Schnabeligel

Schnabeligel (Bild: michael40001 / Flickr)

Eierlegende Säugetiere

  1. Eierlegende Ursäuger (Prototheria) Die Ursäuger stellen in der Entwicklung der Säugetiere eine besondere Form dar: Sie legen Eier und haben auch sonst noch Merkmale, die aus der Reihe tanzen.

Eierlegende Säugetiere gibt es also wirklich; allerdings nicht die oft zitierte "eierlegende Wollmilchsau". Mehr zu den Eierlegenden Säugetieren und dem Schnabeltier hier nachzulesen.

 

Der Ameisenigel oder Schnabeligel

Er gehört zu der zweiten Familie der Kloakentiere, Schnabeligel oder auch Ameisenigel genannt, einem Tier aus der australischen Fauna.

  • Ordnung. Kloakentiere (Monotremata)
  • Familie: Schnabeligel oder Ameisenigel (Tachyglossidae/Echidna)
  • Arten: Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus) und
  • Langschnabeligel (Zaglossus bruijni)

Bei einem flüchtigen Blick ist er dem Europäischen Igel ähnlich: gedrungener Körperbau, ein stummeliger Schwanz, gelbbraune Stacheln, nur die Nase ist erheblich spitzer, nämlich röhren- oder schnabelförmig lang. Die Füße haben starke Krallen, die sowohl zum Putzen verwendet werden, als auch als Hilfe beim Klettern dienen.

Die Ohrmuscheln sind klein bis gar nicht vorhanden. Der schmale langgezogene Schnabel ist mit einer kräftigen Hornscheide umkleidet. Durch die kleine Mundöffnung wird die lange, wurmförmige Zunge weit heraus gestreckt. Drüsen im Mundraum bilden einen klebrigen Speichel, den Kleber für die Nahrung (Ameisen, Termiten, Regenwürmer). Wie das Schnabeltier besitzt er keine Zähne, die Termiten werden mit der klebrigen Zunge aufgeleckt und dann mittels hornigen Zungenfortsätzen und Kauleisten zermalmt. Als Laute geben sie nur ein Prusten oder Schnaufen von sich. Das kann der europäische Igel allerdings auch bestens.

Ameisenigel (Bild: FraukeFeind / Pixabay)

Die Lebensweise des Schnabeligels

Bei der Nahrungssuche wälzen die Schnabeligel auch schwere Steine oder Holz um. Im Gebiet von Canberra hat man beobachtet, dass sie besonders zur "Hochzeitsflugzeit der Ameisenköniginnen" Ameisenhügel gezielt mit den Krallen aufbrechen, um sich diese zu der Zeit besonders fetten Leckerbissen zu holen.

Der Schnabeligel ist ein Landbewohner, sein Lebensraum reicht vom Wald bis in Buschsteppengebiete, er liebt auch steiniges, felsiges Gelände und kommt bis zur Höhe von 2.500 m vor. Er ist ein Einzelgänger und wird aktiv bei der Abenddämmerung. Wenn er in größeren Höhen lebt, hält er sogar eine Art Winterschlaf. Nahrung sind Ameisen und Termiten.

Komm keinem Schnabeligel in die Quere

Droht Gefahr durch einen Angreifer graben sich Ameisenigel mit allen vier Füßen gleichzeitig so rasch ein, so dass es aussieht, als versänken sie im Boden. Sie verkeilen sich mit ihren Klauen und den seitlichen Stacheln so fest, dass es ohne Werkzeug unmöglich ist, sie aus dieser Grube zu entfernen.

Aus dem Boden ragen nur noch die Rückenstacheln heraus und machen den Schnabeligel für jeden Feind unangreifbar. Wenn der Untergrund zu hart zum Eingraben ist, rollen sie sich wie unsere heimischen Igel zusammen und bilden eine Stachelkugel, an der sich der Angreifer wortwörtlich eine blutige Nase und zerstochene Pfoten holt.

Die Tragtasche von Mutter Schnabeligel - einzigartig

Schnabeligel leben als Einzelgänger. Paarungszeit ist Ende Juni bis Juli. Die Paarungsstellung ist wie bei vielen Stachelträgern Bauch gegen Bauch.

Zur Fortpflanzungszeit bilden die weiblichen Tiere in der Bauchmitte eine Bruttasche aus, die nicht mit dem Beutel der Beuteltiere gleichgesetzt ist. Sie hat muskulöse Wände und entsteht auf bisher noch nicht geklärte Weise durch Einsenkung der Bauchdecke und verschwindet nach der Tragezeit wieder.

In dieser Tasche, die auch als Inkubatorium bezeichnet wird, münden 2 Milchdrüsenfelder ins Bauchhaar. Der Schnabeligel legt ein Ei und dieses Ei gleitet dabei durch starke Krümmung des Körpers direkt in die Tasche, so vermuten die Forscher derzeit. Zugeguckt haben sie bisher noch nicht. Wird schon noch kommen.

Nach sieben bis zehn Tagen arbeitet sich das Junge mit Hilfe des Eizahns aus dem Ei heraus. Es ist noch nackt und blind, larvenhaft, knappe 12 mm groß. 6 bis 8 Wochen Säugezeit verbleibt es im Beutel und entwickelt sich darin zum Schnabeligelchen.

"Raus", sagt die Mama Schnabeligel, "du piekst!"

