren aufladen können. Zusätzlich stehen meist noch mechanische Sensoren zur Verfügung, welche es dem B.E.A.M.-Bot ermöglichen, Objekte zu erkennen und ihnen -das ist wirklich bemerkenswert- trotz seiner technischen Einfachheit auszuweichen. Andere B.E.A.M.-Bots begnügen sich damit, eine "Pflanze" zu sein, führen lediglich eine Ausrichtung ihrer Solarzellen in Richtung Licht aus und verbrauchen die gesammelte Energie für eben diese Korrekturbewegung und "nettes Geblinker" - für den ästhetischen Anspruch.

Dem Einsteiger sei das Experimentieren mit sogenannten Photopoppern für den Anfang Kleiner Photopopper mit großer Solarzelleempfohlen. Eine recht einfach zu bauende Spezies, welche aus nur sehr wenigen Bauteilen erstellt werden kann. An dieser läßt sich aber viel über die Natur dieser B.E.A.M.-Bots in Hinblick auf die Einfachheit und dennoch erstaunliche Komplexität der Fähigkeiten bei so wenigen elektronischen Elementen, erfahren.

Wir und die Roboter

Bei der Beschäftigung mit diesen kleinen Robotern wird man schnell verstehen, wie sinnvoll es ist, selbst auf Ressourcen, die uns manchmal nur den Begriff Abfall wert sind, zu nutzen. Es muß nicht immer die neueste Hochtechnologie sein, die sich als robust und effizient erweist. Es sind die überschaubaren, aber genialen Strkleiner solarbetriebener FLED-Photopopperukturen, die wir überall in der Natur wiederfinden, welche greifbar vor uns liegt, welche wir aber selten genug in ihrer Perfektion erkennen. Die kleinen Roboter zeigen uns, wie schwer es sein kann, den Begriff Leben zu definieren. Kann man es am Verhalten festmachen, oder nur an der Form? Reichen unsere Definitionen überhaupt aus, oder sind es nur Hilfskategorien, damit wir in der Flut der Informationen unseres Zeitalters nicht den Überblick, die Kontrolle verlieren?

Schleicht sich nicht auch ein wenig Angst beim Betrachten dieser kleinen, (noch) hilflosen metallenen Kreaturen ein, unsere scheinbare Position an der Spitze der Evolution zu verlieren?

                                                                                                                   Arne Waldmeister

 

Micro-B.E.A.M. - Roboter

kleine Gruppe B.E.A.M.-Bots - Roboter

 

 

 

 

 

Autor seit 5 Jahren
7 Seiten
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