Welcher Campingtyp sind Sie?

  • Wie viele Personen werden auf Reisen gehen? Sind sie alleine oder als Paar unterwegs? Haben Sie Kinder, wenn ja wie viele? Verreisen diese noch dauerhaft mit den Eltern oder eher weniger? Großeltern sollten auch eventuell vorhandene Enkelkinder nicht vergessen.
  • Planen Sie, gute Freunde, eventuell ein anderes Paar, mit auf Tour zu nehmen?
  • Sind Sie ein Nomade oder eher Sesshaft? Wie lange wollen Sie auf Reisen an einem bestimmten Platz bleiben?
  • Gehen Sie lieber Essen oder haben sie Spaß daran, sich selbst zu bekochen?
  • Wie sehen ihre bevorzugten Reiseziele aus? Soll es eher ans Meer oder in die Berge gehen? Interessieren sie sich für Städte oder Landschaften? Sind Sie sportlich aktiv oder faulenzen Sie lieber?
  • Welche Sportgeräte, wie Fahrräder oder Surfboards, sollten unbedingt dabei sein?
  • Können sie sich vorstellen, auch im Winter bei Eis und Schnee unterwegs zu sein?
  • Welchen Führerschein haben Sie? Natürlich haben Sie einen Führerschein. Aber der neue EU-Führerschein für PKW's, wie er nach dem 1.1.1999 ausgegeben wird, erlaubt nur noch das Führen von Fahrzeugen bis zu 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Diese Einschränkung kann bei der Wahl des passenden Wohnmobils eine Rolle spielen.

Nehmen Sie sich Zeit bei der Beantwortung der obigen Fragen. Sie müssen sich auch auf nichts festlegen. Wenn Sie sich für die Berge ebenso, wie für den Strand begeistern, dann wird sich auch dafür das passende Fahrzeug finden lassen.

Grundlegendes: Das Basisfahrzeug

Darüber bis etwa zwölf Tonnen bilden leichte LKW die Basis. Bis zu einem Gesamtgewicht von etwa fünf Tonnen ist der Fiat Ducato und seine fast baugleichen Brüder Peugeot Boxer und Citroen Jumper die am meisten verwendete Basis für Reisemobile. Weitere Basisfahrzeuge sind der Mercedes Sprinter, Ford Transit, Iveco Daily, VW Crafter und VW T5.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, natürlich neben Motorisierung und Marke, ist Frontantrieb oder Heckantrieb. Bei einem Wohnmobil mit der Kabine, deren Gewicht zum größten Teil auf der Hinterachse ruht, hat man mit Heckantrieb tendenziell Traktionsvorteile gegenüber einem vergleichbaren frontgetriebenen Fahrzeug. In der Praxis können sich diese Vorteile im Winter in den Bergen oder auf schlechten Straßen bemerkbar machen.

Der Fiat Ducato und seine baugleichen Brüder aus dem PSA-Konzern (Jumper und Boxer) haben Frontantrieb, ebenso wie der Volkswagen Transporter T5.

Beim Ford Transit der aktuellen Generation kann der Kunde zwischen Front- und Heckantrieb wählen. Alle anderen erwähnten Basisfahrzeuge von zum Beispiel Iveco oder Mercedes haben Heckantrieb.

Verschiedene Wohnmobiltypen - Von Kastenwagen, Alkoven und Integrierten

Grob kann man vier Aufbauvarianten unterscheiden: Kastenwagen, Alkoven, Teilintegrierte und Integrierte. Diese unterscheiden sich im aussehen, den Abmessungen und im Platzangebot.

Kastenwagen und Campingbusse

Hier bleibt die ursprüngliche Karosserie des Transporters weitgehend erhalten. Meist wird ein anderes Dach aufgesetzt, entweder ein Aufstelldach oder ein Hochdach. Meist sind nicht mehr als vier Sitzplätze verfügbar. Die Sitze im Fahrerhaus sind in der Regel in die Sitzgruppe einbezogen. Oft gibt es ein Hubbett unter dem Dach oder feste Stockbetten im Heck. Wollen mehr als zwei Personen schlafen, muss die Sitzgruppe zum Bett umgebaut werden.

