Atacama (Bild: Simon / Pixabay)

Fakten um die Atacamawüste

Die Atacamawüste und ihr besonderes Klima. Der darin betriebene Bergbau und das Unglück in der "Mina San José" spielen dabei eine wichtige Rolle.

Am 5. August 2010 wurden 33 Bergleute in der Kupfer- und Goldmine von Copiapó verschüttet. In 688 Metern Tiefe eingeschlossen, und das für endlos lange 69 Tage. Kein Mensch war je länger unter der Erde! Die Atacama rückte plötzlich in den Mittelpunkt der Welt.

Wie und wo ist sie aber eigentlich, die Atacama?

Chile besteht aus einem langen und schmalen Landstreifen, der zwischen den Anden und dem Pazifik liegt. Das Land und sein Klima werden von zwei Gebirgszügen bestimmt, den Anden und den Küstenkordillieren. Dazwischen befindet sich das Längstal (Valle Longitudina).

 

 

Die Atacamawüste: Nebelwüste, Steinwüste und mehr

Im Norden des großen Längstals befindet sich die Atacamawüste, eines der trockensten Gebiete auf der Erde. Sie liegt auf durchschnittlich 600 Meter Höhe und nimmt eine Fläche von 363.000 Quadratkilometern ein.

Nördlich von Copiapó beginnt die Kernwüste, südlich von Copiapó die Randwüste mit etwas höheren Niederschlagsmengen. In weiten Bereichen ist die Atacamawüste eine Steinwüste - nur in relativ wenigen Bereichen sind große Dünen ausgebildet.

Das Klima in der Atacama

Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 200 Milliliter pro Jahr, wobei es durchaus geschehen kann, dass es ein Jahr lang nie regnet. Die Temperatur ist durch den Einfluss des Humboldt-Stroms mild, etwa 18°C. In Küstennähe kann oft Nebel vorherrschen, weshalb die Atacama auch zu den Nebelwüsten zählt. Nur durch "El Nino", das "Kind", das mit einem Zurückbleiben des Humboldtstroms einhergeht, kommt es im Abstand von etwa sechs bis zehn Jahren zu heftigen Niederschlägen.

Diese führen dann für einen kurzen Zeitraum zum atemberaubenden Erblühen.

Normalerweise fallen die Niederschläge nur im Winter (Mai - August).

 

Atacama (Bild: elrentaplats / Flickr)

Die Wüste aus touristischer Sicht

Die Pflanzen und Tierwelt hat sich natürlich besonders auf die klimatischen Besonderheiten eingestellt.

Die Atacamawüste ist kein "totes Land".

Es gibt eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen, welche sich mit erstaunlicher Zähigkeit dem widrigen Klima widersetzen. Dem Touristen bietet sich jedenfalls ein phantastisches Bild. Vor Augen die steinig-staubige, teils rot schimmernde Wüste. Im Hintergrund leuchten immer die schneebedeckten Anden und überall eine Menge Vulkane ringsumher.

Das Geheimnis der polierten Steine

Fährt man durch die Wüste fallen einem die riesigen Steine ins Auge. Bei näherem Hinsehen wirken sie wie glattpoliert. Was allerdings durch den extremen Wassermangel nicht sein kann. Kein Fluss, kein Regenguss.
Das Geheimnis lüfteten Geologen, die bei einer Rastpause eines der vielen dort stattfindenden Beben miterlebten.

"Ein ohrenbetäubendes Klackern wie von Tausenden Hämmern setze ein", erzählt Quade - die Felsen vibrierten. "Es war erstaunlich", berichtet der Geologe, "das Erdbeben zeigte uns, wie die Steine poliert werden." Das Beben der Stärke 5,3 - es dauerte etwa eine Minute - ließ die Steine gegeneinander stoßen, sie scheuerten sich gegenseitig die Seiten blank.

Laut Statistik wird die Atacama-Wüste alle vier Monate von einem Beben der Stärke fünf oder mehr erschüttert. Gemessen an der Zeit von rund zwei Millionen Jahren, die die Felsbrocken auf dem Boden liegen, hätten die Felsen 50.000 bis 100.000 Stunden Polierung hinter sich, resümiert Jay Quade in Boulder. Die Zeit reiche aus, um die Oberflächen der Steine blankzuschrubben.

Für Geologiefans gibt es eine interessante virtuelle Seite Die Atacama Wüste in Chile.

