Martin Frobisher (Bild: Internet Archive Book Images / Flickr)

Die Inuit setzten sich gegen die Engländer zur Wehr

Frobisher glaubte, dass man sie gefangen genommen hatte. Da seine Mannschaft jedoch nur aus dreizehn Leuten bestand, wollte er einen Kampf an Land vermeiden. Stattdessen ließ er einen Inuit gewaltsam an Bord bringen und segelte nach England zurück. Während der Reise biss sich der Gefangene die Zunge zur Hälfte ab und starb bei der Ankunft in England. Viel wichtiger war allerdings ein Erzbrocken, den Frobisher von der Bucht mitgebracht hatte. Eine genaue Überprüfung ergab, das er Gold enthielt. Mit einer größeren Expedition, zu der auch Soldaten gehörten, kehrte Frobisher zu der Bucht von Baffin Island zurück.

Auf einem Hügel baute er eine Steinpyramide auf, um zu zeigen, dass das Gebiet jetzt England gehörte. Bald tauchte eine Gruppe Inuit auf. Frobisher begann mit ihnen einen Tauschhandel. Als sich die Inuit wieder auf den Heimweg machten, beschloss Frobisher, sich Dolmetscher für seine Expedition zu besorgen. Gemeinsam mit dem Kapitän griff er zwei Inuit an, die den anderen in größerem Abstand folgten. Doch den beiden Männern gelang es, sich loszureißen. Nun griffen sie ihrerseits die Engländer an. Dabei wurde Frobisher von einem Pfeil im Gesäß getroffen. Seine Soldaten kamen ihm zur Hilfe, nahmen einen Inuit gefangen und vertrieben die anderen.

Anschließend segelten die Engländer zu einer großen Insel in der Bucht. Dort entdeckten sie ein Dorf, das allerdings verlassen war. Offenbar hatten die Einwohner beim Anblick des Schiffes die Flucht ergriffen. Im Innern der Häuser fanden sie europäische Kleidungsstücke. Frobisher war davon überzeugt, dass sie von den fünf Menschen stammten, die vor einem Jahr verschwunden waren. Zwar gab es dafür keinen eindeutigen Beweis, doch Frobisher wollte die Inuit trotzdem bestrafen. Unter der Führung des Kapitäns (der den verletzten Frobisher vertrat), kehrten am nächsten Tag vierzig Soldaten in das Dorf zurück. Die eine Hälfte wartete in zwei Booten vor dem Ufer, während die anderen landeinwaärts ging.

Die Inuit-Männer kämpften mit Pfeil und Bogen um ihr Leben

Am Fuß einer Bergkette trafen sie auf eine Inuit-Gruppe, die sofort in Richtung Küste davonrannte. Die Soldaten folgten den Fliehenden, doch die Inuit schafften es gerade noch, in ihre Kajaks zu klettern und ins offene Wasser zu rudern. Dort stießen sie jedoch auf die anderen Soldaten. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als wieder an Land zu rudern. Dort wurden sie bereits von den Fußsoldaten erwartet. Was nun folgte, war ein Gemetzel. Während sich die Frauen und Kinder hinter einem Felsen versteckten, kämpften die Männer mit Pfeil und Bogen um ihr Leben. Fast alle Inuit erlitten schwere Verletzungen. Zudem gingen ihnen die Pfeile aus.

Ein Soldat schoss auf eine Frau, die er irrtümlich für einen Mann gehalten hatte. Das Kind, das sie auf dem Rücken trug, wurde dadurch am Arm verletzt. Als die Frau zu schreien begann, wurde sie gepackt und auf das Schiff gebracht. Dort kümmerte sich der Arzt um das verletzte Kind. Anschließend plünderten die Soldaten das Inuit-Lager und bauten das goldhaltige Erz ab. Vier Tage nach der Schlacht tauchte eine Gruppe Überlebender auf. Sie baten die Engländer, ihnen den in der Woche zuvor gefangengenommenen Mann, die Frau und das Kind zurückzugeben. Frobisher verlangte als Gegenleistung jene fünf Besatzungsmitglieder, die seit dem Vorjahr verschollen waren. Doch die Inuit behaupteten, dass die Männer nicht auffindbar seien.

Im August gab Frobisher die Suche nach der Nordwestpassage auf und segelte mit zweihundert Tonnen Erz zurück nach England. Die beiden erwachsenen Inuit sperrte er zusammen, in der Hoffnung, sie würden sich zur Unterhaltung seiner Männer paaren. Nach der Ankunft in England starben die drei Gefangenen. Im Sommer des darauffolgenden Jahres unternahm Frobisher mit einer Flotte von fünfzehn Schiffen eine weitere Reise nach Baffin Island. An Bord befanden sich vorgefertigte Bauteile und Vorräte für ein ständiges Lager von 120 Kolonisten, die das Erz abbauen sollten. Schlechte Wetterverhältnisse machten diese Pläne jedoch zunichte.

Frobisher ließ die Schiffe mit dem Erz beladen und kehrte nach England zurück. Dort stellte man bei einer erneuten Untersuchung fest, dass es vollkommen wertlos war. Die Gesellschaft, die seine Reise finanziert hatte, ging bankrott. Jene fünf Männer, die von Frobisher zurückgelassen wurden, tauchten nie wieder auf. Den Inuit zufolge lebten sie viele Jahre mit ihnen zusammen. Doch eines Tages hatten sie ein offenes Robbenfellboot (Umiak) mit einem Mast und einem Segel ausgestattet und waren davongesegelt.

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