Vorteile:

Wendig und relativ kompakte Abmessungen von etwa fünf bis maximal sieben Meter, darum auch als Alltagsfahrzeug nutzbar.

Nachteile:

Relativ wenig Stauraum für sperriges Sportgerät. Fahrräder müssen auf einem Heckträger mitgenommen werden.

Die Isolierung ist, bedingt durch die Blechkarosserie und die Einbeziehung des Fahrerhause in den Wohnraum, nur bedingt kältebrückenfrei.

Eignung:

Ein Kastenwagen ist gut geeignet für das Alleinreisende Paar. Wenn Sie gerne unterwegs sind, kleine und enge Straßen auf ihren Entdeckungstouren ihnen keine Schweißperlen auf die Stirn treiben sollen, dann ist ein Kastenwagen das richtige Auto. Für Touren im Winter ist ein Kastenwagen nur bedingt geeignet, der Energieverbrauch für die Heizung wird höher sein, als bei einem gleich großen aufgebauten Wohnmobil.

Typische Vertreter der Gattung Kastenwagen sind der VW California oder der James Cook von Westfalia.

Alkovenmobile

Markantes Merkmal ist der große Alkoven über dem Fahrerhaus, weshalb diese Fahrzeuge gerne auch "Nasenbären" genannt werden. Alkovenmobile bieten Schlaf- und Sitzplätze für vier bis maximal sieben Personen. Meist gibt es neben dem Doppelbett im Alkoven ein festes Bett im Heck oder Stockbetten. Für mehr Schlafplätze muss die Sitzgruppe umgebaut werden. Bei Alkovenmobilen bleibt nur das Fahrerhaus des Basisfahrzeugs erhalten, die Wohnkabine wird vom Wohnmobilhersteller als GFK oder Alu-Sandwich mit Isolierung auf dem Fahrgestell aufgebaut.

Vorteile:

Wenn es eine feste Wand oder mindestens einen Vorhang zum Fahrerhaus gibt, kann der Aufbau recht gut gegen Kälte isoliert werden.

Grundrisse mit Heckbett oder Hecksitzgruppe haben meist einen von außen zugänglichen großen Stauraum für Fahrräder oder anderes Sportgerät.

Mehr Platz als im Kastenwagen.

Nachteile:

Bedingt durch eine Länge zwischen 5,5m und bis zu 9m weniger wendig als ein Kastenwagen.

Breiter und höher als ein Kastenwagen.

Durch die wenig strömungsgünstige Form kann der Verbrauch höher sein, als bei vergleichbaren Kastenwagen, Teilintegrierten oder Integrierten.

Eignung:

Alkovenmobile sind gut geeignet für Familien. Auch im Winter haben sie Isolationsvorteile, sofern das Fahrerhaus mit einer festen Tür abtrennbar ist. Wenn mehr als zwei Personen unterwegs sind und Sie auch mal ein paar Tage an Ort und Stelle bleiben wollen, spielt ein Alkovenmobil seine Stärken aus. Bedingt durch die Größe und Höhe kann es in Städten aber leicht eng werden und auf jeden Parkplatz wird das Alkovenmobil auch nicht mehr passen.

Typische Vertreter der Gattung Alkovenmobil sind der Knaus Sky Traveller oder der Bürstner Argos.

Bildbeispiele für Alkovenmobile

Der Bürstner Argos Time (Bild: Bürstner)

Integrierte Wohnmobile

Bei diesen Fahrzeugen ist von Basisfahrzeug außer Motor und Fahrgestell nichts mehr übrig geblieben. Diese sogenannten Windläufe liefern Hersteller wie Fiat, Iveco oder Mercedes schon in dieser abgespeckten Form an die Wohnmobilhersteller aus. Diese bauen das gesamte Fahrzeug, inklusive Fahrerhaus, neu auf. Die Sitzgruppe ist in der Regel vorne und die Fahrerhaussitze sind in diese einbezogen, eben integriert. Oft gibt es keine Beifahrertür, nur die Aufbautür und meistens eine Fahrertür. Über der Sitzgruppe und dem Fahrerhaus befindet sich oft ein Hubbett, ergänzt durch ein Doppelbett im Heck. Selten bietet ein Integrierter mehr als vier Schlafplätze. Wird das Hubbett genutzt, ist die Sitzgruppe eingeschränkt oder gar nicht zugänglich.

