Lernmaterial von Langenscheidt

Der Langenscheidt Verlag ist marktführend im Bereich der Unterrichtsmittel für das Erlernen von Fremdsprachen. Neben den klassischen Wörterbüchern und Sprachführern erscheint seit einigen Jahren eine amüsante Reihe von Verständigungshilfen zu weiteren Kommunikationsklippen. Auf alternative Wörterbücher wie "Hund – Deutsch ● Deutsch – Hund" sowie "Katze – Deutsch ● Deutsch – Katze" schienen zahlreiche Frauchen und Herrchen regelrecht gewartet zu haben. Auf der Website www.Langenscheidt.de unter "Entertainment" sind neben anderen unterhaltsamen Bänden rund um Sprache und Kommunikation inzwischen weitere Alltagshilfen zu finden wie "Eltern – Deutsch ● Deutsch – Eltern" oder "Arzt – Deutsch ● Deutsch – Arzt" und nun auch – endlich! – "Lehrer – Deutsch ● Deutsch – Lehrer".

 

Der Autor: ein Lehrer

Bereits an der gewählten Schreibweise mit einem noch dazu besonders falschen Dummen-Apostroph – jawohl! - als Han's Klaffl signalisiert der Autor, dass er seinen Berufsstand und die Schülerschaft nicht nur mit Ernst, sondern auch mit Ironie zu sezieren weiß. Herr Klaffl ist bereits gesetzteren, damit abgeklärteren Alters und unterrichtet seit 36 Jahren als Münchner Gymnasiallehrer mit Schwerpunkt Musik. Obwohl jahrzehntelanger Insider, ist Klaffl nicht betriebsblind geworden. Mit Leichtigkeit nimmt er Perspektivenwechsel vor, um auch von Schüler- und Elternseite aus die schulische Atmosphäre mit ihren Höhen und Tiefen wahrzunehmen.

Das Buch: mehr als Nonsens-Lektüre

"Erkenntnisse aus 40 Jahren Ferien" lautet der selbstironische Untertitel von "Lehrer – Deutsch ● Deutsch – Lehrer", einem schmalen Hardcover-Bändchen mit 128 Seiten. Die Einbandgestaltung ist im typischen Langenscheidt-Design: gelber Grund mit blauer und schwarzer Beschriftung, auch das charakteristische große L als Logo fehlt nicht. Ein kleines Foto im unteren Drittel zeigt einen verhalten bis spitzbübisch lächelnden Lehrer – Han's Klaffl? - mit einem langen – drohenden? – Stück Kreide vor einer grünen Tafel stehend, auf der dreimal das Wort für Rhythmus geschrieben steht – jedoch in unterschiedlichen falschen Varianten. Auf den Innenseiten setzt sich das schulisch orientierte Design deutlicher fort. Obere grüne Randstreifen auf jeder Seite tragen in kreidiger weißer Schrift das jeweilige Hauptkapitel mit seinem Unterkapitel. Textüberschriften erscheinen sauber in aktueller Lateinischer Ausgangsschrift, meistens in Schwarz oder Blau, gelegentlich in Lehrertintenrot. Gedruckte fast echt wirkende Tintenkleckse und eingetrocknete runde Abdrücke von beim Korrigieren auf dem Text abgestellten etwas übergeschwappten Kaffeebechern bringen spezielles Klassenraum- und Lehrerzimmerflair in die Lektüre. Zwischengestreute Lernzielkontrollen und Tabellen sind kein Grund zur Panik, kleine Cartoons von Zeit zu Zeit lockern zusätzlich auf.

