Thymian-Sorten wildwachsend und im Garten

Ursprünglich stammt der würzige Zwergstrauch aus den höheren, etwas kühleren Lagen des Mittelmeerraumes. Hier ist der Echte Thymian (Thymus vugaris), auch als Deutscher Thymian bekannt, ein verholzendes, mehrjähriges Kraut mit schmalen, ledigen Blättern und würzig-pfeffrig, intensivem Geruch. Dieser Deutsche Thymian ist also keine einheimische Pflanze, obwohl er international so genannt wird. Einheimisch dagegen ist der Gemeine Thymian (Thymus pulegoides), ein niederliegendes Kraut und ebenfalls ganz flachwachsend. Auch Sandthymian (Thymus serphyllum) wächst in unseren Gefilden. Er wird auch als Quendel oder Wiesenthymian bezeichnet, wächst in Süddeutschland oft wild, blüht rosa und variiert je nach Standort im Aroma.

Die Vielfalt der Thymiane im Garten ist wesentlich größer. Alle Sorten sind Sonnenanbeter, mögen durchlässigen Boden und leiden sogar unter zu viel Nährstoffen. Stehende Nässe ist der Feind der kleinen immergrünen Pflanzen. Im Winter ist ein Schutz vor starkem Wind angesagt. Leider ist nicht bei allen Sorten die Winterhärte garantiert. In meinem Garten haben der Echte und Zitronenthymian jedoch schon viele Jahre überlebt. Der Echte wächst ungeordnet zwischen Sträuchern und Stauden, wo Platz ist. Der panaschierte Zitronenthymian sieht im Kübel hübsch aus und auch für kleine Beeteinfassungen sind die Pflanzen geeignet. Viele Arten lassen sich nur über Stecklinge vermehren. Sie alle wachsen am besten, wenn Sie karge Bedingungen vorfinden. Ein nährstoffarmer, steiniger Boden und volle Sonne bringen das beste Aroma hervor. Am aromatischsten ist es mittags, wenn die Sonne am höchsten steht und kurz vor der Blüte. Die Blüten ziehen Bienen magisch an. Wer das Summen mag, sollte unbedingt einige Pflanzen blühen lassen. Bei Arten, die Sie aussähen können, kommt der Samen im Frühjahr in die Erde. Thymian breitet sich kriechend aus und kann schnell aromatische Teppiche bilden. Verkahlen die Pflanzen von innen, wird einfach geteilt und umgepflanzt. 

Verwendung in Küche, als Heilkraut und zur Dekoration

Ohne Thymian ist ein Gewürzregal nicht vollständig und ein Garten erst recht nicht. Je nach Sorte wird er als balsamisch-süßliches Kraut beschrieben, aber auch als scharf und aromatisch und wie so mancher Sortenname verrät auch zitronig, an Kümmel erinnernd und selbst mit Rosenduft versehen. Wenn Sie einen Schweine- oder Geflügelbraten füllen möchten, brauchen Sie Thymian. Er gehört an viele deftige Gerichte. Verwendet werden die frischen oder getrockneten Blättchen. Zwei Arten sind besonders beliebt. Es ist der Zitronenthymian (Thymus x citriodorus) und der Kümmelthymian (Thymus herba-barona). Da Thymian auch als Heilpflanze sehr wirksam ist, wird er schon seit Jahrhunderten genutzt. Er würzt Brat- und Grillfleisch, Käse, Salate, Marinaden und aromatisiert Essig und Öl. Zitronenthymian passt hervorragend an einige Süßspeisen. Das Kraut wirkt appetitanregend und hilft den Atem- und Verdauungsorganen. Thymianessig ist beliebt für Salate und Dressings. Da Thymian desinfizierend, antibakteriell und gegen Schimmelpilze wirkt, wurden früher viele Fleischwaren damit geräuchert sowie Käse und Getreide mit dem Kraut konserviert. Bei allen Entzündungen im Rachenraum ist Thymian wohltuend. Daher gehört Thymian zu den magischen 13 Kräutern des Ricola-Kräuterzuckers. Zusätzlich beruhigt Thymian den Magen und die Nerven, wirkt abends schlaffördernd und soll sogar bei Migräne helfen. 

Verwendet wird das Kraut jedoch nicht nur in der Küche zum Würzen, sondern auch zum Räuchern oder Dekorieren. Getrocknete Thymianzweige in ein Ofenfeuer gelegt oder in einem Eisenpfännchen auf den Ofen gestellt, geben ihren herrlich würzigen Duft in den Raum ab. Gerade wenn es draußen kalt ist, entfalten die ätherischen Öle ihre angenehme Wirkung besonders intensiv. Zur Dekoration eignen sich kleine Sträußchen oder mehrere Zweige, die zum Kranz gebunden Gefäße für Teelichter schmücken. Selbst ganze Türkränze lassen sich mit Thymian binden, wobei besonders die Sorten mit panaschierten Laub geeignet sind.

Thymiansorten, die neugierig machen

Im Gartenkatalog " Rühlemanns Kräuter und Duftpflanzen 2013" ist nachzulesen, dass es eine englische Gärtnerei gegeben haben soll, die hunderte Thymiansorten anbaute. Ihr komplettes Sortiment bestand ausschließlich aus Thymianarten. Das macht deutlich, wie variantenreich die würzigen Kleinsträucher sind. Das Aroma steckt in winzigen Blättchen und kann so wie bei Basilikum, Salbei oder Minze sehr verschieden sein. Laut Katalog sollten sie alle drei Jahre umgepflanzt und etwas tiefer gesetzt werden. Meine Erfahrung bestätigt dies. 