Nach dieser Zeit muss es aufgrund der Stacheln, die mittlerweile gewachsen sind, die Tasche verlassen und bleibt ab da im Nest zurück. Mit 10 Wochen öffnen sich die Augen. Ausgewachsen und geschlechtsreif wird ein Schnabeligel mit einem Jahr. Schnabeligel erreichen ein hohes Alter von bis zu 50 Jahren. Ein im Zoologischen Garten von Philadelphia vorgestellter Schnabeligel wurde älter als 50 Jahre.

tachyglossus aculeatus (Bild: Joachim S. Müller / Flickr)

Kurz- und Langschnabel

Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus)

Der Kurzschnabeligel wird zwischen 35 und 53 cm lang, 2,5 bis 6 kg schwer, mit einem kurzen Schnabel. Er hat keine Ohrmuscheln. Er ist gelbbraun bis braun, es gibt aber auch Tiere, die heller oder ganz dunkelbraun sind. Die Bauchseite ist immer heller. Vom Kurzschnabeligel gibt es noch 5 Unterarten. Der Tasmanische Schnabeligel ( Tachyglossus aculeatus setosus) ist dabei an den langen Haaren, unter denen sich die Stacheln verstecken, zu erkennen.

Langschnabeligel (Zaglossus bruijni)

Der Langschnabeligel wird deutlich größer: 45–78 cm; Schulterhöhe 40 cm; Gewicht bis zu 7 kg. Der Schnabel ist lang und gebogen, seine Ohrmuscheln sind klein, aber ausgebildet. Die Stacheln sind kurz und unter einem dichten Fell verborgen. Es gibt ihn nur in Neuguinea. Er ernährt sich vorwiegend von Regenwürmern. Der Langschnabeligel ist derzeit noch wenig erforscht.

Schnabeligel - fossile Funde als Einblick in die Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere

Neue Erkenntnisse über die embryonale Entwicklung der Ameisen- oder Schnabeligel hat die Universität Zürich bei einer Studie gewonnen. In der bei "Acta Zoologica" publizierten Studie stellen die Forscher eine mosaikartige Embryonalentwicklung der ursprünglichen Säugetiere (Ursäuger) vor.

  • Die Jungen der Kloakentiere reifen wie die Reptilien in Eiern heran. Sie haben einen Eizahn am vorderen Rand des Oberkiefers, mit dem sie das Ei von innen her aufschlitzen, um zu schlüpfen.
  • Da aber Säugetiere in der frühen Lebensphase vom Muttertier beschützt werden, ist es effektiver, wenn sinngemäß zuerst die Organe zur Nahrungsaufnahme ausgebildet und erst anschließend die Sinnesorgane, wie Augen und Ohren fertig entwickelt werden. Deshalb haben viele Säugetiere bei der Geburt geschlossene Augen und Ohren.
  • Bei den Kloaken- und Beuteltieren verläuft die Entwicklung der Vorderbeine parallel zu den Organen der Nahrungsaufnahme, angepasst an das frühe Kletterverhalten der Jungtiere. Kaum geschlüpft sind die Jungtiere bereits gezwungen am Bauchfell der Mutter zu den lebensspendenden Milchdrüsen oder Zitzen hoch zu klettern.

Diese entscheidenden Veränderungen, lassen sich bereits in der frühen Embryonalentwicklung ablesen. Zwei Embryonalstadien des Ameisenigels Tachyglossus aculeatus zeigen diese Entwicklung deutlich auf.

  • Bild 1 ist ein früher Embryo, dessen Körpersegmentierung noch gut zu erkennen ist, die Beine und der Kieferapparat sind nur als Anlagen entwickelt.
  • Bild 2 ist ein später Embryo kurz vor dem Schlupf. Die Augen sind noch nicht weit entwickelt und noch verschlossen, die Vorderbeine sind aber schon deutlich entwickelt. Zeichnungen verändert nach Richard Semon (1894).

Wieder ist ein kleines Stück Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere ein wenig mehr erhellt worden.

 

Monotremata - Bindeglied in der Evolution oder nicht?

Die Kloakentiere, also Schnabeligel und Schnabeltier, stehen sowohl den Vögeln nahe, als auch den Reptilien, sie haben aber auch Eigentümlichkeiten der Beuteltiere. Deshalb stand lange die Frage im Raum, woher sich die Kloakentiere nun wirklich ableiteten.

Mehr dazu bei den Eierlegenden Säugetieren.

 

Wo kann man Schnabeligel sehen?

Zum Verbreitungsgebiet der Schnabeltiere gehören Tasmanien und die Küstenregionen der Bundesstaaten Victoria, New South Wales und Queensland. Dort wurden Schutzgebiete mit Beobachtungsplattformen eingerichtet. Siehe:https://www.zoo.org.au/healesville

Außerhalb ihrer Lebensräume gibt es kaum einen Zoo, der diese Tiere hält. Da die Lebensbedingungen für diese Tiere nur schwer nachzustellen sind, scheiterten die meisten Zuchtversuche. Leipzig und Rotterdam hielten einst Schnabeltiere.

Schnabeligel gibt es im Tierpark Berlin und in den Zoos Duisburg, Frankfurt, Rostock (siehe Video) zu sehen.

Quellen

  • Universität Münster, Institut für Experimentelle Pathologie
  • e.enyclopedia animal, Dorling Kindersley, London 2005
  • Quelle: Werneburg I, Sánchez-Villagra MR (2010). The early development of the echidna, Tachyglossus aculeatus (Mammalia: Monotremata) and patterns of mammalian development. Acta Zoologica
Adele_Sansone, am 19.02.2017
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Bildquelle:
jens kuu / Flickr (Eierlegende Säugetiere - gibt es die wirklich?)
https://www.flickr.com/photos/16014982@N00/5010230824 (Ein Wombat möchte man sein)
Eigene Grafik (Neuseelands Meeressäugetiere stehen unter Schutz)

Autor seit 5 Jahren
293 Seiten
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