Ebola wird »entdeckt«

Im Jahr 1976 stießen westliche Forscher in der Demokratischen Republik Kongo (damals: »Zaire«) auf eine für sie zunächst seltsam anmutende Krankheit. Die Form ihres Erregers war merkwürdig: Lang und fadenförmig, nicht etwa kugelig wie viele andere Viren. Dazu noch verhältnismäßig gigantisch. Während sogenannte »Grippeviren« gerade einmal bis zu 300 Nanometer groß werden, weißt das Ebola-Virus stattliche 14.000 Nanometer auf. Mehr als vierzig mal so groß!

Für eine genauere Untersuchung schickte das Forscherteam um Peter Piot ihren neuen Fund in Thermosflaschen »abgefüllt« auf eine lange Reise in die Niederlande nach Antwerpen. Auf diesem Flug zerbrach sogar eines dieser hastig zusammengesuchten Gefäße und es grenzte an ein Wunder, dass weder die Ärzte noch die Piloten infiziert wurden.

Die außergewöhnliche Form des Ebola-Virus erweckte sofort das Interesse der Forscher. (Bild: CDC/Wikimedia)

Doch die Erforschung von Ebola sollte nur langsam vorangehen und hochspezialisierten Einrichtungen vorbehalten sein, vorrangig dem Militär. Während des Kalten Krieges widmeten sich die Geheimdienste der USA und der Sowjetunion der Manipulierung des Virus. Die kürzlich erst auf den Menschen übergegangene Seuche sollte nach dem Willen der Regierungen »verbessert« und zur Biowaffe umgebaut werden. 

Dabei stand die hohe Sterblichkeitsrate von Beginn an im Weg. Die überaus schnell eintretende Tod eines Infizierten hat aus evolutionsbiologischer Sicht keinen Nutzen für das Virus, da der Wirt viel zu schnell verstirbt, ein Indiz dafür, dass der Erreger vor gar nicht langer Zeit erst auf den Menschen übergegangen ist. Die Versuche, Ebola weniger tödlich und somit für einen größeren Personenkreis ansteckend zu machen, scheiterten allerdings und wurden mit dem Ende des Kalten Krieges offiziell aufgegeben.

Faktencheck Ebola-Stämme

Zaire-Ebolavirus (EBOV): Lethalität bis 90 %

Sudan-Ebolavirus (SUDV): Lethalität zwischen 50 und 90 %

Bundibugyo Ebolavirus (BDBV): Lethalität zwischen 50 und 90 %

Tai-Wald-Ebolavirus (TAFV): gilt für den Menschen weitgehend als ungefährlich

Reston-Ebolavirus (RESTV): gilt für den Menschen als ungefährlich

Und seit diesem Zeitpunkt dümpelt die Erforschung eines Impfstoffs gegen den Todesvirus vor sich hin. Mit der Einstampfung der Ebola-Projekte geriet gleichfalls die Suche nach einem Serum ins Stocken. Während das Militär als »Heilbringer« ausschied, fand »Big Pharma« nicht so recht ins Spiel. Aus Sicht der Pharmariesen lohnte sich das Geschäft, sprich, die Arbeit an einem Heilmittel, nicht. Nur wenige Menschen erkrankten zudem äußerst selten an dem blutbrechenden Fieber. Zwischen den Ausbrüchen der Krankheit lagen in der Vergangenheit zum Teil mehrere Jahre.

Im globalen Maßstab betrachtet gilt Ebola trotz seiner potentiell hohen Lethalität verglichen mit der Grippe oder der Malaria gegenwärtig noch immer als eher kleiner Nebenschauplatz.

Ebola in Afrika

Die Ebola-Ausbrüche der Vergangenheit in Afrika. Die gegenwärtige Epidemie ist nicht enthalten. (Bild: Zorecchi/Wikimedia)

Die Übertragung von Ebola

Über die Herkunft des Ebola-Virus ist nicht viel bekannt. Nach wie vor fehlen wesentliche Informationen über das natürliche Reservoir des Erregers, welches dabei helfen könnte, die Strukturen der Seuche besser zu verstehen. Unter dem Verdacht, Träger des Virus zu sein, stehen jedoch vor allem Flughunde und Menschenaffen. Es wird vermutet, dass das Essen von unzulänglich gekochtem Wildfleisch dieser Tiere zu einer Ansteckung mit Ebola führt, ein Infektionsweg, der in dem noch immer unterentwickeltn Kontinent dramatische Auswirkungen hat. Die armen Regionen Afrikas sind auf eine Versorgung durch Wildfleisch (»bush meat«) geradezu angewiesen.

Es entsteht auf diesem Weg ein Teufelskreis. Ebola bricht in slumähnlichen Gebieten aus und verbreitet sich rasant weiter. Das ohnehin bereits spärlich vorhandene medizinische Personal ist der Seuche nicht gewachsen und muss früher oder später auf Hilfe von außen setzen, welche mehr oder weniger freundlich von der ansässigen Bevölkerung empfangen wird.