Kann Thymian nach Rosen duften? Laut dem genannten Katalog ja. Viele Bestandteile machen einen typische Rosenduft aus. Einer davon ist Geraniol, welches in Lippenblütlern enthalten ist. Thymian gehört dazu und so verwundert es nicht, dass es eine Sorte gibt, in der dieses Geraniol in größerer Menge vorhanden ist als bei anderen Arten. Rosendufttthymian nennt sich das Wunderkraut. Eine andere Sorte wartet mit dem typischen englischen Earl-Grey-Duft auf. Bergamotte-Thymian (Thymus chamaedrys) soll für die englische Note von Kräutertees sorgen. Lavendelthymian (Thymus thracicus) bietet ein harziges Aroma zwischen Lavendel und Rosmarin. Er ist gut zum Räuchern geeignet. Gerade in der kalten Jahreszeit ist sein Kiefernnadelduft interessant. Einige weitere Sorten sollen hier noch in Stichpunkten erwähnt werden, falls der Leser nach diesen googeln möchte:

  • Silberthymian (Th. vulgaris "Argentus") - weißbuntblättrig, stammt vom Englischen Thymian ab, soll ganzjährig mild sein
  • Spanischer Thymian (Th. zygis) - besonders zum Trocknen geeignet
  • Orangenthymian (Th. fragrantissimus) - Gewürz besonders für Süßspeisen und für einen fruchtigen Tee
  • Zitronenquendel (Th. x serpyllum) - wie der Name mit Zitronenduft
  • Zitronenthymian (Th. citrodorus) - wüchsige Sorte, besser als andere auch Schatten vertragend - es gibt verschiedene Sorten mit Zitronenduft und grün-, gelb- oder weißbuntblättrig
  • Kaskadenthymian (Th. longicaulis ssp. odoratus) - wächst schnell über Trockenmauern oder den Rand eines Kübels, wegen seinem Aroma auch als Steinpilz-Thymian bekannt
  • Kümmelthymian (Th. herba-barona) - stammt aus Sardinien und Korsika, Aroma zwischen Kümmel, Thymian und Kreuzkümmel, in England typisches Fleischgewürz

Eigene Erfahrungen im Garten

Der erste Thymian in meinem Garten war der Gemeine Thymian (Thymus vulgares). Ich habe ihn ausgesät, die Stelle fast vergessen und etwa drei Wochen später über winzige Pflänzchen mit kaum erkennbaren Blättchen gestaunt. Auf unserem märkischen Sandboden fühlt er sich wohl. Die Winzlinge bildeten schon zwei Jahre später einen mehr als einen Quadratmeter großen Thymianteppich. Leider protestierte mein Mann jedes Mal, wenn ich diesen beim Kochen einsetzte. Schon winzige Mengen schmeckte er heraus. Rühmanns Katalog schreibt dazu: "Würziges, im Sommer oft zu intensives Aroma. Gartenthymiane sind … deshalb vorzugsweise in den kühlen Jahreszeiten, also vom Herbst bis zum Frühjahr, zu verwenden." Der Gaumen meines Mannes ist also nicht überempfindlich, sondern das Würzkraut zu intensiv. Als die Pflanzen anderen Gewächsen Platz machen mussten, setzte ich mehre Büschel um, die sich anschließend noch besser entwickelten. Da sie bei mir nicht geerntet werden, kommen meine Bienen in den vollen Genuss der lilafarbenen Blüten. Blühenden Thymian ohne darin summende Bienen gibt es bei mir nicht. In der Potsdamer Staudengärtnerei, die zum berühmten Senkgarten des Karl Förster gehört, erwarb ich den ersten Zitronenthymian, der seinem Namen entsprechend intensiv zitronig und frisch duftet. Er wächst wesentlich schwächer, dafür darf ich ihn in der Küche verwenden. Doch selbst wenn er nur dazu wachsen könnte, ab und an die Hand durch des frische Kraut zu streichen, so wollte ich diese Art nicht mehr missen. Im Winter sind seine weißbunten Blättchen auch noch ein hübscher Blickfang. Zitronenthymian habe ich im Kübel neben dem Hauseingang (da kommt die Nase schnell hin) und direkt im Garten, an beiden Standorten schon mehrere Jahre. Im letzten Jahr bescherte mir der Staudenmarkt des Berliner Botanischen Gartens zwei weitere Arten, Kümmelthymian und Zwergthymian (Thymus vulgarus "Compacts"), beides Pflanzen, die noch einer Schonzeit für ihre Entwicklung bedürfen. Diese Arten werden nicht die letzten sein. Schweizer Thymian, der den höchsten Thymolgehalt aller Arten haben soll, ganzjährig milder Silberthymian, besonders zum Trocknen geeigneter Spanischer Thymian, Orangen-, Oregano-, Kaskaden- oder Rosenthymian sind Sorten, die mich neugierig machen. Im oben genannten Katalog sind 30 verschiedene Thymiane beschrieben. Die Auswahl fällt nicht leicht. Jedes Jahr verführt mich diese Gärtnerei dazu, einige Kräuter als Pflanze oder auch Samen auszuprobieren. Thymian wird in diesem Jahr bestimmt dabei sein. 

 

Autor seit 5 Jahren
128 Seiten
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