Geschichte der Firma Hymer

1956 rief der Senior Alfons Hymer seinen Junior Erwin zurück in den heimischen Betrieb. Der verließ die Dornier-Werke in Friedrichshafen, um dem väterlichen Wunsch zu folgen. Kurze Zeit später erschien hier der Konstrukteur Erich Bachem, um mit Erwin Hymer zusammen einen Wohnwagen zu entwerfen und unter dem Markennamen Eriba zu vertreiben. Erich Bachem war Flugzeugkonstrukteur, hat sich aber auch vor dem Krieg schon mit Wohnwagen beschäftigt. Im Krieg war er der Vater einer der letzten "Wunderwaffen" des Dritten Reiches, des Raketenjägers Bachem "Natter".

Die Eriba-Wohnwagen Puck und Troll waren ein großer Erfolg. Der Markennname "Eriba" aus Erich Bachem besteht bis heute.

1961 entwickelte Hymer das erste Reisemobil "Hymer Caravano" auf Basis des Transporters Borgward B611. Der Konkurs der Firma Borgward verhinderte aber eine Serienfertigung.

Am 13. März 1968 vernichtete ein Großbrand fast die gesamte Firma. Aber die Produktion ging weiter, zum Teil unter freiem Himmel.

Zehn Jahre nach dem "Hymer Caravano", diesmal auf Basis des Mercedes L508D, entstand das Hymermobil.

1990 geht die Firma Hymer an die Börse und der Chef geht auf Einkaufstour. Dethleffs und T.E.C. gehörten schon seit 1980 zur Hymer-Gruppe, 1996 kam Niesmann & Bischoff dazu, 1998 die Firma Bürstner in Kehl. 2000 wird der italienische Reisemobilhersteller Laika mit Sitz in der Toskana erworben.

Im Oktober 2004 verließ das 100.000. Hymer-Reisemobil die Werkshallen in Bad Waldsee.

2005 und 2006 erfolgte, zusammen mit der Dethleffs GmbH, die Gründung der Capron GmbH, welche Reisemobile für die Marken Carado und Sunlight herstellt.

Am 29. Oktober 2011 wurde in Bad Waldsee das Erwin-Hymer-Museum eröffnet. Es zeigt nicht nur die Geschichte der Firma Hymer, vor allem die Geschichte des mobilen Lebens.

Das Erwin-Hymer-Museum bei Nacht

Das Erwin-Hymer-Museum bei Nacht (Bild: HYMER AG)

Die Produkte und das Werk

Gebaut werden aktuell teilintegrierte und integrierte Reisemobile, sowie Kastenwagen.

1000 Mitarbeiter produzieren in Bad Waldsee etwa 15 dieser Reisemobile pro Tag. Die Produktionshalle ist 285m mal 85m groß und beherbergt eine Produktionsstraße für Wohnwagen, eine für teilintegrierte und zwei für integrierte Fahrzeuge. Die Halle und das gesamte Gelände sind sehr weitläufig, viele Beschäftigte sind dort mit Fahrrädern unterwegs.

Ein Blick in die Produktionshalle - Geschäftiges Treiben auf vier Fertigungsstraßen.

Die Wohnwagenfertigung, Aufbau der Bodengruppe (Bild: HYMER AG)

In der Näherei

In der Näherei (Bild: HYMER AG)

Möbel, Wände, Dach und Boden

Die Möbel werden als Blöcke gefertigt, also es gibt zum Beispiel den Badblock, den Küchenblock, die Betten und Oberschränke als Module.

Am Band wird derweil der Doppelboden mit innenliegenden Tanks, Batterien und sonstiger Bordtechnik auf dem Fahrgestell aufgebaut.

Der Boden eines Hymermobils besteht aus Sperrholz außen, einer Styropor-Isolierung und 7mm Sperrholz innen. Bei dieser Bodenkonstruktion ist es sehr wichtig, sie gut vor Feuchtigkeit durch Spritzwasser zu schützen. Bei der aktuellen Hymer-Generation schließt GFK den Boden nach unten ab. Bis etwa 2009 war der Unterboden mit einem diffusionsoffenen, bitumenähnlichen Farbauftrag versehen.

Wenn der Doppelboden fertig ist, werden die Möbel-Module daraufgestellt und befestigt. Sind alle Möbel montiert, werden die Seitenwände angebracht. Die Wände bestehen aus Aluminium außen (0,8 bis 1mm stark), PU-Schaum als Isolierung und innen 3mm Sperrholz. Dort wo Verschraubungen halten müssen, sind Verstärkungselemente in die Wand eingeschäumt. Das Dach ist ähnlich aufgebaut, allerdings mit 0,6mm Aluminium nach außen, was es empfindlich für Hagelschlag macht. Optional ist darum eine Kunststoffbeschichtung möglich.

Wände und Dach eines Hymermobils sind seit 1992 holzfrei

Wie im Flugzeugbau auch, arbeitet Hymer viel mit Klebetechnik. Dafür kommt ein Zweikomponentenkleber zum Einsatz.

Nach der Endmontage werden die Fahrzeuge innen und außen gereinigt, Polster und Gardinen werden angebracht. Ein so gefertigtes Reisemobil hat eine Durchlaufzeit am Band von etwa 2 Tagen.

Es werden ganze Serien gefertigt, also ca. 30 bis 50 Fahrzeuge von einem bestimmten Typ, bevor die Produktion auf einen anderen Typen umgerüstet wird, von dem auch wieder ca. 30 bis 50 Stück gebaut werden. Hymermobile werden ausschließlich auf Bestellung gebaut.

Die Grundpreise bewegen sich zwischen 45.000€ für den Hymer Van und ca. 150.000€ für die Hymer S-Klasse.

Die Fertigungsstraße für Wohnmobile - Wie alles zusammenwächst

Wohnmobilfertigung: Seitenwandmontage (Bild: Kara Ballarin/Schwäbische Zeitung)

Autor seit 5 Jahren
19 Seiten
Laden ...
Fehler!