Vom Manuskript zur Buchveröffentlichung

Verschwörung der Verlage?

Lebenstraum: Sein eigenes Buch veröffentlichenEines vorneweg: Nur die wenigsten Texte werden jemals in einem Verlag veröffentlicht. Dabei hegt doch so gut wie jeder Autor den Herzenswunsch, seine Werke in gebundener Form wiederzufinden und ist enttäuscht, wenn ein Verlag nach dem anderen das zur Begutachtung übermittelte Manuskript ablehnt.

Woran liegt das? An einer Verschwörung der Verlage? Sind die Lektoren nicht imstande, ein geniales Werk als solches zu erkennen? Läuft ohne Beziehungen oder Geld im Literaturbetrieb gar nichts? Dieser Artikel soll Ihnen eine Antwort in Form von nützlichen Tipps und Ratschlägen vermitteln. Denn der Autor weiß, wovon er spricht, respektive schreibt, wurden seine eigenen Manuskripte doch gleichfalls serienmäßig abgelehnt, ehe er sie in Publikumsverlagen als Bücher veröffentlichen konnte.

 

Bereiten Sie Ihr Manuskript professionell auf

Nächtelange Arbeit, Kopfschmerzen, mühsame Recherchen, keine Zeit für Freunde – aber endlich ist das Manuskript vollendet. Nun, so denken Sie, müssen Sie es nur noch dutzenden Verlagen anbieten und hoffen, dass es einer davon akzeptiert und als Buch veröffentlicht.

Richtig? Falsch! Denn jetzt ist das Überarbeiten des Manuskriptes angesagt. Schließlich ist kein Autor imstande, auf Anhieb einen makellos perfekten Text abzuliefern.

Um zu erkennen, woran es hakt, lassen Sie Ihr Werk von einem möglichst kritischen Leser auf mögliche logische Fehler, Ungereimtheiten, Stilblüten und ähnliches abklopfen. Als Testleser sollte allerdings kein enger Freund oder Verwandter fungieren. Dieser würde es vermutlich nicht übers Herz bringen, schonungslos auf etwaige Unzulänglichkeiten hinzuweisen. Gerade das Internet bietet eine wunderbare Möglichkeit, sich mit anderen Autoren und/oder Lesern auszutauschen und von diesen eine knallharte und ehrliche Kritik zu erhalten. Apropos Kritik: Mit dieser müssen Sie umgehen lernen, wenn Sie es in diesem Geschäft zu etwas bringen wollen, mag Ihnen etwa ein Verriss noch so ungerecht erscheinen.

 

Korrekte Rechtschreibung ist keine Kür!

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit darstellen, nur ein grammatikalisch weitgehend korrektes Manuskript an Verlage weiterzuleiten. Eine vor Rechtschreibfehlern wimmelnde Leseprobe zieht mit größter Sicherheit eine Absage nach sich. Sie erachten das als unfair gegenüber Autoren mit Rechtschreibschwäche? Mal ehrlich: Würden Sie in einem Restaurant kritiklos für scheußlich zubereitete Speisen bezahlen? Wohl kaum!

Die gute Nachricht lautet: Bereits die automatische Rechtschreibprüfung von "Word" erkennt sehr viele Rechtschreibfehler. Und bestimmt befindet sich in Ihrem Bekanntenkreis jemand, der halbwegs sattelfest beim geschriebenen Wort ist und für ein feines Abendessen gerne Ihr Manuskript redigiert. Dabei sollten sie aber das Restaurant mit den scheußlich zubereiteten Speisen tunlichst vermeiden …

 

Eine Standard-Manuskriptseite einrichten

Bestimmt ist Ihnen der Begriff "Standard-Manuskriptseite" bereits des Öfteren aufgefallen. Darunter versteht man ein ganz bestimmtes Layout, das für eine flüssige Lesbarkeit des Textes sorgt und dem Lektor die Möglichkeit gibt, beim ausgedruckten Manuskript Anmerkungen am Rand notieren zu können. Keine Angst: Es klingt komplizierter, als es sich in Wirklichkeit darstellt! Formatieren Sie Ihr Dokument wie folgt:

