Wenn im Winter nur noch ...

ein paar Flechten aus dem Schnee ragen, wird Futter knapp (Bild: a.sansone)

Winterschlaf - Winterruhe - Winterstarre: Was ist was?

In den kalten Regionen der Erde müssen Tiere mit den tiefen Temperaturen und dem Nahrungsmangel auskommen. Wer also nicht genug Nahrung im oder unter Schnee, Eis und frostigem Boden finden kann, muss eine der folgenden Strategien für sein Überleben wählen. 

Woher weiß ein Tier, ob es lieber Winterruhe halten soll? Oder doch den Winterschlaf wählt?

An der Faulheit oder Bequemlichkeit der Tiere wird es nicht liegen. Die Frage "Ruhe oder Schlaf?" Die Frage welches Tier welche Ruheform bevorzugt, wird verständlicher, wenn man sich nach dem Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit fragt. Physiologisch betrachtet geht es für die Tiere schlicht darum, in ressourcenarmen Jahreszeiten Energie zu sparen:
Steht das Verhältnis vom Aufwand für die Nahrungssuche : Energiegewinn durch die
Nahrung schlecht, ruhen sie. Ist die Länge der Dauer absehbar wird daraus ein regelmässiger Winterschlaf, ist die Dauer, meist aus klimatischen Gründen nicht abzusehen, wird es eine Winterruhe.

Was versteht man unter Winterschlaf?

Laut Lexikon: Winterschlaf ist der viele Wochen andauernde Ruhezustand bei Säugetieren, die zum Überdauern der ungünstigen Jahreszeit ein frostsicheres Versteck aufsuchen. Während des Winterschlafs wird der Herzschlag verlangsamt, Atmung und Stoffwechsel stark herabgesetzt. Der Winterschlaf wird hormonell gesteuert! Der abgesenkte Stoffwechsel wird im Winterschlaf durch Oxidation von Fett stabil gehalten.

In simplen Stichworten zusammengefasst:

  • Stoffwechsel auf Sparbetrieb,
  • komaähnlicher Zustand,
  • Großhirn sagt bye, bye; ich gebe mal Ruhe und legt sich schlafen.

Vorher muss sich der Winterschlafwillige ordentlich Fettpolster anfressen, sein Nest auspolstern und verschließen, sich schlafen legen und auf bessere Zeiten warten.

Bildtafel im Alpenzoo Innsbruck (Bild: https://pagewizz.com/welche...)

So wird der Winterschlaf ausgelöst.

Ausgelöst wird er durch das Schlafzentrum im Zwischenhirn, das hormonell gesteuert Schlafstoffe und vermehrt Insulin (als Gegenspieler zu Adrenalin) ausschüttet. Schlüsselreiz ist dann das Absinken der Umgebungstemperatur (je nach Art unterschiedlich).

  • Eintritt in den Winterschlaf
  • Winterschlafzustand
  • Weckreiz
  • Wiedererwachen.

Bildtafel im Alpenzoo

Das bezeichnet man als Winterruhe:

Eine milde Form des Überwinterns, alle Sinnesorgane bleiben aktiv, schnelles Aufwachen möglich, Körpertemperatur sinkt nur um 1-2°. Hier ist es überlebenswichtig, dass Nahrungsvorräte irgendwo gut erreichbar gelagert sind. Braunbär und der Amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus), auch Baribal genannt, sind leicht aufzuwecken, darum spricht man nicht von einem echten Winterschlaf, sondern eben von Winterruhe.

Winterstarre, Kältestarre, was ist das?

Tiere sind unmittelbar von Umgebungstemperatur passiv abhängig; Körpertemperatur total an Umwelttemperatur angepasst. 

Die so genannte Kältestarre (Torpor) gibt es nur bei wechselwarmen Tieren wie Fischen, Amphibien, Reptilien und Insekten.

 

Wir brauchen keinen Winterschlaf, wir haben Alkohol!

 So flapsig könnte man die Überlebensstrategie vieler Polartiere ausdrücken. Denn viele Tiere im polaren Lebensraum haben nicht nur einen Spezialpelz und eisfreie Pfoten oder Tatzen, sondern auch Frostschutzmittel im Blut: Glycerin und Äthylenglykol, die den Gefrierpunkt herabsetzen. Bis zu -38° kann so manches polare Lebewesen deshalb überleben.