Vorteile:

Das Fahrerhaus ist in der Regel geräumiger, als beim entsprechenden Basisfahrzeug.

Platzangebot und Stauraum ähnlich wie bei gleich großen Alkovenmobilen.

Das Fahrzeug wirkt optisch "wie aus einem Guss".

Nachteile:

In einer Werkstatt des Herstellers der Basis wird man sich unter Umständen schwer tun, bestimmte Aggregate zu finden oder zu warten, weil die Motorhaube kleiner und anders geformt ist und weil der Aufbauhersteller möglicherweise einiges an den Aggregaten umgebaut hat, also zum Beispiel den Tank für das Wischwasser an eine andere Stelle verlegt hat.

Die Frontscheibe ist oft eine Sonderanfertigung. Sollte bei einem älteren Fahrzeug ein Austausch nötig sein, kann es Schwierigkeiten geben bei der Beschaffung von Ersatz.

Ein Hubbett kann die Zugänglichkeit von Fahrerhaus und Sitzgruppe einschränken.

Die Übersicht ist durch das größere Fahrerhaus schlechter, als beim entsprechenden Originalfahrerhaus.

Da sich das Fahrerhaus mit den großen Glasflächen nicht vom Wohnraum abtrennen lässt, ist die Isolierung gegen Kälte oder Hitze tendenziell schlechter als bei einem Alkovenmobil.

Eignung:

Ein integriertes Reisemobil eignet sich gut für das allein reisende Paar mit größerem Bedarf an Platz und Stauraum. Auch die gelegentliche Mitnahme zum Beispiel der Enkelkinder ist möglich. In engen Gassen kann es kniffelig werden, auch ist nicht jeder Parkplatz geeignet.

Typische Vertreter integrierter Reisemobile sind die Hymermobil B Klasse oder der Concorde Charisma III.

Bildbeispiel für Integrierte Reisemobile

Hymermobil B-Klasse (Bild: Hymer)

Teilintegrierte Wohnmobile

Diese Fahrzeuge sind ein Mittelding zwischen Alkoven und Integriertem. Das Originalfahrerhaus des Basisfahrzeugs bleibt erhalten, nur das Dach wird mehr oder weniger weit aufgeschnitten. Der Aubauhersteller setzt an Stelle des Alkovens eine Art Hutze darauf. Die Fahrerhaussitze sind wieder Teil der Sitzgruppe, was bedeutet, dass diese vorn ist. Darüber befindet sich oft ein Hubbett und im Heck ein weiteres Doppelbett unter dem sich ein großer, von außen zugänglicher Stauraum befindet. Ähnlich wie beim Integrierten gibt es hier selten mehr als vier Schlafplätze und das abgesenkte Hubbett schränkt die Zugänglichkeit der Sitzgruppe mehr oder weniger stark ein.

Vorteile:

Platzangebot und Stauraum ähnlich wie bei gleich großen Integrierten Reisemobilen.

Nachteile:

Da sich das Fahrerhaus nicht vom Wohnraum abtrennen lässt, ist die Isolierung gegen Hitze oder Kälte tendenziell schlechter als beim Alkovenmobil.

Ein Hubbett kann die Zugänglichkeit von Fahrerhaus und Sitzgruppe einschränken.

Eignung:

Ein teilintegriertes Reisemobil eignet sich gut für das alleinreisende Paar mit nur gelegentlich mitreisenden Kindern. Trotz des schlankeren Originalfahrerhauses bleibt das Auto breit und relativ lang. In engen Städten sollte man deshalb vorsichtig sein.

Typische Vertreter der Gattung teilintegrierte Reisemobile sind der Knaus Sky TI oder der Hobby Siesta.

Bildbeispiele für Teilintegrierte Reisemobile

Hymer Tramp CL (Bild: Hymer)

Ein paar Faustregeln für die Wohnmobil-Auswahl

Immer einen Platz mehr: Planen sie immer mindestens einen Sitzplatz mehr ein, als Personen mitfahren. Bei einem Mobil für eine vierköpfige Familie sollte also auch noch eine fünfte Person bequem mit am Tisch sitzen können. Das gibt Platz, um sich etwas auszubreiten oder auch mal die Füße hochzulegen. Bei mehreren Personen an Bord ist es auch von Vorteil, wenn ein Teil der Besatzung Schlafen gehen kann, ohne den anderen Lebensraum zu nehmen durch heruntergeklappte Betten oder umgebaute Sitzbänke.

