Wer war die Neuberin?

Die Schauspielerin, Theaterprinzipalin und Autorin, Friederike Caroline Neuber, genannt "Die Neuberin", kam als einziges Kind des Gerichtsinspektors Daniel Weisenborn am 8. März 1697 in Reichenbach zur Welt. Fünf Jahre später zog die Familie nach Zwickau. Das Mädchen erhielt von ihrer Mutter bis zu deren Ableben 1705 Unterricht in Lesen und Schreiben sowie Französisch. Von ihrem Vater, der auch seine Frau schlug, erfuhr sie nur strenge Züchtigung.

Bereits als 15-Jährige versuchte sie der häuslichen Tyrannei zu entfliehen. Nach drei Monaten wurde die per Steckbrief gesuchte Jugendliche jedoch eingefangen. Angeklagt vom eigenen Vater des Ungehorsams und Diebstahls, verurteilte man sie zu einer dreizehnmonatigen Haft.

1715 floh sie abermals und wurde diesmal von ihrem Geliebten, dem Studenten Johann Neuber begleitet, den sie am 05. Februar 1718 ehelichte. Zunächst schlossen sie sich 1716 der Schauspielgruppe des Christian Spiegelberg an und später der Haack-Hoffmann'schen Truppe. Diese organisierte Friederike Caroline Neuber neu und ging mit ihr nach Leipzig.

Dort gründete sie im Jahr 1727 die Neuber'sche Komödiantengesellschaft. Noch im selben Jahr erhielt sie das sächsische Hofprivileg, in Leipzig ein fest stehendes Theater im Haus "Großer Blumberg" am Brühl zu errichten.

Die Neuberin galt als lebenslustig. Dies konnte sie jedoch nicht daran hindern, mit Strenge auf die Moral und Disziplin der Darsteller zu achten, die von ihr künstlerisch ausgebildet wurden. Zudem mietete Friederike Caroline Neuber Unterkünfte für ihre Bühnenkünstler und zahlte ihnen feste Gehälter. Somit trug die Theaterprinzipalin maßgeblich zur Anerkennung des Berufsstandes der Schauspieler bei. Jener Zeit waren insbesondere fahrende Komödianten in der Gesellschaft verachtet und wurden oftmals für Katastrophen wie Pest, Krieg oder Missernten verantwortlich gemacht.

Als Leiterin dieser Truppe zog sie die besten Talente an. Allerdings ließ sie es sich nicht nehmen auch selbst immer wieder als Schauspielerin aufzutreten. Zudem verfasste sie zahlreiche Vorspiele und Dramen. Von denen sind heute jedoch nur noch wenige erhalten.

Nach dem Ableben von August dem Starken im Jahre 1733, verlor die Neuberin das Vorrecht auf einen dauerhaften Theaterbetrieb in Leipzig und ging daraufhin erneut auf Tournee. Bis zum Jahr 1755 reiste Friederike Caroline Neuber viel umher und folgte zahlreichen Einladungen auf festen Bühnen zu spielen, unter anderem in Lübeck, Hamburg und Petersburg.

Ihren Bekanntheitsgrad hatte die Bühnenreformerin allerdings nicht nur ihrer schauspielerischen Qualität zu verdanken. Insbesondere waren es ihre Bemühungen für eine gründliche Reform der darstellenden Kunst, die ihr Anerkennung einbrachten, aber auch Hass und Neid von Kollegen und Konkurrenten. Vor allem die Einführung eines bürgerlichen deutschen Theaters lag ihr besonders am Herzen. 1737 verbannte sie den "Harlekin" und die bis dahin üblichen "Haupt- und Staatsaktionen" von der Bühne.

Während des siebenjährigen Krieges fand Friederike Caroline Neuber in Dresden Zuflucht. Als die Stadt beschossen wurde, floh sie nach Laubegast, wo sie am 29. November 1760 verarmt und einsam starb.