Überlebenskünstler in Wüstenzonen

Die Region Atacama: Besiedlung und Bergbau

Die Region Atacama und ihre Besiedlung

Die Region Atacama mit dem Hauptort Copiapó ist mit einer Einwohnerdichte von 3,6 Einwohner je Quadratkilometer eines der dünnst-besiedelten Gebiete von Chile. Noch weniger besiedelt sind nur mehr die Inseln um Feuerland und die der Antarktis zugehörigen Gebiete. Was es dort allerdings zahlreich gibt, und dank der Ereignisse vom August 2010 in aller Munde ist, sind Bergwerke.

Die Atacama und der Bergbau

Schon in der Kolonialzeit war der Abbau von Erzen einer der wirtschaftlichen Pfeiler von Südamerika. Der Bergbau ist die Hauptwirtschaftstätigkeit Chiles. Der Abbau von Kupfer die wichtigste Einnahmequelle des Landes, der Export macht 45 Prozent aus. Die geschätzten Weltkupfervorräte werden auf über 600 Millionen Tonnen geschätzt, davon liegen rund 120 Millionen Tonnen allein in Chile. Die wichtigsten Vorkommen sind in Chuquicamata, dem größten Kupfertagbaugebiet der Welt und in El Salvador und El Teniente, dem größten Untertagebergwerk. Weitere Abbauprodukte sind Borax und Salpeter.

Bergwerk Atacama Tagbau

Das Bergwerksunglück von San José

Das Bergwerk " Mina San José" wurde 1889 in Betrieb genommen und wird von der Compañía Minera San Esteban Primera betrieben. Die Jahresförderung lag bis zum Unglück bei etwa 1.200 Tonnen Kupfer. Nach einem tödlichen Arbeitsunfall im Jahre 2007 wurde das Bergwerk vorübergehend geschlossen und später unter Auflagen wieder freigegeben. Leider wurden die Auflagen nicht eingehalten, aber auch nicht kontrolliert und Nachbesserungen gefordert. Die Mine San José war eine attraktive Einkunftsquelle, weil dort höhere Löhne als in den größeren Minen bezahlt wurden. Eingeweihte wussten, warum: Es war besonders riskant, in der Mine San José zu arbeiten.

Das Unglück von San José: der 5. August 2010

Das Unglück von San José, die Fakten chronologisch angeführt:

  • Das Grubenunglück ereignete sich am Donnerstag, den 5. August 2010. Ein Bergschlag verursachte einen Streckeneinsturz. 33 Menschen wurden 700 Meter unter der Erdoberfläche eingeschlossen. Einige der 33 am 5. August verschütteten Minenarbeiter hatten am Unglückstag gerade erst angefangen, andere waren schon lange dabei.
  • 22. August 2010: Die Verschütteten werden knapp 700 Meter unter Tage lebend geortet. Mit einer Sonde schicken sie zwei kleine Briefe nach oben. Eine Kamera zeigt erste Bilder der Kumpel. Man baut einen Versorgungsschacht.
  • 30. August 2010: Die Bohrungen für den ersten Rettungsschacht beginnen. Man teilt ihnen mit, dass die Bergung noch Wochen dauern wird.
  • Ein wahrer Krimi beginnt: Es gilt für die Menschen untertag durchzuhalten, für die Rettungskräfte das Maximale zu leisten.
  • 12. Oktober 2010: Es ist soweit. Chiles Staatschef Sebastian Pinera trifft an der Mine San Jose ein, um der Rettungsaktion beizuwohnen. Auch 2.000 Journalisten aus aller Welt sowie 800 Angehörige der eingeschlossenen Kumpel haben sich um das Bergwerk in der Atacama-Wüste geschart.
  • Die Kapseln haben einen Durchmesser von 53 Zentimetern - das Bohrloch ist 66 Zentimeter breit. Eine Millimeterarbeit ist gefragt beim Hinablassen und Aufstieg.
  • 13. Oktober 2010: Nachdem eine Rettungskraft zu den Grubenarbeitern abgeseilt wurde, beginnt die eigentliche Rettungsaktion.
  • Die Rettungskapsel Fénix2 wird mit einem Sanitäter an einer Seilwinde in den Schacht gelassen. Drei österreichische Spezialisten stehen abwechselnd im 2-Stundentakt Non-Stopp an der Winde. Hoch konzentriert. Als erster Kumpel kehrt der 31-jährige Florencio Avalos nach knapp zehn Wochen unter Tage an die Erdoberfläche zurück. Im Stundentakt und später sogar in noch kürzeren Abständen folgt Kumpel um Kumpel. 
  • Als letzter verläßt Schichtleiter Luis Urzúa um 21:55 Uhr (Ortszeit) desselben Tages die Grube. Mit der abschließenden Ausfahrt des sechsköpfigen Rettungsteams wird die Rettungsaktion abgeschlossen. Am 14. Oktober 2010 kehrt auch der letzte hinab geschickte Rettungsmann wieder zurück.

