Die reine Vorstellung macht es aus - Warum sich Schmetterlinge im Bauch virtuell ausbreiten

Wer mag das nicht, wenn er umgarnt und mit Komplimenten überhäuft wird, hört, wie hübsch er oder sie ist und mit detaillierten SMS auf Amors Spuren wandelt. Im Internet geht das sehr schnell und die Ernüchterung kommt dann beim oder nach dem ersten Treffen mit der Zielperson.

Warum entwickeln sich überhaupt Gefühle über das Internet, zu einem Menschen, den wir noch nie gesehen, gerochen, geschweige denn gespürt haben? Es sind die Signale im Gehirn, die zunächst, und das ist leider so, auf ein Foto anspringen. Was uns gefällt, löst in uns schon einmal positive Gedanken aus und die spinnen wir gerne weiter. Kommt dazu noch ein witziges, spannendes Profil mit Übereinstimmungen der Interessen, dann wird es prickelnd. Gelingt die Kontaktaufnahme und segeln beide Parteien virtuell auf der gleichen Welle, beginnt das große Kopfkino. Wir spinnen unsere Vorstellungen mit den Tatsachen, die wir bis dahin kennen, zusammen und ein "Bild" entsteht. Vielleicht haben wir auch schon die Stimme gehört, sie ist warm und herzlich, schnell kann es um einen geschehen sein - in der Fantasie wohlgemerkt.

Doch es ist nur ein Bild, nicht die Realität. Nicht wenige Dates scheitern schon in den ersten Minuten, weil sich die beiden Menschen entweder nicht gefallen oder nicht riechen können. Es will einfach keine Symphatie aufkommen, eigentlich will man nur noch weg.

Ein Foto ist eben ein Foto - ob es sich um einen Schnappschuss handelt oder eine professionelle, gestellte Fotografie - der Mensch darauf bleibt unbeweglich. Gesten, Mimik, Kleinigkeiten werden daraus nicht ersichtlich. Ein Mensch ist immer als "Gesampaket" zu sehen und das beeinhaltet eben auch die Kommunikation in der konkreten Situation, denn die kann von einem Telefonat oder dem Geschriebenen im Netz meilenweit abweichen. Auf einmal ist der sonst so wortgewandte Charmeur eine Schlaftablette oder wird aufdringlich und die versierte Schwimmerin erzählt so gar nichts mehr über ihren Lieblingssport. Und wenn die Pheromone nicht fliegen wollen, dann tut sich auch bei den Schmetterlingen nichts mehr. "Internetliebe" kann von jetzt auf eben weg sein, so schnell, wie sie gekommen ist, genau dann, wenn das selbstgestrickte Bild eben nicht mit der Realität übereinstimmt.

Doch es gibt hier keinen Pauschalschutz. Vielmehr sollten Kopf und Bauch zusammen entscheiden. Ein Date ist immer der entscheidende Moment, auch wenn es virtuell schon um die große Liebe, das Heiraten und den gemeinsamen Kinderwunsch ging. Ob sich beide verlieben, das stellt sich eventuell erst nach vielen Dates heraus. Denn Kennenlernen funktioniert nur in der Realität, in der sich niemand mehr verstellen oder hinter Floskeln verstecken kann.

Wer das beachtet, der kann einem "Internetflirt" getrost ins Auge blicken.

Autor seit 4 Jahren
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