Pflegeleichte, vielseitige Berberitzen für den naturnahen Garten

Rotlaubige Berberitze - © Heike NedoDie Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris) ist ein pflegleichter und gern gepflanzter Strauch im naturnahen Garten und in Parkanlagen. Auch als stachelige und damit schützende Hecke können die Sträucher gepflanzt werden. Im Frühling trägt die Berberitze zarte, gelbe Blüten, bis zum Herbst haben sich daraus leuchtend rote Beeren entwickelt. Inzwischen wurden zahlreiche Sorten des Strauches gezüchtet. Zu den Berberitzengewächsen gehören mehrere Hundert Arten, womit sie eine der artenreichsten Gehölze sind. So gibt es neben der genannten Gewöhnlichen Berberitze auch die Grüne Hecken-Berberitze (Berberis thunbergii), die häufig als Zierstrauch gepflanzt wird. Die stacheligen Sträucher sind vielseitig einsetzbar und vertragen Sonne als auch Halbschatten. Besondere Ansprüche an den Boden stellt Berberis nicht. Nur bei anhaltender Trockenheit sind sie dankbar für zusätzliche Wassergaben. Die robusten Gehölze sind sehr winterfest. Frost macht ihnen nichts aus, auch Wind schadet nicht. Ein Schnitt ist nicht notwendig, meistens werden die Berberitzen im Garten für naturnahe Hecken empfohlen. In dem stacheligen Geäst finden einige Singvögel einen sicheren Ort für ihrer Nester. Berbers thunbergii kann bis zu zwei Meter hoch werden, die gewöhnliche Art B. vulgares erreicht drei Meter Höhe. Wer möchte kann die Berberitze auch in Form schneiden, obwohl dabei viele Blüten verloren gehen. Bei natürlichem Wachstum ist es höchstens einmal notwendig, altes Holz zu entfernen, um die Bildung neuer Triebe anzuregen. Neben den roten Früchten färben sich im Herbst zusätzlich die Blätter rot. Es gibt auch Sorten, die im Sommer rotlaunig sind. Wer sich Berberitzen vermehren will, sollte einfach Ausschau nach kleinen Sämlingen halten, denn die Sträucher samen sich selbst aus. Da die Blüten mit ihrem Duft Bienen und andere Insekten anlocken, werden sie ausreichend bestäubt. Berberitzen sind im Frühjahr eine gute Bienenweide.

Zwischenwirt für einen gefährlichen Getreidepilz

Abgesehen davon, dass die Stacheln wirklich unangenehm spitz sind, ist die Gewöhnliche Berberitze auf eine andere Art gefährlich, nicht jedoch die Grüne Hecken-Berberitze. Die gewöhnliche Art ist der Zwischenwirt eines gefürchteten Getreideschädlings. Es handelt sich um Schwarzrost (Puccinia graminis), der als parasitärer Rostpilz bevorzugt Weizen und Roggen befällt. Der Pilz verursacht an Stängeln und Blattscheiden, seltener direkt an den Ähren, rostbraune Flecken von länglicher Form. Sie entstehen durch viele Millionen Sommersporen des Pilzes. Über den Wind werden diese weit verbreitet. Wenn das Getreide reift, färben sich die braunen Flecken schwarz und aus den Sommersporen entstehen dickwandige Wintersporen, die auf den Stoppeln des abgeernteten Feldes überleben. Im Frühling wandeln sich diese wieder um, indem sich ein kurzer Faden daran bildet. Diese Frühjahrssporen (es sind nicht so viele wie Sommer- oder Wintersporen), werden vom Wind an eine Berberitze getragen. Auf der Unterseite der kleinen Berberis-Blätter finden sich dann rote oder gelbliche Flecken, etwas verdickt, die Träger von Bechersporen. Der Kreislauf schließt sich, wenn die kleinen Becher reif sind, aufplatzen und wieder neue Sporen mit dem Wind auf die Reise schicken. Sie befallen wieder ein Getreidefeld, wo der Pilz als einer der gefährlichsten Getreideschädlinge durch sein Schmarotzertum ganze Ernten vernichten kann.

Zum Glück tritt Schwarzrost in Deutschland selten auf. In Amerika gab es dagegen im 20. Jahrhundert Epidemien, die dazu führten, dass dort in manchen Getreideanbaugebieten die Berberitze per Gesetz ausgerottet wurde. Auch in Afrika (Kenia und Ostafrika) verursachte der Pilz in den Jahren 2007/ 2008 erhebliche Schäden. In Deutschland wurde 2013 berichtet, dass die Hitzewelle im Juli/ August dafür sorgte, dass Schwarzrost an einigen Getreidefeldern beobachtet wurde. Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass die Wintersporen und das Myzel des Pilzes nicht überleben werden.

