Grillon champêtre (Gryllus campestris) (Bild: el chip / Flickr)

Systematik

  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Ordnung: Heuschrecken (Orthoptera)
  • Familie: Grillen (Gryllidae)
  • Gattung: Grillen (Gryllus)
  • Art: Feldgrille (Gryllus campestris)

Nächste bei uns bekannte Verwandte ist das Heimchen (Acheta domesticus).

Wie sehen Feldgrillen aus?

Tiefschwarz und glänzend mit einer Größe von etwa 2,5 cm sind Grillen, so man sie entdeckt, nicht zu übersehen. Der rundliche Kopf mit den kräftigen Beißwerkzeugen (Mandibeln) ist breiter als der Halsschild. Die Fühler sind etwa so lang wie der Körper. Die körperlangen Antennen weisen sie als Langfühlerschrecke aus. Die gelb gezeichneten Flügel reichen fast bis ans Hinterleibsende; aufgrund der verstümmelten Hinterflügel ist sie aber nicht flugfähig. Die Fortbewegung ist flinkes Laufen mit gelegentlichen Hüpfern.

Beim Männchen sind die Flügel am Ansatz deutlich dunkelgelb gefärbt. Die Hinterflügel liegen zusammengefaltet unter den Vorderflügeln. Die Unterseite der Hinterschenkel ist intensiv rot gefärbt. Die Hinterschienen tragen lange, kräftige Dornen. Die gerade Legeröhre der Weibchen ist im letzten Drittel etwas nach unten gebogen.

Sie ernähren sich von pflanzlicher und und tierischer Kost; Blätter, Wurzeln, kleinere Bodentiere, Aas.

Wo kommen Feldgrillen vor?

In der Schweiz, Österreich und Deutschland werden bis auf die höheren Lagen oberhalb von 1.800 m alle Landesteile besiedelt. Mittel- und Süde­uro­pa, We­stasien, Norda­fr­i­ka.

Gryllus campestris ist trockenheits- und wärmeliebend. Sonnige, magere Wiesen und Weiden, Feldwegränder, Bahn- und Strassenböschungen. Geneigte, südexponierte Flächen werden bevorzugt.

 

Hier leben Feldgrillen gerne

Habitat of Field Cricket (Gryllus campestris) (Bild: @naturebftb / Flickr)

Vom Leben der Grillen

Fingerdicke Erdröhren werden in kurzrasige Gebiete gegraben, in welche das Weibchen dann auch ihre Eier ablegt. Die Eingangslöcher sind meist gut unter dem Grasbüschel versteckt. Die Eingänge werden von dem Männchen immer kurzrasig gehalten. Nur im zeitigen Frühjahr kann man die Eingänge, so man ein wenig Ausschau hält, dann an diesen Orten zahlreich entdecken. In guten Jahren ist dann so eine Böschung wie Schweizer Emmentaler von zahlreichen Löchern durchbohrt. Ihr reger Höhlenbau trägt maßgeblich zur Belüftung des Bodens bei.

Den Winter überdauert die Feldgrille als Jungtier in einer selbst gegrabenen Erdhöhle. Dies unterscheidet sie von den meisten anderen einheimischen Heuschrecken, bei denen nur die Eier überwintern. Sobald die Temperaturen steigen, erwachen die Tiere aus der Winterstarre. Nach der letzten Häutung sind sie je nach Witterung Mitte April bis Anfang Mai geschlechtsreif.

 

 

 

Verschiedene Insektenstadien

eggs of a real bug (Heteroptera) indet. (Bild: gbohne / Flickr)

Wegen der festen äußeren Körperhülle können Insekten nur begrenzt wachsen, deshalb ist deren Entwicklung immer mit Häutungen verbunden. Die aus dem Ei schlüpfenden Larven sind je nach Gattung und Art bis zu 12 Zwischenstadien/Häutungen unterworfen bis sie die endgültige Verwandlung/Metamorphose zum fertigen Insekt=Imago abgeschlossen haben. Bei den Schmetterlingen etwa ist noch das Ruhestadium der Puppe zwischengelegt. Die Larven der hemimetabolen* Insekten, wie die Grillen, ähneln dem endgültigen bis auf die Flügel schon sehr stark.

*siehe Glossar

Die Entwicklung vom Ei bis zur endgültigen Grille

  • Das Weibchen von Gryllus campestris legt mit ihrem gebogenen Legestachel im Frühsommer (Mai bis Juli) in verschiedene Erdröhren jeweils etwa 20 bis 30 Eier. In manchen Jahren erfolgt noch eine zweite Eiablage von August bis November.
  • Nach etwa 2-3 Wochen schlüpfen die Larven. Diese bleiben anfangs zusammen. Im Hochsommer verbringen sie die Tageszeit meist unter Steinen oder in Erdlöchern, um nicht auszutrocknen. 
  • Im Laufe des Sommers häuten sie sich mehrmals und beginnen ihre eigenen Röhren zu graben, in denen sie schließlich überwintern.
  • Hat die März- oder Aprilsonne den Boden allmählich erwärmt so häuten sich die überwinternden Larven (Nymphen) zum letzten Mal. Sie kommen aus ihrer ca. 40 cm langen selbst gegrabenen Wohnhöhle heraus.
  • Der Eingang, die "Arena" wird von den Männchen von Mai bis September als Singwarte benutzt. Dort findet auch die Begattung statt.
  • Die Lebensspanne der erwachsenen Tiere endet meist Juli/August.

