Warum schreibe ausgerechnet ich diesen Artikel?

Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung gehörte zu meiner Abschlussprüfung eine Präsentation. In meinem Ausbildungsbetrieb, der Deutschen Telekom, wurde ich sehr gut auf die Präsentation vorbereitet und habe seitdem mein Wissen an viele Nachhilfeschüler weitergegeben, die ebenfalls einen IT-Beruf gelernt haben. Ich hatte auch durch Unterricht und Vorträge zu verschiedenen Themen die Möglichkeit, immer mehr Erfahrung auf diesem Gebiet zu sammeln.

In meinem Informatikstudium habe ich ebenfalls präsentieren müssen, was mir immer ziemlich gut gelungen ist. Und jetzt arbeite ich an einer Fachhochschule, wo ich natürlich auch Vorlesungen und Unterricht halten muss, was ja auch Präsentationen sind. Daher habe ich einige Erfahrung in dem Bereich sammeln können, aus der diese Artikelreihe entstanden ist.

Was ist eine Präsentation?

Als Präsentation bezeichnet man einen Vortrag, der durch bestimmte Medien unterstützt wird. Im Gegensatz zu einem Vortrag oder einer Rede, in denen es nur einen Redner gibt und keine weiteren Hilfsmittel für den Zuschauer, zeigen Sie dem Publikum in einer Präsentation etwas. Sie verwenden visuelle Hilfsmittel, die dem Publikum dabei helfen sollen, die Informationen leichter zu verstehen und sie sich besser einzuprägen.

Hilfsmittel in einer Präsentation

Wie bereits erwähnt, können in einer Präsentation verschiedene Hilfsmittel verwendet werden. Ein  häufiger Bestandteil sind Folien.

Overhead-Projektor (Tageslichtprojektor)

Früher wurde der Overhead-Projektor dazu verwendet, den viele Leser sicher noch aus der Schule kennen. Hier legt man die ausgedruckten Folien auf den Projektor und legt von Hand die nächsten Folien auf. Jede Folie enthält eine bestimmte Menge an Informationen und der Vortragende erklärt die Informationen ausführlicher, als sie auf der Folie stehen.

Overhead-Projektor (Bild: http://www.wikipedia.de)

Der Overhead-Projektor ist als Gerät relativ günstig, robust und einfach zu bedienen und hat einen geringen Stromverbrauch. Es ist kein Problem, während des Vortrags die Folien mit Anmerkungen oder Notizen zu versehen, um die Erklärungen noch zu untermalen. Trotz dieser Vorteile hat der Projektor an Bedeutung verloren, denn man benötigt bestimmte Folien und einen Drucker, der sie bedrucken kann. Außerdem ist man von der Gestaltung der Folien weniger flexibel als bei anderen Methoden.

Tafel und Whiteboard (Weißwandtafeln)

Whiteboards sind eine Weiterentwicklung der aus der Schule alt bekannten Tafeln. Während Tafeln nur mit Kreide beschrieben werden können und manchmal diese unangenehme Quietschen erzeugen, schreibt man auf Whiteboards mit einem speziellen Stift. Außerdem können Magnete darauf befestigt werden, so dass man sie bspw. mit Zettel benutzen kann, die umher geschoben werden können.

Beide Medien bieten sich an, wenn man während des Vortrags eine Skizze oder ein Bild entwickeln möchte. Außerdem sind sie für spontane Erklärungen gut geeignet: Während der Präsentation haben Sie eine Idee für ein erklärendes Bild, das aber nicht auf den Folien zu sehen ist. Kein Problem, schnappen Sie sich Kreide oder einen Stift und skizzieren Sie das Bild.

 

Whiteboard (Bild: http://www.whiteboard-flipchart.de/)

Sehr moderne Whiteboards ermöglichen auch einen Datenaustausch mit den Geräten der Zuhörer, so dass die Präsentation interaktiv gestaltet werden kann. Gerade Weißwandtafeln bieten sich auch für Organisationszwecke an. Die Beschriftung ist über wesentlich längere Zeiträume lesbar als bei einer Tafel, allerdings riechen die Stifte manchmal nicht sehr gesundheitsfördernd. Wenn man die falschen Stifte verwendet, kann man auch eventuell das Geschriebene nicht mehr auswischen.

Flipchart (Tafelschreibblock)

Flipcharts können ähnlich verwendet werden wie die oben beschriebenen Tafeln. Bei ihnen schreibt man mit einem beliebigen Stift auf einen großen Papierblock, der auf einem Dreibeinständer steht. Man kann Seiten abreißen und wieder aufhängen bzw. umblättern, indem an die Blätter einfach nach hinten schlägt. Die Einsatzmöglichkeiten sind ähnlich vielfältig wie bei den Tafeln, man muss hier nur immer wieder neues Papier kaufen. Dafür entfällt der eklige Kreidestaub, mit dem man sich bei der Tafel immer Kleidung und Lunge zusaut.

