Per Schiff an den Strand von Dune Park

Ganz oben auf der Agenda stand die Erprobung des Butusov- Gleiters und sollte am neuen Standort Dune Park zuerst getestet werden. Dazu benötigte man reichlich Material, um die Startrampe bauen zu können. Ein Transport über die Straße war nicht machbar, da sonst jeder erfahren hätte, wann und wo die nächsten Versuche stattfinden sollten. Dann wäre das Geheimnis gelüftet gewesen.
Man entschloss sich den Transport des Materials und die Testgleiter mit dem Schiff vorzunehmen. Es machte mehr Sinn, da man so ungesehen die komplette Ausrüstung an den Strand von Dune Park bringen und in Ruhe aufbauen konnte.
Am Donnerstag, den 20. August wurden die Gleiter, das gesamte Material und die Campingausrüstung auf ein Schiff verladen. Am nächsten Tag um die Mittagszeit kam alles am neuen Standort Dune Park an.

Kaum hatten sie das ganze Gerät abgeladen zog ein schwerer Sturm auf und verstreute die ganze Ausrüstung des Lagers. Er blies das Zelt fort und der Flügel des neuen Herring-Chanute-Gleiters wurde beschädigt.
Ganze 37 Tage sollte die Gruppe bei teilweise schlechtem Wetter in Dune Park verbringen und wurde schließlich doch dort von den Reportern aufgespürt.

Es dauerte bis Sonntag (23. August) das Lager wieder in Ordnung zu bringen und das Zelt konnte bis zum Nachmittag wieder aufgebaut werden. Herring fuhr zurück nach Chicago, um Ersatzteile für den zerstörten Flügel zu holen und wurde erst am Mittwoch zurück erwartet.

 

Doppeldecker flog 78 Meter weit

Die erste Woche war von recht gutem Wetter gekennzeichnet. Die Errichtung der Startrampe für den "Albatross" ging gut voran und war am Samstag, den 29. August fertig. An diesem Samstag versuchte Herring den neuen Gleiter mit 3 Tragflächen zu fliegen. Es wurden aber nur unbefriedigende Ergebnisse erzielt. In der darauf folgenden Woche hatte das Team nur zwei Tage "Flugwetter". Am Montag führte der neue Doppeldecker den ersten Flug durch. Nach Avery's Vorschlag, wurden die unteren der drei Flügel vom Apparat entfernt und man erzielte damit weit bessere Flugeigenschaften als erwartet.
Avery konnte bis zu 30 Meter mit dem neuen Doppeldecker segeln. Nach drei stürmischen Tagen, konnten am Freitag weitere gute Erfolge mit dem neuen Gleiter erzielt werden. Erst eine Woche später, am Freitag, den 11. September, war das Wetter gut genug, um mit dem neuen Doppeldecker-Gleiter und mit dem umgebauten "Katydid" gute Ergebnisse zu erzielen.
An diesem Freitag flogen der "Katydid" 57 Meter und der neue Doppeldecker 78 Meter weit. Am Samstag äußerte Herring seine Überzeugung, dass der Albatross zum Scheitern verurteilt sei. Er weigerte sich mit diesem Apparat zu arbeiten.
Bei weiteren Versuchen mit dem Doppeldecker absolvierte man den erfolgreichsten Flug. Er führte den Piloten 109 Meter weit und dauerte 14 Sekunden. Butusov's "Albatross" wurde auf die Startbahn gesetzt und für Tests am Anfang der nächsten Woche vorbereitet. Trotz mehrerer Versuche konnte er nicht zum Fliegen gebracht werden. Eine volle Woche schlechtes Wetter folgte und verhinderte alle weiteren Versuche. Erst am Samstag, den 26. September, wurde ein weiterer Versuch, den "Albatross" zu starten, unternommen. Der Albatross flog auch an diesem Tag nicht.
Mit diesen Ergebnissen legte die Gruppe fest, die Versuche für dieses Jahr zu beenden und nach Chicago zurückzukehren.

Theoretiker und Praktiker - Kein gemeinsamer Weg

Beide, Octave Chanute und Augustus Herring, waren mit dem Erfolg des neuen Doppeldecker-Gleiters sehr zufrieden. Ihre Wege führten aber von da an in verschiedene Richtungen. Chanute kehrte an den Schreibtisch seiner Bibliothek in Chicago zurück, um seine eigentliche Arbeit fortsetzen, die er begonnen hatte. Er war begierig darauf, seine praktischen Erfahrungen mit der ganzen Welt zu teilen. Im folgenden Jahr darauf veröffentlichte er eine Beschreibung der Experimente in James Means' Aeronautical Annual unter dem Titel "Recent Experiments in Gliding Flight" .

Herring für seinen Teil, war überzeugt, dass der Doppeldecker die Basis für den Übergang zum Motorflug war und dass alles, was notwendig war, getan war um einen Motor mit einem Propeller auf dem Apparat zu installieren.

Chanute war in seinen Festlegungen sehr unsicher. Er glaubte zu wissen, dass zu viele Probleme übrig geblieben wären, wie zum Beispiel die Probleme der Balance und der zentralen Steuerkontrolle des Gleiters. Die Versuche im Jahr 1896 kosteten ihm eine Menge Geld. Er hatte auch keine Mittel mehr um weitere Experimente finanzieren zu können und war auch nicht mehr bereit weitere Experimente zu finanzieren.

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Herring führt eigenständige Tests durch

Augustus Herring war ebenfalls knapp bei Kasse, fand aber einen willigen Finanzier in Matthias Arnot, einem jungen New Yorker Banker. Arnot finanzierte den Bau eines weiteren Gleiters, sehr ähnlich dem, der bei Dune Park im September 1896 erprobt wurde.
Der Hauptunterschied war die Position des Piloten im Hängegestell. Der Pilot sollte damit eine leichtere Kontrolle über den Flugapparat erhalten. Die Anzahl der Rippen in den Flügeln wurden ebenfalls verändert. Die Arnot-Version besaß im Vergleich zum 1896er Gleiter 11 Tragflächenrippen, der Chanute-Doppeldecker besaß 12.
Der Gleiter wurde von William Avery in Chicago gebaut und von Herring Ende August 1897 übernommen.
Herring wohnte und arbeitete jetzt in St. Joseph, Michigan. Arnot schloß sich Anfang September Herring an und die Männer lagerten wieder in den Dünen des Michigan-Sees, am Dune Park, um den Gleiter zu testen. Eine vollständige Beschreibung dieser Flüge von Herring wurden noch im selben Jahr in der Zeitschrift der Western Society of Engineers unter dem Titel "Gliding Experiments" veröffentlicht. Aber dazu soll an anderer Stelle berichtet werdem.

Quellen

- Chanute, Octave, Progress in Flying Machines, New York, 1891 (Abschrift einer Serie von Artikeln aus dem Railroad and Engineering Journal, New York City, Ausgabe Oktober 1891)

- Vivian, E. Charles, A History of Aeronautics, Project Gutenberg (Abschrift) von Dianne Bean, July 26, 2008, Project Gutenberg

 http://www.flyingmachines.org/hrrg.html

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