Sklaven für Amerika - "negro spirituals" und Gospels

Sklaverei - Amerikas dunkle Geschichte
Die Entstehung des Gospels ist eng verknüpft mit der Geschichte der Afroamerikaner und der Sklaverei.. Um 1619 kamen die ersten afrikanischen Sklaven nach Nordamerika. Sie wurden auf Schiffen verschleppt und viele starben bereits auf der Überfahrt. Sie wurden zu Tausenden auf engem Raum eingepfercht und wenn sie starben warf man sie wie "wertlose Waren" ins Meer. Sie wurden zum Sklavendienst gezwungen und das Einzige, was ihnen als Entrechtete blieb war ihre Kultur und ihre Musikalität. Sie arbeiteten als billige Arbeitskräfte für die Plantagenbesitzer in den Südstaaten. Geschichtlich spricht man von einer Zahl von 15 Mio vor der Zeit des Bürgerkrieges im Jahre 1861. Ihre "worksongs" bestanden aus dem "shout", ein geschrieener Gesang oder dem "ring shout", wo sie im Kreis standen und dabei tanzten. Beim Singen klatschten sie oder scharrten mit den Füßen, was man "shuffle" nennt. Die "calls" und die "cries" ließen sie ihre schwere Arbeit vergessen. Die Sklavenhändler kauften die Afroamerikaner auf den Sklavenmärkten, was sie zu "rechtlosen" Menschen machten. Wenn ihr Sklavenhändler starb, wurden sie auf die nachfolgende Generation vererbt. Sie wurden von ihren Sklavenhaltern ausgepeitscht, in Ketten gelegt und viele wurden getötet. Familien wurden auseinander gerissen; sie konnten sich durch unterschiedliche Sprachen nicht untereinander verständigen und so drückten sie ihren Schrei nach Freiheit in den "negro spirituals" aus.  Es entstanden Gesänge wie die "folk songs", "prisoner songs" oder "ballads", aus denen sich später der Blues entwickelt hat. Die Sklavenhalter wollten die Sklaven durch den christlichen Glauben unterwürfig machen. Die Bibeltexte im alten Testament bestärkten sie und gaben ihnen Hoffnung, irgendwann frei zu sein und ein besseres Leben zu führen. In der sogenannten "Erweckungsbewegung" Ende des 18. Jahrhunderts versammelten sich sowohl Schwarze wie Weiße in großen Versammlungen. Es fanden  "camp meetings" statt und die Sklaven identifizierten sich sehr schnell mit dem christlichen Glauben. Ganz besonders nahmen sie die Bibelbotschaft aus dem alten Testament auf als sich das Volk Israel aus der Herrschaft der Ägypter befreite. Anfangs sangen sie bei ihren "camp meetings" Psalme und Choräle, deren langsame und getragene Form sie mit ihrem eigenen Rhythmus weiter entwickelten. Ab 1773 durften die Sklaven ihre eigenen "Neger-Kirchen" gründen. Die Weißen wollten dadurch eine Trennung von Weißen und Schwarzen in den Gottesdiensten erreichen. Die Verbreitung ihrer Lieder wurden weiter mündlich überliefert, es gab keine Noten, weil die Sklaven nicht lesen konnten. Die Versammlungen waren der einzige soziale Austausch, um ihre erbärmliche Lage auszudrücken. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Thema "Sklaverei" zum politischen Sprengstoff  zwischen den amerikanischen Nord- und Südstaaten. Die landwirtschaftlich geprägten Südstaaten wollten an der Sklaverei festhalten, weil sie befürchteten ihre billigen Arbeitskräfte zu verlieren. Die industriell orientierten Nordstaaten wollten sie abschaffen. Das führte schließlich zum Sezessionskrieg (1861 - 1865) und der Niederlage der Truppen der Südstaaten. In 1865 wurde die Sklaverei in allen amerikanischen Staaten durch den Kongress abgeschafft. Die wirtschaftliche Lage der früheren Sklaven verschlechterte sich dadurch und verschiedene Hilfsorganisationen versuchten ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. Erste Schulen und Universitäten entstanden, unter ihnen die "Fisk University" in Nashville. Innerhalb dieser Universität entstanden die "Fisk Jubilee Singers." Es entstanden musikalische Arrangements, die von den Leitern der Chöre geschrieben wurden und damit veränderte sich der Musikstil in Richtung Gospel. Durch die Ansiedlung der schwarzen Bevölkerung in die größeren Städte der Südstaaten wurde ihre Musik bei einem größeren Publikum bekannt. Die ersten Religionsgemeinschaften etablierten sich um 1900. Die "Holy Church of God in Christ" und die "Pentacostals" drückten ihr Bekenntnis zum Glauben in ihren Gottesdiensten aus durch Improvisation im Gesang und durch Einbeziehung der Gemeinde. In dieser Zeit entstanden auch die "quartets", die traditionelle Spirituals gesungen haben und sich mit Jazzelementen vermischt haben. Hervorzuheben ist vor allem Thomas A. Dorsey, der unter dem Namen "Georgia Tom" bekannt wurde. Er war ein Bluespianist und komponierte Lieder mit Jazz-Elementen mit einem Chor und einer Jazzband. Dies war der Beginn der eigentlichen Gospelmusik. Die Texte bezogen sich, im Gegensatz zu den spirituals, auf das "Neue Testament."

