BOCA CHICA CORONA CONTROL

BOCA CHICA CORONA CONTROL

DIE ERSTEN BEIDEN WOCHEN IM MAI (01. - 15.04.)

Die Frustration ist groß - 1 Monat länger müssen wir hier ausharren & was ist wenn der außen -politische Wasserträger sich im Juni dazu entscheidet, die Reisewarnung erneut zu verlängern? Die einzige Möglichkeit wäre ein Rückflug via New York für überteuerte Wucherpreise mit täg -licher Stornierungsoption. Jetzt fühle ich mich zum 1.Mal wirklich gestrandet.
In der Nacht vom 1.05. wachen wir gegen 2 Uhr auf wegen starken Rauchgeruch - ein Rundgang durch die Wohnung bestätigt das es hier nicht brennt. Anscheinend kommt der Geruch von aus - sen, über dem Bario hat sich ein feiner Rauchnebel gesenkt. Zum Glück konnte der Rauch nur durch die Klimaanlage eindringen, da alle Fenster geschlossen waren. Für den Rest der Nacht benutzen wir den Ventilator statt der Air Condition. Am nächsten Tag erfahren wir von unserem Taxista, daß der Rauch von einer seit Tagen vor sich hinkokelnden Mülldeponie in einem an -grenzenden Viertel stammt. Auch in den nächsten Nächten werden wir gelegentlich von diesem Problem heimgesucht. Anscheinend versucht die Feuerwehr nur im Schutze der Dunkelheit den unter Tonnen von Abfall verborgenen Schwelbrand zu löschen.
Am 03.05. telefoniert meine Frau mit dem Geschäftsfüher von Air Europa Santo Domingo, der mit dem Schwiegersohn befreundet ist, der uns mitteilt das vor -aussichtlich Ende Mai / Anfang Juni ein Spezialflug nach Madrid durchgeführt würde für Passagiere deren Air Europa Flug in den letzten Wochen storniert wurde. Das wird aber davon abhängig ge - macht, das der Flughafen Madrid den Luftraum wieder öffnet. Ein Hoffnungsschimmer, aber mittlerweile bin ich skeptisch. 

 

DIE LETZTEN BEIDEN WOCHEN IM MAI

Die TageWASSERGALONEN ALS VORRAT IM HAUSHALT gleiten ereignislos dahin, begleitet von den üblichen lokalen Prob -lemen wie Stromausfällen, Wasser abstellen oder nächtlicher Rauchgeruch von der anscheinend immer noch nicht ge - löschten Mülldeponie. Ab 17.Mai wurden auch hier glücklicherweise Lockerungen eingeführt, die sic in 4 Phasen gliedern, von der jede 2 Wochen dauert.

Phase I: Ab 17. Mai dürfen kleinere Geschäfte wieder öffnen, die Metro fährt wieder. Phase II: Ab 3. Juni öffnen Shoppin Malls wieder, Kirchen dürfen Sonntags öffnen. Phase III: Ab 17.Juni dürfen Kirchen 3 Tage in der Woche Gottesdienste abhalten. Phase IV: Ab 1.Juli öffnen Flughäfen, Hotels, Restaurants & Fitness-Studios wieder. Wieder ein Hoffnungsschimmer für uns endlich nach Deutschland zurückkehren zu können.Laut Flugplan auf der Condor Webseite wird ab Ende Juni wieder nach Frankfurt geflogen. Wenn nicht wieder der Coronavirus uns einen Strich durch die Rechnung macht betreffend Anstieg der Infektionsrate & die Lockerrungen wieder gecancelt werden bzw das deutsche Außenministerium sich entschließt die Reisewarnung zu verlängern. Das Einzige auf das man sich in diesen Zeiten verlassen kann, ist die Unverlässlichkeit behördlicher Anordnungen & Erlasse.