Zoologisches Glossar

  • Metamorphose: vollkommene Verwandlung; wenn die Jugendform der Tiere in Organisation und Körperform von der Form des erwachsenen Tieres abweichen.
  • Hemimetabolie: unvollkommene Verwandlung; Das Puppenstadium fehlt; der innere Bau und das äußere Bild der Larven ähneln weitgehend dem des voll entwickelten Insektes; z. B. bei Libellen, Grillen.
  • Imago: das erwachsene geschlechtsreife Tier bei Insekten.
  • Larve: Jugendform eines Tieres mit indirekter Entwicklung/Verwandlung (zb. Raupe/Schmetterling, Made/Fliegen, Kaulquappen/Frösche)
  • Puppe: Ruhestadium eines Insektes mit vollkommener Verwandlung
  • Nymphen: nennt man die letzten Larvenstadien bei bestimmten Insekten mit unvollkommener Verwandlung, bei denen erst im Nymphen- oder Vornymphen-Stadium die Flügelanlagen erkennbar sind.

So singt die Feldgrille

Die Konzertsaison der bei uns heimischen Feldgrille ist kurz. Zwischen Ende April und Ende Juni spielen die Männchen auf. Sie geigen mit ihren Flügeln.

Nachdem die Feldgrillen tagaktiv sind, lassen sie ihren ausdauernden - aus kurzen Schwirrversen zusammengesetzten Gesang - laut und vernehmlich hören. Nähert man sich den Erdröhren, wo sie meist sitzen und zirpen, so verkriechen sie sich und verstummen. Wer etwas geduldig verharrt, wird sie sicher wieder auftauchen sehen. Der Gesang dient nicht nur dem Werben der Weibchen, sondern auch dazu, das Territorium zu markieren und zu verteidigen.

Der Gesang besteht aus regelmäßig aneinander gereihten Versen (Schwirrverse), die bei hohen Temperaturen 3-5 Mal/sec und bei tiefen Temperaturen nur noch 1 Mal/sec geäußert werden. Das Zirpen entsteht durch das Spreizen und Schließen der Flügeldecken in rascher Folge.

"Alle Grillen sind Rechtsgeiger", sagt Martin Dambach, emeritierter Professor des Zoologischen Instituts der Universität Köln. Auf der Unterseite ihrer Vorderflügel sitzen etwa 140 feine Zähne, einer neben dem anderen. "Mit der Zahnleiste ihres rechten Flügels streichen sie über die Schrillkante des linken Flügels." Dabei geraten die kleinen Zähnchen in Schwingung, ihr leises Zirpen überträgt sich auf einen Lautsprecher: eine flexible Membran im Flügel. Sie verstärkt das Kri, Kri, Kri – und strahlt es in die Umgebung ab. (Quelle Tagesspiegel)

Feldgrillen Nymphen im zeitigen Frühjahr

ein erster Schritt hinaus (Bild: a.sansone)

Wie hören Grillen den Gesang?

Grillen können mit ihren Vorderbeinen hören. Sie haben in jeder Vorderschiene ein großes und kleines Trommelfell. Der zirpende Partner kann so bis zu 10 m und weiter wahrgenommen werden, das paarungsbereite Weibchen kann ihm zielsicher entgegen laufen. Bei der Paarung steigt das Weibchen von hinten auf das Männchen, das daraufhin seinen Hinterleib nach oben biegt und das Weibchen begattet. Anschließend setzt das Männchen noch eine sogenannte Nachbalz fort.

Für die Männchen ist der eigene Gesang jedoch so laut, dass wie während des Zirpens ihre Ohren sprichwörtlich auf "Durchzug" schalten.

Trockenwiese mit Pechnelke, Sonnenröschen und Feldgrillen

Trockenwiese (Bild: a.sansone)

Ist die Feldgrille eine gefährdete Art?

Bedingt, wie so häufig zitiert, durch die intensive Nutzung der Felder und Wiesen, ist die Feldgrille je nach Region gefährdet oder weniger gefährdet. Erfreulicherweise gilt ihr Vorkommen als ein Indikator für naturnahe Lebensräume.

In Österreich und der Schweiz* gilt die Art als nicht gefährdet. In Deutschland wird die Art jedoch bereits als gefährdet eingestuft.
Förderlich sind Maßnahmen wie:

  • Erhaltung von Halbtrocken- und Trockenrasen in Hanglagen
  • Wirtschaftlich uninteressante Wegböschungen sollten regelmäßig entbuscht werden.

Gryllus campestris wurde von der *Schweizer Naturschutzorganisation Pro Natura 2014 zum Tier des Jahres gewählt. Als mehrheitlich bekanntes Insekt war sie Botschafterin für arten- und blumenreiche Wiesen.

Quellen

  • Unbekannte Tierwelt, Weltbild, 1997 Augsburg
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg
  • Der große Mosaik Naturführer, Steinbach; Mosaik, 2000 München
  • Insekten & Schmetterlinge, GU Naturführer, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2012 München
  • Welches Insekt ist das? Kosmos Naturführer, Heiko Bellmann, Franckh-Kosmos Verlag, 2014 Stuttgart
Adele_Sansone, am 15.03.2019
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Bildquelle:
Heike Nedo (Heuschrecken - Monster oder Musikanten)
Heike Nedo (Insekten im Winter – wie und wo überleben sie?)

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