Bekannte Gospelsänger

Die Ikone unter den Gospelsängern war Mahalia Jackson, die mit ihrer herausragenden Stimme der Gospelmusik zum Einzug verhalf. Sie wurde von Instrumenten begleitet und das "Golden Gate Quartet" brachte die Musik schließlich auch nach Europa.

"peace in the valley"

Die Fluchthelferin Harriet Tubman - Die Underground Railroad

Die Gegner der Sklaverei gründeten in 1780 die "Underground Railroad." Dieses Netzwerk bestand nicht nur aus schwarzen Fluchthelfern, sondern auch aus Weißen, die gegen die Sklaverei waren; darunter befanden sich viele "Quäker." Diese Organisation bot den Sklaven Schutzhäuser und brachte sie aus den Südstaaten vor allem in das sichere Kanada. Durch geheime Botschaften in den Gesängen erfuhren die Sklaven Zeit und Ort für die vorbereitete Flucht. Nachdem sie außerhalb der Reichweite ihrer Sklavenhalter waren, kleidete man sie ein, damit sie auf der Flucht nicht durch ihre ärmliche Kleidung auffielen. Per Schiff oder per Bahn wurden sie dann an sichere Orte gebracht. Eine führende Persönlichkeit, die sich für die Sklaven einsetzte, war die geflüchtete frühere Sklavin Harriet Tubman mit dem Codenamen "Moses." Ihr und der "Underground Railroad" gelang es über 100.000 Sklaven in die Freiheit zu bringen. Ihr Geburtsjahr ist nicht genau bekannt; sie soll zwischen 1815 und 1825 geboren sein und starb 1913. Viele noch mündlich überlieferten "negro spirituals" können mit der Geheimsprache in Verbindung gebracht werden. Der Codename von Harriet Tubman "Moses" könnte eine Korrelation zu dem Lied "go down Moses" haben. Das bekannte Spiritual "wade in the water" (im Wasser waten) könnte bedeuten, dass die Flüchtigen durchs Wasser waten mussten, um ihren Sklavenhaltern zu entrinnen. "My home" oder "promised land" - das Land der Freiheit. Das "promised land" lag auf der nördlichen Seite und man nannte es auch "Jordan." Bezeichnend ist auch das Lied "Swing Low, Sweet Chariot" - "chariot", eine Kutsche bedeutete vielleicht auch symbolisch sich befreien von der Leibeigenschaft der Sklavenhändler.

Harriet Tubman und die "Underground Railroad"
Harriet Tubman
Harriet Tubman: The Moses of Her People
Eine codierte Sprache ermöglichte die Flucht aus der Sklaverei
Moses - der Codename von Harriet Tubman

