Die Top 10

A)Tom T. Hall / "I like Beer"

B) Kevin Fowler / "Hell yeah, I like Beer"

C) Hank Thompson / "Six Pack to go"

D) Bob Wills / "Bubbles in my Beer"

E) Big Bill Lister / "There's a Tear in my Beer"

F) Johnny Russel / "Rednecks, White Socks and Blue Ribbon Beer"

G) Dick Curless / "Drinking a Beer and singing a Country Song"

H) Tompall Glaser / "Drinkin' them Beers"

I) Jim Ed Brown / "Pop a Top"

J) James Johnson / "The Beer Song"

[Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar.]

A) Tom T. Hall / "I like Beer"

"I like Beer" (1975) von Tom T. Hall ist der Klassiker der Lieder über Bier und eine absolut entspannte Hymne für alle Biertrinker, die zufrieden glücklich sein wollen und weder den Exzess mit starken Getränken noch den Luxus mit teurem Kram wollen. Diese gesungene Liebeserklärung ans Bier hätte der deutsche Dichter Jean Paul, der ohne seinen flüssigen "Weihrauch" und "Honig" gar nicht schreiben konnte, bestimmt gemocht. Bier macht zufrieden, heiter, umgänglich und allenfalls ein bisschen beschwipst. Nur der Ehefrau in dem Lied ist der Mann nicht vornehm genug. Und dann bleibt ja das wichtige Problem, ob es nach dem Tod denn Bier zu trinken gibt. Ganz offensichtlich, ja, solange nicht jemand vorbeikommt und es in Wein verwandelt. Eine schreckliche Vorstellung.

(Songtext)

Tom T. Hall live

B) Kevin Fowler / "Hell yeah, I like Beer"

"Hell yeah, I like Beer" (2011) von Kevin Fowler ist die fröhliche Zustimmung zu Tom T. Halls klassischem Lied. Das ist die zeitgemäße Bier-Hymne vom modernen Meister des Drinking Songs, der seine Fans auf seinem neuen Album mit neuen zukünftigen Evergreens wie "Borracho Grande" und "Beer me" erfreut.

Hier wird auch gewissermaßen das Frauen-Problem gelöst. Guckte bei Tom T. Hall die Ehefrau noch schief, so verzichtet die angesprochene Dame hier voller Verachtung auf einen Cocktail und sagt nur:"Hell yeah, I like Beer". Da hat dann einer seine Traumfrau gefunden. Auch Fowler stellt fest, dass Bier glücklich macht, und das jeden Tag, 24 Stunden lang. Und dass Bier ein Allheilmittel ist für Herz und Gemüt, ist ja sowieso bekannt. Und dass viele sagen, man soll nicht zu viel trinken, ist seltsam, wo man doch nie genug kriegen kann. Der Liedtext ist vielleicht nicht so subtil wie der von Tom T. Hall, aber dafür kann man besser mitgröhlen, was das offizielle Video dazu gutlaunig beweist.

(Songtext)

Andere schöne Bierlieder von Fowler sind "Beer Season" und "Beer, Bait and Ammo". "Beer Season" ist die Alternative zur "Deer Season", zur Jagdsaison. Denn Erstere geht das ganze Jahr und man kriegt keinen kalten Hintern. "Beer & Bait an Ammo" handelt von allem, was der Redneck zum Leben braucht: Bier, Köder und Munition zum Saufen, Angeln und Jagen.

Offizielles Video
"Beer Season" live
"Beer, Bait & Ammo" live

C) Hank Thompson / "Six Pack to go"

Western Swing ist die perfekte Bier-Musik. Er wird gespielt in Honky-Tonks und Bierhallen, man tanzt und trinkt. Und "Six Pack to go" (1960) ist einer der größten Klassiker, gesungen von Hank Thompson, der eine Menge Drinking Songs im Repertoire hatte. Es ist Samstag und nach einem durchzechten Abend steht die Sperrstunde kurz bevor, da muss schnell noch etwas getrunken und dann natürlich Vorrat mitgenommen werden. Denn morgen ist Sonntag und da hat man einen Kater und die Kneipen haben vormittags zu. Womit soll man das Elend im Kopf sonst wegtrinken? Darüber jammerte später dann ja auch Kris Kristofferson in "Sunday Morning Coming Down". Die Miete kann zwar nicht bezahlt werden, aber das ist egal. Das Geld ist im Honky-Tonk geblieben. Bier ist wichtiger. Das Ganze wird dem Bartender erzählt, der solche Geschichten oft genug zu hören bekommt.