Wie auch die Samstage davor machen wir mit unserem befreundeten Taxifahrer kleine Ausflüge mit dem Auto - am 23.05. diesmal in die Touristenhochburg Boca Chica. Die meisten Souvenir Shops & Comedores (Imbisse) sind wieder eröffnet. Direkt am Strand sind einige Restaurants halboffiziell wieder offen obwohl gelegentlich Polizei am Strand kontrolliert. Anscheinend gibt es da eine monetäre Absprache mit den Ordnungshütern, die nur kontrollieren das keiner am Strand läuft bzw badet (so bald die Polizei außer Sichtweite ist, gehen auch Leute ins Wasser). Speziell hier gestrandete Touristen nützen das Angebot ausgiebig, allerdings in Einhaltung der sozialen Distanz. Eine angenehme Abwechslung zur langweilenden Monotonie der Quarantäne.
Die Stromausfälle in unserem Barrio nehmen immer mehr zu: nicht wie bisher 1-2 am Abend, sondern auch mehrmals (teilweise mehrere Stunden) am Tag & nachts mittlerweile im Halb - stundentakt. Das äußert sich dann folgendermaßen - da die Air Condition nicht über das Not -agregat betrieben werden kann, schaltet die Lüftung sich jedes Mal ab & wir müssen als Ersatz dann den Ventilator ein -schalten. Halbe Stunde später springt die Air Condition wieder an & wir schalten den Ventilator wieder aus. & das wiederholt sich dann 3-4 mal pro Nacht.
Weitere Ausfälle kommen dazu: seit einigen Tagen ist das Wasser abgedreht, weil die Pumpe angeblich beschädigt ist. Glücklicherweise haben wir wie die meisten Nachbarn einen Wassertank auf dem Dach, doch nach ein paar Tagen ist auch der leer. Wie die meisten Haushalte hier verfügen wir über Gallonen mit einem Fassungs vermögen von 5 Liter (normalerweise als Trinkwasser genutzt), die wir uns vom täglich vorbei -fahrenden Wasserhändler auffüllen lassen.

Am 29.05. kommt dann ein größerer Wassertank -wagen vorbei - den eine Nachbarin bestellt hat - der die Tanks auf dem Dach gebührenpflichtig befüllt. Für ein paar Tage haben wir wieder genug Wasser. 1 Tag später kommt ein Mitarbeiter der "Wasserwerke" vorbei um von jedem Nachbarn im Barrio 300 DOP (ca.5 €) zu kassieren betreff Reperatur der Pumpe. Ein paar Stunden später fließt das Wasser wieder.

Am 30.05. fahren wir wieder nach Boca Chica, diesmal auch zum Essen ins selbe Restaurant wie letzte Woche, das auch von der Preisgestaltung korrekt ist. Speziell in Boca Chica gibt es viele Abzockkaschemmen, die z.B. auch Stuhl- & Tischbenutzung berechnen. Die meisten Tische m Restaurant sind zwar besetzt, aber die Mindestabstände werden alle eingehalten. Polizei patrolliert am Strand, aber ignoriert den Gastbetrieb. Am späten Nachmittag taucht dann ein Colonel der dominikanischen Armee auf, macht Fotos & bittet die Leute höflich zu gehen.

Einen Tag später, am Pfingstsonntag & dominikanischem Muttertag, besuchen wir zum 1.Mal die Tochter meiner Frau (da sie 3 Kinder hat, hatten wir wegen der Ansteckungs -gefahr bisher Besuche vermieden). Die Tochter wohnt in einer wohlhabenderen Urbanicacion mit Securidad, d.h. man muss sich am Tor anmelden um hereingelassen werden. Wegen der Ansteckungsgefahr gibt es das BBQ vor dem Haus, auch hier mit strikter Einhaltung der Abstands -regel.Nach ein paar Stunden sind wir zurück im Bario: wie auch in den letzten Tagen versammelt sich eine Streetgang auf der Straße vor dem Colmado, um mit ohrenbetäu - bender Reggaeton Musik & Alkohol zu feiern. Täglich werden es mehr. Im Gegensatz zu den vorherigen Tagen ignorieren sie diesmal die um 17:00 beginnende Sperrstunde & feiern bis in die Nacht hinein. Polizei taucht keine auf - vielleicht aus Angst das es zur Schießerei kommt (vielleicht drücken sie aber wegen dem Muttertag ein Auge zu). Am späten Abend lädt uns eine Nachbarin zu einer Grillparty ein auf dem Dach unseres Hauses.
Der dominikanische Präsident möchte den nationalen Notstand - der am 03.06. abläuft - wieder um 25 Tage verlängern, genehmigt werden allerdings nur 12 Tage, d.h. bis zum 15.06. Weitere Verlängerungen sind zu erwarten, aber der oppositionelle Widerstand wächst.