100kg Zuladung pro Person: Die Zuladung ist immer ein heikles Thema, besonders bei Mobilen der 3,5-Tonnen Klasse. Die Zuladung ergibt sich aus der Differenz zwischen der "Masse im fahrbereiten Zustand" und dem zulässigen Gesamtgewicht (zGG). Die Masse im fahrbereiten Zustand wird von der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (STVZO) wie folgt definiert:

StVZO  § 42 Abs.3
Das Leergewicht ist das Gewicht des betriebsfertigen Fahrzeugs ohne austauschbare Ladungsträger (Behälter… wie Container, Wechselbehälter), aber mit zu 90 % gefüllten eingebauten Kraftstoffbehältern und zu 100 % gefüllten Systemen für andere Flüssigkeiten (ausgenommen Systeme für gebrauchtes Wasser) einschließlich des Gewichts aller im Betrieb mitgeführten Ausrüstungsteile (z. B. Ersatzräder und -bereifung, Ersatzteile, Werkzeug, Wagenheber, Feuerlöscher, …), … zuzüglich 75 kg als Fahrergewicht. Austauschbare Ladungsträger, die Fahrzeuge miteinander verbinden oder Zugkräfte übertragen, sind Fahrzeugteile.

Eigentlich eindeutig, trotzdem weichen manche Anbieter von diesen Vorgaben ab, in dem sie die Tanks nur zur Hälfte füllen oder das Reserverad nicht mit wiegen. Wenn überhaupt, wird darauf nur im Kleingedruckten hingewiesen. Lassen Sie sich also vom Verkäufer oder Vermieter genau die Masse im fahrbereiten Zustand nennen und wie er diese definiert.

Ein sinnvolles Wohnmobil für zwei Personen sollte mindestens noch 400kg Zuladung haben. Hat es weniger: Finger weg!

Sie können den Zuladungsbedarf grob selbst mit folgender Formel abschätzen: 200kg Basis-Zuladung plus 100kg für jede mitfahrende Person. Eine vierköpfige Familie kommt danach mit 600kg Zuladung aus. Trotzdem sollten Sie mit dem urlaubsfertig gepackten Mobil auf eine öffentliche Waage fahren und das Gesamtgewicht, aber auch die Achslasten vorne und hinten ermitteln lassen. Achten Sie auch darauf, dass die Achslasten nicht überschritten werden.

Fahren mit einem überladenen Fahrzeug ist nicht nur gefährlich, es kann auch richtig teuer werden oder Sie werden gezwungen unter den Augen der Polizei Teile ihres Urlaubsgepäcks wieder auszuladen und nach Hause zu schicken.

Die 3,5t Grenze

Bis 3,5t sind Wohnmobile weitgehend den PKW gleichgestellt. Lediglich das Parken halbseitig auf Gehwegen ist für Fahrzeuge über 2,8t zGG nicht erlaubt. Jenseits von 3,5t gilt dann für Wohnmobile Folgendes:

Maximal 80km/h außerhalb geschlossener Ortschaften.

 

 

 

Maximal 100km/h auf Autobahnen und autobahnähnlich ausgebauten Straßen.

 

 

 

LKW-Überholverbote (Zeichen 277 der STVO), sofern nicht durch weitere Zeichen eingeschränkt.

 

 

 

LKW-Durchfahrtsverbote (Zeichen 253 der STVO), sofern nicht durch weitere Zeichen eingeschränkt.

 

 

 

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Wer die Fahrerlaubnis der Klasse B nach dem 31.12.1998 erworben hat, darf nur noch Fahrzeuge bis 3,5t bewegen, alle Besitzer der alten, grauen "Pappe" (Führerschein Klasse III) dürfen Fahrzeuge bis 7,5t bewegen. Die Wohnmobilindustrie wird in Zukunft vermehrt Fahrzeuge bis 3,5t anbieten müssen, um die jüngeren Führerscheininhaber auch als Kunden zu gewinnen.

Autor seit 5 Jahren
19 Seiten
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