Poetischer Realismus

Diese ziemliche Unkenntnis über eine ganze nationale Cinematographie liegt auch darin begründet, dass keine bulgarische Filmpersönlichkeit dieselbe Weltgeltung erlangen konnte, wie es Kollegen aus der UdSSR, Polen, Ungarn oder der Tschechoslowakei schafften, und damit indirekt auch Interesse an der restlichen Produktion ihres Landes weckten. Doch gerade das wenig Spektakuläre und Zurückhaltende des bulgarischen Kinos, das nicht ganz zu Unrecht gerne als literarisch und dialogreich bezeichnet wird, ist das Besondere. Es zeichnet sich durch eine gefühlvolle Subtilität in der menschlichen Darstellung, einen oft surrealen und absurden Humor und einen Sinn für die kleinen, impressionistischen Details der Wirklichkeit aus. Und ab den 70ern gab es auch ein ausgeprägtes visuelles Stilbewusstsein, das allerdings nie Selbstzweck ist, sondern immer im Dienste meist gut geschriebener Geschichten und Charaktere steht. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Kino, für das Ronald Holloway den Begriff "Poetischer Realismus" geprägt hat.

 

Bulgarian Film Archive, the entrance of the head office (Bild: MrPanyGoff)

Building of the Bulgarian National Filmotheque in Sofia (Bild: Vassia Atanassova)

Bulgaria Political Map

Bulgaria Political Map (Bild: Peter Hermes Furian / AllPosters)

Die Anfänge: Vasil Gendov

Natürlich kann man die bulgarische Filmgeschichte nicht erst mit der Verstaatlichung durch die Kommunisten im Jahr 1948 beginnen lassen, wie dies die kommunistische Filmgeschichtsschreibung versuchte. Dennoch fasst Maria Ratschova in ihrem Buch "Bulgarische Filmkunst der Gegenwart" (1968), dem ersten Buch überhaupt zu dem Thema, die Situation der 10er bis 40er sehr präzise zusammen: "Die wie Pilze aus der Erde schießenden Filmunternehmen, die zwei oder drei Filme drehten und wieder von der Bildfläche verschwanden, waren eher Gründungen von Enthusiasten als von ernsthaften Filmmagnaten, die ihr Geld in der Filmindustrie investieren wollten." (S.5) Es gab ganz einfach einen durchgehenden Mangel an Kapital und damit einhergehend natürlich auch an der nötigen Technik. Dadurch entstand nicht die notwendige Kontinuität für eine quantitativ und qualitativ hohe Filmproduktion. Hinzu kam eine schlechte Kino-Infrastruktur des vorwiegend ländlichen Staates. 1939 gab es nur 155 Kinos, 1963 waren es durch die sozialistischen Anstrengungen dann übrigens 1.900 und 1980 3.433.

Es gab in der Zeit vor allem eine herausragende Gestalt, die keine Mühen, Kosten oder Schulden scheute, um von 1915 bis 1937 Filme als Regisseur und auch Hauptdarsteller zu drehen. Vasil Gendov (1891-1970) gilt offiziell als Vater des bulgarischen Films. Viele Filme waren Komödien mit heiteren Liebesverwicklungen im Stil des Franzosen Max Linder oder des Deutschen Ernst Lubitsch. Von ihm stammt mit "Der Bulgare ist galant" ("The Bulgarian is gallant", "Българан е галант", 1915) der erste bulgarische Spielfilm überhaupt. Dass der Besitzer des Kinos "Modernes Theater" in Sofia mit der Filmproduktion begann, lag an der Import-Flaute, die der Erste Weltkrieg verursacht hatte. Er drehte auch als Erster einen Film über die berühmte literarische satirische Gestalt "Bay Ganyo" ("Бай Ганьо", 1922), der als Handelsreisender die westeuropäischen Metropolen bereist.