Igel (Bild: https://pagewizz.com/welche...)

Winterschläfer stellen sich vor!

Folgende Säugetiere, in der Reihenfolge von bekannt - ja, weiß doch jeder - nach - oh, der oder die auch? - angeführt:

  • Siebenschläfer - wacht nur zum Harn- und Kotabgeben in regelmäßigen Abständen kurz auf.
  • Murmeltier - ebenfalls mit Harn- oder Kotabgabe in Seitenröhre - sinkt die Höhlentemperatur gegen Minusgrade gibt es Weckalarm. Die Tiere einer Sippe verbringen den Winterschlaf gemeinsam, dicht an dicht, im gut ausgepolsterten Schlafkessel.
  • Igel - Herzfrequenz wird dabei von 180 Schlägen auf etwa 8 Schläge/min reduziert; Atem von 40/50 Atemzügen auf 3-4/min; Körpertemperatur von 36° auf 5° herabgesenkt.
  • Ziesel
  • Haselmaus
  • Birkenmaus
  • Feldhamster - hält Winterschlaf, allerdings mit Fresspausen
  • Backenhörnchen
  • Fledermäuse - sie hängen dicht gedrängt an der Winterhöhlendecke und lassen sich auch leicht aneisen.
  • Schnabeltier - als einziges eierlegendes Säugetier hält es Winterschlaf
  • Australischer Schlafmausbeutler - ist wiederum das einzige Beuteltier, das Winterschlaf hält.

Der Stadtigel - eine neue Spezies?

Die Deutsche Wildtier Stiftung präsentiert neueste Forschungsergebnisse zum Winterschlaf der Igel. Diese spielt sich im urbanen Bereich ab. Doch Großstadt-Igel können von ruhigen Immobilien nur träumen. Ein ruhiger Garten mit Obstbäumen oder eine weitläufige Parkanlage sind rar. Aber Igel sind clever, sie wohnen quasi auf Diskonterparkplätzen, wo Nahrung satt abfällt. Neben Schnellstraßen, soferne das Futterangebot stimmt.

Das zeigen die neuesten Forschungsergebnisse von Dr. Lisa Warnecke, der Forschungspreisträgerin der Deutschen Wildtier Stiftung. "Hier bauen Igel ihre Nester und bereiten sich auf den Winter vor." Igel-Schlafzimmer befanden sich zum Beispiel gleich neben einem Müllcontainer mitten in der City, an einem Spielplatz neben der Sandkiste und in der Nähe einer Ampelanlage an einer Hauptverkehrsstraße.

"Während des Winterschlafs nutzen die Tiere bis zu drei Nester. Dabei legen die Schläfer auf ihren kurzen Beinen rund 100 Meter pro Stunde zurück." Noch gibt der Igel Rätsel auf. Alle zehn Tage beginnt während des Winterschlafes eine lebensnotwendige Aufwärmphase. "Warum, weiß man bisher noch nicht so genau", sagt Warnecke. Der Igel fährt dafür seinen Energiehaushalt hoch, gibt Harn ab – und das ist für den kleinen Körper ein wahrer Kraftakt!"

Forscher vermuten dahinter die Notwendigkeit den Stoffwechsel einerseits vor Vergiftung zu schützen, andererseits in Gefahrensituationen doch schnell genug aufzuwachen. Man bleibt dran.

Ein Vogel hält auch Winterschlaf

Er ist bislang der einzige Vogel, von dem man weiß, dass er Winterschlaf:

  • die Winternachtsschwalbe Phalaenoptilus nuttalii – bei den Hopi-Indianern heißt sie deshalb so hübsch "der Schläfer". Die Winternachtschwalbe lebt in den westlichen USA, südwärts bis Mexiko in trockenen Buschland, Wüsten und lichten Wäldern. In einer geschützten Felsspalte hält sie in Erwartung von wärmeren Zeiten ihren Winterschlaf.

