Politisch und wirtschaftlich ist dies durchaus gewollt. Werden Produkte vorzeitig verbraucht und weggeworfen, so wird gleich etwas Neues gekauft, was wiederum den Umsatz ankurbelt. Es ist wohl auch nicht zufällig, dass technische Produkte, Bekleidungsartikel u.a. heutzutage nicht mehr so lange halten, wie das vielleicht vor 20 Jahren der Fall war. Man denke auch an das bekannte Totschlag-Argument "Arbeitsplätze". 

Umgekehrt bedeutet die Wegwerfgesellschaft eine eklatante Verschwendung von Ressourcen (Energie, Wasser, Rodung von Wäldern usw.). Gleichzeitig wird der Umwelt durch den massiven Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden ein erheblicher Schaden zugefügt. Der angeführte Dokumentarfilm weist zudem darauf hin, dass allein die in Europa weggeworfenen Lebensmittel zwei mal ausreichen würde, um alle Hungernden in der Welt zu ernähren.

Dieser Beitrag soll sich damit auseinandersetzen, wie Abfall bei Lebensmitteln zumindest im privaten Haushalt vermieden, damit ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz geleistet und vor allem aber auch viel Geld gespart werden kann.

Der Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Die meisten wenn nicht alle verpackten Lebensmittel weisen heutzutage ein sogenanntes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf. Das MHD ist allerdings kein Verfallsdatum, denn die Produzenten garantieren damit nur, dass ein Produkt unter der Voraussetzung einer korrekten Lagerung mindestens bis zu dem angegebenen Termin haltbar und genießbar ist. Tatsächlich kann das Produkt auch darüber hinausgehend noch genießbar sein. Produzenten und Handel sichern sich damit einerseits gegen Reklamationen ab, andererseits steht das Mindesthaltbarkeitsdatum aber auch unter dem Motto "Verkaufsförderung", denn viele Verbraucher sehen darin fälschlicherweise ein Verfallsdatum, werfen das eigentlich noch verwendbare Produkt weg und kaufen dafür etwas Neues.

Ich persönlich würde bei Fleisch- und Wurstwaren sowie Fischprodukten immer eine gewisse Vorsicht walten lassen, da verdorbene Lebensmittel aus diesem Bereich zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen können. Ist das Produkt bereits fertig gewürzt, lassen sich geschmackliche Veränderungen womöglich auch nicht gleich bestimmen. Daher würde ich kein solches Produkt nach dem MHD verzehren! 

Dies gilt allerdings nicht für alle Produkte. Milchprodukte wie H-Milch, Joghurt und Buttermilch können allerdings nach dem MHD bedenkenlos verzehrt werden, sofern sie nicht angeschimmelt sind oder irgendwie komisch schmecken.

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass verschimmelte Lebensmittel auf jeden Fall im Ganzen wegzuwerfen sind. Was wir als Schimmel sehen, sind nämlich nur die Fruchtkörper eines Pilzes, dessen eigentlicher Körper geflechtartig das Substrat des Lebensmittels durchzieht. Ist etwas dagegen nur angefault (z.B. ein Apfel), so reicht ein großräumiges Ausschneiden bereits aus.

Selbst auf Wasser, Zucker und sogar Salz wird heutzutage ein MHD angegeben. Das MHD bei Salz bezieht sich allerdings auf bestimmte Zusatzstoffe, die das Verkleben der Kristalle verhindern sollen. Etwas anderes ist es, wenn eine Wasserflasche über einen sehr langen Zeitraum angerissen ist. In stehendem Wasser, insbesondere, wenn es bei höheren Temperaturen in einem offenen Glas herumsteht, können sich durchaus Mikroorganismen vermehren. Kohlendioxid (Kohlensäure) tötet allerdings vorhandene Keime ab.

Wichtig für die Haltbarkeit ist allerdings auch die richtige Lagerung von Lebensmitteln.

Abfälle dokumentieren

Es dürfte sehr hilfreich sein, sich einmal aufzuschreiben, welche Lebensmittel man in der Vergangenheit wie häufig weggeworfen hat. Eine solche Liste sollte man am besten in der Küche aufbewahren. 

Wer so etwas gern am Computer auswertet, kann das Ganze auch als Excel-Tabelle entwerfen, in der dann das Produkt, die Menge, der Kaufpreis und das Entsorgungsdatum (wenn man es noch weiß, auch das Kaufdatum) notiert wird. Hier kann man sich zusätzlich auch schnell ausrechnen und damit vor Augen halten, wie häufig bestimmte Produkte weggeworfen worden sind und wie viel Haushaltsgeld damit vernichtet wurde. Der eine oder andere wird über die dabei resultierende Summe womöglich erschrecken. 