 

  • Schriftgröße: 11 Punkt
  • Schriftart: Courier New
  • Linksbündiger Textverlauf
  • Zeilenabstand: 1,5 Zeilen
  • Silbentrennung deaktiviert
  • Einstellung der Seitenränder auf 60 Zeichen (Leerzeichen werden ebenfalls als Zeichen gezählt!) pro Zeile, wobei jede Seite 30 Zeilen umfassen sollte

 

Fertig ist die Standard-Manuskriptseite! Kleiner Tipp: Wenn Sie die Seite einmal eingerichtet haben, können Sie sie immer wieder für die korrekte Formatierung verwenden. Fügen Sie einfach die gewünschten Texte ein – diese werden automatisch das Format der Vorlage annehmen.

 

Die Verlagssuche

Jetzt geht es ans Eingemachte: Die Verlagssuche! Auch hier gibt es eine gute Nachricht zu vermelden: Alleine Deutschland beherbergt über zweitausend (!) Verlage. Natürlich veröffentlicht keiner dieser Verlage wahllos sämtliche Arten von Romanen oder Kurzgeschichten. Ein auf Kochbücher spezialisierter Verlag hätte meine Sammlung von Horrorgeschichten "Leichenbaum" mit Sicherheit nicht veröffentlicht. Deshalb galt es erst einmal herauszufinden, welche Verlage das Horrorgenre in ihrem Programm aufgenommen haben. Was früher ganz schön mühsam sein konnte, ist in Zeiten des Internet und zahlreichen mit eigenen Websites vertretenen Verlagen eine unkomplizierte Aufgabe für ein verregnetes Wochenende in den eigenen vier Wänden.

Praktisch jeder Verlag, der vom Verkauf seiner Bücher lebt, ist im Internet mit einer eigenen Website vertreten. Diese verrät meist bereits nach wenigen Sekunden das Programmangebot. Zudem finden sich oft wertvolle Zusatzinformationen. Etwa, ob derzeit überhaupt neue Manuskripte gesucht werden oder das Programm für die nächsten drei Jahre fix erstellt worden ist und man sich das Porto oder eine Mail sparen kann. Außerdem erfahren Sie im Normalfall, welche formellen Anforderungen für das Einsenden von Manuskripten gestellt werden: Muss das gesamte Manuskript per Post eingeschickt werden oder genügt eine zwanzigseitige Leseprobe? Oder genügt die Übermittlung Ihres Werkes per E-Mail?

 

Exposé? Wie, bitte?

Oft wünschen Verlage lediglich die Zusendung einer Leseprobe samt Exposé. Während jeder weiß, was mit einer Leseprobe gemeint ist, schreckt der Begriff "Exposé" wohl den einen oder anderen hoffnungsfrohen Nachwuchsautor ab. Doch keine Angst: Auch hierbei ist alles halb so wild. Ein Exposé können Sie sich wie eine ganz grobe Skizze des fertigen Gesamtbildes vorstellen. Diese Skizze enthält die wesentlichen Punkte des Plots und stellt den/die Protagonisten kurz vor. Detailreiche Schilderungen oder Dialoge fallen hierbei komplett unter den Tisch. Der Lektor soll sich in aller Kürze einen Überblick verschaffen können, wovon Ihr Roman handelt und wer die Hauptdarsteller sind.

 

Nicht zu unterschätzen: Das Begleitschreiben

Versetzen Sie sich für ein Gedankenspiel bitte kurz in die Rolle eines Personalchefs, der einen neuen Abteilungsleiter sucht. Und nun erhalten Sie, vielleicht, nachdem Sie Ihr zwei Stunden zuvor noch blütenweißes Hemd mittels Kaffee in ein Hawaii-Hemd verwandelt haben, ein Bewerbungsschreiben mit folgendem Inhalt:

"Hallo! Sie suchen wen! Ich kann nächste Woche anfangen! Bekomme Brutto zweitausend Euro! Freue mich auf Ihren Anruf! Hans."