Das Neuberinhaus

Das Kulturzentrum entstand aus der Trümmerstätte des ehemaligen Ball- und Konzerthauses "Kaiserhof" und feierte am 18. September 1949 seine Wiedereröffnung. Heute ist das Neuberinhaus ein modernes Konzert- und Veranstaltungshaus. Die 630 Plätze im großen und 150 im kleinen Saal bieten den Besuchern aller Veranstaltungen reichlich Sitzgelegenheiten. Es liegt im Herzen der Stadt. Zwei nahe gelegene Parkhäuser halten ausreichend Parkmöglichkeiten bereit.

Neuberin-Büste im Neuberinhaus

Neuberin-Büste im Neuberinhaus (Bild: Donnaya)

Das Neuberinhaus ist eine Einrichtung und zugleich auch die Geschäftsstelle der Vogtland Kultur GmbH. Den Besuchern wird eine Angebotsvielfalt, wie beispielsweise Kabarett, Theater, Shows unterschiedlichster Art, aber auch Kino geboten. Autoren wie zum Beispiel Heinz Rudolf Kunze, Erich von Däniken oder Wolfgang Stumpf haben hier bereits bei Lesungen ihre neuen Bücher vorgestellt. Bei den wechselnden Ausstellungen sind vorwiegend Werke regionaler Künstler zu sehen und zeigen Bilder von schwarz/weiß Fotos, erotischer Fotografie, Stillleben Zeichnungen, bis hin zu provokanten Malereien.

Freunde der klassischen Musik dürfen sich über die Sinfoniekonzerte der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach freuen. Doch auch die Neujahrskonzerte des Orchesters sind ein Hörgenuss.

Es werden allerdings auch Veranstaltungen geboten, bei denen sich die Besucher bewegen können. Musikliebhaber, die gerne das Tanzbein schwingen, finden hier beispielsweise regelmäßige Gelegenheiten.

Bühnenaufbau zu einem "art popularis" Stück im Neuberinhaus (Bild: Donnaya)

Zudem ist eine vielseitige Soziokultur im Neuberinhaus beheimatet, wodurch auch das regionale Vereinsleben aktiv gefördert wird. Darunter befindet sich unter anderem das Neuberin-Ensemble "ars popularis e.V.". Hier werden nicht nur in regelmäßigen Abständen Theaterstücke eingeübt und aufgeführt. Künstlerisch interessierte können an unterschiedlichen Workshops teilnehmen.

Wer eine musikalische Herausforderung sucht, kann sich beispielsweise dem Frauenchor anschließen, sich im Gitarrenkurs unterrichten oder sich in der Tanzschule rhythmische Bewegungen beibringen lassen. Bewegungsreich geht es auch bei den Yoga Kursen zu.

Das Neuberin-Museum

Im Geburtshaus der Theaterreformatorin ist heute das Museum beheimatet. Hier befinden sich umfangreiche Sammlungen über das Leben und das Werk der Neuberin. Bild- und Schriftdokumente, Bühnen und Theatertechnik sowie Theatermodelle vermitteln den Besuchern einen Einblick in die Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts. Zudem findet sich hier eine sächsische Theatersammlung. Darüber hinaus geben zahlreiche Bild-, Schrift-, Druck und Sachzeugen sowie Modelle einen Einblick in die Stadtgeschichte Reichenbachs.
Im Museumsteil "Schaumagazin Textil / Reichenbacher Druck- und Verlagsgeschichte" sind viele Schauobjekte, welche die Reichenbacher Textilindustrie nacherlebbar machen, zu sehen. Zudem erhält der Besucher einen Einblick in die Arbeits- und Lebensweise der Industriearbeiter um 1900.

Außerdem werden Wechselausstellungen Kunst und Stadtgeschichte, Lesungen, Konzerte und Theater der kleinen Form angeboten wie auch Museums- und Stadtführungen. Kurz gesagt, das Museum bietet für jeden Besucher das Richtige.

