Die Entstehung der Tempelanlagen von Angkor in Kambodscha

Auf einer Fläche fast so groß wie New York legten die Khmer in Angkor ein dichtes Netz von Bewässerungsgräben und teilweise Quadratkilometer großen Wasserreservoirs an. Mehrere Reisernten im Jahr gaben den dort lebenden Menschen eine Nahrungsgrundlage und brachten der Khmer-Herrschaft, die vom 9. Jahrhundert bis Anfang des 15. Jahrhunderts in Kambodscha bestand, Reichtum und Macht.

Von der Glanzzeit des Khmer-Reiches zeugen etliche alte hinduistische und buddhistische Tempel, deren Bau von den als Götter verehrten Königen veranlasst wurde. Dazu zählen unter anderem die Tempel Bakong, Phnom Bakheng, Preah Khan und Preah Vihear. Viele wurden bereits restauriert und gewähren den Besuchern einen Eindruck der früheren Pracht. Die bedeutendsten Tempelanlagen von Angkor befinden sich im Zentrum des früher dicht besiedelten Gebietes.

Angkor Wat, die älteste Tempelanlage Südostasiens

Die älteste und bekannteste der großen Tempelanlagen ist Angkor Wat. Sie entstand unter der Herrschaft von König Suryavarman II (1113 – 1150) in der Blütezeit des alten Reiches und nimmt eine Fläche von 1,5 mal 1,3 Kilometern ein. Die Kambodschaner sind sehr stolz auf Angkor Wat. Der Tempel ist das Nationalsymbol des Landes und ziert auch die Staatsflagge.

Ein gigantischer 170 bis 190 Meter breiter Wassergraben umschließt das frühere Stadtgebiet, so dass es wie eine Insel im Meer wirkt. Die Tempelgebäude wurden zentral auf einer Grundfläche von 850 mal 1.000 Metern erbaut. Der mittlere Turm besitzt eine Höhe von 65 m und wird von vier kleineren Türmen an den Ecken eingerahmt. Die Gestaltung von Angkor mit der zentralen Tempelanlage symbolisiert den hinduistischen Glauben, dass der Berg Meru mit seinen 5 Gipfeln der Mittelpunkt des Universums ist und in einem Ur-Meer liegt.

Angkor Wat (Bild: Pixelio: 130522 kathy1976)

Die größte Tempelanlage Südostasiens: Angkor Thom

Angkor Thom, die größte Anlage der Region Angkor, besitzt eine Fläche von drei Kilometern im Quadrat und wird der Regierungszeit von Jayavarman VII. (1181–1218) zugeschrieben. Manche Wissenschaftler glauben jedoch, dass sie erst später errichtet wurde, denn an den erhaltenen Reliefs des Bayon-Tempels von Angkor Thom lässt sich gut erkennen, dass der Hinduismus als Staatsreligion durch den Buddhismus bereits abgelöst worden war.

Der Komplex wurde einen Kilometer nördlich von Angkor Wat angelegt und ist von einem 100 Meter breiten Wassergraben und einer 8 Meter hohe Stadtmauer umgeben. Es gibt fünf große Toreingänge, an deren Türmen Reliefs monumentaler Gesichter in alle vier Himmelsrichtungen blicken. Auch die 54 Türme des Bayon-Tempels sind so verziert. Es könnten Abbildungen eines Bodhisattva Avalokiteshvara sein, eines Lichtwesens im buddhistischen Glauben.

Bayon von Angkor (Bild: Pixelio: 642210 Dirk Winkler)

Die Tempelanlage Ta Phrom in Angkor verbleibt im ursprünglichen Zustand

Der Tempel Ta Phrom liegt östlich von Angkor Wat und Angkor Thom und ist ebenfalls in der Regierungszeit von Jayavarman VII. entstanden. Die Tempelanlage wurde erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt und bewusst nicht restauriert, um Besuchern einen Eindruck vom ursprünglichen Zustand aller Tempelanlagen zu vermitteln. Schlingpflanzen und Baumwurzeln haben die halb verfallenen Relikte regelrecht im Würgegriff.

Hier wurden für den Spielfilm "Lara Croft:Tomb Raider" Außenaufnahmen gedreht.

Ta Phrom - baumüberwuchert (Bild: Pixelio: 260922 k.h.S.)

Restaurierung der Tempelanlagen von Angkor in Kambodscha

Die Restaurierung der Tempelruinen von Angkor begann 1908 und wird bis in die heutige Zeit fortgesetzt. Nur während der grauenhaften Regierungszeit von Pol Pot von 1975 bis 1979 und den darauf folgenden Jahren kam es zu einer Unterbrechung, da Archäologen keinen Zugang mehr zu dem Gebiet bekamen. 1987 wurde die Restaurierung der alten Tempelanlagen wieder aufgenommen und 1992 erklärte die UNESCO Angkor zum Weltkulturerbe.

Die Gesamtgröße von Angkor wurde erst 2006 durch die Auswertung von Satellitenaufnahmen offenbar. Auf Tausend Quadratkilometern finden sich Spuren der früheren Besiedlung und weitere 74 bis dahin unbekannte Tempel wurden entdeckt. Ob und wann auch sie einmal restauriert oder ob sie ihrem Schicksal überlassen werden, wird die Zukunft zeigen.

Die Zukunft von Angkor und seinen Tempelanlagen

Angkor und die grandiosen Tempelanlagen sind Hauptanziehungspunkt für Touristen in Kambodscha. Bei der Stadt Siem Reap, südlich von Angkor, wurde ein Flughafen gebaut, damit die Heerscharen der Besucher problemlos anreisen können. Die wirtschaftliche Bedeutung für Kambodscha ist nicht zu unterschätzen. Immerhin nimmt das Land durch die Erhebung der Eintrittsgelder jährlich an die 32 Millionen Euro ein. Die Zugeständnisse an den Massentourismus treiben allerdings teilweise seltsame Blüten.

Fremdenführer dürfen die Steinreliefs nicht einmal mit einer Taschenlampe beleuchten, da Licht als schädlich für die alten Steine gilt. Gleichzeitig tauchen Scheinwerfer nachts die Anlage in gleißendes Licht und für ihre Installation wurden sogar Löcher in Wände und Decken gebrochen. Jeden Abend findet das Angkor Wat Night Festival statt, ein Licht-, Musik- und Tanzspektakel, um die Besucher zu unterhalten. Viel Rücksicht nehmen die Kambodschaner auf ihr Nationalsymbol also nicht. Dennoch wird gerade der lebhafte Besucherstrom dafür sorgen, dass die Tempel auch künftig gepflegt werden und nicht wieder verfallen.

Quellen u. a. Artikelreihe auf Spiegel-online zu Angkor und angkorguide

Hinweis:

Am Ende meines Artikels "Das Khmer-Reich und seine Hauptstadt-Region Angkor in Kambodscha" finden Sie den hervorragenden und sehr ausführlichen Dokumentations-Film "Atlantis - Tempel Angkor Wat" von Arte.

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