Gute Manieren geraten nie außer Mode

Die erste potenzielle Hürde in einer Singlebörse: Wie präsentiere ich mich? Wohl jeder kennt die Schwierigkeit, sich selbst in wenigen Worten zu schreiben. Soll man ehrlich und damit unspektakulär bleiben? Oder darf man ruhig ein bisschen übertreiben und sich somit ins rechte Licht rücken?

Als Daumenregel beim Ausfüllen des eigenen Profils gilt: Zur eigenen Person stehen! Es ist überhaupt nicht nötig, einen abenteuerlichen Lebenslauf zu fabulieren oder beim eigenen Aussehen hemmungslos zu lügen. Denn, so erstaunlich dies auf den ersten Blick klingen mag: Ganz normale Menschen mit ihren Ecken, Kanten und Macken erfreuen sich größter Beliebtheit auf dem Singlemarkt. Der Grund hierfür ist einleuchtend: Kaum jemand möchte völlig im Schatten des Partners stehen oder befürchten müssen, ihn oder sie bereits nach kurzer Zeit an attraktivere und erfolgreichere Mitmenschen zu verlieren und deshalb unablässig konkurrieren zu müssen, um den Partner zu halten.

Wer ehrlich ist, hat gut lachenAußerdem gilt nach wie vor: Nobody is perfect! Angesichts von meist mit den atemberaubenden Antlitzen von Supermodels versehenen Hochglanzmagazinen und dem Schönheitskult unserer Gesellschaft nimmt es nicht Wunder, dass der Mann und die Frau von der Straße verzweifeln und sich oftmals wie das hässliche Entlein vorkommen. Dabei werden freilich die Schwindeleien und Tricks übersehen, mit denen Models oder Schauspieler optisch aufpoliert werden.

Die gute Nachricht lautet: Ein dermaßen perfektes Aussehen wird seitens potenzieller Partner gar nicht erwartet. Im Gegenteil: Meist sind es die kleinen "Schönheitsfehler", die uns Menschen unverwechselbar machen. Mit ein bisschen Phantasie und Augenzwinkern lassen diese sich sogar zu einer Stärke umdeuten. Viele Männer stören sich an dezenten Fettpölsterchen keineswegs oder finden es attraktiv, wenn Frauen im besten Alter zu ihren Fältchen stehen.



Ehrlich währt buchstäblich am längsten
Kurzum: Mit Ehrlichkeit lässt sich aus der vermeintlichen Not eine Tugend machen und es besteht kein Grund, eine potenzielle Beziehung mit Lügen zu gefährden. Aus Romantikkomödien kennt man Situationen, bei denen mittels Schwindeleien ein Trugbild erzeugt wird, das irgendwann mit Karacho einstürzt. In Filmen kein Problem: Der charmante Lügenbold kann sich der Liebe seiner Angebeteten letztendlich trotzdem sicher sein. Im wirklichen Leben hingegen beenden derlei Lügen eine potenzielle Partnerschaft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.
Je größer die Lügen, desto schwieriger ist es, sie aufrecht zu erhalten.

Irgendwann kommen verschwiegene Kinder, eine "nur noch auf dem Papier bestehende Ehe" oder Übertreibungen beim beruflichen Status unweigerlich auf. Sicher: Hinter dem Bildschirm lässt sich eine Phantasiewelt errichten. Doch meist wird diese bereits nach dem ersten realen Treffen schonungslos aufgedeckt. Bleiben Sie nicht nur deshalb lieber ehrlich. Schließlich fielen Sie ja auch aus allen Wolken, wenn sich die vermeintlich großgewachsene Traumfrau mit den Maßen eines Supermodels beim ersten realen Treffen als kleingeratenes Pummelchen erwiese.

 

Stilsicher beim ersten Kontakt
Früher oder später möchte man natürlich mit einem beziehungswilligen Single Kontakt aufnehmen. Mit ein bisschen Glück und einem sympathischen Profil erhält man wahrscheinlich sogar selbst Kontaktanfragen und steht nun vor der Aufgabe, diese zu beantworten. Egal wie: Höflichkeit ist auch in Zeiten des Internet keine unnötige Zier, sondern nach wie vor Pflicht. Wie sollte nun die erste Mail aussehen? Hinweise darauf liefert die Kontaktanzeige des Gegenübers. Duzt der Single seine Leser? Hat er Idealvorstellungen vom Partner und falls ja, wie lauten diese? Legt er oder sie Wert auf das Übermitteln eines Fotos?

Auf jeden Fall verpönt sind Massenmails, die auf den einzelnen Kontaktsuchenden gar nicht erst eingehen und mit Allgemeinfloskeln gefüllt sind. Solche Mails landen mit größter Wahrscheinlichkeit im virtuellen Papierkorb. Zu Recht! Auf der Straße oder im Café möchte man selbst ja schließlich auch mit Respekt und ehrlichem Interesse begegnet werden.

