Comedian Harmonists

 

Die Comedian Harmonists auf einer Aufnahme von 1930

v.l. Robert Biberti, Erich Abraham Collin, Erwin Bootz, Roman Cycowski, Harry Frommermann, Ari Leschnikoff

 

 

Angefangen hat es mit dem Uraltradio meines Opas, der in meiner kindlichen Erinnerung nur zwei Lieder gespielt hat: "Mein kleiner grüner Kaktus" und "Wochenend und Sonnenschein." Lange blieben die interpreten dieser schmissigen Ohrwürmer gesichtslos, bis mein Interesse neu geweckt wurde und ich die sehr empfehlenswerte Dokumentation "Die Comedian Harmonists - sechs Lebensläufe" von Eberhard Fechner aus dem Jahr 1976 im Fernsehen sah. Dort werden die (verbliebenen) Originalmitglieder getrennt voneinander interviewt und sprechen erstaunlich offen über ihre Zeit als berühmtes Vokalensemble, den Zwistigkeiten untereinander und dem unfreiwilligen Auseinandergehen - drei Mitglieder sind Juden und müssen vor der Nazi-Diktatur ins Ausland fliehen.

Der Film von Joseph Vilsmaier wird den fünf Sängern und dem Pianisten übrigens nicht gerecht - da wurde dramaturgisch und mit einer Liebesgeschichte ziemlich dick aufgetragen, obwohl ich glaube, dass die Fakten ihrer Karriere durchaus filmreif sind.

Mit dem Eifer, der mir eigen ist, wenn mich eine Sache begeistert, habe ich mir sämtliche CDs der befrackten Herren besorgt und tatsächlich die einzelnen Stimmen zu unterscheiden gelernt. Gesichtslos waren Robert Biberti (Bass), Roman Cycowski (Bariton), Ari Leschnikoff (1. Tenor), Erich A. Collin (2. Tenor), Erwin Bootz (Piano) und der Gründer Harry Frommermann (Tenor Buffo) schon lange nicht mehr. Fast waren sie jetzt alte Bekannte. Meine persönlichen Highlights aus dem schier unerschöpflichen Repertoire der Sechs sind das weniger bekannte "Ali Baba" und "Die Puppenhochzeit" (die ersten, die mir spontan einfallen... ).

Zeitlos ist sie irgendwie, die Musik der Comedian Harmonists, und doch so ganz besonders. Vor zwei Jahren habe ich mir das Theaterstück über ihr Künstlerleben angeschaut und war wider Willen ganz aus dem Häuschen. Den Gesangsstil zu imitieren, ist nicht einfach, und ich habe auch schon ziemlich schlechte Kopien gehört, zu denen die Schauspieler auf der Bühne nicht zählten. Sie waren den echten Comedians nicht nur optisch recht nahe, sondern konnten zudem das Publikum mitreißen, komisch sein und traurig machen, und die Ära noch einmal zum Leben erwecken, in der die Gruppe ihre größten Erfolge gefeiert hat. Tatsächlich muss die Atmosphäre ähnlich mitreißend gewesen sein, wenn zum Beispiel aus der ersten Reihe eine "Schöne Isabella von Kastillen" ausgesucht wird, um heftigst von allen fünf Sängern umworben zu werden...

Schade, dass die Sechs auf so tragische Weise auseinander gerissen wurden - andererseits hätte es wohl zwischen dem dominaten Biberti und dem eher schüchternen Frommermann ohnehin immer Spannungen gegeben. Die drei jüdischen Mitglieder Cycowski, Collin und Frommermann emigrieren nach den USA, während die verbliebenen Leschnikoff, Bootz und Biberti unter den Nazis Erfolge feiern, bis das "Meistersextett" an persönlichen Differenzen zerbricht. Auch die "nicht-arische" Hälfte hat keinen Bestand, und die Mitglieder halten sich nach dem Ende ihrer musikalischen Karriere mehr schlecht als recht über Wasser. Wirkliche Erfüllung findet nur Roman Cycowski. Mit seiner deutschen Frau Mary lebt er in Palm Springs und ist lange als Kantor in der Synagoge aktiv. Er stirbt 1998 im Alter von 97 Jahren.

Die Comedian Harmonists waren ein international bekanntes Berliner Vokal-Ensemble der Jahre 1927 bis 1935.
Autor seit 6 Jahren
77 Seiten
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