Eine Flipchart (Bild: http://www.wikipedia.de)

Handzettel

Handzettel (neudeutsch: Hand-Outs)  sind Papiere, die den Zuschauern zum Vortrag mitgegeben werden können. Darauf können sie die wichtigsten Informationen nachlesen und sie haben etwas, worauf sie Notizen machen und das sie mit nach Hause nehmen können. Handzettel können auch eine hervorragende Lösung sein, wenn Sie nicht sicher sind, ob jeder Zuschauer in den hinteren Reihen einen guten Blick auf die Leinwand hat.

Digitale Folien

Digitale Folien werden heutzutage in Präsentationen meistens verwendet. Sie werden mit einer Software wie PowerPoint oder OpenOffice erstellt und anschließend über einen Beamer vorgeführt. Diese Technik bietet Ihnen eine Unmenge an gestalterischen Möglichkeiten, was aber wiederum den Nachteil hat, dass die Verführung, die Folien mit zu viel Schnick-Schnack zu versehen, sehr groß ist. Gerade aufgrund der vielen Möglichkeiten, die digitale Präsentation bieten, sollte hier äußerste Vorsicht geraten sein.

Weitere Nachteile dieser Methode liegen in den Kosten: Beamer und die benötigten Glühbirnen sind nicht gerade günstig und der Stromverbrauch von Beamern ist relativ hoch. Außerdem kann es bei unsachgemäßer Behandlung geschehen, dass die teuren Glühbirnen platzen.

Beamer in einem unserer Vorlesungsräume (Bild: Selbst aufgenommen)

Schalten Sie einen Beamer aus diesem Grund erst aus, wenn er abgekühlt ist. Nur dann hat die Glühbirne eine höhere Lebenserwartung. Zuerst schaltet man den Beamer in einen Bereitschaftsmodus und erst, wenn die Lüftung nicht mehr läuft, darf er endgültig ausgeschaltet werden.

Welches Hilfsmittel soll ich einsetzen?

In der heutigen Zeit werden digitale Mittel gerne als Allheilmittel betrachtet. Deswegen werden oft Präsentationen gehalten, die nur aus PowerPoint-Folien bestehen. Das mag in manchen Fällen nicht schlecht sein, doch im Allgemeinen sollten Sie die anderen Methoden nicht aus den Augen verlieren. Eine gute Präsentation besteht aus einer Mischung verschiedener Hilfsmittel. Ich habe oben bereits einige Vor- und Nachteile der verschiedenen Hilfsmittel genannt, die man gegeneinander abwägen sollte.

Sie können natürlich gerne digitale Folien als das Hauptmedium verwenden. Aber greifen Sie nicht alleine darauf zurück. Hier einige Beispiele, wie ich andere Medien gerne zur Unterstützung verwende:

Wie bereits erwähnt können Sie spontane Ideen oder erklärende Skizzen auf einer Tafel wunderbar aufzeichnen. Sie können auf diese Art auch mit dem Publikum zusammen eine Idee oder ein Schaubild entwickeln. Auch für die Beantwortung von Fragen ist dieses Hilfsmittel ungeschlagen, denn Sie können bei der Vorbereitung der digitalen Folien einfach nicht alle Publikumsfragen im Voraus bedenken.

Wenn Sie den Zuhörern die Möglichkeit geben möchten, bereits während des Vortrags Fragen zu stellen, können Sie diese Fragen auf Zetteln notieren und mit Magneten auf einem Whiteboard befestigen. Wenn die Frage beantwortet wurde, entfernen Sie den Zettel. Dazu können Sie natürlich auch eine Flipchart verwenden. Auf jeden Fall geben Sie den Zuhörern so das Gefühl, dass Ihnen die Fragen am Herzen liegen und dass Sie sie nicht vergessen werden.

Eine Flipchart oder ein Whiteboard bieten sich auch an, um ein Inhaltsverzeichnis anzubringen. So kann das Publikum immer sehen, wie viel ihnen noch bevorsteht und vor allem, was sie noch hören werden. Wenn eine Frage gestellt wird, die Sie in einem anderen Abschnitt beantworten werden, können Sie dem Fragesteller wunderbar zeigen, wann die Frage beantwortet wird.