Ein anderer wichtiger Vertreter des frühen Kinos ist Boris Grezhov (1889-1968), der unter anderem "Nach dem Feuer über Russland" ("After the Fire over Russia", "След пожара над Русия", 1929) drehte. Leider sind wegen eines Luftangriffs auf Sofia im Jahre 1944 nur wenige dieser frühen Filme erhalten.

Der älteste erhaltene bulgarische Film (von Vasil Gendov)
Gegenstände aus dem Besitz Vasil Gendovs

Personal belongings of the father of Bulgarian cinema Vasil Gendov. Exhibits of the National History Museum of Bulgaria (Bild: Vassia Atanassova)

Stalinismus und Verstaatlichung

Am 9.September 1944 hatte in Bulgarien eine neue Regierung die Macht übernommen, an der die Kommunisten einen großen Anteil hatten. In den Jahren bis 1947 wurden von diesen nach und nach alle Gegner ausgeschaltet. Als eine der neuen Maßnahmen der neuen Alleinherrscher verstaatlichte man 1948 die Filmindustrie, obwohl da, wie erwähnt, nicht allzuviel zu verstaatlichen war. Es ging vor allem um die absolute Kontrolle über das wichtigste staatliche Propagandamittel, sowohl im Bereich des Dokumentar- als auch des Spielfilms. 1962 errichtete man die Bojana-Filmstudios, die in ihrer besten Zeit etwa 2.000 Menschen beschäftigten und, nach den zwei bis drei jährlichen Filmen der Zeit der Privatwirtschaft, 10 bis 20 Kinofilme pro Jahr fertigstellten.

Es war die Zeit des "Personenkults", wie man sie später nannte. Viele der Filme erzählen, oft inspiriert von tatsächlich Erlebtem, die kommunistischen Mythen von Widerstand, Partisanenkrieg und Revolution, was ja nicht zuletzt der eigenen Machtlegitimation diente. Im Mittelpunkt stehen oft wenig individuelle sozialistische Helden und deren Gegenspieler, auch wenn "Schematismus" und Typisierungen der Charaktere natürlich kein Monopol des sozialistischen Realismus sind. Der erste Film der staatlichen Filmindustrie war Boris Borazanovs "Kalin der Adler" ("Kalin the Eagle", "Калин Орелът" 1950), über einen Widerstandskämpfer gegen die Türken, der nach einem Gefängnisaufenthalt in der Türkei in ein freies Bulgarien kommt und irritiert ist angesichts der herrschenden Fraktionskämpfe. Dieser Film war allerdings schon früher begonnen worden. Daher gilt Zahari Zhandovs "Alarm" ("Тревога", 1951) als erster richtiger Film des neuen bulgarischen sozialistischen Staates. Wieder geht es um antifaschistischen Widerstand, diesmal um die Frage der Positionsbestimmung eines bürgerlichen Intellektuellen. An diesem Film war Angel Wagenstein beteiligt, der dann auch wichtig für die Erneuerung Ende der 50er wurde, die auf den Tod Stalins folgte. Wie überall im erweiterten Sowjetreich kam es zur neuen Richtung des "Tauwetters". Auch für die Filmproduktion galten die neuen Partei-Direktiven, aus denen 1956 die strengen künstlerischen Vorgaben des sozialistischen Realismus stalinistischer Prägung getilgt worden waren.

Erneuerung

Als erster Film der neuen Periode gilt "Auf der kleinen Insel" ("On a small Island", "На малкия остров", 1958), der von kommunistischen Gefangenen 1923 auf einer Schwarzmeerinsel handelt. Manchen droht sogar die Todesstrafe. Hier gibt es keine idealisierten und perfekten Helden mehr, sondern Heldentum entsteht eher aus der Überwindung der menschlichen Ängste und Schwächen. Der Film arbeitet mit formalen Mitteln wie poetischen Einschüben und Ton- und Musikeffekten. Ein anderer Klassiker ist eine DDR-Coproduktion unter der Regie von Konrad Wolf, der mit "Sterne" ("Звезди", 1959) ein Drehbuch seines Freundes und Studienkollegen aus Moskau, Angel Wagenstein, verfilmte. Erzählt wird die tragische Liebesgeschichte eines desillusionierten deutschen Soldaten und eines jüdischen Mädchens, das nach Auschwitz transportiert werden soll.