Schreiben fällt nicht immer leicht...Bereits die ersten Zeilen einer Mail erhöhen oder verringern die Chancen auf eine Antwort. Ein schnoddriges: "Hallo! Finde dein Profil super! Melde dich mal!" kommt gar nicht gut. Ehrliches Interesse zu bekunden ist hingegen Trumpf und gar nicht so schwierig, wie so manche Singles annehmen. Die Frage: "Was soll ich bloß schreiben?" lässt sich mit einer simplen Gegenfrage beantworten: Weshalb wollen Sie das Gegenüber denn eigentlich kennenlernen?

Notieren Sie die Gründe hierfür und Sie haben bereits reichlich Gesprächsstoff für weitere Mails: Er oder sie ist gleich Ihnen Hundebesitzer, liebt es zu kochen, träumt von einer Reise nach Australien oder hegt einen Kinderwunsch. Sie werden erstaunt sein, wie viele Gesprächsfäden Sie weben können!
Idealerweise sollte die erste Mail nicht mit Fragen oder gar der eigenen Lebensgeschichte überfrachtet sein. Bekunden Sie stattdessen ehrliches Interesse und stellen Sie ein, zwei Gegenfragen, die zu einer Antwort animieren, wobei Intimfragen oder zweideutige Anspielungen tunlichst unterlassen werden sollten.



Geduld bewahren
Nun hat man eine originelle, stilistisch saubere erste Mail verfasst und erhofft sich eine rasche Antwort. Doch nach einem Tag bleibt der Posteingang immer noch leer. Kein Grund, nervös zu werden und sofort nachzuhaken. Gestehen Sie dem Gegenüber mehrere Tage zu, die Mail zu lesen und zu beantworten. Nicht jeder Internetuser prüft täglich seinen Mailaccount oder findet die Zeit, sofort zu antworten. Verstreicht längere Zeit ohne jegliche Antwort, sollte man dies akzeptieren und keinesfalls bettelnde Mails mit der Bitte um Antwort oder gar Nachrichten mit beleidigendem Inhalt senden. Das Gegenüber hat seine Gründe, weshalb es Ihnen nicht geantwortet hat, und dies sollte unbedingt respektiert werden.
Andererseits zeugt es von guten Umgangsformen, jede mit Herzblut geschriebene Mail zu beantworten. Auch einen Korb kann man höflich, aber bestimmt verteilen, ohne den Kontaktsuchenden zu kränken.

Weitaus erfreulicher ist es hingegen, wenn man eine Antwortmail erhält, die wiederum Interesse an der eigenen Person erkennen lässt. In jedem Fall gilt, weiterhin freundlich und respektvoll zu schreiben und keinerlei Druck auszuüben. Aus einer einzigen Antwort lässt sich nämlich keine Verpflichtung zu einem spontanen Date ableiten, wie so mancher Singlebörsenbenutzer zu glauben scheint.



Ruf mich an... bitte
Hier hat jemand zu lange gewartet...Wann der "richtige" Zeitpunkt für ein erstes Date gekommen ist, lässt sich natürlich nicht generalisierend sagen. Allerdings läuft die Kommunikation fast unweigerlich auf den Wunsch nach einem Treffen hinaus. Viele Singles ziehen jedoch zunächst ein Telefonat vor. Seien Sie deshalb nicht überrascht, wenn statt der unkomplizierten Einladung ins Kino oder zum Essen die Frage gestellt wird, ob man Lust auf ein Telefonat habe. Dabei handelt es sich nicht bloß um ein erstes Abtasten, sondern gewissermaßen um die ernsthafte Vorstufe zum Date. Immerhin stellt die Stimme einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit dar und entscheidet nicht zuletzt über Sympathie.

Ein Telefonat lüftet zudem den Schleier virtueller Anonymität und erlaubt direkte Gespräche und somit Rückschlüsse über den Charakter: Lacht das Gegenüber gerne und viel? Kann es zuhören oder plappert es ununterbrochen? Schmeichelt die Stimmlage den Gehörgängen oder ist sie unerträglich schrill? Dieser erste persönliche Kontakt kann das anfängliche Interesse zwar schlagartig erkalten lassen, zeugt aber vom Wunsch, mehr über einen zu erfahren, als es mit Mails möglich ist. Und wer weiß: Vielleicht springt gerade via Telefon der berühmte Funke so richtig über und führt zum spontanen Date!

Bitte vergessen Sie aber auch beim ersten Rendezvous die wichtigste Benimmregel nicht: Den potenziellen Partner weiterhin mit allem gebotenen Respekt zu behandeln.

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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