Die Geschichte von Emmett Till aus Chicago - Der "Ol' Man River" Mississippi

Der Rassenhass in den 1950ern - das grausame Verbrechen an Emmett Till

Der 14-jährige Emmett Till war 1955 von Chicago nach Money, Mississippi, gereist. Er wollte dort seinen Onkel und dessen Familie besuchen. Seine Mutter warnte ihn vor der Abreise in die Südstaaten vorsichtig zu sein! Der Rassenhass gegenüber Farbigen war in den Südstaaten an der Tagesordnung. Die Farbigen, die in den Südstaaten lebten senkten ihre Köpfe oder verließen den Bürgersteig, wenn sie Weißen begegneten. Sie wollten dadurch jeder Konfrontation aus dem Wege gehen. Der junge Emmett Till kaufte sich im August des Jahres 1955 im Laden von den Bryants Süßigkeiten; Frau Bryant bediente ihn damals und er stieß einen Pfiff aus - er wollte in seiner jugendlichen unbefangenen Art nur zum Ausdruck bringen, dass er sie attraktiv fand. Nachdem sie das ihrem Mann Roy erzählte hatte, stürmten er und sein Halbbruder Milliam in das Haus der Familie Till. Sie entführten den Jungen, schlugen in ihrem Schuppen bestialisch auf den Jungen ein und schossen ihm mit einer Pistole in den Kopf. Die Mörder wickelten ihm noch Stacheldraht um den Hals, beschwerten den geschundenen Körper mit einem Metallgewicht und warfen ihn in den Tallahatchie River. Wenige Tage später wurde der Leichnam von Fischern entdeckt. Die Täter wurden verhaftet, ihnen wurde der Prozess gemacht und sie wurden freigesprochen. Die Geschworenen und der Richter bestanden aus Weißen und der Prozess war deshalb so abscheulich, weil sich die Weißen im Gerichtssaal noch über den Fall amüsierten. Die wenigen farbigen Journalisten, die vom Sheriff zugelassen wurden, mussten sich getrennt von den weißen Reportern aufhalten.und wurden übelst als "nigger" beschimpft. Obwohl die Täter ihre grausame Tat gestanden haben und sogar noch zugegeben haben, dass der Junge noch lebte, ist dieser Fall in die amerikanische Geschichte eingegangen: als ein Urteil der Unmenschlichkeit und als ein Aufschrei zu Protestaktionen nicht nur in den Südstaaten. Die Mutter von Emmett Till hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Geschichte ihres Sohnes in die Öffentlichkeit gelang. Emmett Till's Mutter ließ den Leichnam in Chicago aufbahren und Tausende von Menschen nahmen von dem Jungen Abschied. Sie sahen durch ein Glas den zugerichteten Jungen, dessen Augen nicht mehr in ihren Höhlen war, dessen Nase nur eine klumpige Masse war und dessen Zähne eingeschlagen waren. Unterstützt wurde Till's Mutter von der NAACP, einer Bürgerrechtsorganisation in den USA. Till's Mutter reichte mehrere Anträge ein, aber das US-Justizministerium sah keinen Anlass, den Fall erneut aufzurollen. Der Dokumentarfilmer Keith Beauchamp, der sich in seiner Dokumentation mit diesem Fall beschäftigt hat, befragte Augenzeugen und brachte in Erfahrung, dass es noch weitere Tatbeteiligte bei der Ermordnung von Till gegeben hat. Deshalb wurde der Fall in 2004 neu eröffnet. Die Hauptangeklagten sind inzwischen verstorben, der Eine 1980 und der andere 10 Jahre später. Sie wurden von der Gesellschaft geschnitten, ihre Familien haben sie verlassen und sie starben in völliger Isolation. Durch diesen Lynchmord wurde nicht nur durch Proteste auf die Rassentrennung aufmerksam gemacht, sondern er gilt als der Beginn der Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Rosa Parks - die Mutter der "Bürgerrechtsbewegung"

Rosa Parks - der Beginn der Bürgerrechtsbewegung

Am 1. Dezember 1955 wurde Rosa Parks in Montogomery (Alabama) festgenommen. Sie blieb in einem Bus sitzen und gab ihren Sitzplatz nicht für einen Weißen frei. Nach ihrer Festnahme gab es friedliche Proteste im ganzen Land gegen die Rassentrennung. Auch sie wollte sich nicht mehr damit abfinden, dass schwarze Bürgerinnen und Bürger als Menschen zweiter Klasse galten. Sie waren schlechter bezahlt als die weißen Amerikaner und sie durften nicht wählen. In 1865 wurde zwar die Sklaverei in Amerika abgeschafft, aber die Ungleichbehandlung der schwarzen Bevölkerung war immer noch präsent, vor allem in den Südstaaten. Es gab ein  "Zwei-Klassen-System": getrennte Toiletten, Schulen, nur für Weiße und unterschiedliche medizinische Behandlungen. In Alabama wurde die Rassentrennung in diesen Jahren noch ganz strikt eingehalten. Die vorderen Busreihen waren für die Weißen, die hinteren Reihen waren für die schwarzen Bürger. So mussten sie oft in Bussen stehen, weil der hintere Bereich überfüllt war. Die mutige Rosa Park machte ihren Platz nicht frei, weil sie müde von der Arbeit war und nicht stehen wollte. Der Busfahrer alarmierte sofort die Polizei und Frau Parks wurde dann verhaftet. Einige Tage später wurde ein Bus-Boykott organisiert, der die schwarze Bevölkerung aufrief am Tage der Gerichtsverhandlung von Rosa Parks nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Der Boykott hatte Erfolg, weil sich die schwarzen Bürger mit Rosa Parks solidarisierten. Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung besprachen das weitere Vorgehen, um die Aktionen der Proteste weiter voranzutreiben. Zu diesen Aktivisten gehörte auch der noch damals unbekannte Martin Luther King, der die Führung übernahm. Martin Luther King forderte die schwarzen Bürger auf, weiterhin Busfahrten zu unterlassen und er trat dafür ein, schwarze Bürger anständiger zu behandeln. Die Aktionisten unter seiner Führung forderten gleiche Rechte für alle in Bussen bei der Sitzauswahl und setzten sich für die Einstellung von schwarzen Busfahrern ein. 381 Tage hielten sie durch und pochten auf ihre Rechte, bis der oberste Gerichtshof im Jahre 1956 die Rassentrennung in Bussen als verfassungswidrig erklärte. Die Aktion von Rosa Parks ist ein wichtiger Meilenstein für weitere friedliche Aktionen der schwarzen Bevölkerung im ganzen Land und mit der Person Martin Luther King.