Hat man eine solche ausgefüllte Tabelle vor sich, so sollte man sich auch einige Fragen nach dem Warum stellen:

  • Handelt es sich um Produkte mit geringer Haltbarkeit?
  • Entspricht die angegebene Haltbarkeit der tatsächlichen Haltbarkeit?
  • Wurde das Produkt in zu großen Mengen gekauft?
  • Ist das Produkt auch in kleineren Mengen/Packungsgrößen erhältlich?
  • Wird das Produkt womöglich von niemandem im Haushalt gebraucht?

Dementsprechend sollte man sich überlegen, ob man das jeweilige Produkt überhaupt noch kauft und wenn ja, in welchen Mengen. Es kann dabei letztlich günstiger sein, eine kleinere Packung mit höherem Preis pro Menge zu kaufen als eine größere Packung mit niedrigerem Preis pro Menge. 
Produkte, die auf dieser Liste erscheinen, sollte man in Zukunft jedenfalls in geringeren Mengen kaufen. Produkte, die überhaupt nicht gebraucht worden sind oder die nicht so lange haltbar sind wie angegeben, sollten in Zukunft gar nicht mehr gekauft werden. 

Frische vs. konservierte Lebensmittel

Wer allein in einem Haushalt lebt, kommt insbesondere bei frischen Waren nicht umhin, nur sehr kleine Mengen zu kaufen oder aber auf Lebensmittel mit Konservierungsmitteln zurückzugreifen. 

Brötchen und Kuchen vom Bäcker mögen vielleicht am nächsten und übernächsten Tag noch genießbar sein. Frisch und wohlschmeckend ist allerdings etwas anderes. Und Wurst vom Fleischer/Metzger kann trotz Lagerung im Kühlschrank bereits nach zwei Tagen verdorben sein. Natürlich gibt es auch Wurstsorten, die länger als drei Tage haltbar sind. 

Entweder man nimmt es hier auf sich, jeden Tag zum Bäcker oder Fleischer/Metzger zu laufen, oder man muss auf abgepackte und gut konservierte Ware aus dem Supermarkt zurückgreifen. 

Sonderangebote – verlockend aber gefährlich

Besonders verlockend beim Einkauf sind Sonderangebote. Da möchte man gern sparen und ist dann bestrebt, durch den Kauf einer größeren Menge möglichst viel zu sparen. Die Ersparnis ist allerdings dahin, wenn man zu viel gekauft hat. 

Wenn irgendwo die Begriffe "Rabatt", "Sonderangebot", "reduziert" usw. auftauchen, schalten manche ihren Kopf und den darin befindlichen Rechner sofort aus und greifen spontan zu. Dabei kann es in bestimmten Einzelhandelsunternehmen durchaus passieren, dass das angeblich günstige Angebot eine Mogelpackung ist, weil das Produkt schon immer zu diesem Preis angeboten wird – und im Vergleich zu Wettbewerbern zudem teuerer angeboten wird. Wer regelmäßig selbst einkauft, dürfte allerdings die Preise für die meisten Waren des täglichen Bedarfs im Kopf haben. 

Häufig versuchen Produzenten und Handel, die Preise zu verschleiern bzw. einen Vergleich zu verhindern. Dabei ist es wichtig, genau hinzuschauen, wie viel eigentlich drin ist. Bei einer Tafel Schokolade ist man ja eigentlich einen Inhalt von 100 g gewohnt. Allerdings gibt es auch Packungen mit 80 g Inhalt, was einem beim Einkauf gar nicht gleich auffällt. Die Produzenten sind allerdings verpflichtet, Referenzpreise für eine "runde" Anzahl bzw. Menge anzugeben. D.h. bei Fleisch findet sich beispielsweise der Hinweis, wie viel ein kg kosten würde. Bei einer Tafel Schokolade mit nur 80 g wäre anzugeben, wie viel 100 g davon kosten. 

Mitunter sind Packungen so gestaltet, dass gar nicht gleich auffällt, wenn sich darin weniger Inhalt befindet, als eigentlich zu erwarten ist. Dies ist beispielsweise bei teurer Schokolade oder bei Getränkepulvern in nicht durchsichtigen Pappbehältern festzustellen, die nur zu zwei Drittel oder drei Viertel befüllt sind. – Über solche Verschleierungstaktiken und -strategien könnte man einen gesonderten Beitrag schreiben.