(Songtext)

Hank Thompson live
Asleep at the Wheel
The Time Jumpers & Vince Gill (live)

D) Bob Wills / "Bubbles in my Beer"

"Bubbles in my Beer" (1947) ist ein weiterer Western-Swing-Bier-Klassiker. Bekannt gemacht wurde das Lied 1947 von Geiger und Orchesterleiter Bob Wills. Gesungen wurde es von Tommy Duncan. Danach coverten unzählige Stars und Wills-Bewunderer wie Willie Nelson oder Ray Price den Song. Man könnte hier von meditativer Trinkertraurigkeit sprechen, in der plötzlich die Gewissensbisse und natürlich das Selbstmitleid hochkommen. Da schaut sich einer fern ab von der heiteren Menge nur noch die Bläschen im Bier an. Hat man eine gewisse Grenze überschritten, kann man das ja sehr lange und sehr intensiv tun. Die Träume sind zerplatzt wie aufgelöster Bierschaum. Ruiniert hat er sein Leben aber selbst. Da war mal jemand, die ihn geliebt hat. Die Fröhlichkeit der Bar erreicht ihn nicht mehr, er denkt nur an sein gescheitertes Leben, sieht nur Herzschmerz und Tränen, was bleibt, ist eben das Starren auf die Bläschen im Bier. Das ist dann die traurige Beschäftigung für den Rest des Lebens. Gleichzeitig hat das Ganze natürlich eine fröhliche und tanzbare Musik.

(Songtext)

["Bubbles in my Beer" von Bob Wills bei Dailymotion.]

Ray Prices Version

E) Big Bill Lister / "There's a Tear in my Beer"

Big Bill Lister war der Hillbilly-König des Bier-Songs, dessen Karriere zwar nicht lange dauerte, dessen Lieder aber Jahrzehnte später auf einer schönen Bear-Family-CD veröffentlicht wurden. Und "There's a Tear in my Beer" (1951) ist einer der von Hank Williams geschriebenen Klassiker, wo sich "Tear" auf "Beer" reimt. Und die Tränen werden ins Bier geweint, weil man so einsam und schlaflos ist und nur an die Eine denkt. Das Ziel ist es, so lange zu trinken, bis man sich nicht mehr rühren kann. Das war vielleicht zu autobiographisch für Hank Williams, um es selbst zu singen. 1989 kam dann doch noch eine Version von ihm selbst heraus, als man aus einer alten Aufnahme ein Duett mit Sohn Hank jr. machte und die beiden dann auch noch im Video zusammenbrachte.

(Songtext)

In "Blowin the Suds" (1952) hat ein Bietrinker nichts Besseres zu tun, als sein Bier anzuglotzen und den Schaum wegzupusten. Hier wird jedenfalls gar kein Grund für das Trinken gesucht. Wenn ihm seine Faulheit vorgeworfen wird, sagt er nur: "Ich war nie ein Arbeiter, und es ist zu spät damit anzufangen." Ein Hohelied auf trinkende Faulheit ist das, die bloß die Bläschen angucken will. Obwohl das natürlich auch ganz schön anstrengend ist, so dass für die Freundin keine Kraft mehr da ist.

"Beer Drinking Blues" (1951) ist ein sehr heiterer Blues, da nach dem zehnten Viertel-Liter Bier der Blues ja weg ist. Die Ehefrau regt sich auf über sein Trinken, während er bettelt, mehr trinken zu dürfen: "I want beer, I'm a beer drinking man." Am Schluss fällt er hin. Und bevor er irgendwann stirbt, will er noch mehr als jeder andere Mann trinken. Das ist echte Hingabe.

Das Duett von Hank und Hank jr.
"Blowin' the Suds of my Beer"
"Beer Drinkin' Blues"

F) Johnny Russel / "Rednecks, White Socks and Blue Ribbon Beer"

"Rednecks, White Socks and Blue Ribbon Beer" (1973) von Johnny Russel ist eine wunderschöne und poetische Hymne auf den Feierabend in einer Arbeiterkneipe, in der sich die Angestellten, die "White Collar Crowd", nicht wohl fühlen würden. Hier wird die Atmosphäre in einem Honky-Tonk beschrieben, in der Past Blue Ribbon Beer getrunken wird, in der einer die Bedienung anmacht, während die Jukebox spielt und Zigarettenrauch in einem Rest von frischer Luft hängt. Da sind auch die typischen tragikomischen Erscheinungen wie der nicht so friedliche Betrunkene, der ja meistens an der Bar herumhängt, weil er alleine ist und den Barkeeper als Ansprechpartner braucht, oder der Anruf bei der Ehefrau, der gesagt wird, dass man bald zu Hause sein wird. Und es gibt ja keinen relativeren Zeitbegriff als "bald". Aber hier fühlt man sich wohl, das ist Zuhause.

