Herzen, Brezeln, Sterne: da denkt der Mensch gleich an Lebkuchen und damit an Advent, Nikolaus und Weihnachten, wenn die süße Leckerei bevorzugt verzehrt wird. Doch das war nicht immer so, weder aß man Lebkuchen bevorzugt in der Weihnachtszeit, noch konnte sie sich jeder leisten und so süß wie heute waren sie auch nicht.

Lebkuchenvorläufer

Seit wann es Lebkuchen gibt, ist ebenso wenig geklärt, wie die Herkunft des Namens. Als Vorläufer des Gebäcks gelten jedoch Honig- und im Grunde genommen auch Gewürzkuchen, so erklärt Annette Hillringhaus, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ulmer Museum der Brotkultur. Von den Honigkuchen wiederum weiß man, dass diese "allerspätestens bei den Alten Ägyptern üblich waren", weshalb es zumindest diesen Typ Kuchen schon seit langer Zeit gibt. Den Namen betreffend gibt es unterschiedliche Vermutungen, am ehesten als gesichert gilt jedoch die These, dass der Begriff vom lateinischen "Libum" für Fladen abgeleitet ist. Dieser Vermutung neigt auch Annette Hillringhaus zu. Bekannt ist die Bezeichnung wohl seit dem 13. Jahrhundert, denn schon 1296 gab es im Raum Ulm den Patriziernamen Lebzelter, so der damalige Name für die Lebkuchenbäcker, wie es auf der Webpräsentation der Neu-Ulmer Firma Weiss heißt. Dort steht auch, dass der Begriff erstmals 1409 in einer fränkischen Handschrift schriftliche Erwähnung fand.

Mönche als Lebkuchenbäcker

Erstaunlich ist diese erstmalige Erwähnung im fränkischen Raum nicht, denn Lebkuchen wurden zunächst vor allem in den durch Handelswege begünstigten Orten gebacken und zu diesen gehörte Nürnberg. Dort kreuzten sich Handels- und Gewürzstraßen, so dass die aus dem Orient kommenden Gewürze zur Verfügung standen und zugleich die Absatzmärkte für die Kuchen gut erreichbar waren. Ebenso von Vorteil war es, dass rund um die Stadt die Imkerei eine große Rolle spielte, womit auch der zum Süßen notwendige Honig zur Hand war. So weit reicht der Ruf der ehemaligen Reichsstadt als Lebkuchenstadt, die das älteste noch vorhandene Rezept − es stammt aus dem 16. Jahrhundert − standesgemäß im Germanischen Nationalmuseum aufbewahrt, also schon zurück.

Bevor allerdings die Lebzelter die speziellen Kuchen in größerer Menge herstellten, wurde das Gebäck vor allem von Mönchen gebacken, weil sie diejenigen waren, die als die Heilkundigen jener Zeit die entsprechenden Gewürze und Kräuter ohnehin als Arzneimittel zur Hand hatten, so Annette Hillringhaus. Das prädestinierte sie dafür, auch stärkende und gesundheitsfördernde Lebkuchen herzustellen, die die Menschen mitunter auch raspelten, um Soßen und andere Gerichte damit zu würzen und die mit der süßen Leckerei von heute nichts gemein hatten. Sind die heutigen, reichlich genossen, eher geeignet Magenprobleme hervorrufen, so dienten die damaligen beispielsweise auch dazu, solche zu behandeln, wie Hillringhaus erklärt. 

Jahrmarktslebkuchen

Heute werden Lebkuchen in der Regel industriell hergestellt und sind auch preisgünstig im Supermarkt zu kaufen. Gewisse Unterschiede gibt es allerdings immer noch, etwa regional bedingte, so entwickelte sich zum Beispiel in Aachen die Aachener Printe, die auch nur so heißen darf, wenn sie dort gebacken wurde. Für Elisenlebkuchen wiederum gilt, dass sie bestimmte Zutaten in vorgeschriebenen Mindestmengen enthalten müssen. Solche Vorschriften gibt es für jene, die selber backen nicht. Sie können wie es ihnen beliebt zu Mandeln, Honig oder bestimmten Gewürzen greifen und Letztere gibt es heute in jedem Supermarkt, was sie vergleichsweise günstig macht. Früher dagegen, als das noch nicht der Fall war, war der Lebkuchen etwas Besonderes und nur Wenige konnten es sich leisten, gelegentlich einen solchen zu kaufen − beispielsweise auf einem Volksfest oder auf dem Jahrmarkt, wo es sie heute noch das ganze Jahr über gibt.

Der Lebkuchen und die Weihnachtszeit

Noch nicht durchgehend, aber ab Spätsommer steht mittlerweile auch das weihnachtlich verpackte und "designte" Gebäck in den Geschäften zum Verkauf und erstaunlich viele scheinen gegen den verfrühten Verzehr von Weihnachtslebkuchen nichts zu haben. Als sich im 19. Jahrhundert das Weihnachtsfest in den Bürgerhaushalten der Städte als Familienfest herausbildete, war das noch anders. Wie es heute vor Festen und so auch vor Weihnachten meist noch der Fall ist, buk man zuhause und leistete sich für das besondere Fest die teuren Lebkuchengewürze und so entstand Annette Hillringhaus zufolge die Tradition, Lebkuchen speziell in der Weihnachtszeit zu essen vermutlich erst vor ungefähr 150 Jahren.

Ein paar weitere Gründe, etwa die Herstellung und Lagerung betreffend, ließen diese Jahreszeit zusätzlich besonders geeignet erscheinen. Weder Lagerung noch teure Gewürze spielen heute noch eine Rolle, aber Lebkuchen bevorzugt in der Weihnachtszeit zu naschen, blieb für viele, trotz der frühzeitigen Verfügbarkeit, eine liebgewonnene Gewohnheit.

© Foto: Klaus Brüheim/pixelio

 

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