Traumfänger (Bild: PublicDomainPictures)

Die Spinnenfrau zeigte der Indianerin das Geheimnis des Traumfängers

Wenn ein Indianer beispielsweise träumte, dass er einen Rivalen tötete, wurde sein Wunsch nur mit einer symbolischen Geste erfüllt. Der Träumer gab sich damit zufrieden und der Frieden in der Dorfgemeinschaft blieb erhalten. Es gab jedoch nicht nur die guten, sondern auch die schlechten Träume. Um sich davor zu schützen, verwendeten die Indianer Traumfänger. Über seine Herkunft existieren zahlreiche Geschichten. Eine berichtet von einem Kind, das in jeder Nacht böse Träume hatte.

Die Mutter machte sich große Sorgen und fragte die alte weise Spinnenfrau um Rat. Diese zeigte ihr das Geheimnis des Traumfängers. Aus Weidenzweigen fertigte sie den ewigen Ring des Lebens. Darin webte sie ein Spinnennetz mit einem Loch in der Mitte. Dann befestigte sie Federn und Steine an dem Traumfänger. Die guten Träume sollten durch das Loch in der Mitte zu dem schlafenden Kind gelangen. Die Steine dienten als Schutz. Die bösen Träume sollten sich im Spinnennetz verirren und mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen verbrannt werden.

Für die Indianer war der Traumfänger ein heiliger Gegenstand

Mit dem Traumfänger kehrte die Mutter in ihr Dorf zurück und hängte ihn in ihrem Tipi auf. In der folgenden Nacht schlief das Kind ganz ruhig, weil es von keinem bösen Traum gestört wurde. Historiker vermuten, dass die Sage ihren Ursprung beim Stamm der Oneida hat, die früher im Nordwesten der USA lebten. Ein Traumfänger war für die Indianer ein heiliger Gegenstand, den die Großeltern für ihre Enkelkinder anfertigten.

Für das Geflecht verwendeten sie Sehnen oder Darmschnüre von Tieren. Die Verzierung bestand aus Federn, Perlen oder Pferdehaar. Danach wurde er mit dem Rauch von Heilkräutern geweiht. Gleichzeitig sprachen die Großeltern ein indianisches Gebet. Erst dann konnte der Traumfänger die schlechten Träume bannen. Auch bei den Azteken gab es Traumfänger. Sie nannten ihn "Titlahtin", was soviel bedeutet wie "das, was mich beruhigt".

Autor seit 5 Jahren
261 Seiten
Laden ...
Fehler!