Berberitzen sind giftige Pflanzen, deren Beeren jedoch essbar

In allen Berberitzen-Pflanzen, also in allen Arten, ist außer in den Früchten, das giftige Alkaloid Berberin enthalten. Es führt zu Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, kann Krämpfe hervorrufen und sogar eine Nierenentzündung verursachen. Die Früchte dagegen sind alkaloidfrei und wurden früher oft zum Kochen von Marmelade verwendet. Roh schmecken sie sehr sauer, sind dafür jedoch besonders vitaminreich. Im Iran wird der Strauch kommerziell angebaut. Dort wird aus ihnen ein Berberitzen-Reis gekocht. Die kleinen Beeren lassen sich trocknen und im Müsli nutzen wie Rosinen. Früher färbte man auch Stoffe und Leder mit der Rinde und der Wurzel gelb. Das Berberin ist für die Medizin von Bedeutung. In Deutschland spielen die im Winter laublosen Dornensträucher wohl hauptsächlich eine Rolle als Ziersträucher. Berberis vulgaris ist auch unter den Namen Sauerdorn, Essigdorn Echte Berberitze oder Taigabeere bekannt.

Immergrüne Berberitzen für den Garten

Berberis buxifolia var. Nana

  • beliebte Art aus Chile, bis 50 Zentimeter hoch, elliptische, stachelspitzige Blätter
  • gut geeignet als Einfassung und für Steingärten oder als Bodendecker
  • wächst sehr langsam, blüht selten, hat dafür aber nur wenige Dornen
  • Berberis buxifolia hat synonym den Namen Berberis microphylla 
  • Wikipedia bezeichnet die Art als "Buchsblättrige Berberitze", in Baumschulen wird die Züchtung Nana als "Grüne Polsterberberitze" angeboten

Berberis candidula

  • "Schneeige Berberitzen", ist ein halbkugelförmiger Kleinstrauch, Blüten und Früchte durch das dichte Laub wenig auffallend, dicht bedornte Triebe, 
  • stammt aus Westchina, hat kleine, dunkelgrüne, stark glänzende Blätter mit silbriger Unterseite
  • sehr wertvolles Ziergehölz
  • Berberis candidula "Jytte" wird als Kissenberberitze verkauft

Berberis julianae

  • "Julianes Berberitze" oder "Großblättrige Berberitze"
  • ist besonders frosthart, bis zehn Zentimeter lange Blätter, gezähnt und glänzend grün, im Herbst teilweise rot gefärbt, herrlich gelbe Blütenbüschel
  • der Strauch wird bis zu 2,5 Meter hoch, Zweige mit starken Dornen versehen

Berberis x stenophylla

  • "Schmalblättrige Berberitze" oder "Dotter-Berberitze"
  • hat schmale, 1,5 bis zwei Zentimeter kleine Blätter, lanzettlich geformt, mehrblütigen Blütenstände, goldgelb, sehr reich blühend, überhängende Zweige, bis zwei Meter hoher, eleganter Zierstrauch, schwarzblaue Früchte
  • es gibt mehrere Züchtungen, die "Cream Showers" wartet mit cremeweißen Blüten auf

Laubabwerfende Arten

Berberis thunbergii

  • häufigste laubabwerfende Art, stammt aus Japan
  • frischgrüne Blätter, die sich im Herbst herrlich scharlachrot färben, Früchte korallenrot, etwa acht Millimeter lang
  • diese Art ist kein Zwischenwirt des Getreiderostpilzes!
  • die zahlreichen Züchtungen sind beliebte Ziersträucher für Parkanlagen und Gärten

Berberis thunbergii "Artropurpurea"

  • rotbraune Blätter, beliebtes Heckengehölz, da diese Gartenform den Schnitt gut verträgt
  • für niedrige Hecken empfiehlt sich "Artropurpurea Nana", die nur 30 bis maximal 60 Zentimeter hoch wird

Berberis wilsonieae

  • eine Art mit blaugrünen, lanzettlichen Blättern, die sich im Herbst ebenfalls scharlachrot färben
  • die Früchte leuchten lachsrot und bleiben bis in den Winter am Strauch
  • kleinbleibender Strauch, bis einen Meter hoch

Auch unsere im Frühjahr zeitig blühende Mahonie (Mahonia) mit ihren gelben Blütenbüscheln gehört zu den Sauerdorngewächsen (Berberitzen).

Autor seit 5 Jahren
128 Seiten
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