Unterforderung kann auch krank machen

Während die Einen nicht wissen, wie die ganze Arbeit geschafft werden soll, haben die Bore-out Geplagten ein ganz anderes Problem. Wie kann ich den ganzen Tag Geschäftigkeit vortäuschen? Um mich herum ächzt jeder über die ständige Überbelastung und ich habe nichts zu tun. Es ist schwer, Tag für Tag einen angestrengten und geschäftigen Eindruck zu vermitteln, indem Aktenstapel hin und her und E-Mails umsortiert werden. Auch das wiederholte Lesen von längst erledigten Dokumenten ist nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten. Nicht, dass man sich komplett nutzlos vorkommt, nein, auch die ständige Angst als fauler Kollege verschriehen zu werden, sägt und zerrt am Nervenkostüm und dem eigenen Selbstwertgefühl. Burn-out haben die Erfolgreichen. Sie nämlich haben das ganze Interesse während Bore-out Geplagte kaum beachtet werden.

 

Welche Symtome hat der Bore-out Geplagte?

Hier findet man kaum einen Unterschied zu den Burn-out Symptomen. Auch hier werden oft

  • Schlafstörungen
  • Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit
  • Genussunfähigkeit

genannt. Das Schlimme dabei ist, man merkt es zunächst nicht. Oft ist es sogar so, dass der Betroffene sich darüber freut, bei der Arbeit einmal durchatmen zu können. Erst nach und nach beschleicht einem das Gefühl: Hier stimmt etwas nicht. Zu den oben genannten Symptomen können dann auch körperliche dazu kommen wie z.B. Schwindel, Tinnitus, Kopfschmerzen oder sogar Magenbeschwerden. Diese Stresssymptome, welche beim Burn-out durch Überbelastungen hervorgerufen werden, kommen beim Bore-out durch Unterforderung zustande. Das wäre etwa so, als müsste ein Formel1 Rennfahrer ständig unter hohem Erwartungsdruck mit einem stark untermotorisierten Rennwagen gegen die übermächtige Konkurrenz antreten. Diese Diskrepanz zwischen dem, was man kann und dem, was abgerufen wird, führt dann schließlich zu dieser Krankheit.

 

Was genau passiert hier?

Folgendes Beispiel:

Jemand bewirbt sich bei einer neuen Firma um einen anspruchsvollen Job. Ausgeschrieben ist die Leitung einer Abteilung. Diese Abteilung ist in mehrere Gruppen mit jeweils einem Gruppenleiter unterteilt, Sie bekommen den Job und stellen nach geraumer Zeit fest, dass sie gar nicht die Abteilung leiten, sondern nur den Posten eines weniger wichtigen Gruppenleiters innehaben. Sie sind sowohl qualitativ, als auch quantitativ unterfordert. Erst einmal wird dieser Zustand als angenehm empfunden. Es ist genügend Zeit da, um sich in Ruhe einzuarbeiten und vielleicht gewöhnt man sich auch daran.

Hier liegt das erste Problem. Man merkt zunächst überhaupt nicht, warum man abends nach der "Arbeit" zu müde und ausgelaugt ist. Ein weiterer Aspekt wäre auch die Tatsache, immer nur eine Teilaufgabe erledigen zu dürfen. Nie das Ganze bearbeiten zu dürfen. Psychologisch gesehen ist es auf lange Sicht enorm wichtig, in seinem Job Gesamtaufgaben oder Projekte abzuschließen, und damit auch Erfolgserlebnisse verbuchen zu können.

Qualitative und quantitative Unterforderung gehören eng zusammen. Wäre man quantitativ nicht unterfordert, bräuchte man auch keine Verhaltenstrategie anzuwenden, um das Nichtstun zu verschleiern. Gerade diese Strategie ist fatalerweise die Burn-out-Strategie. Der Betroffene gibt sich den ganzen Tag gestresst und gehetzt und macht sogar Überstunden, um besonders belastet zu wirken. Er ist es aber nicht. Er ist nicht einmal faul.

Man stelle sich das nur einmal vor: den ganzen Tag nichts Wichtiges zu tun und dennoch den Eindruck erwecken, immer gestresst zu sein nicht auch nicht pünktlich Feierabend machen zu können.

Was dagegen tun?

Wichtig ist natürlich erst einmal, sich selbst zu beobachten oder seinen Partner zu befragen ob dieser einer Veränderung festgestellt hat. Kommt man zu den Schluß, ein Bore-out Kandidat zu sein, hilft ein möglichst schnelles Gegensteuern. Dabei muss auf jeden Fall ein Gespräch mit dem Vorgesetzten geführt werden. Offenheit ist hier gefragt, denn es hilft nichts zu sagen, dass es eigentlich ja nicht immer so schlimm ist.

Im Wesentlichen gibt es zwei Lösungsansätze, vieleicht sogar drei.

  1. Die Arbeitszeit dem Arbeitsanfall anzupassen. In diesem Fall also reduzieren.
    Der Nachteil wäre allerdings auch eine finanzielle Einbuße, die auch nicht für jeden in Betracht kommt.
  2. Eine Veränderung der Aufgaben. Die Arbeitszeit bleibt und die Aufgaben nehmen an Qualität und Quantität zu.
    Hier muss natürlich die Qualifikation stimmen und der Arbeitgeber traut Ihnen diese Tätigkeit auch zu.

Sollte keiner dieser beiden Lösungsmöglichkeiten zum Tragen kommen und einer Erschöpfungsdepression ist schon eingetreten, sollte der Betroffene auf jeden Fall den Hausarzt aufsuchen und seinen Fall schildern. Erkennt der Hausarzt die Notwendigkeit, wird er den Betroffenen an einen für psychosomatische Medzin zuständigen Facharzt weiter verweisen.

Ist auch hier keine Hilfe möglich, käme wohl nur noch Lösungsansatz 3 in Betracht: Die Kündigung.

Das diese Möglichkeit nicht die Schlechteste sein muss, hat ein Fall in meiner Verwandtschaft bewiesen. Der Betroffene ist dadurch zu einem anderen Mensch geworden.

Autor seit 5 Jahren
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