Natürlich haben Airlines, Reiseveranstalter, Flugzeughersteller und entsprechende Berufsvereinigungen ein berechtigtes Interesse daran, keine Massenpanik aufkommen zu lassen. Immerhin hängt ihr wirtschaftliches Wohlergehen davon ab. Die Lobbyisten des Luftverkehrs sind mit dieser Strategie auch durchaus erfolgreich. Fluggesellschaften gehen in der Regel nicht allein daran zugrunde, dass eine ihrer Maschinen abstürzt. Es gibt vielleicht eine Delle bei den Börsenkursen und einen kurzzeitigen Rückgang der Passagierzahlen. Doch im Allgemeinen steigen die Reisenden auch weiterhin in Flugzeuge ein. Unsere globalisierte Gesellschaft lässt gar keine andere Möglichkeit zu. Selbst nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nutzten die Menschen schließlich völlig selbstverständlich den Luftverkehr weiter.

Warum Statistiken nicht relevant sind

Es gibt drei Arten der Lüge: Die normale Lüge, die Notlüge und die Statistik. So zumindest behaupten es die Spötter. Tatsächlich sind statistische Ergebnisse sehr weit auslegbar und lassen sich auch bereits durch die vorab gewählten Parameter im gewünschten Sinne beeinflussen. Nicht umsonst kursiert bis heute der Satz: "Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe." Als Urheber dieses Spruches gilt angeblich der deutsche Reichspropaganda-Minister Goebbels. Andere glauben, diese Aussage stamme vom britischen Premierminister Churchill.

 

 

 

Wie auch immer, eine Statistik ist keineswegs geeignet, irgendetwas zu beweisen. Sie stellt immer nur das Ergebnis einer Ansammlung verschiedener Daten dar. Sich bei einer so wichtigen Sache wie der Flugsicherheit auf Statistiken zu berufen, ist schon ziemlich dreist, zumindest aber blauäugig. Im Falle eines Flugzeugabsturzes hilft es schließlich niemandem, wenn er sich auf eine Statistik verlässt.

Logisch nachgedacht: Wie sicher ist das Fliegen wirklich?

Tatsächlich beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Flugzeugabsturzes nicht 1: 29 000 000, sondern immer 50%! In jedem Fall landet das Flugzeug entweder wieder sicher am Erdboden, oder es stürzt eben ab. Genau dieser Gedanke ist wahrscheinlich all jenen Passagieren vordergründig bewusst, die unter Flugangst leiden. Natürlich wäre es dennoch verkehrt, deswegen kein Flugzeug mehr zu besteigen. Die Zahl der Unglücke ist ja tatsächlich eher gering. Dennoch sollte man den Zahlenspielen der Fluglobbyisten einmal folgende Fakten entgegensetzen:

  • Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einen Autounfall zu überleben? Wie hoch sind dagegen die Überlebenschancen bei einem Flugunglück?
  • Die Zahl der Autos, Motorräder und Fahrräder ist wesentlich höher, als die der Flugzeuge. Auch die Menge der entsprechenden Einzelfahrten übertrifft die Anzahl der Flugreisen um ein Vielfaches. Aus diesem Grund kann man nicht einfach die Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr mit der im Luftverkehr vergleichen.
  • Sinngemäß gilt dies auch für die Zahl der Todesopfer. In der Regel dürfte ein einziger Flugzeugabsturz mehr Menschenleben fordern, als ein simpler Verkehrsunfall.
  • Auch das Risiko eines kritischen Zwischenfalls ist beim Flugzeug einfach höher. Tritt beispielsweise bei einem Auto ein Defekt auf, kann man meistens einfach anhalten, aussteigen und zur Not den ADAC rufen. Versuchen Sie das mal mit einem Flugzeug! Tritt dort ein Schaden auf, kann das sehr schnell zum Absturz führen, denn das Gerät bleibt nun mal nur aufgrund seiner technisch-physikalischen Funktionsfähigkeit in der Luft.

Fairerweise muss natürlich erwähnt werden, dass die meisten Flugzeuge wesentlich häufiger und intensiver gewartet werden, als ein durchschnittliches Auto. Übermäßige Flugangst ist daher ebenso fehl am Platze wie blindes Vertrauen in die Technik. Statistiken und künstliche Zahlenspiele helfen uns bei einer realistischen Einschätzung des Gefährdungsgrades nicht weiter. Den Verstand sollten wir also nicht ausschalten, denn ein Restrisiko wird immer bleiben. Damit müssen wir leben. Viele Leute (der Autor dieses Textes auch) tun das, ganz ohne Statistiker und Klugschwätzer...

Autor seit 5 Jahren
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