Einleitung

Bitte beachten: Dieser Artikel kann nicht den Rat und die Vorlesung eines Germanistikprofessors ersetzen. Er basiert auf meiner eigenen Erfahrung mit Erzählperspektiven. Als Hobbyautor habe ich weder einen Germanistikkurs belegt noch Germanistik studiert, und dennoch kann ich überkritische Leser nicht ernst nehmen, die glauben zu wissen, wie man einen Bestseller aus dem Ärmel schüttelt, einzig aufgrund der Tatsache, dass sie Literaturwissenschaften studiert, aber nie den Versuch unternommen haben, selbst ein Buch zu schreiben.

Auf dem Markt gibt es unzählige Schreibratgeber und Tipps, wie man eine Geschichte spannend, logisch und lebendig aufbaut und nach welchem Schema sie abzulaufen hat. Dazu gehört auch die Wahl der Erzählperspektive, die oftmals ein wenig vernachlässigt wird. Dabei ist sie für die Kontinuität, die Ordnung und den Stil einer literarischen Handlung ungeheuer wichtig. Warum, erkläre ich hier in meinen eigenen Worten und nach eigenen Erfahrungswerten sowohl als Autor und Leser.

Ich-Perspektive - Der Erzähler als Romanheld

Die Ich-Perspektive ist am einfachsten und sichersten, da der Autor (der sich nicht selten mit dem Ich-Erzähler völlig identifiziert - selbst wenn es sich nicht um autobiografischen Inhalt handelt) nicht in Versuchung geführt wird, die Sichtweise seiner Protagonisten zu ändern.

Meine ersten Manuskripte sind in der Ich-Perspektive verfasst; nicht nur aus eben genanntem Grund, sondern auch, weil ich ein großer Anhänger von Schriftstellern wie Philippe Djian, Charles Bukowski und Franz Kafka bin. Diese Autoren kultivieren ihre Ich-Perspektive fast bis zur Groteske, und gerade das macht ihre Romane unterhaltsam und lebensnah zugleich.

Ich-Perspektiven lösen im Leser häufig ein Gefühl der Solidarität mit dem Autor aus. Schließlich wird aus der ersten Person erzählt, und man lässt sich gerne in die Welt anderer ein, die etwas erlebt oder erfunden haben, an dem sie andere teilhaben lassen möchten. Wie kann der Leser dem Autor näher sein, als wenn dieser aus "erster Hand" berichtet?

 

Fazit: Die Ich-Perspektive ist niemals verkehrt, da sie die Distanz zwischen dem Roman und dem Leser praktisch aufhebt.

Der auktoriale Erzähler...

In großen Werken des 18. und 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts war er sehr beliebt: der auktoriale Erzählstil. Von William Makepeace Thackery über Oscar Wilde bis Thomas Mann: alle großen Dichter machten ihn sich zu eigen, und nicht zu Unrecht. Denn eigentlich ist dieser Hans-Dampf-in-allen-Gassen ganz praktisch.

Der auktoriale Erzähler betrachtet und erzählt die Geschichte von außen, sozusagen als Beobachter, und ist trotzdem allwissend. Er kann innerhalb weniger Sätze zwischen Orten und Personen hin und her springen, die Perspektive der Protagonisten einnehmen und deren Gefühls-und Gedankenwelt haarklein erkennen und analysieren. Sätze ohne wörtliche Rede sind häufig mit spitzzüngigen, humoristischen oder/und belehrenden Ansichten des Autors gespickt. In modernen Romanen kommt dieser Erzählstil daher nicht mehr besonders gut an, denn nicht nur der Schriftsteller, auch die Leserschaft hat sich verändert und möchte sich ihre eigene Meinung bilden über die Geschichte, die erzählt wird.

 

Fazit: Nicht mehr unbedingt zeitgemäß, doch früher war der auktoriale Erzähler die Verbindung zwischen Leser und Autor und hat viele Klassiker hervorgebracht, die heute noch gelesen werden.

Erzählperspektiven bei Wiki

Die Erzählperspektive eines erzählenden Textes ist eine Antwort auf die Frage "Wo sieht und spricht der Erzähler?" oder auch "Was kann der Erzähler wissen?". In der Literaturwissenschaft gibt es, entsprechend den verschiedenen...

Der emotionale bzw. persönliche Erzählstil...

Romane schreiben ist eine impulsive, persönliche Sache. Zumindest nach meiner Erfahrung. Daher bevorzuge ich die emotionale Erzählperspektive, mithilfe deren der Autor Gefühle, Gedanken und Befindlichkeiten seiner Figuren beschreibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass man, was den Erzählstil betrifft, hemmungslos in die Tasten hauen bzw. die Feder schwingen kann. Tatsächlich bedarf der emotionale Erzählstil einiger Regeln, die befolgt werden sollten.

Wichtig: Die Perspektive darf wechseln, doch sollte dies nicht zu oft oder mitten im Absatz der Fall sein. Der Lesefluss wird dabei unter Umständen gestört, und für den Leser sind zu rasch wechselnde Perspektiven verwirrend ("bin ich jetzt im Kopf von A oder B?")

Die emotionale Erzählperspektive wird im Idealfall von zwei, höchstens drei Protagonisten besetzt. Soll heißen, alle anderen Figuren, die in der Geschichte auftauchen, werden durch deren Blickwinkel "beobachtet" und analysiert. Ausnahmen dürfen gelten, wenn die Hauptfiguren in einer Szene oder einem Kapitel ausnahmsweise einmal nicht anwesend sind (was kaum vorkommt). Meist übernehmen jedoch die Hauptfiguren die Funktion des Autors und erzählen in der dritten Person von sich und anderen.

 

Fazit: Die emotionale, persönliche Erzählperspektive ist für den Autor herausfordernd, aber auch sehr populär. Man sollte als Autor darauf achten, sich nicht zu verzetteln. So gern man vielleicht in einer Szene zwischen zwei Protagonisten die Perspektive wechseln möchte - es empfiehlt sich, bei einer zu bleiben und erst im nächsten Abschnitt oder Kapitel den anderen zu Wort kommen zu lassen.

Immer daran denken: ein Autor liest seine Werke anders als seine Leser, weil er sie zuvor mehr oder weniger im Kopf ausgearbeitet hat. Es ist daher wichtig, die Geschichte übersichtlich zu strukturieren.

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