Kranke werden versteckt und anonym vergraben, wodurch der infizierte Personenkreis weiter vergrößert wird. Überhaupt ist Ebola ein sehr verbreitungsfreudiges Virus. Bereits der Kontakt mit kontaminierter Körperflüssigkeit reicht aus, um sich mit dem Virus anzustecken. Selbst Menschen, die die Krankheit übertragen haben, tragen den Erreger noch lange Zeit in sich. Im Sperma eines Mannes überlebt das Virus so beispielsweise mind. 6 Wochen.

Schützende Anzüge und Ausrüstung sind aufgrund hoher Anschaffungskosten in Afrika wenig verbreitet. Medizinisches Material wird häufig mehrmals verwendet. (Bild: CDC/Wikimedia)

Medizinisches Gerät? Fehlanzeige.

Zufriedenstellende medizinische Versorgung ist mit wenigen Ausnahmen in Afrika ausschließlich den oberen Zehntausend vorbehalten. Jahrelange Bürgerkriege und Korruption der einheimischen Warlords haben die einst bis zum Einsetzen der Entkolonialisierung halbwegs funktionierende Infrastruktur weitgehend zerstört. Für einen Wiederaufbau fehlt den afrikanischen Staaten schlichtweg die wirtschaftliche Kraft.

Somit dürfte es kaum verwundern, wenn in dieser Verwaltung des medizinischen Mangels Einwegmaterialien wie Spritzen, Handschuhe und Schutzanzüge aus der Not heraus wie Mehrwegwaren genutzt werden.

Hinzu kommt ein gewaltiges Defizit an Personal. Durch die chronische Unterversorgung der lokalen Krankenstationen mit Krankenschwestern und Ärzten sind diese angehalten, Überstunden zum Normalfall werden zu lassen. Überarbeitung führt wiederum zu Fehlern, welche sich im Falle von Ebola gravierend auswirken können. Die Flucht der mehrheitlich jungen Bevölkerung vor wirtschaftlichen Missständen in Richtung Europa und USA verschärft diese Problematik dabei nicht unwesentlich.

Die Symptome

Die fehlende Zuordnung von eindeutigen Symptomen führt unter Tropenmedizinern zu Kopfschmerzen. Ebola erzeugt nach zwei bis einundzwanzig Tagen ähnliche Symptome wie eine flüchtige Erkältung: Leichtes Fieber, Schüttelfrost sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Ebenso auftreten können Erbrechen und Durchfall. Der Körper verliert kontinuierlich Flüssgkeit. Das Blut verdickt sich.

Obwohl Ebola weitgehend aus den Medien verschwunden ist, steigen die Infektions- und Todeszahlen. (Bild: Wikimedia)

Nach spätestens einer Woche platzen bei bis zu neunzig Prozent aller Fälle feine Kapillargefäße im Inneren des Körpers, da der stete Verlust an Wasser die Blütkörperchen in den Gefäßen »stecken bleiben lässt«. Es setzen innere Blutungen ein. Sollte der menschliche Organismus dieses Stadium überleben, so tritt sehr bald ein multiples Organversagen auf, welches durch eine »Zerblutung« lebensnotwendiger Organe wie der Leber oder des Herzens ausgelöst wird. Der Mensch stirbt.

Aussicht

Bislang steht für Ebola keinerlei Heilung zur Verfügung. Die Behandlung dieser äußerst schweren Krankheit beschränkt sich im Allgemeinen auf die Bekämpfung der Symptome, beispielsweise durch die Darreichung fiebersenkender und blutverdünnender Mittel, um die Zerstörung der Blutgefäße im Körperinneren zu vermeiden. Auch Infusionen von Flüssigkeit können helfen, den Todeskampf zu Gunsten des Patienten zu beeinflussen.

Neuartige Medikamente wie ZMapp, die eine passive Immunisierung des Erkrankten bewirken sollen, sind offiziell noch nicht zur Behandlung zugelassen worden, obwohl dieses Antiserum bereits im Jahr 2014 an Menschen zum Einsatz kam.

Faktencheck Ebola-Epidemie 2014

Bislang von der gegenwärtigen Ebola-Epidemie betroffene Länder anno 2014:

  • Guinea
  • Sierra-Leone
  • Liberia
  • Nigeria
  • Senegal
  • Demokratische Republik Kongo (unabhängig von dem Ausbruch in Westafrika!)

Tödlichkeitsrate:

  • ca. 50-60 %

Stamm:

  • vermuteter Zaire-Ebolavirus (EBOV)

Todesopfer:

  • ca. 10.000 (Feb 2014); Dunkelziffer unbekannt, wird hoch angesetzt

 

Autor seit 4 Jahren
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