Der Marsch nach Washington 1963

Der Marsch nach Washington 1963 - "I have a dream"

Dr. Martin Luther King wird am 15.1.1929 als Sohn eines Baptistenpfarrers in Atlanta geboren. Er war erst 17 Jahre als er zum Baptisten-Priester geweiht wurde. Er studierte Theologie und arbeitete an der Universtität in Boston. In seinen Studien beschäftigte er sich intensiv mit K. Gandhi und setzte sich als Friedensaktivist mit der Ideologie eines "gewaltfreien Widerstandes und Protestes" ein. In Boston lernte er seine spätere Frau Coretta Scott kennen und nahm in 1953 eine Stelle als Pastor an der "Dexter Avenue Baptist Church" in Montgomery, Alabama an. Er intensivierte seine Studien über Gandhis Lehren bei einem Besuch in Indien im Jahre 1959. Im darauf folgenden Jahr teilte sich King eine Pastorenstelle mit seinem Vater in Atlanta, um sich stärker in der Bürgerrechtsbewegung zu engagieren. Starke Akzente setzte er auch in Birmingham (Alabama) 1963 für ein Wahlrecht für schwarze Amerikaner, verbesserte Bildungschancen und verbesserte Wohnverhältnisse. In seinen Bemühungen für die Rassentrennung wurde er unzählige Male verhaftet und musste ins Gefängnis. Ein historisches Ereignis war der 28. August 1963, der "Marsch auf Washington." Über 200.000 Schwarze und Weiße marschierten nach Washington, um vor dem "Lincoln Memorial" eine friedliche Demonstration für mehr Gleichberechtigung abzuhalten. Redner der NAACP (Association for the Advancement of Colored People), schwarze Gewerkschafter und Redner des "Student Nonviolent Coordinating Committees" unterstützten ihn bei dieser Demonstration. Eindruck und eine bleibende Erinnerung hinterließ King*s Rede: "I have a dream". King hatte auch mit vielen Widerständen zu kämpfen. Bei seinem ersten Protest im Norden, in Chicago, wurden er und seine Anhänger nicht nur von Weißen attackiert, sondern vor allem von Anhängern des "Ku Klux Klans". Am Schluss war er sehr zermürbt, weil seine Idee eines friedvollen gewaltfreien Widerstandes nicht realisiert werden konnte und er begann zu resignieren. In 1968 wurde er in Memphis von einem weißen Attentäter erschossen.

Keven Bales - Präsident von "Free the Slaves"

Kevin Bales ist Soziologe und befasst sich mit dem Thema "Sklaverei" im Hinblick auf heutige Formen von Menschenhandel weltweit. Er ist Präsident der Organisation "Free the Slaves." Er ist habilitiert an der Roehampton Universität in London und fungiert als Berater für die UNO als Experte von Menschenhandel. In seinen durchgeführten Studien in Thailand, Mauretanien, Brasilien, Pakistan sowie Indien dokumentierte er in zahlreichen Büchern, dass Sklaverei noch weltweit praktiziert wird. Seine Schätzungen weisen auf ca. 27 Mio "moderne Sklaven", die wirtschaftlich durch Gewalt und Schuldknechtschaft ausgebeutet werden.

Menschenrechte und moderner Sklavenhandel - Das skrupellose Geschäft mit den Menschen
Moderne Sklaverei: Gerstenberg Global
Die neue Sklaverei
sissilu, am 14.02.2013
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Bildquelle:
Donnaya (Gothic, Mittelalter, Dark Metal - Musik außerhalb des Mainstreams)
Agentur Charis (Standing ovations für Gitte in Eckernförde)

Autor seit 4 Jahren
33 Seiten
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