Ab 01.09.1952 wurde der Kreis Reichenbach mit 23 Gemeinden und über 55.000 Einwohnern im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR gebildet. Obgleich er mit 155 km² zu den kleinsten der 24 Kreise des Bezirkes Karl-Marx-Stadt zählte, galt er dennoch zu den dicht besiedelten.

Etwa bis 1954 war die Textilindustrie in Reichenbach vorherrschend, bis Metallverarbeitungsbetriebe, beispielsweise die VEB Werke, ein enormes Wachstum nahmen. Auch die Druckwerke Reichenbach und der Verlag Bild und Heimat, der größte Postkarten- und Kalenderhersteller der DDR, gewannen an Bedeutung.

Die Neuberinstadt

Ein kleiner Einblick in die Stadtgeschichte

Mit knapp 20.000 Einwohnern ist die Kreisstadt Reichenbach die zweitgrößte Stadt im Vogtland und wurde erstmals im Jahre 1212 urkundlich erwähnt. Reichenbach zählt zu den ältesten Städten der Region, die einst von Vögten verwaltet wurde. Die Wasserreichen Bäche jener Zeit gaben der Siedlung den Namen "Richenbach". "Riche steht für reich und "bach" für fließendes Wasser.

Der Ort entstand vermutlich aus einer slawischen Ansiedlung und entwickelte sich an einem verkehrsgünstigen Punkt im Vogtland. Anfang des 12. Jahrhunderts bestand in der heutigen Altstadt eine Niederlassung fränkischer Siedler. Um 1180 trug sich die deutsche Besiedlung des Nordvogtlandes zu.

Etwa um 1240 erfolgte die Erhebung Reichenbachs zur Stadt. Sie entstand auf einem Felsplateau oberhalb der ältesten der drei Reichenbacher Kirchen, der St. Peter und Paul Kirche in der seit 1725 eine Silbermann-Orgel zu hören und zu bestaunen ist. In Sachsen sind heute noch 29 der insgesamt etwa 50 Silbermann Orgeln erhalten.

Durch die Entwicklung von Handwerk und Handel, entstanden Verkehrsverbindungen zwischen den einzelnen deutschen Märkten. Dies begünstigte die Ausbreitung des Tuchmacherhandwerks und den weitreichenden Tuchhandel, der nach dem 30-jährigen Krieg einen Aufschwung erfuhr.

Die politische Wende leitete einen Strukturwandel mit neuen Prioritäten ein. Dies wird besonders in der regen Bautätigkeit deutlich. Es folgten zahlreiche Ausgründungen aus den ehemaligen Großbetrieben. Der Bedarf auf dem Bau- und Dienstleistungssektor sowie im Handelsgewerbe führte zu reichlichen Neugründungen kleiner und mittelständischer Unternehmen. Dennoch brachen weit mehr Arbeitsplätze weg, als neue geschaffen werden konnten.

1996 verlor die Stadt den Kreissitz und der Kreis Reichenbach ging im Vogtlandkreis auf. Im Rahmen der vom Freistaat Sachsen eingeleiteten Kreisreform wird Reichenbach am 01.04.1997 "Große Kreisstadt".

Bildnis der Neuberin an einer Hauswand (Bild: Donnaya)

Der schwachen finanziellen Lage zum Trotz, investiert die Stadt viel, um das Stadtbild zu verbessern und den Bewohnern und Touristen einen Ort zum dauerhaften Wohlfühlen zu schaffen. So wurde Reichenbach beispielsweise 2009 im Zuge der 5. sächsischen Landesgartenschau zur "Sachsens grüne Mitte". Aus dem Gelände entstand im Anschluss eine große Parkanlage, der "Park der Generationen". Dort wird vom 05. bis 13. Juli 2014 eine kleine Gartenschau stattfinden.

2012 feierte die Stadt 800 Jahre Reichenbach. Zusätzlich fand der 15. Tag der Vogtländer ebenfalls im Sommer 2012 statt. Das alljährliche Bürgerfest zum 03. Oktober fiel in dem Jahr daher aus.

Donnaya, am 07.11.2013
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