 

Nein, wir tun nur so ... Tiere, denen Winterschlaf unterstellt wird:

  • Spitzmaus und Maulwurf graben frisch und fröhlich in tieferen Schichten, auch im Winter.
  • Weinbergschnecke ist in Winterstarre und verschließt dazu ihren Eingang ganz fest.(Kalkdeckel)

  • Schildkröten fallen ebenfalls in Winterstarre und nicht in Winterschlaf.
  • Eichhörnchen, Braunbär, Waschbär und Dachs halten Winterruhe; je nach Nahrungsangebot.
  • Viele Schmetterlinge fallen in geschützten Verstecken in Winterstarre.
  • Winterstarre der extremen Gangart: den Orden Super-Schmetterling verleihen wir dem Zitronenfalter; er überwintert als einziger Schmetterling ungeschützt im Freien. Dank einer speziellen Mischung aus Alkohol, Eiweißstoffen und Salzen in der Körperflüssigkeit kann sein Zellgewebe Temperaturen bis unter -10° überstehen.

Lesetipp: Wie Insekten den Winter überleben

 

Gestorben, um zu leben?

Einige wenige Tiere lassen sich bewusst einfrieren – in allen Körperhohlräumen und auch in den Zellzwischenräumen bildet sich Eis – die Zellen selbst werden mittels Frostschutzmittel jedoch freigehalten.

  • Raupe vom Trägspinner Gynaephora groenlandica (Arktis)

ausgestattet zusätzlich mit dickem orangerotem Pelz, Wooley Booley (Bild: subarcticmike / Flickr)

hält so bis -70° aus; allerdings braucht sie für ihre Ent-

wicklung zum fertigen Schmetterling dann satte 13 Jahre.

Auch einige Wirbeltiere lassen sich unbeschadet einfrieren:

  • Einige amerikanische Frösche, Schildkröten, Schlangen und in Europa die Bergeidechse Lacerta vivipara. Bei Frost erhöht sich der Zuckergehalt in ihrem Blut um das 60fache! Das Herz hört auf zu schlagen, auch die Atmung stockt – Das Auftauen dauert dann einige Tage bis zu neuem aktiven Lebenszustand.

Der absolute Spitzenreiter dieser Form des Überlebens trotz todesnaher Zustände ist das

  • Bärtierchen! Diese versetzen sich selbst in einen todesähnlichen Zustand und drosseln so ihren Stoffwechsel auf ein Minimum. Dieses Phänomen wird Kryptobiose genannt. Der Begriff wurde von dem britischen Biologen David Keilin definiert und beschreibt einen Zustand, in dem der Organismus keine sichtbaren Lebenszeichen mehr zeigt, aber noch am Leben ist. Mehr dazu unter http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/das-wunder-der-baertierchen

Buchempfehlungen für interessierte Leser

  • Schlaf gut bis der Frühling kommt von Susanne Riha
  • Tiere im Winter von Anita von Saan
  • Lernwerkstatt Tiere im Winter  von Ulrike Stolz/Lynn S. Kohl
  • Meine Tiere im Winter
  • Was machen die Tiere im Winter? von Christine Sommer-Guist und Niklas Böwer

Quellen

  • Polarwelt, Wade; Oetinger, 2009 Hamburg
  • Unbekannte Tierwelt, Weltbild, 1997 Augsburg
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg
  • Tiere in ihrem Lebensraum, Dröscher; Ravensburger, 1988 Berlin
  • Säugetiere, International Knowlwdge; Contmedia, 2008 Burg
  • Tiere, Dorling Kindersley, 2006 Starnberg
  • Der große Mosaik Naturführer, Steinbach; Mosaik, 2000 München

Wer gerne interessante Artikel rund um Tiere liest, findet auf unserer

Facebook-Themenseite PagewizzTiere immer die interessantesten Beiträge.

Adele_Sansone, am 13.10.2015
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/was-wissen-wir-uber-braunbaren-34689/ (Was wissen Sie über Braunbären?)
Sybille Daden / pixelio.de (Heimische Feldhamster bedroht)
https://pagewizz.com/welche-pflanzen-sind-giftig-fur-katz... (Welche Pflanzen sind giftig für Katzen?)

Autor seit 5 Jahren
270 Seiten
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