Ein besonderes Kennzeichen war die große Rolle der Filmautoren. Das Neue, Moderne und Filmische war zum großen Teil schon in den Drehbüchern enthalten und entsprang nicht allein der Individualität des Regisseurs. In den folgenden Jahren gab es so viele Filme, die über den Durchschnitt herausragten. "Ritter ohne Rüstung" ("Knight without Armor", "Рицар без броня", 1966) ist ein dokumentarisch-poetischer Kinderfilm über einen Jungen, dem nach und nach auffällt, dass die Erwachsenenwelt nicht das ist, was sie vorgibt zu sein, dass Eltern sich in ihrem täglichen Verhalten nicht an die Werte halten, die sie einem in ihren Erziehungsversuchen verbal vermitteln. Vulo Radevs "Der Pfirsichdieb" ("The Peach Thief", "Крадецът на праскови", 1964) ist eine melancholische Liebesgeschichte zwischen einem serbischen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges und einer bulgarischen Offiziersehefrau.

Trailer: "Der Pfirsichdieb"
Trailer: "Sterne"
Trailer: "Ritter ohne Rüstung"

Die Krönung der 60er und schon verweisend auf das, was in den 70ern folgen sollte, war "Ikonostase" ("Иконостасът", 1969), eine Zusammenarbeit zwischen dem Regiedebütanten Christo Christov und dem Künstler und Animationsfilmer Todor Dinov. Es ist eine Literaturverfilmung mit einem langsamen, verträumten visuellen Stil in einem mitunter sehr hellen Schwarzweiß. Die Geschichte des Künstlers, der in einem kleinen Ort die Ikonostase, die den Altar vom übrigen Kirchenraum trennt, schnitzt, erzählt nicht nur eine individuelle Geschichte, sondern auch die der kulturellen Renaissance, die seit dem 18.Jahrhundert das Bulgarische aufblühen ließ und im Endeffekt 1878 zur Unabhängigkeit von 500-jähriger türkischer Untersrückung führte. Kirche und Land waren in all der Zeit die Träger von Kultur, Sprache und der alten Volkstraditionen gewesen.

Rangel Vulchanov

Bulgarian film director Rangel Vulchanov during the presentation of his two books, Cinema House, Sofia, 22 June 2012 (Bild: Vassia Atanassova)

Angel Wagenstein

A photo of Angel Wagenstein (Bild: личен архив)

Ein moderner visueller Stil

1972 hatte mit dem beeindruckenden "Das Ziegenhorn" ("The Goat Horn", "Козият рог", 1972) von Metodi Andonov einer der größten Klassiker und Publikumserfolge Premiere. Die Geschichte eines Mannes in den Rhodopen-Bergen, dessen Frau von marodierenden Türken vergewaltigt und umgebracht wird, erzählt auf direkte und archaische Weise die Geschichte einer Rache, die man auch ohne Untertitel verstehen würde.

In den 70ern drehten viele Regisseure ihre besten Werke, die auch große internationale Aufmerksamkeit erhielten. Sie behandelten auf mal introvertierte, mal satirische, mal kontroverse Weise wichtige Themen und Defizite des Alltagslebens. Die individuelle Stimmung kann mitunter sehr düster, ratlos und fast hoffnungslos sein. Wenn Kritik geübt wurde, dann aber meistens an den Fehlern und dem Versagen Einzelner oder am bourgeoisen, materialistischen Verhalten einer neuen Oberschicht. Das System wird nicht in Frage gestellt. Wird dies versucht, hat der Film keine lange Karriere, wie dies "Wal" ("Whale", "Кит",1970) passierte, in dem der magere Fang eines Fischkutters, in Form eines kleinen Fisches, wegen der notwendigen Planerfüllung von Bürokratieebene zu Bürokratieebene ausgerechnet zu einem Wal im Schwarzen Meer aufgebauscht wird.

