Die Ursachen der Rosenkriege

Abgesehen von ihrem seltsamen Namen, zeichnet sich diese 30-jährige Auseinandersetzung durch eine für Hobby-Historiker schwer erfassbare Faktenlage aus. Mitverantwortlich dafür ist ganz sicher auch der Umstand, dass fast alle wichtigen Persönlichkeiten des Konflikts Richard, Heinrich oder Edward hießen!

Als Ursache der Rosenkriege gilt eine komplizierte, familiär-politische Fehlentwicklung des Herrscherhauses Plantagnet, welchem die Adelsgeschlechter Lancaster und York als Nebenlinien angehörten. In der Folge konnten nach einigen Jahrzehnten beide Clans einen ungefähr gleichwertigen Anspruch auf den Königstitel für sich reklamieren.

Die erste Phase der Rosenkriege: Sieg der Yorkisten

Zum Ausbruch der Rosenkriege kam es im Jahr 1455 durch oppositionelle Adlige aus dem Hause York. Nicht zu Unrecht warfen sie dem geisteskranken Heinrich VI. (Haus Lancaster) politische Schwäche zum Schaden Englands vor. Faktisch regierte Heinrichs Frau Margarete von Anjou. Am 22. Mai 1455 kam es nahe London zu einer ersten Schlacht, in welcher die aufständischen Truppen unter Lordprotektor Richard von York siegten. Dieser erhob fünf erfolgreiche Jahre später den Anspruch auf den Königstitel, fiel jedoch bald darauf in der Schlacht von Wakefield. Sein Sohn Edward übernahm nun die Führung der Yorkisten und schuf schließlich in der äußerst blutigen Schlacht von Towton (20.000 – 30.000 Tote) neue Tatsachen: Heinrich und Margarete flohen nach Schottland, während Yorks Führer als Edward IV. zum König gekrönt wurde.

Richard Neville: Königsmacher und Schlüsselfigur

Als eine der wichtigsten Personen des Machtkampfes profilierte sich Richard Neville, der Earl of Warwick, welcher ein Anhänger des Hauses York war. Inoffiziell nannte man ihn "den Königsmacher", denn Richards finanzieller, militärischer und diplomatischer Einfluss entschied maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg.

Daher schien sich das Blatt noch einmal zu wenden, als Richard Neville sich 1469 mit seinem Cousin Edward IV. überwarf. Richard wurde fortan Parteigänger des Hauses Lancaster, welches zeitgleich Unterstützung aus Frankreich erhielt. König Edward IV. musste daraufhin seinerseits nach Schottland fliehen, sammelte jedoch im folgenden Jahr genügend Truppen, um eine militärische Entscheidung zu erzwingen. In den Schlachten von Barnet und Tewkesbury siegte der yorkistische König erneut über die Lancasterianer. Richard Neville fand dabei ebenso den Tod wie Edward von Westminster, der Sohn des ehemaligen Königs Heinrich VI. Jener selbst wurde kurz darauf ermordet, so dass die direkte Königslinie des Hauses Lancaster erlosch. Edward IV. war es noch einmal gelungen, den Herrschaftsanspruch des Hauses York durchzusetzen.

Richard III. und die Prinzen im Tower

Edward IV. starb 1483 und hinterließ zwei minderjährige Söhne namens Edward und Richard. Neuer Herrscher wurde jedoch Richard III., ein Bruder des verstorbenen Königs. Die Knaben hingegen verschwanden unter ungeklärten Umständen im Tower of London, wo sie vermutlich starben. Knochenfunde von 1674 erhärten diese Theorie. Allgemein nimmt man bis heute an, dass die Kinder ermordet wurden. Als Hauptverdächtiger galt schon damals Richard III., was seine bereits geschwächte Position bei Volk und Familie weiter untergrub.

 

Heinrich Tudor beendet die Rosenkriege

Dies nutze ein Mann namens Heinrich Tudor zielstrebig aus. Er entstammte einer Nebenlinie des ausgelöschten Hauses Lancaster und konnte somit einen einigermaßen legitimen Anspruch auf den Königstitel erheben. Heinrich Tudor führte ein Heer ehemaliger Lancaster-Anhänger gegen die Truppen der Yorkisten und siegte über diese 1485 in der Schlacht von Bosworth Field. Richard III. verlor in dem Kampf sein Leben, wodurch nun auch die direkte Linie des Hauses York unterging. Heinrich Tudor wurde als Heinrich VII. neuer König von England. Allgemein gilt dies als Ende der Rosenkriege.

 

Eine neues Adelsgeschlecht entsteht

Politisch geschickt, heiratete Heinrich jedoch eine Frau aus dem Hause York und legimitierte somit seinen Thronanspruch auch in den Augen der ehemaligen Gegner. Weder Lancaster noch York hatten letztendlich also die Rosenkriege für sich entscheiden können. Vielmehr waren beide Kontrahenten untergegangen. Doch aus der Symbiose ihrer Nebenlinien entstand schließlich ein neues Herrschergeschlecht: Das Haus Tudor, welches England eine überwiegend blühende Epoche bescherte. Letzte Vertreterin des 118 Jahre herrschenden Adelshauses war übrigens Elisabeth I., deren Regierungszeit man auch als das Goldene Zeitalter Englands bezeichnet.

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