Das Plastilin, die Knete - wer hats erfunden?

Ende des 19. Jahrhunderts lebte in München ein Mann namens Franz Kolb. Der gelernte Apotheker besaß seine eigene Apotheke am Münchner Kapuzinerplatz, wo er gerne experimentierte und nicht nur die üblichen Salben und Tinkturen herstellte. So entwickelte er zum Beispiel Geheimtinten, Essenzen, Uhrmacheröle und eine neue Abformmasse für Zahntechniker. Kolb hatte einige Bildhauerfreunde, die alle im Winter jammerten, weil ihr Modellierton ständig einfror und nicht mehr verwendbar war. Das gab Kolb Anlass für neue Experimente. Er erfand einen neuen Kunstton, der unempfindlich gegen Kälte war und sich hervorragend verarbeiten ließ. Alle Künstler waren begeistert. Kolb nannte sein neues Produkt Plastilin und gründete 1890 die Firma Franz Kolb, die das Produkt verbreitete.

Aus was besteht Plastilin oder Knete? Kann man es selbst herstellen?

Grundsätzlich besteht Knete aus Wasser, Öl, Salz, Stärke oder Mehl und Farbpigmenten. Damit die Masse nicht austrocknen kann, werden oft Kartoffelstärke, Kaolin oder verschiedene Wachse beigemengt. Als Füllstoff wird Kreide verwendet. Die im Handel übliche Knetmasse ist ungiftig, jedoch nicht zum Verzehr geeignet. Eine Ausnahme ist die speziell für Kinder entwickelte Essknete. Es ist relativ einfach, Knete selbst herzustellen. Man findet eine Fülle an verschiedenen Rezepten im Internet, aber man sollte aufpassen, denn viele Rezepte verlangen die Zugabe von Alaun, das für Kinder absolut ungeeignet ist und in höherer Dosis ätzend sein kann. Ein guter Ersatz für Alaun ist gereinigter Weinstein aus der Apotheke. Folgende Zutaten gemischt ergeben eine wundervolle Kinderknete, die sich in einem geschlossenen Behälter im Kühlschrank auch sehr lange hält.

  • eine Tasse Mehl
  • eine halbe Tasse Salz
  • eine Tasse Wasser
  • Lebensmittelfarbe zum Einfärben
  • einen Teelöffel gereinigter Weinstein aus der Apotheke
  • zwei Esslöffel Öl

Beliebte Modelliermassen sind auch selbst gemachter Salzteig oder auch Modelliermassen, die mit Sand hergestellt werden können. So können die entstandenen Skulpturen auch noch lange bestehen und haltbar gemacht werden.

Plastilin und Knete als wertvolles pädagogisches Material

Durch das Riechen und Ertasten der Masse werden die sensorischen Fähigkeiten von Kindern gefördert. Sie können beliebig mit dem Material experimentieren und in Ruhe Materialerfahrungen machen. Während die Kinder mit der Knete arbeiten, schulen sie ihre feinmotorischen Fähigkeiten und ihre Handgeschicklichkeit. Plastilin ist beliebig verformbar und bearbeitbar und regt die Fantasie und Kreativität an. Die bunten Farben sind dabei auch förderlich. Will ein Kind einen Gegenstand aus Knetmasse formen, so muss es sich den Gegenstand bereits dreidimensional vorstellen, was die Wahrnehmung fördert. Durch das Spielen mit Knete mit anderen Kindern wird auch die Sprache gefördert, denn meist findet dabei ein reger verbaler Austausch statt.

Wofür wird Knete noch verwendet?

In sogenannten Claymationfilmen werden Figuren aus Plastilin geformt und gefilmt. Es ist eine beliebte Animationstechnik. Bekannte Filme sind zum Beispiel "Wallace & Gromit" oder "Chicken Run - Hennen rennen". Auch einige Computerspielhersteller bedienen sich Modellen aus Plastilin wie für die Spiele "Dark Oberon", "Bert, the Babarian" oder "The Neverhood". In den Siebzigern war die Zeitschrift "Pardon" bekannt für ihre Titelbilder, für die sie Politiker und Prominente aus Plastilin formten und fotografierten. Eine bekannte Form von Knete ist auch Powerknete, die man im Baumarkt zum Reparieren von Rissen an Wänden oder Füllmaterial verwendet. Sie enthält allerdings meist giftige Zusatzstoffe. Eine neue Form der Knete ist die sogenannte "Intelligente Knete", die noch viel mehr Eigenschaften hat als normale Knetmasse. Zum Basteln gibt es verschiedene Knetmassen, wie die Fimoknete, die an der Luft getrocknet werden können. Bei vielen Gesellschaftsspielen, wie zum Beispiel "Das Nilpferd in der Achterbahn" wird Plastilin verwendet. Knetgummi, ein spezieller Radiergummi, der gerne von Zeichnern verwendet wird, ist auch eine Form von Plastilin.

Ende der Franz Kolb Ära im Februar 2011

Die Ära der Firma Franz Kolb ging übrigens bereits im Februar 2011 zu Ende. Zunächst wurde die Firma 1915 verkauft, hieß aber immer noch "Franz Kolb Nachfolger". Zuletzt übernahm ein Mann namens Karl Köck 1994 die Firma und übersiedelte sie nach Hengersberg, wo jährlich rund 300 Tonnen Plastilin und Modelliermasse nach dem Münchner Rezept hergestellt wurden. Nun, seit Februar 2011, ist die Firma Franz Kolb eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Staedtler Noris GmbH mit Hauptsitz in Nürnberg.

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