Ein Bericht dazu von der ARD 5 Jahre danach.

Das Zusammenspiel der nationalen und internationalen Rettungskräfte hat hervorragend geklappt. Man hat die eingeschlossenen Bergleute nicht in Stich gelassen.

Der Film: 69 Tage Hoffnung

69 Tage Hoffnung (Originaltitel: The 33) ist ein 2015 produzierter amerikanisch-chilenischer Film, der das weltberühmt gewordene Grubenunglück von San José vom August 2010 zum Thema hat.

Der Film feierte am 6. August 2015 in Chile seine Premiere. In Deutschland und Österreich kam er mit einem halben Jahr Verspätung am 11. Februar 2016 in die Kinos.

Zum Film:

Die Dreharbeiten fanden im Winter 2013/2014 zum Teil an Originalschauplätzen in Chile aber auch in Kolumbien statt. Die Mine, die im Film zu sehen ist, befindet sich in der kolumbianischen Provinz Cundinamarca. Es wurde viel Bedacht auf korrekte Darstellung der Ereignisse gelegt, aber für filmische Zwecke natürlich konzentriert dargestellt.

  • Darsteller: Antonio Banderas, Rodrigo Santoro, Juliette Binoche, James Brolin, Lou Diamond Phillips
  • Regie:Patricia Riggen
  • Filmmusik: James Horner

2010 wurden beim katastrophalen Einsturz eines Bergwerks 33 chilenische Grubenarbeiter lebendig begraben. In den folgenden 69 Tagen bemühte sich ein internationales Team um die Rettung der Männer. Unterdessen warteten in banger Hoffnung nicht nur ihre Familien, sondern die ganze Welt. Doch in der stickigen Hitze 200 Stockwerke unter der Erdoberfläche wurde die Zeit aufgrund mangelnder Verpflegung sehr schnell knapp. Antonio Banderas spielt die Hauptrolle in dieser Geschichte von Durchhaltevermögen, Glauben und dem Triumph der Menschlichkeit: ein wahrer, erstaunlicher Wettlauf gegen die Zeit.

Das Drehbuch stützt sich auf die umfassende Recherche des Journalisten Hector Tobar, die er in seinem Buch Deep Down Dark

The Untold Stories of 33 Men Buried in a Chilean Mine and the Miracle That Set Them Free veröffentlichte.

Ebenfalls hinzugezogen, die auch in Deutsch erschienene Autobiografie des befreiten Minenarbeiters José Henriquez, 70 Tage unter der Erde

 

 

Anmerkung zum Film: Berührend ist, wenn man während der End Credits noch alle 33 Überlebenden einzeln und als eng befreundete Gruppe an einem Strand sieht; die echten Menschen hinter diesem historischen Ereignis.

 

 

69 Tage Hoffnung
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Wie geht es den Bergleuten heute?

Die Mine wurde geschlossen. Die Mineros kämpfen in einem Zivilprozess immer noch um faire Entschädigung. Was sie real bis heute haben?

Kleine Rente als Entschädigung

Reich ist nach dem Unglück keiner der Bergleute geworden. Erst zum vierten Jahrestag der Rettung hat die Regierung Chiles jedem der 33 eine monatliche Rente von umgerechnet rund 400 Euro zugesprochen, die Hälfte ihres Einkommens als Arbeiter in der Mine.

Die Regierung ordnete außerdem,an, dass eine Kommission für Sicherheit am Arbeitsplatz Maßnahmen erarbeitet, um die chilenischen Arbeitsbedingungen, vor allem im Bergbau, zu verbessern.

Quellen

Quellennachweis: Der Fischer Weltalmanach 2007

Bildnachweis: Ausschnitt Karte Südamerika aus "der große Weltatlas", Edition Dolmiten,

 

 

 

Adele_Sansone, am 23.09.2016
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Bildquelle:
Gerhard Ott (El Yunque, Regenwald auf der Karibikinsel Puerto Rico)

Autor seit 5 Jahren
270 Seiten
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