(Songtext)

Johnny Russel live
Werbespot: Pabst Blue Ribbon
Studioversion

G) Dick Curless / "Drinking a Beer and Singing a Country Song"

 "Drinking a Beer and Singing a Country Song" (1970) von Dick Curless ist sowohl ein Biersong als auch ein Lied über Country-Musik. Denn wie allgemein bekannt ist, ist es ja wissenschaftlich erwiesen, dass Country-Musik den Alkoholkonsum erhöht. Genannt werden Sänger von klassischen Drinking-Songs wie Hank Thompson und Jim Ed Brown. Ob in einer Bar mit Jukebox oder zu Hause am Plattenspieler, es heißt Biertrinken und Mitsingen. Und im Fernsehen wird nur "Hee Haw" geguckt, da kriegt man jedenfalls Roy Clark und Buck Owens zu hören. Alles andere ist uninteressant. Die löbliche Devise lautet: "Let's keep it Country!"

I) Jim Ed Brown / "Pop a Top"

"Pop a Top" (1967) von Jim Ed Brown ist wieder eines der Lieder, in der der Bartender als Song-Gesprächspartner herhalten muss. Und bei jedem Refrain wird ein weiteres Bier geöffnet und es macht ein vertrautes Geräusch: "Pop a Top". Die Geschichte ist nicht neu. Jemand ist gerade verlassen worden und will ja eigentlich nach jedem Bier nach Hause, denn im Grunde fühlt er sich in der Bar gar nicht wohl. Doch zu Hause, da müsste er sich ständig an sie erinnern. Also vergeudet er lieber auf die Art seine Zeit. Die Situation ist ausweglos, und wenn er weggeht, kommt der Nächste, der dasselbe erlebt hat.

(Songtext)

Die bekannteste Cover-Version stammt in der neueren Zeit von Alan Jackson.

[Originalvideo der Version von Alan Jackson]

Bei Marty Stuart
Studioversion

H) Tompall Glaser / "Drinkin' them Beers"

Ein Lied aus der späteren Solo-Zeit des großen Tompall Glasers. In "Drinkin' them Beers" versucht jemand, sich selbst davon zu überzeugen, dass es völlig sinnlos ist, auf erkaltete Liebe mit Trinken zu reagieren. In einem intensiven Selbstgespräch von Mann zu Mann soll er zur Vernunft gebracht werden. Und es folgen alle logischen Argumente. Denn es ist Zeitvergeudung, sinnlos. Es kümmert sie sowieso nicht, wenn man sich jetzt umbringt. Und Alkohol ist auf Dauer nicht gut für den Verstand. Aber im Endeffekt nützt es ja alles nichts, denn Bier tötet so gut den Schmerz. Das Lied ist insofern ungewöhnlich, als dass es in Bier-Liedern selten um ruinierte Gesundheit geht. Im Grunde ist hier mehr als Bier gemeint. Es ist ja auch von Alkohol die Rede.

J) Jamey Johnson / "The Beer Song"

"The Beer Song" (2002) von Jamey Johnson beginnt mit einem Klischee aus unzähligen Country-Songs: Man bekommt ja die wichtigen Werte und den richtigen Glauben von der älteren Generation vermittelt. Das kann der Großvater sein, hier ist es der Vater. Und dieser hat dem Sohn immer gesagt, dass man ja an etwas gauben muss, also hat man als guter Sohn gelernt: "Ich glaube, ich nehm mir ein Bier." Und das ist auch nötig, denn man bekommt es weder im Himmel noch im Gefängnis und an beiden Orten landet man schnell, wenn man zu viel trinkt und Auto fährt. Gute Gründe also, die Zeit zu nutzen und immer so viel zu trinken, wie gerade reingeht. Und einen frauenfeindlichen Witz gönnt Jamey Johnson sich hier auch noch, denn Bier ist sowieso besser als Frauen, denn man kann es alle machen, bevor es zu alt ist. Biermusik bleibt doch noch Männermusik.

(Songtext)

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