Die ersten beiden Wochen im Juni

Am 01.06. kaufe ich online 2 Flugtickets nach Frankfurt für den 05.07. - Nonstop Flight mit der Condor von Punta Cana, da von dem Flughafen der Hauptstadt keine Direktflüge angeboten werden. Jetzt können wir nur hoffen, das uns der Virus nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Von Santo Domingo Este sind es mit dem Auto ca.2 Stunden nach Punta Cana. Da ab 01.07. die Hotels wieder öffnen sollen, planen wir uns einen Leihwagen zu nehmen & ein paar Tage an der Ostküste (Samana, Cabarete, Puerto Plata) unseren Urlaub nachzuholen, um dann am Abreisetag den Wagen am Flughafen von Punta Cana abzustellen.

Am 05.06. fahren wir in die wiedereröffnete Shopping Mall Sambil (in der wir am 1.Tag nach meiner Ankunft schon zum Abendessen waren). Am Eingang zum Einkaufszentrum werden wir mit einer Wärmemesspistole von einem Polizisten abgescannt, auch in diversen Shops wiederholt sich diese Prozedur. Ca.50 % der Läden & Restaurants sind geöffnet, auch sind weitaus weniger Konsu -menten unterwegs als normal, d.h. man kann problemlos den erforderlichen Mindest -abstand einhalten. Die Comedores (Imbissläden) im Food Court bieten nur Essen zum Mitnehmen an - wir entschließen uns ein paar Chachapas (venezu -lanische Pfannkuchen) zu probieren.

Am 06.06. fahren wir (wie auch die letzten beiden Samstage) wieder nach Boca Chica in unsere Stammstrandbar. Diesmal wenig Leute, aber im Restaurant nebenan sind fast alle Tische besetzt & es wird nicht ausreichend Abstand eingehalten. Der Colonel vom letzten Samstag läuft mit dem lokalen Polizeichef vorbei, aber unternimmt diesmal nichts außer sich in der Nachbarbar ein Getränk abzuholen. Da sind wahrscheinlich heimlich Schmiergelder gefloßen.

Einen Tag später am 07.06. fahren wir mit dem Cousin meiner Frau nach Yamasa, ihrem Geburtsort, um das Grab ihrer Mutter zu besuchen bzw dort eine Gedenktafel anzu -bringen. Dominikanische Friedhöfe unter -scheiden sich stark von deutschen - ein chaotisches Wirrwarr aus kleinen Mausoleen, Kryptas & simplen Betonklötzen. Auf der Rückfahrt halten wir in einem Pueblecito (kleines Dorf) & holen uns bei einem Comedor gegrillte Rinderzungen mit Platanos fritos - 3 komplette Mahlzeiten für insgesamt 250 DOP (nichtmal 5 Euro).