Auf das Mindesthaltbarkeitsdatum bin ich ja bereits im vorherigen Abschnitt eingegangen. Allerdings gibt es nicht nur den Fall, dass ein Produkt deutlich länger genießbar ist als das MHD nahelegt. In Abhängigkeit von der Lagerung kann ein eigentlich lange haltbares Produkt auch vorzeitig verderben.

Im Kühllaster, Großhandelsmarkt oder Supermarkt herrschen andere Bedingungen bei der Lagerung von Produkten als zu Hause in der Küche. Gerade im Sommer halten bestimmte Produkte nicht so lange, wie es das Mindesthaltbarkeitsdatum verspricht. Ich selber musste neulich erst zwei vor Monaten gekaufte Packungen Pralinen wegwerfen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum noch lange nicht erreicht war, die aber die heißen Temperaturen des Sommers in der Wohnung nicht überstanden haben.

Man sollte sich daher bei Sonderangeboten immer überlegen, ob das Produkt überhaupt benötigt wird und nur so viel davon kaufen, dass die tatsächliche Haltbarkeitsdauer nicht überschritten wird. Wenn man dies berücksichtigt, kann man mit Sonderangeboten durchaus kalkuliert sparen. Dies ist besonders gut möglich bei Produkten, die regelmäßig oder zumindest immer mal wieder zu einem reduzierten Preis angeboten werden, z.B. Kaffee, besondere Brotaufstriche, Konserven und bestimmte Pralinen (diese besser nicht den Sommer über lagern). 

Für die Produzenten sind solche Preisreduzierungen übrigens eher ungünstig.

Planung und Einkauf in einer Hand

Wenn man/frau im Haushalt sparen möchte, ist es sinnvoll, das Ganze zu planen. Planung und Einkauf für einen bestimmten Bereich sollten dabei in einer Hand liegen. Wer den Bedarf in einem bestimmten Bereich im Blick hat, weiß auch, auf welche Sonderangebote verzichtet werden kann. So kann es nicht passieren, dass bestimmte Produkte doppelt eingekauft werden.

Im Supermarkt finden sich neben den Nahrungsmitteln, Reinigungsmitteln und anderem Haushaltsbedarf auch jede Menge Nonfood-Produkte aus den Bereichen Kleidung, Technik usw. Diese Produkte sind dort ebenfalls billiger als im Fachgeschäft. Die Qualität dieser Produkte muss freilich im Einzelfall beurteilt werden. Manches aus diesem Nonfood-Sortiment ist allerdings durchaus brauchbar. Solche Nonfood-Produkte sollten allerdings immer von demjenigen gekauft und vorher probiert werden, der sie tatsächlich später nutzen möchte. Das spart Geld und auch Zeit, für den Fall, dass unpassende Hemden oder Schuhe womöglich zurückgebracht werden müssen. 

Abschließende Bemerkungen

Man kann also eine Menge sparen, wenn man bewusst und planmäßig einkauft und auch dokumentiert, welche überflüssigen Abfälle im Haushalt anfallen. 

Umgekehrt könnte man mit einem veränderten Verbraucherverhalten auch den Handel und darüber vermittelt die Produzenten zu einem anderen Angebot zwingen. Ob man nun besonderen Wert darauf legt, dass ein Produkt umweltverträglich und sozial verträglich produziert worden ist oder auch darauf, dass es besonders lange hält. 

Weiterführende Links

Lebensmittel richtig lagern – So erhalten Sie die Frische bei Lebensmitteln
... wichtige Hinweise, damit Lebensmittel möglichst lange genießbar bleiben.

"Taste the Waste"
... offizieller deutscher Trailer zu einem Kino-Dokumentar-Film zum Thema.

Die Wegwerfgesellschaft
... ein Blogbeitrag.

Von der Moral
... noch ein Blogbeitrag, der sehr viele Hinweise für den ökologisch nachhaltigen Einkauf bietet.

Geldspartipps
... weitere Tipps zum Geldsparen, nicht nur im Haushalt.

Sinn und Unsinn von Preisreduzierungen aus Anbietersicht
... Preisreduzierungen aus Sicht der Markt- und Werbepsychologe.

Autor seit 5 Jahren
16 Seiten
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