Als einer der interessantesten Regisseure bewies sich Christo Christov auch nach "Ikonostase". In "Die Barriere" ("The Barrier", "Бариерата", 1979) trifft ein Kompomist auf ein Mädchen, bei dem Schizophrenie diagnostiziert wurde und die Gedanken lesen kann. Sie sagt sogar, sie könnte fliegen. Der Mann scheitert, weil er seine alten begrenzten Sichtweisen nicht aufgeben kann. "Eine Frau mit 33" ("A Woman at thirty-three", "Една Жена на Тридесет и Три", 1981) erzählt von einer alleinerziehenden, berufstätigen Studentin, die sich mit der Männer- und Bürokratiewelt in ihrer Umgebung auseinandersetzen muss.

Die wichtigste Regiseurin Bulariens, Binka Zhelyazkova, drehte mit "Der Swimmingpool" ("The Swimming Pool", "Басейнът", 1977) einen Film über die Notwendigkeit von Poesie im Alltag. Ein junges Mädchen, deren Mutter als Fernsehjournalistin mitverantwortlich ist für die standardisierte Darstellung der Wirklichkeit, steht zwischen zwei Männern. Es ist ein Film voller Stimmungswechsel, der sogar eine Musical-Nummer mit buntem Regenschirm enthält, als wäre man in einem Film von Jacques Demy. Lange intellektuelle Tiraden wechseln sich ab mit rein filmischen Elementen oder auch Nonsense-Dialogen.

Es gab auch viele Filme über das ländliche Leben, über das Aussterben alter Lebensweisen und das Vorherrschen der Urbanität. Einen außergewöhnlich surrealen und traumhaften Erinnerungsfilm drehte Rangel Valchanov mit "Ballade von den schwarzen Lackschuhen" ("Лачените обувки на незнайния воин", "The Unknown Soldier's Patent Leather Shoes", 1979). Hier vermischt der Autor und Regisseur realistische Kindheitserinnerungen mit surealer Poesie und Phantasien.

Ausschnitt: "Ballade von den schwarzen Lackschuhen"
Ausschnitt: "Das Ziegenhorn"

Komödien und Satiren

Neben diesen ernsten Dramen, die das Verhältnis von Innenleben und sozialer Wirklichkeit zeigen, gab es auch viele gelungene Satiren oder leicht unterhaltende Komödien. Eine der wichtigsten Satiren ist Eduard Zaharievs "Der Hasen-Zensus" ("The Hare Census", "Преброяване на дивите зайци", 1973) über einen Bürokraten, der in ein Dorf kommt, um in der dortigen Gegend die Hasen zu zählen. Zu der Sorte der unterhaltenden, harmlos-gutmütigen Komödien gehört "Eine Band ohne Namen" ("A Band without Name", "Оркестър без Име", 1982) über eine Musikgruppe, die ihr Glück in der Urlaubszeit in den Badeorten des Schwarzen Meeres versuchen will, vorher aber noch auf bürokratischen Druck die Sängerin austauschen muss, die zwar nicht singen kann, aber weiß, wie man sich vorteilhaft anzieht. Und das hat Erfolg. In "Der Doppelgänger" ("The Double", "Двойникът", 1979) lässt sich ein überarbeiteter Wissenschaftler vom seinem identisch aussehenden Cousin vom Lande vertreten. Leider macht der seine Sache zu gut. Eine sehr amüsante Komödie ist "Die Zentralheizung" ("The Central Warmth", "Топло", 1978) über die Bewohner eines Mehrfamilienhauses, das um jeden Preis endlich ans Fernwärmenetz angeschlossen werden soll. Leider verschwinden die Schwarzarbeiter nach dem Bohren dicker Löcher in die Wände. In vielen dieser komischen Filme mischt sich ein surrealer und absurder Humor mit einer Alltagssatire, die aber immer sympathisch bleibt und nie eine gewisse Grenze überschreitet.