Am 10.06. bekomme ich eine Email vom deutschen Konsulat in Santo Domingo, die mich darauf hinweisen das die Schweizer Fluglinie Edelweiß am Freitag eine einmalige Rückholaktion durchführt von Punta Cana nach Zürich. Da ich ja schon Flugtickets für den 5.Juli habe, ignoriere ich das Angebot. Ein paar Stunden später dann der Schock: ich lese online das die Reise -warnung des Auswärtigen Amtes verlängert wurde bis zum 31.August (das gilt allerdings nur für Länder außerhalb der EU). Da ich mich noch gut an die letzte Verlängerung der Reisewarnung erinnere, als daraufhin sämtlich Flüge.gecancelt wurden. Ich schaue sofort auf der Condor Webseite nach: die Flüge von Punta Cana nach Frankfurt sind zwar alle noch gelistet, aber wenn man ein Datum anklickt, bekommt man jedes Mal nur angezeigt das der betreffende Flug ausgebucht, sowohl im ganzen Juli als auch im August. Langsam kriege ich die Panik wenn ich mir vorstelle noch bis September hierbleiben zu müssen. Meine Frau telefoniert mit dem befreun -deten Chef von Air Europa, der uns einen Flug von Santo Domingo nach Madrid am 6.Juli in Aussicht stellt. Das ist für mich aber keine wirkliche Alternative, da momentan in Spanien noch Einreiseverbot herrscht & es fraglich ist ob das bis zum Juli aufgehoben wird. Am Abend erreiche ich dann einen Condor - Mit -arbeiter via Chatfunktion, der mir bestätigt das sämtliche Flüge für Juli / August storniert wurden. Wir entscheiden uns am nächsten Tag die Schweizer Flugagentur anzurufen.

Am nächsten Morgen (11.06.) telefoniere ich kurz nach dem Aufstehen mit Zürich: glücklicher -weise sind noch ausreichend Plätze frei. Ich übermittele alle unsere Daten telefonisch & buche 2 Plätze für den nächsten Tag. Die kurzfristige Änderung verursacht jetzt natürlich extrem viel Stress, speziell für meine Frau - neben dem Packen muss noch die angefallene Schmutzwäsche gewaschen werden & die große Wohnung sauber gemacht werden. Außerdem müssen noch Geschenke besorgt werden & die Tochter & die Schwester besucht werden.

Am 12.06. holt uns unser Taxifahrer pünktlich morgens ab & nach 3 Stunden Fahrt erreichen wir Punta Cana. Bis auf unseren Flug ist der Flughafen gesperrt. Beim Einchecken wird meine Frau gefragt, ob sie eine Meldebestätigung für Frankfurt vorlegen kann, die liegt natürlich in Frankfurt. Glücklicherweise reicht die AOK Karte als Nachweis (in Zürich taucht das Problem zum 2. Mal auf). Das Flugzeug ist nur zu dreiviertel belegt, insofern ist ausreichend Distanz vorhanden. Nach einem 9 Stunden Flug landen wir in Zürich & können dann nach 3 Stunden nach Frankfurt weiterfliegen.

 

Nachtrag: in der Heimat

Zuhause ist alles in Ordnung. Online teile ich dem Gesundheitsamt unsere Rückkehr aus einem Drittland mit - das Interesse ist verhältnismäßig gering: außer einem Merkblatt betreff Verhaltens- maßregeln gibt es keine weitere Reaktionen, d.h. es wird nicht kontrolliert, ob wir die angeordnete 14 tägige Quarantäne auch einhalten. Nach Ablauf der Quarantäne muß ich zuerst meinen schon seit 2 Monaten abgelaufenen Personenbeförderungsschein erneuern (den ich schon vor meiner Abreise beantragte hatte) einschließlich die benötigten ärztlichen Untersuchungen. Danach melde ich mich in meiner Firma zurück & kann auch 1 Woche später wieder arbeiten. Anfang Juni werden die Flughäfen in der Dom Rep wieder geöffnet & der Toque de Queda (Nationaler Notstand) ausgesetzt. Einige Wochen später steigt die Infektionsrate wieder extrem (man spricht von einer 2.Welle) an & der Notstand wird erneut wieder ausgerufen, diesmal sogar für 45 Tage. Condor kündigt die ersten Flüge in die Dominikanische Republik für Oktober (!!!) an, für Santo Domingo sogar erst kurz vor Weihnachten.

EDELWEISS AIRLINE@PUNTA CANA AEROPUERTO

EDELWEISS [email protected] CANA AEROPUERTO

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