Man nannte sie die "Königin der screwball comedy", die blonde und ausnehmend hübsche Janice Alice Peters. Janice Alice – das ist natürlich kein Name, mit dem man Karriere machen kann. So entstand das viel gefälligere Carole Lombard. Das klang französisch (man beachte das e im Vornamen) und war daher genau das Richtige in einer Zeit, als mit Maurice Chevalier der gesamte Charme Frankreichs in die Filmstudios von Kalifornien schwappte und die amerikanischen Frauen entzückte.

Von liebenswürdiger Unverfrorenheit

Früh schon stand sie vor der Kamera, und gleich ihre erste Rolle, die sie im Alter von 13 Jahren in dem Film "A perfect crime" übernahm, war symptomatisch für ihre weitere Laufbahn: Sie spielte einen Teenager, der einfach nicht zu bändigen war. Aber was heißt spielen; schließlich war sie das auch, wenn sie nicht im Studio stand. Ihr Temperament, ihre liebenswürdige Unverfrorenheit machten sie auf Anhieb sympathisch, zumindest bei denen, die nicht von ihrer Direktheit betroffen waren. So erzählte man sich beispielsweise in Hollywoods Partykreisen, dass sie eine Kollegin wegen ihres extravaganten Kleides unverblümt und coram publico als "Puffmutter" titulierte.

Carole Lombard erwarb sich schnell den Ruf eines Kumpels zum Pferdestehlen - vor allem bei den männlichen Kollegen. Doch im Gegensatz etwa zu Katharine Hepburn, die ihre etwas altjüngferliche Blaustrümpfigkeit in keinem Film verleugnete, machte Lombard nie ein Hehl, dass sie es bei aller Burschikosität genoss, eine Frau zu sein.

Höchstbezahlter Filmstar der Welt

Zum Star wurde sie nach einer kurzen Durststrecke, in der sie kaum über Nebenrollen hinauskam; zu Hollywoods Top-Star wurde sie 1934 mit dem Film "Twentieth Century". Hier verkörperte sie eine kapriziöse Schauspielerin, die von John Barrymore, dem legendären Broadwayschauspieler der 1920er Jahre, der eine umwerfend komische Karikatur eines selbstgefälligen Schmierenkomödianten gab, dazu überredet wird, zu seiner Truppe - und zu ihm nach Hause zurückzukehren.

Mit diesem Film wurde sie zum höchstbezahlten Leinwandstar der Welt: Sie soll 450.000 Dollar Gage bekommen haben - eine für damalige Verhältnisse astronomische Summe. 1939 heiratete sie ein anderes Hollywood-Idol, Clark Gable, der gerade seinen Ruf als notorisch-rücksichtsloser Herzensbrecher in "Vom Winde verweht" untermauerte. Es war ihre zweite und seine dritte Ehe; und sie verlor, will man der Gerüchteküche Hollywoods Glauben schenken, schnell an Glamour. "Es ist gar nichts dran an dem ganzen Gerede vom großen Liebhaber", vertraute sie dem Dramatiker und Drehbuchautor Garson Kanin an. "Wenn Sie die Wahrheit wissen wollen – he's a lousy lay." Anders ausgedrückt: eine Katastrophe im Bett.

1942 drehte sie ihr Meisterwerk. Es war auch das von Ernst Lubitsch: "Sein oder Nichtsein" hieß die ätzende Satire auf die Nazis, die in Polen von einer gewitzten Theatertruppe gründlich genarrt wurden. Er ist bis heute einer der besten Filme Lubitschs und Hollywoods überhaupt. Doch es sollte Lombards letzter sein.

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor schwappte eine Welle des Patriotismus durch die Vereinigten Staaten, die auch vor Hollywood nicht haltmachte. Wie viele andere Schauspieler hatten auch Lombard & Gable in einem Telegramm Franklin D. Roosevelt ihre Dienste angeboten, sofern er sie gebrauchen könne. Der Präsident nahm das Angebot sofort an.

Fürs Vaterland gestorben

Das Ehepaar wurde eingeladen, die Kampagne für War Bonds, Kriegsschuldverschreibungen, zu unterstützen. Gable konnte seine Frau allerdings nicht begleiten, da er einen Film zu Ende drehen musste. Deshalb ging erst einmal seine Frau allein auf diese Tournee. Die letzte Stadt auf ihrer Route war ihre Geburtsort Fort Wayne. Von dort aus wollte sie mit dem Zug nach Los Angeles zurückfahren. Da ihr die Fahrt jedoch zu lange dauerte, überlegte sie es sich anders und buchte einen Flug.

Am 16. Januar ging sie abends an Bord einer DC-3. Der Pilot musste seinen Weg ohne Leuchtfeuer finden, die wegen der Angst vor japanischen Bombern ausgeschaltet waren. Als Gable zum Flughafen von Los Angeles fahren wollte, um seine Frau abzuholen, erhielt er von der Polizeiabteilung des Filmstudios einen Anruf. Man teilte ihm mit, dass etwas mit dem Flug nicht programmgemäß verlaufen sei. Rund fünfzig Kilometer von Las Vegas hatte jemand eine Explosion am Himmel wahrgenommen, und der Pilot einer anderen Maschine hatte beim Flug über ein Gebirgsmassiv zwischen Las Vegas und Los Angeles ein "wild brennendes Feuer" gesehen.

Nachdem das Flugzeugwrack gefunden worden war, konnte ein Freund des Paares Carole Lombard nur noch anhand des Schmucks identifizieren, bei dessen Auswahl er Clark Gable geholfen hatte. Die Schauspielerin war noch keine 34 Jahre alt, als sie im Januar 1942 ums Leben kam.                                                                                                                         © Rainer Nolden

Autor seit 3 Jahren
15 Seiten
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