Musikalischer Ausschnitt: "Eine Band ohne Namen"

Historische Filme

Die 80er standen ganz im Zeichen des historischen Films, da 1981 das 1300-jährige Jubiläum der bulgarischen Staatsgründung groß gefeiert wurde. Bis dahin hatte es wenig historische Filme gegeben, die so weit in die Zeit zurückschauten. Vor allem wäre da der dialogreiche "Kaloyan" ("Калоян", 1963, Arnaudov) zu nennen über den gleichnamigen bulgarischen Zaren, der Anfang des 13.Jahrhunderts durch einen Vertrag mit Rom seinen Staat vor den plündernden Kreuzrittern bewahrte.

"Khan Asparuh" ("Хан Аспарух", 1982, Ludmil Staikov) schildert die Umstände der bulgarischen Staatsgründung 681. Es ist ein nationaler Film, der aber bei aller Epik und allen ausufernden Schlachtenszenen sehr intim bleibt und sich sehr im Detail für die Sitten und Gebräuche der Proto-Bulgaren unter Asparukh interessierte, die mit den dort lebenden Slawen zur bulgarischen Nation verschmolzen. Boris Sharalievs "Boris I" ("Борис I", 1985), ein weiterer Film im Zusammenhang der Staatsgründung hat den Herrscher im Mittelpunkt, der sich 864 aus politischen Gründen dazu entschied, seine Untertanen zum Christentum übertreten zu lassen.

Ende der 80er entstand ein weiterer historischer Film, der auch Religion als zentrales Thema hatte. "Zeit der Gewalt" ("Time of Violence", "Време разделно", 1987, Ludmil Staikov) zeigt, wie 1668 die dortige Rhodopen-Bevölkerung von türkischen Militärs durch Mord, Folter und Massenvergewaltigungen gezwungen wurde, zum Islam überzutreten. Verantwortlich für die Untaten sind die Janitscharen, eine Armee aus Soldaten, die die Türken als Kinder aus Bulgarien geraubt hatten und zu fanatischen, moslemischen Kriegern herangezüchtet hatten.

Kino in Schumen

(Bild: Yelkrokoyade)

Kino in Vratsa

The cinema in the centre of Vratsa, Bulgaria (Bild: Vassia Atanassova)

Kurze Geschichte der Kinos in Sofia

Der neue bulgarische Film

In den 90ern musste die Filmproduktion sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Ohne Staatsförderung gab es weniger Filme und durch Kinoschließungen auch immer weniger Zuschauer gerade für einheimische Produktionen. 1999 etwa wurde nicht ein einziger echter bulgarischer Film produziert. Einer der international bekanntesten bulgarischen Regisseur ist Kamen Kalev, dessen Film "The Island" 2011 in Cannes gezeigt wurde. Wie schön und lebendig moderne bulgarische Filme sein können, zeigt "Tilt" ("Тилт, 2011), der anhand einiger junger Männer die Wendezeit Anfang der 80er, Ende der 90er zeigt. Man sieht, dass die neuen reichen Kapitalisten die alten Geheimpolizisten sind. Der Film ist aber keine graue und nüchterne Sozialstudie Im Zentrum steht eine Liebesgeschichte, die alle Hindernisse überwindet, sogar zeitliche und räumliche Trennung. Der Film feiert Liebe, Hoffnung und Durchhaltevermögen, egal, wer gerade das Sagen hat. Beliebtes Thema scheint die illusions- und perspektivlose Jugend zu sein. In Atanas Hristovkos' "N1" (2011) verzweifelt ein idealistischer Lehrer an seinen sinnlos randalierenden Schülern.