Verspüren Sie nach diesen Zeilen noch große Lust, die übrigen Bewerbungsunterlagen sorgfältig zu studieren? Vermutlich nicht. Sehen Sie: Ähnlich verhält es sich beim Begleitschreiben an einen Verlag. Dieses darf nicht abschreckend wirken, sondern soll im Gegenteil prägnant und knackig sein und den Lektor neugierig auf Ihr Manuskript machen.

Auch das Begleitschreiben sollte unbedingt grammatikalisch korrekt und vor allem höflich abgefasst sein. Ein schnoddriges "Hallo!" kommt nicht gut an, ebenso wenig wie die falsche Schreibweise des Empfängernamens oder ein "Sehr geehrter Herr Müller", wenn es sich um eine Frau Müller handelt. Der korrekten Begrüßung lassen Sie idealerweise eine kurze Vorstellung Ihrer Person folgen. Gehen Sie auch kurz auf Ihr angefügtes Manuskript ein und weshalb Sie es gerade diesem Verlag anbieten (etwa eine bestimmte Verlagsreihe, die Sie seit Jahren mit großem Interesse verfolgen, oder weil Ihnen ein befreundeter, bereits veröffentlichter Autor den Verlag aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen ausdrücklich empfohlen hat). Verfallen Sie dabei nicht in Geschwätzigkeit und konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Punkte: Wer ist der Autor, wovon handelt das Manuskript, wie kann der Autor rasch und unkompliziert kontaktiert werden?

 

 

Nachfragen erlaubt, Ungeduld verpönt

Ähnlich bei Jobbewerbungen gilt auch bei der Verlagssuche: Interesse, aber auch Geduld zeigen. Rufen Sie bitte nicht jeden Tag im Verlagsbüro an, um nach dem Stand der Dinge zu fragen. Auch wenn es schwerfällt: Gestehen Sie dem Lektor genügend Zeit zu, um das Manuskript zu lesen. Es gibt keine allgemeingültige Regel, wann oder in welchen Abständen Sie nachfragen sollten.

Aus persönlicher Erfahrung empfehle ich, mindestens eine Woche verstreichen zu lassen, bis Sie erstmals nachhaken. Die Antwort lässt normalerweise darauf schließen, wann eine erneute Nachfrage gewünscht ist. Teilt Ihnen Ihr Gesprächs- oder Mailpartner mit, dass sich gerade dutzende Manuskripte auf dem Schreibtisch des überarbeiteten Lektors stapeln, üben Sie sich besser in Geduld. Möglicherweise erhalten Sie aber auch eine konkrete Zeitangabe, wann Sie mit einer Antwort rechnen dürfen.

 

Eine Absage ist kein Weltuntergang

Abschließend wiederum ein Ratschlag aus eigener Erfahrung: Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit werden Ihre ersten Manuskripteinsendungen von keinem Erfolg gekrönt sein. Trösten Sie sich fürs Erste damit, dass später weltberühmte Autoren zu Beginn Ihrer Karriere zahlreiche Absagen ernteten, ehe es doch noch klappte. Im Gegensatz dazu sind kaum Beispiele von Autoren bekannt, die auf Anhieb ihr erstes Manuskript in Millionenauflage bei einem Weltkonzern veröffentlichen konnten.

Es bedarf also einer gewissen Hartnäckigkeit und Überzeugung in die eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten, um sein Buch veröffentlichen zu lassen. Auch hiervon weiß der Artikelautor ein Lied zu singen, das er jedoch aus Gründen des Respekts vor geplagten Ohren nicht bei "Deutschland sucht den Superstar" vortragen wird.

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