 

Das Kapitel "Der Lehrer in seinem natürlichen Umfeld" beginnt mit einer Lehrertypologie, bei der dem Leser automatisch persönlich erlebte Lehrerexemplare in den Sinn kommen. Wie es zur Ausbildung der einzelnen Typen kommt, erläutert der Autor gleich im Anschluss an Beispielen pädagogischer Nachwuchskräfte. Angelehnt an die Ausdrucksweise in Biologiebüchern folgt das nächste Kapitel "Die natürlichen Vorgesetzten des Lehrers: Schüler". Klar, dass hier nun eine Schülertypologie folgt, gefolgt vom "normalen Wahnsinn" Schulalltag, der als Insel darin empfundenen Freistunde und der als Kooperationsprojekt für Lehrer wie Schüler zu absolvierenden Lehrprobe. Kulturelle Veranstaltungen wie Wandertag, Feueralarm, Sportfest, Personalausflug der Lehrer, Schulgottesdienst und Abiturfeier erfahren im nächsten Kapitel ihre kurzweiligen Abhandlungen. 

Von wegen: Nur Schüler haben Stress. Gequält von Lehrern mit Klassenarbeiten, strenger Benotung, Referaten oder Massen von Hausausgaben sehen Schüler sich allzu gern als einseitige Opfer. Gestresste Lehrer sind höchstens solche, die sich nicht durchsetzen können, ihren Unterricht schlecht organisieren und damit halt selbst schuld sind. Punkt und aus. Der Autor rückt hier einiges gerade: Auch Lehrer erfahren Notenstress – nämlich ihre dienstliche Bewertung – und gewisse Elterntypen können Lehrer in den Wahnsinn oder in puren Sarkasmus treiben. 

Unter "Angewandte Lyrik: Zeugnisch" behandelt der Verfasser die Zeugnissprache, insbesondere jene der sogenannten Kopfnoten. Ähnlich wie in Arbeitszeugnissen bedienen sich hier Lehrer bestimmter geschickt beschönigender Beschreibungen, die dem Eingeweihten sagen, was sich genau dahinter verbirgt. Beispiele: "Der Schüler pflegte außerunterrichtliche Interessen" = "Er war faul." – "Der Schüler verfügt über ein hohes Leistungspotenzial." = "Seine Leistungen gehen gegen null, weshalb seine Möglichkeiten, sich zu verbessern, gegen unendlich gehen." 

Rubriken wie "Lehrer sagt" versus "Schüler denkt" – "Schüler sagt" versus "Lehrer denkt" oder "Beobachtung" und "Bedeutung" erinnern an die Gegenüberstellung einer Vokabelliste. 

Beurteilung und Benotung

Humorvoll, aber ohne nervige Unbedingt-witzig-und-originell-sein-wollen-Penetranz unterhält und unterrichtet "Lehrer – Deutsch ● Deutsch – Lehrer" über vielfältige schulische Details. In überwiegend flüssig gehaltener Textform ist es leicht zu lesen – am Stück oder in kleineren Portionen zwischendurch. Extra-Spaß machen verwendete Formulierungen wie "bildungsresistente Zellhaufen" für einige Schüler, "Menschen mit Edukationshintergrund" für Lehrer oder "Powerpoint in den Händen eines Fanatikers ist LSD für arme Leute". Die grafische Aufmachung der Innenseiten könnte nicht besser passen. Der stabile harte Pappeinband lässt das leichte Büchlein mit seinem reichen Inhalt auch Mitnahmen – sogar in die Schule – gut überstehen. Schüler jetziger und älterer Generationen werden Gefallen an diesem Titel finden. Der Preis von 9,99 € in Deutschland beziehungsweise 10,30 € in Österreich ist angemessen und dazu geschenkefreundlich. 

Auf einer Sterne-Benotungsskala von 1 = schlecht, 2 = geht so, 3 = ganz gut, 4 = richtig gut bis 5 = hervorragend vergebe ich in diesem Fall überzeugt 4 Sterne.

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Dieses Buch erhielt ich als Rezensionsexemplar vom Langenscheidt Verlag über BloggdeinBuch.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Textdompteuse, am 09.10.2012
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Bildquelle:
S.Hofschlaeger - pixelio.de (Aufsatz üben mit Grundschülern)

Autor seit 5 Jahren
48 Seiten
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