Bedenken Sie auch, dass Sie auf nicht digitalen Medien wie z.B. einer Flipchart ein Thema wunderbar interaktiv mit dem Publikum aufbereiten können. Das ist didaktisch hervorragend und außerdem garantiert das eine erhöhte Aufmerksamkeit als wenn die Zuhörer von einer PowerPoint-Präsentation berieselt werden.

Gerade, wenn Sie mit Kindern arbeiten, sollten Sie überlegen, ob Sie nicht ganz auf digitale Medien verzichten und das Publikum stattdessen interaktiv in Ihre Präsentation miteinbeziehen. Wenn Sie schauspielerische Qualitäten haben, können Sie vielleicht auch diese einsetzen, um Ihre Präsentation aufzulockern.

Für welche Hilfsmittel Sie sich letztendlich entscheiden, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Raumgröße
  • Sichtverhältnisse
  • Alter der Zuhörer
  • Größe des Publikums

Ich persönlich bevorzuge als Hauptmedium in den meisten Fällen digitale Medien. Allerdings möchte ich immer mindestens eine Tafel oder ein Whiteboard in der Nähe haben.

Es gibt auch sehr gute Präsentationen, die ganz auf digitale Medien verzichten. Lassen Sie Ihre Fantasie spielen, wenn Sie eine Präsentation vorbereiten. Achten Sie nur bitte darauf, dass Sie für Abwechslung sorgen! Denn nur dann werden Ihre Zuhörer Ihren Ausführungen gerne und aufmerksam folgen.

Gute Präsentationen, schlechte Präsentationen

Mit ein bisschen Erfahrung, werden Sie für die Stärken und Schwächen von Präsentationen sensibilisert. Sie können dann auch die Präsentationen Anderer dahingehend untersuchen. Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Stichworte an den Kopf werfen, auf die in den nächsten Teilen dieser Artikelreihe noch genauer eingegangen werden soll.

Was zeichnet eine  schlechte Präsentation aus?

  • Redner ist nicht mit Technik vertraut
  • Langweiliger Inhalt
  • Unordnung
  • Mangelnde Vorbereitung
  • Monotoner Vortrag
  • Nuscheln, Stammeln, undeutliche Aussprache
  • Ständiges Durchblättern von Unterlagen, häufige Blicke auf die Leinwand
  • Mit dem eigenen Körper die Leinwand verdecken
  • Ablesen statt freiem Sprechen
  • Nervige Animationen und Effekte in den digitalen Folien
  • Sehr kleiner Text, der kaum lesbar ist
  • Folien sind nicht einheitlich (unterschiedliche Textgrößen, unterschiedliche Anordnung der Elemente)
  • Ungepflegte Erscheinung des Vortragenden
  • Mit Text überladene Folien

Was zeichnet eine gute Präsentation aus?

  • Ein interessanter und auf das Publikum zugeschnittener Inhalt
  • Klare Struktur
  • Freier Vortrag
  • Stichpunkte und Grafiken auf Folien
  • Kommunikation mit dem Publikum
  • Humor (ja, das ist auch bei wissenschaftlichen Vorträgen erlaubt)
  • Interessantes Anschauungsmaterial

Untersuchen Sie fremde Präsentationen auf diese Merkmale. Fassen Sie die Stärken und Schwächen in Worte. Begründen Sie Ihre Meinung vor sich selbst. Die Aussage "Das war langweilig" hilft Ihnen nicht weiter. Warum war die Präsentation langweilig? Aus der Antwort auf diese Fragen können Sie für Ihre eigenen Vorträge lernen und sie verbessern. Nehmen Sie sich die Zeit, aus den Fehlern Anderer zu lernen.

Zusammenfassung

Obwohl dieser Artikel den Titel "Einführung" trägt, sollten Sie bereits einige wesentliche Informationen mitgenommen haben. Denken Sie an die Stärken und Schwächen der Hilfsmittel, die Ihnen zur Verfügung stehen. Setzen Sie eine Mischung aus Medien ein. Denken Sie daran, Ihre Präsentation abwechslungsreich und interessant zu gestalten. 

Beachten Sie, dass die meistens Präsentationen nur aus PowerPoint-Folien bestehen. Nutzen Sie das und überraschen Sie Ihr Publikum, indem Sie Ihre Präsentation anders aufbauen. Wenn Sie Teil einer Vortragsreihe sind, schauen Sie sich die Präsentationen anderer Redner an und gestalten Sie die Ihre anders. Alle Anderen verwenden nur PowerPoint? Oh, Überraschung liebes Publikum, ich baue verzichte auf PowerPoint! Und Sie hören das gesamte Publikum aufatmen.

Und denken Sie daran: Nur weil ein Medium modern ist, muss es nicht die absolute Lösung sein!

Autor seit 5 Jahren
68 Seiten
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