Die Chemie und erste Anwendungen

Natriumhydrogencarbonat, umgangssprachlich auch Natron genannt, hat die chemische Formel NaHCO3. Gelegentlich werden dafür auch die veralteten und unzutreffenden Namen doppeltkohlensaures Natron und Natriumbicarbonat verwendet. Im Handel wird es auch unter den Bezeichnungen Speisesoda, Backsoda, Speisenatron angeboten.

Die älteste und bekannteste Nutzung dieser chemischen Verbindung dürfte die als Backpulver (Triebmittel) sein. Unter dem Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit wird Kohlensäure (CO2) im Teig freigesetzt und der Teig dadurch aufgelockert. Der Apotheker Dr. August Oetker brachte 1891 sein Backpulver auf den Markt und verkaufte es in kleinen Tüten à 10 Pfennige, ausreichend für jeweils ein Pfund Mehl. Der Preis war geschickt gewählt, denn die kleine Menge kostete ihn fast nichts. (Etwa einen Pfennig Materialkosten und neun Pfennige für Gewinne. Kleinvieh macht eben auch viel Mist.) Ja, war´s dass dann mit dem "Backpulver"?

Noch lange nicht. In meiner Jugend wurde für ein paar Pfennige "Brausepulver" gehandelt. Etwas Fruchtaroma, Zucker und Backpulver in Wasser aufgelöst, ergab ein Getränk. Lässt sich heute doch auch machen. Einen guten Fruchtsirup oder Fruchtsaft mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt, gut gekühlt und vor dem Servieren etwas Backpulver zugesetzt, ersetzt den teuren Soda-Siphon und die ebenfalls nicht ganz billigen Kohlensäurekapseln.

Backpulver in der Gesundheit

Natriumhydrogencarbonat (Backpulver) hilft auch bei der Fettverdauung. Als Beispiel: Ein Schweizer Käsefondue ist eine fette Angelegenheit, die von bereits "angeknackten" Gallenblasen übel genommen werden kann. Ein Esslöffel Backpulver (4 Personen) kurz vor dem Servieren zugefügt, zerlegt die große Oberfläche der Milchfette in kleine Fragmente, erzeugt eine große Oberfläche, die dann auch von "schwächlichen" Gallenblasen eher reklamationslos vertragen wird. Sinngemäß lässt das über das Fondue Gesagte auch auf Saucen und andere fetthaltige Speisen oft übertragen.

Spätestens nach dem Genuss fetthaltiger Speisen kann durch "Backpulver" das Verdauungssystem entlastet werden. Das geschieht schon fast traditionell durch die Empfehlung "Bullrich-Salz ®" zu nehmen. Bullrich-Salz ist völlig identisch mit Natriumhydrogencarbonat, und ist deutlich billiger. 

Simples Backpulver kann in vielen Fällen teure Magenschutzmittel (Protonenhemmer wie Nexium ® etc.) ersetzen. Magendruck, Sodbrennen etc. lassen sich davon sicher und schnell abschalten und es ist in annähernd jedem Haushalt vorhanden. Allerdings darf die Verwendung der neuerlich in Deutschland frei erhältlichen Magenschutzmittel, ebenso wie Backpulver oder Bullrich-Salz nicht auf lange Zeit erfolgen. Selbst die Symptome gravierender Magenerkrankungen, also möglicherweise auch die Symptomatik eines Magenkarzinoms, lassen sich dadurch oft für lange Zeit, bis zum bösen Erwachen unterdrücken.

Backpulver zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens. Natriumhydrogencarbonat setzt Kohlensäure (CO2) frei und sofern das im Körper geschieht, kann sich die Atmung vertiefen, denn der Anstieg von Kohlensäure im Blut erzwingt den nächsten Atemzug, mit dem dem Organismus erneut Sauerstoff zugeführt wird. Jede Verbesserung der Sauerstoffsituation wirkt deshalb Leistungssteigernd aus.

Deshalb wird Backpulver sogar als Krebsmittel beschrieben. Kebszellen sollen nach Dr. Johanna Budwig nicht mit Sauerstoff versorgt sein und sofern die Sauerstoffversorgung (Zellatmung) für diese Gewebe wieder hergestellt werden kann, soll Heilung eintreten. Inwieweit und in welchen Fällen das wirksam sein kann, entzieht sich meiner Kenntnis, der gedanklichen Hintergrund ist jedoch nachvollziehbar.

