Angst und Lust liegen eng zusammen

Viele Menschen empfinden es als prickelnd, sich aus großer Höhe an einem Seil befestigt in die Tiefe zu stürzen. Der Thrill beim Bungeejumping hat für sie einen hohen Spaßfaktor wie andere, gefährliche Sportarten oder das Fahren in einer Achterbahn. Es ist kein Phänomen, dass Angst und Lust so eng beieinander liegen, obwohl beide Empfindungen eigentlich gegensätzlich sind. Verantwortlich ist der Neurotransmitter Dopamin, der sowohl Glücksgefühle als auch Furchtempfinden fördert. 

Forscher der University of Michigan haben sich bei ihren wissenschaftlichen Studien über Sucht und Drogenabhängigkeit intensiv mit Dopamin befasst. Eine zentrale Stellung bei der Verarbeitung von Dopamin hat der Nucleus Accumbens, der sich im Vorderhirn befindet.. Er liegt im Zentrum des Gehirns, bewertet Sinnesreize und schüttet Neurotransmitter aus. Diese verstärken die Signalübertragung und wir empfinden Freude und Lust. Insofern stellt der Nucleus Accumbens eine Schnittstelle im Belohnungssystem des Gehirns dar, denn in ihm befinden sich die Rezeptoren für Dopamin. Die US-amerikanischen Wissenschaftler stellten fest, dass Dopamin nicht ausschließlich für Glücksempfinden zuständig ist. Es löst auch Angst und Schrecken aus. Im Tierversuch mit Ratten wurde diese Erkenntnis bestätigt. Insofern ist unser Stoffwechsel dafür verantwortlich, dass unser Blut in Wallung gerät und bei Furcht eine ähnliches Empfinden produziert wie bei unbändigem Glücksgefühl.

Das Spiel mit der Angst ist die Basis für Horrorfilme, die als prickelnd empfunden werden (Bild: http://pixabay.com/de/stadt...)

Wer sich ständig und bewusst Gefahren aussetzt, zeigt kontraphobisches Verhalten

Eine andere Facette der Angstlust ist die bewusste Konfrontation mit der Angst, um Phobien zu bekämpfen. Wer sich der Angst stellt, sich wiederholt einer Gefahr aussetzt und feststellt, dass alles gut ausgeht, überwindet damit in der Kindheit verwurzelte Phobien wie die Angst vor Menschenansammlungen (Agoraphobie) oder die soziale Phobie. In der Psychoanalyse nennt man das kontraphobisches Verhalten. Es entwickelt sich ein angenehmes Gefühl, wenn auf die selbst provozierte Spannung eine positive Auflösung folgt. Kino-Thriller, Horror-Romane, ja sogar Märchen bedienen sich dieses Prinzips. Der Handel mit den Thrill boomt und spült den Anbietern Millionen in die Kassen, angefangen vom Bungee-Jumping bis hin zu Gruselfilmen. Der österreichische Psychotherapeut Dr. Hans Morschitzky formuliert es so: "Wir fürchten uns oft gerne, wenn wir wissen, dass die Sache letztlich gut ausgeht". Der mit starken Reizen verbundene Nervenkitzel löse bei vielen Menschen eine ausgesprochene Angstlust aus.

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In der Sexualität wird die Angstlust zum Lustschmerz

Selbst in der Sexualität spielt die Angstlust eine Rolle. Nur dann, wenn es richtig gefährlich zugeht, können manche Menschen erst sexuelle Erfüllung finden. Einschlägige Praktiken bietet der Sadomasochismus, wo die Angstlust zum Lustschmerz wird. Eine besonders gefährliche Art der Luststeigerung ist die "Sexual Asphyxia", die Strangulation, bei der die Blutzufuhr zum Gehirn minimiert wird. Die extremen Formen der Angstlust entsprechen nicht der Norm und entspringen oft psychischen Störungen. Anders verhält es sich mit der ganz normalen und alltäglichen Angstlust. Zum Beispiel entwickeln sich beim Lesen von Thrillern Gedankenspiele, die den Leser in die Lage versetzen, sich den unangenehmen Dingen des Lebens zu stellen und ihnen mutig zu begegnen.

Krimifreundin, am 16.09.2014
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