Trailer: "Tilt"
Trailer: "The Island"

Animationsfilm

Im sozialistischen Staat waren die Produktionen des Studios für Animationsfilme nicht nur in Bulgarien sehr beliebt. Regisseure wie Todor Dinov und Donjo Donev genossen internationales Ansehen. Todor Dinov (1919-2004) hatte mit Filmen im sowjetischen, an Disney angelehnten Stil begonnen, entwickelte dann aber einen eigenen, sehr innovativen Stil. Individualismus wird im berühmten Film "Das Gänseblümchen" ("The Daisy", "Маргаритка", 1965) gefeiert. Satirisch düstere Töne schlägt "Prometheus XX" ("Прометей XX", 1970) an, in dem dieser den Menschen voller Freude das Feuer bringt, um dann bei Nero zu landen, der damit Rom anzündet. Manchmal vermischt Dinov auch die Stile und Techniken oder den Animations- mit dem Realfilm.

Donjo Donjev (1929-2007) ist am bekanntesten für seine Reihe "Die drei Dummköpfe" ("The three Fools", "Тримата глупаци"), einer Serie kürzerer Filme, in der drei Figuren sich nach dem Vorbild von Slapstick-Komikern und den drei Obertrotteln aus der amerikanischen Filmreihe "The three Stooges" fröhlich naiv und gleichzeitig komplett idiotisch anstellen, egal, ob beim Angeln, beim Brückenbauen oder beim Autofahren.

Aus einer Dokumentation über Todor Dinov
"Vertrieben aus dem Paradies" von Todor Dinov
"Die drei Dummköpfe als Pädagogen" von Donjo Donev

Ausgewählte Filmliteratur

Albert Cervoni, Les écrans de Sofia, Paris 1976

Jean Pierre Brossard, Aspects nouveaux du Cinéma Bulgare, La-Chaux-de-Fonds 1986

Committee for Cinematography, The Bulgarian Cinema, Sofia 1953, (aufschlussreiches stalinistisches Propagandaheft)

Evgenija Garbolevsky, The Conformists: Creativity and Decadence in the Bulgarian Cinema: 1945-1989, Waltham 2011 (online als PDF-Datei)

Ronald Holloway, The Bulgarian Cinema, Rutherford 1986, (der Klassiker)

KinoKultura, Special Issue 5: Bulgarian Cinema (Dec. 2006), (online)

Maria Ratschewa, Bulgarische Filmkunst der Gegenwart, Sofia 1968, (englische Ausgabe Presentday Bulgarian Cinema online beim Internet Archive)

Ivan Stoyanovich und Alexander Grozev, Bulgarian Cinema 1948/1984, Sofia 1984, (online beim Internet Archive)

DVD-Bezugsmöglichkeiten

Bei Shopbulgaria gibt es eine große Auswahl an bulgarischen Klassikern mit englischen und teilweise auch deutschen Untertiteln. Die DVDs werden auch über eBay und amazon.co.uk vertrieben.

Bulgarische Filme mit Untertiteln auf Youtube

Es gibt auf Youtube eine Reihe von englisch untertitelten bulgarischen Filmen, leider ist es inzwischen Mode geworden, durch einen Knopfdruck das 4:3-Format in 16:9 umzuwandeln, was zu Verzerrungen und falschen Bildausschnitten führt. Spätere Filme sind aber oft sowieso Breitwand, da kann man nichts falsch machen.

Eine Reihe von Filmen von Todor Dinov gibt es auf einer ihm gewidmeten Facebook-Seite.

Kindheit: "Knight without Armour" (OmeU)
Zwangsislamisierung: "Zeit der Gewalt" (erster Teil)
Wahnsinn von Bürokratie und Planwirtschaft: "Whale"
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