Backpulver, der Weißmacher

Strahlend weiße Zähne durch Backpulver. 
In den USA sind Zahncremes die Backpulver enthalten, in jedem Supermarkt erhältlich. Dementsprechende deutsche Produkte sind mir dagegen nicht bekannt. In Deutschland scheinen gegen die Verwendung von Backpulver zu diesem Zweck Ängste geschürt zu werden. Scheinbar werden nur zahnärztliche Behandlungen und der Einsatz teurer Spezialmittel toleriert. Bedenkenswert, denn die us-amerikanische Produktehaftung würde bei dadurch entstandenen Schäden "gnadenlos" und in astronomischer Höhe greifen.

Die Anwendung ist kinderleicht: Auf eine feuchte Zahnbürste etwas Backpulver auftragen und ca. 2 Minuten die Zähne putzen. Die Prozedur dreimal wiederholen und anschließend mit normaler Zahnpasta nachputzen. Nachteilig ist, dass Backpulver im Mund etwas unangenehm schmeckt. Allerdings bekommt man hier für wenige Cent einen deutlichen Erfolg zu sehen und bei der Individualprophylaxe wird die Zahnreinigung mit eben dieser Zutat durchgeführt. Eine ausführliche Übersicht über die Weißmacher der Zähne finden Sie bei Ciao.

Pflege der Dritten 
Was bei richtigen Zähnen problematisch erscheinen kann, fällt bei der Reinhaltung und Pflege von Zahnprothesen weg. Auch hier "sprudelt" die entstehende Kohlensäure nicht nur Schmutz weg, sondern löst auch, schwer zugängliche Teerflecke. Verglichen mit herkömmlichen Reinigungstabletten ist Backpulver eine preiswerte Alternative.

Gerätereinigung 
Haushaltsgeräte lassen sich ebenfalls mit simplem Backpulver effektiv und billig reinigen. Kalk und Fette werden aufgelöst und können danach leicht weggewischt werden. Besonderer Vorteil ist daran, dass das Pulver auch in unzugänglichen Winkeln gestreut werden kann. Nass gemacht entfaltet es auch dort in wenigen Minuten seine Wirkung.

Fleckenmittel 
In vielen Fällen kann Backpulver auch Fleckenmittel ersetzen. Neben seiner Preiswürdigkeit ist Backpulver meist auch nach Ladenschluss in fast jedem Haushalt verfügbar. Wie auch sonst bei der Verwendung von Fleckmitteln sollte an einer versteckten Stelle des Gewebes eine Farbverträglichkeitsprobe gemacht werden.

Explosiv: Backpulver und Essig

Sehen Sie sich unbedingt den nebenstehenden Film an. Sie werden merken, dass sich aus der Kombination von Backpulver und Essig Bomben basteln lassen. Kaufen Sie deshalb alle Ihnen zugänglichen Mengen beider Stoffe auf, denn es ist zu erwarten, dass die - wie die Glühbirnen - in Kürze vom Markt genommen werden. Der Terrorismus ist Staatsfeind!

Spaß beiseite, durch die Kombination beider Stoffe lassen sich ungeahnte Kräfte entwickeln, die beispielsweise bei Abflussstörungen von Waschbecken, WC´s etc. genutzt werden können. Das, aber das interessiert EG-Kommissionen wohl weniger, weil damit keine Umweltbelastung stattfindet. 

Bevor derartig radikale Mittel eingesetzt werden, kann der Versuch Backpulver über Nacht auf die Verstopfung einwirken zu lassen, schon erfolgreich sein.

Weitere Anwendungsvorschläge der Leser

ottili50de@yahoo.de berichtet: 
Ich streue Backpulver in die Schuhe wenn sie nach Schweiss riechen, am nächsten Morgen ist der Geruch weg.

Meine Anmerkung dazu: Von einigen Anwendern wird es übrigens, statt teurer und möglicherweise schweißunterdrückender Deo´s in die Achselhöhlen etc. gepudert".

Merlin erwähnt die Möglichkeit Backpulver gegen Ameisen und Blattläuse. Davon habe ich ebenfalls gehört und das in Kombination mit (Puder-) Zucker. Obwohl hier Ameisen in großen Mengen auftreten, kam auch mir dieser Gedanke bisher nicht. Ich werde es versuchen und es auch an "richtigen" Termiten ausprobieren.

Abgesang

Jetzt hoffe ich Sie für den "Alleskönner Backpulver" interessiert zu haben und wünsche Ihnen viel eigene Kreativität bei der Verwendung. Hier aber vielleicht noch etwas grundlegend Wichtiges...

... man kann Backpulver auch zum Backen verwenden!!!  ;-)

Klaus_Radloff, am 29.11.2012
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