Die große Erfolg des Bernd Clüver kam über Nacht, hielt kurz an und ließ sich in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr wiederholen. Eine treue Fangemeinde ermöglichst es dem sympathischen Sänger trotzdem, weiter neue Aufnahmen zu produzieren. Am Beispiel von Bernd Clüver zeigt sich aber auch die Enge eines Künstlerlebens, das einmal durch ein bestimmtes Image geprägt wird. Sein radikaler künstlerisches Ausbruchsversuch 1976 stellte ihn derart ins Abseits, dass er nicht wieder in die zwangsweise "heile" Schlagerwelt zurückfand.

 

Bernd Clüver blieb immer der Junge mit der Mundharmonika

 

Von ersten Moment an wurde Clüver mit einem der großen Klassiker des deutschen Schlager identifiziert. "Der Junge Mit Der Mundharmonika" wurde zum sinnbildlichen Markenzeichen und blieb auch der einzige wirkliche Topseller des Sängers. "Der Kleine Prinz" konnte noch sehr nahe an diesen Erfolg herankommen. "Das Tor Zum Garten Der Träume" blieb jedoch schon meilenweit von einem großen Hit entfernt. Obwohl die Nachfolgeschlager sehr solide und gut waren, wurde Clüver immer mehr von der Spitze verdrängt. 1976 versuchte Clüver radikal neue Themen in seine Schlager einzubringen. Er wählte das damals noch höchst tabuisierte Thema der Homosexualität. "Mike Und Sein Freund" endet dazu noch mit einem Suizid, weil sich der homosexuelle Sohn von seiner Familie vollkommen unverstanden fühlt.

 

Todesfälle mit tragischem Hintergrund in der Schlagerszene

 

Clüver teilt dieses Schicksal des kurzen aber heftigen Erfolges mit einigen Stars der sechziger- oder siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ob Ricky Shayne, Drafi Deutscher oder Christian Anders - bei allen gab eine kurze heftige Erfolgsserie und dann ein Abtauchen in die dunklen Seiten des Showbusiness. Bernd Clüver macht die Tatsache besonders sympathisch, dass er aber trotz mäßigen Erfolges weitergemacht hat und auch eine sehr treue Schar an Fans blieben an seiner Seite. Sein tragischer Tod hat durchaus Parallelen zu anderen berühmten Kollegen wie Roy Black oder Rex Gildo. Rex Gildo stürzte von einem Balkon in den Tod, Selbstmordabsichten wurde immer heftig bestritten. Bei Bernd Clüver war es ein unglücklicher Sturz über die häusliche Treppe.

 

Ein letztes "Adieu" an Bernd Clüver

 

Der Tod von Bernd Clüver sollte aber auch Grund genug sein, über die Unbarmherzigkeit des Schlagergeschäfts nachzudenken. Nicht jeder schafft es so wie Clüver sich mit der Tatsache abzufinden, nicht mehr zur Spitze zu gehören. Alkohol und Drogen sind oft verzweifelte Auswege, wenn der Erfolg praktisch über Nacht ausbleibt. Das gilt für die gesamte Künstlerszene, nicht nur für den Schlager. Am Ende sollen die wunderbaren Zeilen des Bernd Clüver Schlagers "Der Kleine Prinz" stehen, als letztes "Adieu" an einen sympathischen Menschen und Künstler: "Und ein Engel, der Sehnsucht heißt, steht am Fenster und schaut Dich an. Und er träumt mit Dir; und er weint mit Dir. Und ein Atemzug der Liebe streift die Herzen, die ihn seh'n. In der Dunkelheit erstrahlt sein Stern für die, die ihn versteh'n".

Autor seit 5 Jahren
52 Seiten
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