Herkunft und Geschichte der Zwiebel

Die Herkunft der Küchenzwiebel verliert sich im Dunkel der Geschichte. Das erste schriftliche Zeugnis stammt aus dem Zweistromland: Eine sumerische Keilschrift beweist, dass die Zwiebel dort bereits vor über 4000 Jahren verbreitet war. Doch nicht nur die Sumerer schätzten sie als Heil- und Speisepflanze, Zwiebeln gehörten neben Bier auch zu dem täglich Brot der Pyramidenarbeiter im alten Ägypten. Und sogar in der Bibel sind sie erwähnt: Als die Israeliten bei ihrem Zug durch die Wüste von Hunger geplagt wurden, sehnten sie sich unter anderem nach den ägyptischen Zwiebeln zurück (4. Mose, 11.5).
Im antiken Griechenland maß man dem Spross – wie auch den verwandten Arten Lauch und Knoblauch – einen nicht minder hohen Stellenwert bei. Hippokrates nutzte sie nicht nur für die Herstellung von Salben, sondern verabreichte sie auch als Harntrieb- und Abführmittel. In der römischen Medizin wurden Zwiebeln ebenfalls häufig als Arznei verwendet. Nach Plinius unter anderem gegen Husten, Rheuma, Asthma und Diabetes. Plutarch dagegen weiß von einer aphrodisierenden Wirkung zu berichten.

Zwiebeln – Allheilmittel früherer Tage

Im Zuge der Expansion Roms gelangte die Zwiebel schließlich nach Germanien. Mittelalterliche und neuzeitliche Pflanzenbücher preisen sie als Mittel gegen vielerlei Beschwerden. So schrieb der Frankfurter Botaniker Adam Lonitzer 1557, die rohe Zwiebel fördere Auswurf und Harnfluss, reinige den Magen und wäre vorzüglich gegen Verstopfung. Der regelmäßige Verzehr gekochter Zwiebeln hingegen wäre heilsam bei Asthma und Bronchitis. Verschieden verarbeitet brächten sie zudem Linderung bei Spulwürmern, Haarausfall, Ohrensausen, Furunkeln, Kopfschmerz, Karies etc. Ein wahres Panazee also. Doch was für eine Pflanze ist die Zwiebel überhaupt?

Das Lauchgewächs Allium cepa

Der wissenschaftliche Name für die Pflanze Zwiebel lautet Allium cepa. Man zählt sie zur Familie der Lauchgewächse, der beispielsweise auch Knoblauch, Bär- und Schnittlauch angehören. Allen Alliaceae (Lauchgewächsen) ist der auf Alliin beruhende lauchige Geschmack gemeinsam. Diese Schwefelverbindung sorgt für den unangenehmen Geruch und hat einen weiteren Nebeneffekt, von dem jede/r Hausfrau/-mann ein Lied singen kann: Die tränenfördernde Wirkung beim Schneiden. Zwiebeln vermehren sich durch Samen oder Tochterzwiebeln. Neben der Küchen- oder Speisezwiebel gibt es heute eine Vielzahl von Sorten, die in Schärfe, Geschmack und Haltbarkeit variieren.

Zwiebelsorten – von Gemüse- und Silberzwiebeln

Die Speisezwiebel ist rund, scharf, von gelblich-brauner Farbe und dunkel gelagert lange haltbar. Frühlings- oder Lauchzwiebeln halten dagegen nur wenige Tage, sind jedoch sehr viel milder im Geschmack. Ebenfalls mild ist die große Gemüsezwiebel, deren Hauptanbaugebiete in Spanien liegen. Primär aus Italien und dem Balkan wird dagegen die rote Zwiebel importiert. Diese nur sehr begrenzt lagerfähige Zwiebelsorte ist aufgrund ihres würzigen, saftigen Aromas sehr beliebt – Eigenschaften, die sie mit der weißen Zwiebel teilt. Silberzwiebeln wiederum sind sehr klein und werden überwiegend eingelegt, häufig zusammen mit Paprika oder Gurken.

Ein Bund Lauchzwiebeln (auch Frühlings- oder Winterzwiebel)

Königin der Zwiebeln – die Schalotte

Die Schalotte ist sozusagen die Königin unter den Zwiebeln: sie besitzt nicht nur hervorragende Kocheigenschaften, sondern auch ein äußerst pikantes Aroma ohne die Schärfe ihrer Artverwandten. Sie besteht aus einer Hauptzwiebel und einer Vielzahl kleiner Tochterzwiebeln, die von einer rotbraunen Schale umhüllt sind. Egal welche Sorte man im Einzelnen bevorzugt – Zwiebeln stellen nicht nur ein elementares Würzmittel beim Kochen dar, sondern sind auch noch überaus gesund.

Rote Schalotten

Gesunde Inhaltsstoffe in der Zwiebel – Sulfide und Querzetin

Zunächst enthalten Zwiebeln zahlreiche bioaktive Stoffe: Beispielsweise wirken die Schwefelverbindungen antibiotisch und können somit bei leichten bakteriellen Infektionskrankheiten helfen. Die Sulfide haben jedoch noch weitere positive Eigenschaften: sie verbessern die Durchblutung, beugen Gefäßablagerungen vor und wirken – wie bereits in der Antike bekannt – mildernd bei Asthma sowie verdauungsfördernd. Inwieweit sie auch einer Krebserkrankung vorbeugen, ist noch nicht ausreichend erforscht. Einiges deutet jedoch darauf hin, dass sie das Risiko für Magenkrebs und Darmkrebs senken.

In diesem Zusammenhang spielt noch ein weiterer Stoff eine Rolle: Zwiebeln enthalten das Flavonoid Querzetin. Flavonoide verhindern als natürliche Antioxidantien die Entstehung freier Radikale, die Krebs auslösen können. Darüber hinaus stecken in der Zwiebel an wertvollen Stoffen vor allem Vitamin C und Mineralien.

Die Kalorien der Zwiebel

Ein weiterer Pluspunkt: Zwiebeln haben kaum Kalorien, da sie so gut wie kein Fett und nur wenig Kohlenhydrate enthalten. Sie gehören deshalb zu den Gemüsesorten mit der niedrigsten Kalorienzahl überhaupt – 100g rohe Zwiebel bringen es gerade mal auf ca. 27 kcal. Allium cepa bietet somit gesunden Genuss ohne Reue. Zumindest meistens: Manche Menschen reagieren empfindlich auf das scharfe Gewächs, beispielsweise mit Sodbrennen und Blähungen.

Zwiebelschneiden – ein Tipp gegen Tränen

Gegen die Tränen beim Schneiden gibt es ein gutes Rezept: Wasser. Das Schneidebrett, Messer und Hände anfeuchten, die Zwiebel unter fließendem Wasser schälen und teilen, mit der angeschnittenen Seite auf das Brettchen legen und mit dem nassen Messer schneiden. So sollte sich die Feuchtigkeit größtenteils auf das Küchengerät beschränken. Und bei Kindern kann die Zwiebel sogar Tränen vermeiden: Das Einreiben mit einer Zwiebel ist ein bewährtes Hausmittel gegen allerlei Insektenstiche.

Autor seit 2 Jahren
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